[Gastbeitrag] Ich bin Conny, 47 Jahre alt, Hebamme, Mama von 2 erwachsenen Kindern, operiert im Oktober 2025.
Die Entscheidung zur Hysterektomie war ein langer Weg. Nach den Geburten meiner Kinder (2005 & 2007) hat sich meine Blutung schrittweise verstärkt. Es wurden 2 kleine Myome und eine dicke Endometrium-Schicht festgestellt. Mit meiner Gynäkologin habe ich die Optionen besprochen und mich dann 2021 für eine Endometriumablation entschieden. Diese verlief komplikationslos als ambulanter Eingriff. Es wurde eine vergrößerte Gebärmutter festgestellt.
Danach hatte ich ca 1,5 Jahre eine normale Blutung. Sie verstärkte sich dann aber wieder deutlich und die Belastung wurde für mich wieder sehr stark, wegen des Eisenmangels und der Unkalkulierbarkeit der ersten 2 Menstruationstage. Ich hatte oft schiere Blutstürze, bei denen weder Binden, noch Menstruationstassen oder Periodenunterwäsche reichten. Das hat mich im Alltag oft sehr gestresst.
Im März 2025 war ich erneut in der Klinik, um mich beraten zu lassen. Der Arzt empfahl direkt die Hysterektomie, da er im Ultraschall 2 Myome mit je 6 cm Durchmesser und mehrere kleine Myome sehen konnte. Ich war erstmal ziemlich geplättet. Ich bin Hebamme und habe von Berufs wegen eine besondere Beziehung zum Uterus. Außerdem scheute ich mich vor einer Bauch-OP. Der Arzt bezeichnete meine Gebärmutter als “Klotz im Unterbauch”, das fand ich etwas despektierlich.
Wenig später wusste ich dann aber, was er meinte: morgens im Bett legte ich die Hand auf den Bauch und ertaste plötzlich etwas knubbeliges, festes. Ich war ziemlich erschrocken. Nachdem ich auf der Toilette war, konnte ich nichts mehr tasten und war mir damit sehr sicher, dass es eins der Myome sein musste, was ja auf der Gebärmutter saß und deswegen durch die volle Blase nach oben und vorn gedrückt wurde.
Dieses Erlebnis hat mein Körpergefühl stark verändert, weil es spürbar wurde, dass das Organ nicht mehr gesund ist. Meine Beschwerden mit der Blase und der häufige, diffuse Druck im Unterbauch wurden dadurch auch erklärbar für mich.
Der Weg zum „ja“
Ich habe mich dann noch mit einer sehr kompetenten und netten Oberärztin aus der Klinik beraten, in der ich als Hebamme arbeite. Sie bestätigte die Diagnose und befürwortete auch eine OP, weil ich ungern Hormone nehmen wollte und sie auch deutlich sagte, dass das nur eine Zwischenlösung sein könnte.
Meinen Hormonstatus hatte ich vor ca. 3 Jahren bestimmen lassen und dann noch einmal im Frühjahr 2025. Es gab da wenig Veränderungen, mein Zyklus war noch regelmäßig, ich hatte nicht das Gefühl, kurz vor der Menopause zu stehen, die ja vielleicht dazu hätte führen können, dass die Myome schrumpfen.
Ich brauchte aber noch eine dritte Meinung und ging zu einer Sprechstunde, die das Sonata-Verfahren einsetzt, eine Ultraschallbehandlung, die Myome veröden soll. Die Ärztin war sehr nett, sagte aber eindeutig, dass diese Methode aufgrund der Lokalisation meiner Myome für mich nicht in Frage kam.
Mit diesem Wissen konnte ich dann weiter Richtung OP gehen und meinen Frieden mit diesem Schritt machen. Ich meldete mich an und wünschte mir einen sehr erfahrenen Operateur, der mir empfohlen worden war. Einige Wochen vor der OP hatte ich dann das Bedürfnis, nochmal ordentlich Wissen anzusammeln und habe den Blog von Elli entdeckt und mit viel Gewinn gelesen. Auch ein Buch (Erfahrungsbericht) zur Hysterektomie war sehr hilfreich für mich.
