Im Fernsehen ging es vorgestern Abend in einer Reportage unter anderem um die Weihnachtsmärkte, die in manchen Regionen Deutschlands ja stattfinden durften. In einem Beitrag kamen die drei Betreibergenerationen einer Grillbude zu Wort. Die resolute Seniorchefin sagte beim Schinkenbratenschneiden etwas à la „Wir haben in der Vergangenheit schon einiges weggesteckt, aber Corona ist besonders hart. Irgendwie werden wir es schon schaffen“ dreht ihr Gesicht von der Kamera weg und lächelt einen Kunden an. Ihr Wunsch? „Dass die Ungeimpften ihre Meinung ändern, damit es bald besser werden kann.“ Ihr Sohn hat keinen Eindruck bei mir hinterlassen. Dann kommt der Junior-Chef beim Hähnchen braten: „Hoffentlich wird bald alles so wie früher. Arbeiten wie früher, ohne Maske, mal wieder mit der Freundin in den Urlaub fahren…“, lässt er den Satz auslaufen. Und fügt dann an: „Mein Wunsch ist, das alles wieder so wird wie früher“.

Es hat ein bisschen gedauert, bis mir klar war, was mich gestört hat. Aber genau, es war die Betonung des „so wie früher“. Geht es euch auch so? Möchtet ihr „früher“ zurück?
Ich nicht.

Ich verstehe, weiß und bestreite keineswegs, dass es für jeden, den Corona finanziell, existentiell, gesundheitlich oder psychisch gebeutelt hat (und noch tut), wahnsinnig schwer ist und ich  mal wieder gut reden haben. Das gilt genauso (oder noch mehr) für die Juli-Flutopfer. Vieles ist schlichtweg unfair.

Trotzdem –  oder gerade deswegen – bin ich bei der Oma. Ich freue mich auch darauf, dass wir hoffentlich irgendwann keine Maske mehr tragen müssen. Dass dieses permanent nagende schlechte Gewissen aufhört. Dass man wieder Events in zwei Monaten planen kann, ohne Corona-Mutationsquerschläger. Dass guten Gewissens Weihnachtsmärkte, Weinfeste, Abteilungsfeiern und so weiter stattfinden können.

Aber ich will nicht, dass es so wird wie früher.

Ich möchte, dass die Homeofficemöglichkeit bleibt.

Dass wir im Kopf flexibel bleiben und mehr nach Möglichkeiten als nach Hindernissen suchen.

Dass wir den persönlichen Kontakt zueinander zu schätzen wissen.

Dass ich meine Gruppeneventvorschläge posten kann – und sie direkt ausprobiert werden können.

Dass wir mehr aufeinander Acht geben und Rücksicht nehmen.

Dass wir vertrauensvoller miteinander umgehen.

Dass wir weiterhin bewusst(er) konsumieren und unsere ausgemisteten Kleiderschränke und Wohnungen nicht wieder zumüllen.

Dass wir uns an (technischen) Möglichkeiten freuen, die uns die Arbeit, das Leben und den Kontakt zu entfernt wohnenden lieben Menschen leichter machen.  

Dass wir die offenen Grenzen feiern.

Dass wir Herzensprojekte nicht auf „irgendwann“ verschieben, sondern sie sofort angehen.

Dass wir mehr im Hier & Jetzt leben und weniger in der Vergangenheit oder in der Zukunft.

Dass wir gelernt haben, verantwortungsvoll on-, aber auch bewusst offline zu sein.

Dass wir auch weiterhin Abstand in Warteschlangen und an der Supermarktkasse halten.

Ich möchte, hoffe und wünsche mir, dass wir etwas aus den Corona-Jahren gelernt haben und weiter lernen.

Und ich wünsche mir, dass du deine Möglichkeiten siehst und unbeschwert Weihnachten feiern kannst.🎄

Frohe Weihnachten!


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