Gar nicht so einfach, oder? Weder privat, noch beruflich. Dass es „mehr Gehalt“ nicht ist, ja – wissen wir. Anerkennung – schon eher. Sinn – definitiv. Aber, warum? Und wie?

Dazu gibt es ein hervorragendes Buch, nämlich: Drive. The suprising truth about what motivates us. Zugegebenermaßen ist es auch deswegen hoch auf meiner Leseliste eingestiegen, weil der Autor Pink heißt… Auf Deutsch heißt es Drive. Was Sie wirklich motiviert, also weniger amerikanisch reißerisch. Dabei hat das überraschend durchaus Berechtigung, da waren einige (für mich) neue Erkenntnisse dabei.

Pink schreibt viel darüber, wie Motivation im Job für den Einzelnen, Teams und die gesamte Organisation funktioniert. Er geht aber genauso auf die Selbst-Motivation ein und, liebe Eltern, er erklärt sehr genau, warum es eine schlechte Idee ist, Kinder mit Eis zu bestechen oder den Mülldienst ans Taschengeld zu knüpfen. Und alles in einem durchaus unterhaltsamen Ton mit vielen Beispielen aus Studien, gerne auch mit Anwendungsbeispielen aus der Literatur.

Tom Saywer zum Beispiel, der baden gehen möchte, aber dazu verdonnert wird, den Gartenzaun zu streichen. Dem ersten vorbei kommenden Freund macht er erfolgreich weis, dass Zaunstreichen das tollste – und exklusivste! – ist, was man tun DARF. Der Freund überredet (!) Tom ein paar Latten streichen zu dürfen. Und dann kommt der nächste Kumpel vorbei… Klar: bald ist der Zaun gestrichen, Toms Finger sind noch sauber und es ist noch Zeit zum Baden gehen. Aus Arbeit Spiel zu machen ist eine der gut übertragbaren Strategien, die auch weniger manipulativ angewendet werden kann…

Grundsätzlich gibt es laut Pink drei Zutaten, aus denen echte Motivation entsteht: Selbstbestimmung, Perfektionierung und Sinnerfüllung. Je mehr sie eingeschränkt werden, desto weniger werden wir erreichen. Es geht also darum, für uns den richtigen Rahmen zu finden. Und, egal ob Arbeit oder Privatleben, am besten funktionieren wir, wenn uns etwas fordert, aber nicht überfordert, denn aus dieser Kombination entsteht Flow. Der fühlt sich gut an, schafft Ergebnisse und macht glücklich. (Gut, dass ich hier nicht wissenschaftlich schreiben muss und Dinge versimplifizieren darf :).)

Er betrachtet auch einige der wirklich (also dauerhaft) erfolgreichen Menschen. Und konkludiert, dass sie alle – oft auch unbewusst – auf Mastery, also die Perfektionierung setzen. Darunter versteht er, dass man in dem was man tut FÜR SICH SELBER besser werden möchte und nicht hauptsächlich die Anerkennung von außen sucht. Bei seinen Beschreibungen musste ich immer wieder an das sehr, sehr, sehr zähe Querflöte üben als Kind denken. Das war kein Flow. Selbststimmung – joah. Und Perfektionierung war auch nicht mein Ziel, denn eigentlich wollte ich ja nur ins Orchester, weil das, dachte ich damals, the place to be war (= äußerer Erfolg). Und Sinn? Naja…

Unter Sinnerfüllung versteht Pink übrigens alles, was zum „Großen Ganzen“ beiträgt – das ist natürlich für jeden von uns etwas anderes. Eines seiner Beispiele ist Wikipedia. Hätte im vergangenen Jahrhundert jemand gesagt, dass Tausende Menschen unzählige Stunden damit verbringen, freiwillig und ohne Lohn das Menschheitswissen in einem Online-Lexikon zusammenfassen, es hätte keiner geglaubt. Aber viele Menschen erkennen darin einen/ihren Sinn und so entstand eine ganze Community…

Drive ist 2010 erschienen und man kann schon eine gewisse Fassungslosigkeit seitens des Autors herauslesen, dass die Wissenschaft die drei Motivationsfaktoren längst kennt, die Wirtschaft (und auch die Gesellschaft) sie aber nach wie vor ignoriert und immer noch nach dem Prinzip „Zuckerbrot & Peitsche“ agiert. Zeit, das Schritt für Schritt zu ändern.

Ein guter Start: Das Buch lesen, weil da noch mehr tolle Beispiele und Ahas zu finden sind. Oder Dan Pinks TED-Talk (18 min) zum Thema schauen. Der ist auch gut, logischwereise aber nicht so umfassend.

„Fun“ Fact: Um noch mal auf das Geld zurück zu kommen. Pink schreibt, dass Wissenschaftler die Hirnströme verschiedener Aktivitäten verglichen haben. Und es gibt keinen Unterschied (bei den Hirnströmen), ob man uns monetäre Belohnung verspricht oder Kokain, Nikotin oder Amphetamine verabreicht.

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“The desire to do something because you find it deeply satisfying and personally challenging inspires the highest levels of creativity, whether it’s in the arts, sciences, or business.”  

TERESA AMABILE Professor, Harvard University, in Drive

Das Buch gibt es z.B. bei Buecher.de

Wer sich vor allem im Kontext von New Work für das Thema Motivation interessiert, dem möchte ich auch Reinventing Organizations von Frédéric Laloux ans Herz legen.

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