Ich habe dann am Vortag meine Kliniktasche gepackt und zuhause schon mal alles vorbereitet, Tee, Lactulose, Schmerzmittel, Narbencreme bereitgestellt, mir Zeitschriften ans Bett gelegt, überlegt, was ich anziehe, usw. und mich so schrittweise auf die OP eingestellt.
Auch das Bewusstmachen der letzten Male tat mir gut: letztes Mal Krafttraining vor der OP, letztes Mal Fahrradfahren, … Irgendwie fühlte sich diese Bewusstheit gut und nach Kontrolle an.
OP-Tag
7 Uhr in der Klinik, ca 10:15 im OP. Ich war die 2. auf dem Plan, das Warten hat mir aber nichts ausgemacht, ich konnte sogar noch etwas dösen und fühlte mich gut aufgehoben. Die sehr nette Anästhesie-Ärztin und -Pflegekraft machten das Einschlafen angenehm. Gegen 13:15 war ich wieder wach und befand mich im Aufwachzimmer. Ich hatte recht starke Schmerzen und bekam Piritramid (ein Opioid) über die Vene, das half recht gut.
Etwa anderthalb Stunden später bin ich zum ersten Mal aufgestanden und konnte ohne Probleme Wasserlassen. Beim Aufstehen schmerzten vor allem die Laparoskopie-Einstichstellen, im Liegen eher der Unterbauch innerlich. Ich bekam ein Diclofenac-Zäpfchen, unangenehm beim Einführen, aber die Wirkung war super! Der innerliche Schmerz war damit viel besser.
Der Gynäkologe kam kurz zur Nachbesprechung: unkomplizierte OP, Entfernung der Gebärmutter über die Endoskopie, wie geplant (also keine vaginale Entfernung nötig), Gebärmutterhals und Eierstöcke blieben erhalten (LASH-OP). Außerdem wurden noch 2 Endometrioseherde beseitigt, von denen ich gar nichts wusste. Nach einer kleinen Stärkung wurde ich 16:15 von meinem Mann abgeholt.
In dem Moment habe ich mich schon kurz gefragt, ob das eine gute Idee war mit der ambulanten OP. Der Weg zum Auto und insbesondere die dreißigminütige Autofahrt waren sehr anstrengend und ziemlich schmerzhaft. Zum Glück hatte ich den Tipp mit dem Kissen zwischen Bauch und Gurt gelesen, damit konnte ich das Ruckeln und den Druck etwas abmildern.
Zuhause dann noch in den 2. Stock und dann ging wirklich nix mehr. Ich habe dann noch etwas gegessen und ansonsten gedöst, ein paar Nachrichten geschrieben und früh geschlafen. Die Nacht war mäßig, ich war bei jedem Drehen wach wegen der Schmerzen. In Ruhe war es ok, aber Bewegung war schwierig. Ich habe Novamin und Ibu 600 im Wechsel genommen.
1. Tag Post-OP
Morgens hatte ich so mittelmäßig Appetit. Zuhause sein, im eigenen Bett, mit eigenem Bad und meinem Mann, der sich so lieb kümmerte, war schön. Ich fühlte mich etwas klarer im Kopf, Schmerz in Ruhe war minimal, beim Drehen, Aufstehen usw. aber weiterhin deutlich. Mit 600 mg Ibuprofen alle 6 h bin ich ganz gut durch den Tag gekommen. Abends hatte ich sogar schon Lust und Kraft, eine Serie zu gucken. Ansonsten Bettruhe mit Lesen, Podcast, Telefonieren.
Meine Verdauung kam von selbst wieder in Schwung, fühlte sich etwas seltsam an, aber nicht direkt schmerzhaft. Meine Blase funktionierte direkt gut und fühlte sich schon am ersten Tag nach der OP entlastet an, weniger unter Druck. Mein Bauch war aufgeblähter als am OP-Tag (siehe Titelfoto). Ich habe Fenchel-Kümmel-Tee getrunken und Kaugummi gekaut, aber nicht so viel Veränderung dadurch gespürt.
2. Tag Post-OP
Die Nacht war viel besser. Morgens konnte ich duschen und Haare waschen, herrlich, aber auch ganz schön anstrengend. Nach dem Duschen habe ich die Pflaster gewechselt, die Narben waren reizlos und unauffällig. Ich verbrachte den Tag noch im Bett. Die Schmerzen beim Aufstehen wurden spürbar weniger, unter weiterhin 4 x 600 mg Ibuprofen. Blase und Darm funktionierten ohne Probleme. Mittags und gegen Abend bin ich ein bisschen im Haus herumgelaufen, das ging gut.
