[Gastbeitrag] Hallo, ich bin Doris und ich lebe in Österreich. Bei meiner Gebärmutter OP am 24.01.2025 war ich 42 Jahre alt und es wurden mir die Gebärmutter (ohne Gebärmutterhals) und die beiden Eileiter laparoskopisch entfernt. Ich habe eine Hysterektomie durchführen lassen, da meine Gebärmutter voller Myome war und der Platz im Bauch wirklich eng wurde.

Ich habe sehr lange gebraucht, um mich dafür entscheiden zu können, da meine Mutter von ihrer Hysterektomie (vor rund 40 Jahren) nur Schauergeschichten zu erzählen hatte.

Die Voruntersuchung im Krankenhaus war sehr hilfreich, ich bin zu einer empathischen Ärztin gekommen, die meinen Wunsch – mir den Gebärmutterhals behalten zu wollen – von Anfang an respektiert hat und mir damit viel Sicherheit gegeben hat.

Ich habe keine Kinder und hatte auch nie einen Kinderwunsch. Und trotzdem habe ich mir im Vorfeld intensiv dafür Zeit genommen mich von der Gebärmutter zu verabschieden. Ich habe keine Trauerphase danach durchlebt. Ich habe oft davon gehört und gelesen, dass Frauen nach der OP den Verlust des Organs stark emotional erleben. Ich habe in Gedanken oft mit meiner Gebärmutter Kontakt aufgenommen und ihr für ihre Mühen gedankt (sie musste sich mit den vielen und zum Teil auch großen Myomen wirklich plagen). Ich habe ihr versprochen, dass sie bald von dieser Last befreit wird.

Der OP-Tag

Am Tag vor der OP war ich sehr nervös. Zum Glück hatte ich eine nette Zimmerkollegin, die mir von ihrer Krebsgeschichte erzählt hat. Das hat mich demütig werden lassen mit meiner „Routine-OP“.

An die ersten Minuten im OP kann ich mich noch erinnern, die Beruhigungstablette hat ihren Dienst getan.

Danach im Aufwachraum ging es mir fürs erste sehr gut, sodass ich recht früh schon aufs Zimmer retour kommen sollte. Das Betten-Taxi ließ allerdings etwas auf sich warten und in der Zwischenzeit kamen dann doch die Schmerzen. Mein Anästhesist meinte, dass ihn das auch gewundert hätte, wenn das so einfach gegangen wäre. Ich bekam deshalb ein Opiat verabreicht, was scheinbar bei OPs im Beckenbereich normal ist als unmittelbare Schmerzversorgung.

Die Schmerzen waren sofort weg und es breitete sich ein unglaublich wohliges Gefühl im ganzen Körper aus. Ich kann nun gut nachvollziehen, warum man davon abhängig werden kann.

Allerdings war der Nachteil, dass mir unheimlich schwindlig wurde davon. Bis ich wieder transportfähig war vergingen einige Stunden und der Schwindel sollte erst am nächsten Tag zu Mittag wirklich weg sein. Es war also an ein Aufstehen nicht zu denken, was aber gut gewesen wäre, um die OP-Gase loszuwerden. Die haben mich ziemlich geplagt, vor allem in der ersten Nacht.

Tag 2

Am zweiten Tag konnte ich dann mit meinem Mann am Gang auf und ab gehen und auch endlich was „Normales“ anziehen. Ich hatte mir gemütliche Hosen eingepackt, habe dann aber festgestellt, dass die beim Bund alle doch zu eng waren. Da hätte ich mich besser vorbereiten können!

Aufstehen und Hinlegen musste geübt werden, denn die Bauchmuskeln sollten möglichst nicht beansprucht werden. In den nächsten Wochen werde ich bei allen möglichen unscheinbaren Bewegungen und Tätigkeiten feststellen, dass man dafür auch die Bauchmuskeln braucht!

Zu Hause

Am dritten Tag wurde ich bereits entlassen, da es keine Probleme gab. Schmerzen hatte ich keine, da ich kontinuierlich mit Schmerzmitteln versorgt wurde. Die Ärzte meinten, dass es keinen Sinn macht da zu sparen, da die Genesung dadurch eigentlich eingeschränkt wird, denn mobilisieren ist ganz wichtig, um die Heilung zu unterstützen.

Zu Hause war es richtig gut, auch wenn ich mir alles ein wenig behindertengerecht einrichten musste.

Die ersten Nächte habe ich auf der Couch geschlafen, da mein Bett etwas höher ist und ich mich nicht hinaufhieven konnte. Dinge vom Boden aufheben ging anfangs gar nicht. Wenn mir in den ersten Tagen etwas hinunterfiel, musste ich warten, bis mein Mann von der Arbeit heimgekommen ist.

Die erste Woche hatte ich ziemliche Probleme mit meiner Verdauung. Sowohl der Magen als auch der Darm haben rebelliert. Mit einem bitteren Tee hat sich der Magen bald beruhigt, der Darm allerdings brauchte noch länger meine Zuneigung. Er hat erwartungsgemäß verdaut, allerdings hat er dabei Unmengen an Gasen produziert, die in den Windungen gefühlt stecken geblieben sind. Und in der ersten Zeit durfte ich nicht pressen, diese „Winde“ mussten also von selbst irgendwie rausfinden. Das hat mich mehrere Nächte gehend verbringen lassen, denn Bewegung half.

