[Gastbeitrag] Ich bin Micha, 45 Jahre alt, alleinerziehende Mama von zwei Teenies, gehe leidenschaftlich gerne in die Berge, fahre Ski und Rennrad.
Vor ca einem Jahr fing es an, dass ich meine Periode sehr, sehr stark hatte. Zwar immer noch absolut regelmäßig, aber es war keine Monatshygiene mehr, sondern eher eine Wundversorgung. Ich wusste bis dahin gar nicht, dass es so große Tampons gab.
Meine Gynäkologin empfahl mir erst einmal Mönchspfeffer und ein Progesteron für abends, da auch mein Schlaf schon lange eine schwierige Angelegenheit war. Für das Alter alles nicht ungewöhnlich, auch die starken Blutungen können rund um die Menopause normal sein. Leider wurde es nicht besser und ich konnte quasi 2 Tage im Monat das Haus nicht verlassen. Als Outdoorliebhaberin ein No-Go.
Also entschied ich mich zu einer Gebärmutterschleimhautverödung. Das wird ambulant gemacht, kurze Vollnarkose, eine Woche schonen und dann hätte es erledigt sein sollen. Ich hatte den Termin am 1. April.
Diagnose: Krebs
2 Tage später kam der Anruf, den man einfach nie in seinem Leben haben möchte: „Bitte kommen Sie abends in die Praxis, wir haben einen schlechten Befund.“ Von dem Tag weiß ich fast gar nichts mehr, alle Abläufe daheim liefen automatisiert ab, mein erster Gedanke war, meine Tochter wird im Sommer doch 18…
Befund war eindeutig, Krebszellen in der Gebärmutterschleimhaut. Mehr konnte man mir noch nicht sagen.
Mein Partner ist Arzt, meine Gynäkologin eine Studienfreundin von ihm. Die Situation war für uns alle drei ziemlich unbegreiflich. Ich habe nie etwas, keine Grippe, keinen Schnupfen, treibe viel Sport, ernähre mich gesund. Und nun sitze ich da und bin auf einmal eine Krebspatientin.
Die Tage vergingen für mich wie in Trance, aber im Hintergrund passierte ganz viel. Donnerstags hatten wir die Diagnose, Dienstag MRT und Donnerstag Vorgespräch im Krankenhaus.
Sobald ich einen Plan habe, schalte ich um und arbeite einfach ab. Das war für mich in der Situation super wichtig. Schwierig war es dagegen, die Kontrolle abzugeben, mich auf andere zu verlassen und selbst nichts machen zu können. Das ist überhaupt nicht mein Ding.
Vorgespräch im Krankenhaus: Vom Gebärmuttermund an weg bis zu den Eierstöcken soll alles laparoskopisch entfernt werden. Wenn es Wächterlymphknoten gibt, würden diese auch rauskommen. Meine große Sorge – Hilfe, von jetzt auf gleich in die Wechseljahre, lange keinen Sport machen – meine arme Familie!
Tag der OP (22.04.2025)
Ich war um 6 Uhr in der Klinik und um 13 Uhr wurde ich operiert. Dann ab auf ein Dreibettzimmer, in dem bis zu diesem Zeitpunkt nur eine ältere Dame lag, die die ganze Nacht gestöhnt hat. Ich war bedient…
Der 1. Tag nach der OP
Schmerztropf und Blasenkatheter wurden gezogen, ich konnte aufstehen. Die Rippen schmerzten und ich hatte einen starken Druck in der rechten Schulter. Alles OP bedingt.
Aber, wir waren draußen in der Sonne!! Das tat so gut.
2. Tag nach der OP
Liegen ging gar nicht mehr, hatte einfach Hummeln im Hintern. Ich bin die ganze Zeit auf dem Gang rummarschiert. Das Personal sagte schon zu mir „da will wohl jemand nach Hause.“ Leider hatte ich immer noch die Drainage im Bauch für die Wundflüssigkeit. Die tägliche Frage: „Hatten Sie Stuhlgang?“ musste ich leider auch mit „NEIN“ beantworten. Daher durfte ich also noch nicht heim. Schmerzen waren ok.
3. Tag nach OP
Schlauch wurde gezogen, was wirklich nicht schlimm war und ich durfte nach Hause. Eigentlich ist die Verweildauer wohl länger, da ich zu Hause in guten Händen bin, war es ok.
5. Tag nach OP
Erster größerer Spaziergang, war aber keine gute Idee… Schmerzen wurden wieder mehr.