Außerdem habe ich mit dem Video von Stabile Mitte die erste kleine Beckenbodenaktivierung gemacht, das tat total gut. Der Bauch war weiterhin aufgebläht und ich habe immer mal wieder dieses “Kohlendioxidknistern” innerlich gehört, spooky. Freundin-Besuch war schön, aber nach anderthalb Stunden reichte es, da waren meine Kräfte dann am Ende.
Tag 3
Der aufgeblähte Bauch wurde langsam besser, jippieh. Die Nacht war ok, ich musste mehrfach husten, was echt weh tat. Morgens geduscht, angezogen, am Tisch gefrühstückt und dann sogar noch den ersten kleinen Spaziergang gemacht. Das war alles machbar und das Draußen-Sein tat total gut, aber danach war definitiv wieder Bett angesagt. Auf dem Sofa fand ich es noch nicht gemütlich. Ich habe 1,5 h Mittagsschlaf gemacht, der Körper brauchte also offensichtlich noch richtig viel Ruhe. Die Schmerzen waren mit weiterhin 4x 600 mg Ibu total ok. Blutung war fast weg.
Weitere Tage Woche 1
Ich habe die Ibu auf 4×400 reduziert, am Folgetag auf 3×400. Ich war etwas länger auf, aber immer noch größtenteils im Bett. Tägliche Spaziergänge und leichte Beckenbodenübungen waren machbar. Ab Tag 5 habe ich täglich 10 Minuten Wirbelsäulen-Mobilisation gemacht, das ging gut.
Am 5. Tag saß ich danach anderthalb Stunden am PC für die Buchhaltung und dann war ich noch 15 Minuten spazieren. Das als Gesamtpaket war dann sehr erschöpfend und ich musste zügig wieder ins Bett. Für mich war das eine neue – und beeindruckende- Erfahrung, wie deutlich der Körper sagt “reicht jetzt”. Da gab es auf jeden Fall etwas zu lernen für mich.
Ohne Schmerzmittel kam ich ab Tag 7 aus. Ab Tag 6 habe ich an einem online-Beckenbodenkurs teilgenommen.
Woche 2
Das erste Mal Autofahren für einen kleinen Einkauf war ganz schön ungemütlich, die Erschütterungen und das Kuppeln fühlte ich deutlich und unangenehm im Unterbauch. Deshalb immer: Aktivität und Ruhe im Wechsel.
Die Befunde aus der Klinik kamen: alles ok. Fädenziehen bei der Ärztin, unkompliziert. Alltagsaktivitäten wurden immer unanstrengender, Autofahren, Wäsche aufhängen, Kochen ging alles wieder gut, aber ich musste auf die Gesamtbilanz achten: die Kraftreserven waren schnell leer, lange Mittagsruhe und auch zwischendurch aufs Sofa musste sein.
An Tag 9 sind wir 3 Stunden Auto gefahren in eine Ferienwohnung an der Ostsee. Die Fahrt – immer noch mit Kissen zwischen Bauch und Gurt – verlief ohne Schmerzen. Danach war ich sehr müde und lag um 20 Uhr im Bett (und habe dann herrlich 10 ½ Stunden geschlafen).
Ausserdem musste ich in Woche 2 dann aus privaten Gründen noch einmal 5 Stunden Autofahren plus 1,5 Stunden Sitzen. Das war nicht so toll. Zwar keine Schmerzen, aber sehr erschöpft. Aber manche Dinge müssen halt trotzdem sein. Zum Glück konnte ich dann die Tage danach noch mal sehr in meinem Tempo machen.
Am Ende von Woche 2 bin ich ohne Probleme 6,5 Kilometer spazieren gegangen und konnte meine normalen Alltagsbewegungen (insbesondere aus dem Bett aufstehen) wieder ohne Schmerzen ausführen.