Nach einer Woche

Ich fühlte ich mich zum ersten Mal fit genug für einen Spaziergang draußen (es war kalt, es war Ende Jänner). Dieser Spaziergang hat sich sehr gut angefühlt!

Nach 10 Tagen war ich Schmerzmittelfrei und ich hatte rückblickend wirklich gar keine postoperativen Schmerzen.

Die Darmprobleme habe ich mit viel Geduld und sehr ballaststoffreicher Ernährung langsam in den Griff bekommen.

Bezüglich Heben habe ich einfach immer auf meinen Körper gehört. In den ersten Tagen konnte ich ein volles Viertelliterglas nicht heben, das hat sich im Bauch komisch angefühlt. Nach einer Woche konnte ich schon den 1,5 Liter Krug heben.

Ich habe den Eindruck, dass ich, durch meine Vorsicht ganz am Anfang, sehr schnell wieder belastbar wurde. Heute sind es 12 Wochen seit der OP und ich bin bezüglich des Hebens gar nicht mehr eingeschränkt. Ich trage zwei 10 Liter Gießkannen ohne Bedenken und auch ohne Nachwirkungen.

Ab der zweiten Woche ging es in Sachen Bewegung und im Haushalt stark bergauf. Ich konnte nun einfache Gerichte wieder selbst kochen, aber immer mit Pausen. Auch da habe ich immer wieder versucht auf meinen Körper zu hören. Wenn mir etwas anstrengend wurde, habe ich pausiert und mich 1 oder 2 Stunden hingelegt.

Nach einem Monat

Längeres Sitzen ging erst nach 4 Wochen wieder richtig gut. Und es hat noch weitere Wochen gedauert, bis ich wieder Jeans und Hosen tragen konnte, die beim Bund keinen Gummi haben.

Nach 5 Wochen war ich zum ersten Mal wieder Radfahren, eine kurze Probefahrt. Es hat sich ein wenig wie ein Comeback angefühlt, da ich meinen Arbeitsweg mit dem Fahrrad bestreite.

Irgendwo zwischen 5 und 6 Wochen nach der OP ist dann auch wirklich meine Kraft wieder zurückgekommen. Die kam plötzlich und ich hatte das Gefühl mein Leben wieder zu haben.

Heute ist es 12 Wochen her, dass ich operiert wurde und das, was noch geblieben ist, sind die Narben. Davon ist die Größte noch etwas zickig, sie zwickt noch hi und da. Aber ansonsten habe ich keine Nachwirkungen mehr. Im Gegenteil, es geht mir besser als vorher, denn meine Beschwerden sind weg.

Ich schlafe mittlerweile durch. Vor der OP war ich 2 – 3 Mal pro Nacht am Klo, da meine Blase kaum mehr Platz hatte. Die Gebärmutter hatte schon das kleine Becken ausgefüllt (stand so in der OP Beschreibung).

Und noch die intimen Themen

Ich habe nun keine Menstruationsbeschwerden mehr. In den Monaten vor der OP hatte ich oftmals Glück, wenn nichts durch die Kleidung ging. Denn die Monatshygiene hielt nur mehr für 1 Stunde und manchmal war es in der Arbeit nicht möglich stündlich aufs WC zu gehen. Ich freue mich schon so auf den Sommer, wo ich nicht mehr eingeschränkt sein werde beim Baden!!!

Und was mich sehr überrascht hat und womit ich nicht so gerechnet habe: Dass Verhütung nun kein Thema mehr ist hat mich richtig befreit. Mir war schon klar, dass das fein werden würde, aber ich hätte nicht gedacht, dass es meine Sexualität derart beflügeln würde – das nicht mehr aufpassen müssen!

Und rückblickend muss ich sagen, dass ich auch beim Sex bereits ziemlich eingeschränkt war durch die große Gebärmutter, da ich oft ein unangenehmes Druckgefühl im Bauch hatte. Auch das ist Geschichte!

Die Ärztin meinte beim Vorgespräch, dass es in etwa bei 1/3 der Frauen so ist, dass die Sexualität nach der OP besser ist, bei 1/3 der Frauen der Sex gleich gut bleibt und 1/3 der Frauen nachher von einer Verschlechterung sprechen.

Ich habe davon gelesen, dass der Orgasmus etwas flacher wird, da die Kontraktionen der Gebärmutter wegfallen nach der OP. Ich kann dies nicht bestätigen, ich merke keinen Unterschied. Ich bin sehr froh, dass sich dieser Teil meines Lebens durch die OP wirklich verbessert hat!

8 Monate nach der OP (Nachtrag):

Mir geht es wirklich sehr gut. Meine Narbe spielt noch eine Rolle, aber das war es dann auch schon. Sonst habe ich keine Nachwirkungen mehr, im Gegenteil, die ganzen Beschwerden von vorher sind weg. Die OP war für mich eine riesige Erleichterung.   

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