Vor einem guten halben Jahr habe ich die Himalaya-Rückschau mit Tritt in den Hintern gepostet. Und es gab – wie meistens – einen persönlichen Anlass. Wofür ich mir da selbst einen Tritt geben wollte … bleibt wohl ein Traum… Ich hole einmal tief Luft und erzähle von vorne. 

Ich habe ein gültiges Working-Holiday-Visum für Kanada. Seit dem 27. Februar 2020*. Ab Juli 2020 sollten auf diesem Blog Erlebnisberichte von meinen Abenteuern stehen. Jetzt wäre der Zeitpunkt, an dem ich geschrieben hätte, dass ich natürlich noch die drei Extra-Monate an das Jahr dran hänge und diverse Ideen habe, was ich auf dem „Rückweg“ alles mache.

(* ab dem Bewilligungsdatum hat man ein Jahr Zeit für die Einreise, die die Aktivierung des Einjahresvisums bedeutet. Aufschieben oder ein zweites Mal beantragen geht nicht. Now or never!)

Während ich innerlich nach dem richtigen Zeitpunkt für die Kündigung gesucht habe … kam Corona. Ich bin sehr, sehr dankbar für diese Reihenfolge. Meine Anteilnahme geht an alle, die nach fünf Wochen unterwegs per Zwangsrückreisewelle arbeits- und wohnungslos in Corona-Deutschland gestrandet sind.

Mir schwebte vor in Kanada andere verrückte Leute zu treffen und viel in der Wildnis wandern zu gehen. Im Sommer wollte ich als Baumpflanzerin arbeiten und der Winterjob sollte mir erlauben endlich richtig freeriden zu lernen. Und … na, ihr kennt mich, die Liste enthält noch mehr Einträge.

So. Kanada ist  seit März 2020 für ausländische Touristen geschlossen. Mit meinem Visum hätte ich trotzdem einreisen dürfen, solange ich einen Arbeits“vertrag“ und eine Quarantäne-Möglichkeit vorweisen kann. 

Aber.

Wer sagt mir, was zwischen Kündigung und Abflugdatum eventuell noch passiert (das wusste man 2020 wirklich nicht) und ob das dann immer noch gilt, oder ob ich dann doch arbeits- und wohnungslos in Deutschland sitze?!

Und: kann ich die Reise haben, die ich mir vorgestellt habe? Wie lerne ich im Lockdown Menschen kennen? Wenn sich alle (wie ich in Deutschland auch) nur noch mit den engsten Freunden treffen? Möchte ich einen Lockdown an einem Ort verbringen müssen, an dem ich mich unter Umständen nicht wohl fühle? Und gibt es überhaupt Jobs?

Dann frage ich mich: sind das echte Gründe? Kann es nicht trotzdem (anders) gut werden? Bin ich alt und bequem, wenn ich solche Gründe anführe?

Meine Antwort darauf fällt nach Tagesform unterschiedlich aus. Ich weiß nur, dass ich mir Kanada den größten Teil des letzten Jahres schlichtweg nicht vorstellen konnte. Den größten Teil des Jahres davor sehr wohl.** Deshalb habe ich von den Corona-Sonderregeln Gebrauch gemacht und mir eine Einreisezeitraumverlängerung geholt. Theoretisch…

(** Warum ich dann so lange gebraucht habe? Vielleicht veröffentliche ich spaßeshalber doch noch meinen „Wie bekomme ich ein kanadisches Working Holiday Visum“-Mitschrieb. Ich sag nur: Polizeiliches Führungszeugnis aus allen Ländern, in denen man länger als sechs Monate war… Kurz: Das passiert nicht von heute auf morgen.)

Praktisch habe ich wenigstens in meinem Leben aufgeräumt. Ich bin umgezogen und mittlerweile schon wieder ausgezogen. Ich habe großzügig aussortiert. (Hach, tut das gut! – Und ich liebe die „zu verschenken“-Mode, noch nie war es so einfach sein Zeug loszuwerden) Gerade lagert mein verbliebenes Hab und Gut in zwei Stuttgarter Kellern. Und ich?

Ich bin in Griechenland.

Seit Ostern. Kanada ist wegen Corona ausgefallen – dafür haben sich andere Möglichkeiten eröffnet: Ich habe mein Homeoffice einfach zu Doro nach Athen verlegt. Das ist noch weit von digitalen Nomandentum entfernt, aber zumindest ein Probiererle (liebe Schwaben, gibt’s das Wort?)

Wie gut der Tapetenwechsel tut!

Orangen- und Zitronenbäume am Straßenrand. Morgenkaffee auf dem Balkon. Vor der Arbeit ans Meer joggen, reinspringen und zurück laufen (Okay, hab ich in vier Wochen zweimal gemacht. Zuerst bergab finde ich doof.). Im Supermarkt nach Bildern auf der Packung einkaufen. Kläffende Hunde. Verbaute Gehwege. Unfassbar viele Plastiktüten (War das Verbot nicht eine EU-Verordnung?! Ist Griechenland noch in der EU?). Iced Cappuccino (im Plastikbecher) überall. Trockene Sesamkringel und leckere Süßigkeiten. Griechisch-grob geschnittener griechischer Salat. Functional Fitness auf dem Dach. Reden mit Händen und Füßen. „Kalimera“s mit den anderen Joggern am Berg. Wunderbare Gespräche. WG, wie sie sein soll. Sommerbräune im April. Der Neid der Kollegen.

Über mein foreign Homeoffice werde ich noch mal berichten.

Du hast es vorhin richtig verstanden, ich habe gerade keine Wohnung. Das fühlt sich gut und befreiend an. Wo/wie es weitergeht ist (mal wieder) in der Schwebe. Der Zustand hält schon so lange an, dass der Post jetzt (trotzdem) kommt. Sonst wird das nie was, weil ich möglicherweise auch gleich die nächste Baustelle aufmache :).

Bis dahin bin ich aber gespannt auf deine Erfahrungen mit gelebten oder begrabenen oder veränderten Träumen und auch, welche unerwarteten Corona-Gewinne du für dich entdeckt hast?!


Spannende Themen!

Ich möchte keinen Beitrag mehr verpassen, bin aber auch zu faul, hier regelmäßig nachzuschauen… Eine E-Mailbenachrichtung bei neuen Posts wäre toll!

Wird verarbeitet …
Danke! Wir lesen uns dann bald…

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