Nachbesprechung im Krankenhaus
Die war am 07. Mai. Da wurde ich einmal gynäkologisch untersucht. Meine Frage, was man denn da beim Ultraschall noch sieht, wurde mit: „na, eine Blase haben Sie ja noch“, schmunzelnd beantwortet.
Das Wichtigere war der Befund aus der Pathologie: alles entfernt, keine weiteren Behandlungen nötig.
Jetzt ist die Operation 6 Wochen her
Normale Hosen tragen geht langsam wieder, wenn auch nicht allzu lange.
Der Darm hat sich nach den ersten 2 Wochen nach der OP auch wieder beruhigt, das war am Anfang schon sehr unangenehm. Gefühlt hat sich alles durchgequetscht und ist innen an irgendwelche Wundflächen gestoßen.
Spazierengehen war sofort möglich, auch wenn mich danach erst einmal hinlegen musste.
Den Haushalt habe ich die ganze Zeit selbst erledigt, außer einkaufen und den Staubsauger und schwere Wäschekörbe tragen.
Seit Woche 5 habe ich das Gefühl, dass es endlich aufwärts geht. Bis jetzt hatte ich immer noch leichte Blutungen und Ziehen im Bauch. Sitzen war nicht lange möglich, gehen ist ok. Letztendlich habe ich sehr, sehr viel gelegen.
Durch die Entfernung der Lymphknoten brauche ich 6 Wochen Thrombosespritzen, so sieht mein Bauch auch mittlerweile aus. Endlich geschafft.
Bin am Freitag zu meiner Lieblingshütte geschlichen und Samstag tatsächlich 50 km – gemäßigt und ohne Höhenmeter – auf dem Rad getreten. Für mich war die 6. Woche der Heilungsturbo.
Heute ist mein erster Arbeitstag, der PC fährt grade hoch.
Rückblick
Hart für mich war der Tag der Entlassung, denn da stand auf dem Entlassungsbrief mein Name über dem Befund, was mir nochmal die Wirklichkeit vor Augen hielt.
Die Schwester hat mir die Thrombosestrümpfe ausgezogen und dabei rutschte meine Hose hoch. Mein Blick fiel auf meine Tanlines vom Rennrad fahren. Meine Gedanken waren in dem Moment nur: Du bist doch eigentlich gesund, diese Strümpfe und diese ganze Situation können doch gar nicht stimmen.
Meine liebe Nachbarin sagte mir, als wir noch nicht den Befund aus der Pathologie hatten: „Micha, kein Film geht so, dass man so ein wahnsinniges Glück durch einen Zufallsbefund hat und dann am Ende alles schlecht wird.“ In diesem Fall hatte sie recht, es wird wieder alles gut werden, auch wenn mir die Zeit ohne Sport langsam lang wird und ich die Berge vermisse. Aber immerhin KANN ich bald alles wieder machen. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar!
Direkter Wurf in die Wechseljahre?!
Zum Thema Eierstockentfernung: ich merke absolut gar nichts von den Wechseljahren. Und das hätte ich scheinbar direkt noch im Krankenhaus merken müssen. Heiß war mir vorher nachts zwischendurch auch schon.
Manche Sorgen sollte man sich erst machen, wenn es soweit ist.
Mein großer Appell nach dieser Geschichte in meinem Freundeskreis ist auf jeden Fall: Schaut genau hin, wenn Euch was komisch vorkommt. Wir Frauen neigen oft dazu, uns selbst hintenanzustellen. Krebs kann jede*n erwischen, egal, wie jung, fit und gesund man ist.
Hätte ich noch länger gewartet, ich möchte es gar nicht wissen. Der Prof im KH meinte nur: „das wäre lange nicht aufgefallen, da Sie ja noch einen normalen Zyklus hatten.“ Man darf auch mal Glück haben!
Zu meinem Bauchfoto: Die unschöne Narbe ist von einer Bandscheiben OP, aber sie wurde jetzt zum Teil auch wieder geöffnet. Die anderen Schnitte sind die zwei unten und einmal im Bauchnabel. Die ganzen Flecken sind von den Thrombosespritzen. Ach ja, ein Piercing hatte ich auch mal 😉
Fragen an Micha? Eli leitet deine Mail an sie weiter.
Eli hat in Gebärmutterentfernung: Vorbereitung und Tipps für deine OP ein paar Punkte zum Thema (Gebärmutterhals-)Krebs aufgelistet. Vielleicht auch interessant für dich?
Nicht nur für Gebärmutterhals-, auch für Gebärmutterkörperkrebs gibt es eine Patientinnenleitlinie zum Download.
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