Woche 3
Gar nicht mal so ohne Sorgen: wie wird der 1. Orgasmus ohne Gebärmutter? Bei mir: gut. Bisschen verändertes Gefühl, aber vielleicht auch, weil ich es erwartet hatte. “Richtigen” Sex konnte ich mir noch nicht vorstellen, aber mal ausprobieren, wie sich alles anfühlt, wollte ich gern. Auch aus dem Gefühl, dass langes Aufschieben die Dinge komplizierter und angsbesetzter macht. So war es genau richtig für mich.
In Woche 3 habe ich wieder angefangen zu arbeiten. Ich bin selbstständig und hatte nicht länger eine Vertretung. Der erste Arbeitstag war heftig, 8 Stunden unterwegs, viele Treppen, am Spätnachmittag tat mir der untere Rücken ganz schön weh und ich musste nochmal wieder eine Weile im Bett liegen. Tag 2 ging zum Glück schon deutlich besser. Die weiteren Arbeitstage waren alle lang und anstrengend und ich bin leider immer wieder etwas über meine Grenzen gegangen. Das habe ich an Erschöpfung abends, Ziehen im unteren Rücken (habe ich sonst nie) und schlechterem Schlaf deutlich gespürt.
Ansonsten interessant: PMS ohne M. Ich hatte die typischen PMS-Stimmungsschwankungen und -Kopfschmerzen und fragte mich, ob es diese “Erlösung” auch ohne Menstruation gibt. Und ja: ich musste genauer hinspüren, konnte die Veränderung in der Hormonlage dann aber deutlich wahrnehmen.
Immerhin konnte ich jeden Tag mein Beckenbodentraining machen, das tat immer total gut. “Richtigen” Sport vermisste ich zunehmend.
Woche 4
Kleiner Plottwist in Woche 4 – Arbeit war immer noch recht anstrengend. Dann kam allerdings noch ein Magen-Darm-Virus dazu, das war wirklich schauderhaft. Ich war 3 Tage total ausgeknockt und habe nochmal nur gelegen. Danach ging es dann aber deutlich besser weiter, meine Arbeit konnte ich gut schaffen und war nicht mehr so erschöpft. Ende Woche 4 bin ich das erste Mal wieder Fahrrad gefahren, das ging gut und es fühlte sich mega an, endlich wieder etwas aktiver zu werden.
Woche 5
Back to normale Hosen, auch ein wichtiger Meilenstein. Zuvor war mir Stoff (v.a. Jeans) auf den Narben einfach die ganze Zeit unangenehm gewesen, jetzt ging das aber wieder ohne Probleme. Weitere wichtige Erkenntnis der Woche: so kann sich Sex anfühlen, wenn nicht immer die Gebärmutter dabei gegen anderes Gewebe drückt – ziemlich befreiend!
Monat 2
Im weiteren Verlauf hatte ich Physiotherapie und war erstaunt, wie sanft die Therapeutin vorging. Das hat mir nochmal zu denken gegeben und ich habe mich bemüht, auch immer wieder in meinen Körper hineinzuspüren und mich nicht zu überlasten.
Ende November habe ich dann wieder mit Krafttraining im Fitnessstudio gestartet. Ich habe langsam angefangen, konnte die Gewichte dann aber zügig wieder steigern. Ende Dezember war ich in etwa wieder auf dem Niveau von vor der OP.
Fazit
Bei mir sind OP und Heilung sehr gut und unkompliziert verlaufen. Ich bin froh, den Schritt gegangen zu sein. Die Erleichterung, nicht mehr zu bluten, ist wie erwartet groß. Aber wie belastend der große Uterus im Alltag war und wie stark er auf die Organe gedrückt hat, wurde mir erst nach der OP deutlich. Ich fühle mich wortwörtlich befreit. Psychisch habe ich den Eingriff ebenfalls gut verarbeitet, ich denke, wichtige Aspekte waren die Vorbereitungszeit und die intensive Auseinandersetzung mit dem, was kommt.
Tipps
- Das Buch “Meine Ex-Gebärmutter“ von Isabel Reusser
- Narbengel von Bepanthen zur Pflege, wenn die Narbe von außen komplett verheilt ist
- Frühzeitig Beckenbodenaktivierung starten (z.B. mit dem Video von Stabile Mitte) und sich eine Physiotherapeutin suchen
Du hast auch Myome? Da bist du nicht die Einzige! Hier gehts zur Myom-Gang.
Wenn du Fragen an Conny hast melde dich gern über Eli.
