Diesmal geht es mehr um Tipps für den Alltag. Und Essen. Als Teenie habe ich mich auf die Zeit zwischen Pickel und Falten gefreut. Die kam leider nie… Die Vermutung, dass das vor allem mit der Ernährung zusammenhängt, liegt nahe. Hohen Industriezuckergenuss (Schokolade, Kuchen, etc.) sehe ich umgehend im Gesicht…

Plastikfrei, umweltverträglich, regional und in diesem Fall auch saisonal behalten wir im Auge. Los geht’s.

Essen & Verpackung

Der Garten wird und wurde von meinen Eltern ernst genommen. Ich habe mich nie für ihn interessiert und wusste immer nur, wann Erdbeerzeit ist (die beste Zeit des Jahres?!). Das Saisonwissen hole ich jetzt nach. Seit in meiner Küche der Utopia-Saisonkalender (auf der Seite unten als selbst-ausdruck-pdf und noch weiter unten pro Monat) hängt weiß ich, dass es meinen Freunden auch so geht. Ein Spruch à la „oh, ich dachte immer, dass die Paprika-Saison viel länger ist“ kommt immer. Bin noch unsicher, ob ich das beruhigend oder schockierend finde.

Im Supermarkt sagt mir die Herkunft, ob das Obst oder Gemüse gerade (bei uns) Saison hat. Das finde ich aussagekräftiger als den Preis – reduziert wird, was weg muss. Das kann auch die Kiwi-Ladung aus Neuseeland sein.

Noch leichter finde ich es auf dem Wochenmarkt. Da gibts zwar auch alles, aber mir wird geduldig Auskunft gegeben, was sie gerade aus eigenem Anbau haben. Das nehme ich dann. So habe ich in den vergangenen Wintern Pastinaken für mich entdeckt. So lecker! In der Verwendung eine Mischung aus Kartoffel und Möhre – mit noch besserem Geschmack. Tomaten gibts seitdem im Winter nur noch in Ausnahmefällen. Bananen hingegen eher mehr – wenn die eh eingeflogen werden müssen, dann doch zu einem Zeitpunkt, an dem ich bei uns nur wenig Alternativen habe.

Einen weiteren Grundsatz habe ich: Ich kaufe kein Obst und Gemüse, das in Plastik eingeschweißt ist. Das geht mittlerweile selbst in den Discountern. Nur bei Salat ist es überall schwierig. Und es reduziert die Einkaufskomplexität weiter – ein angenehmer Nebeneffekt. Beim Markteinkauf habe ich meine Jute- und Netzbeutel (Upcycling: selbstgenäht aus alten Fliegengittern!) dabei, um ohne weitere Verpackung auszukommen.

Stichwort Einkaufskomplexität: ich nehme das Produkt, das am wenigsten verpackt ist. Mit am wenigsten Plastik und am wenigsten Platz und Luft – wenn mehr auf der Palette ist, sind weniger LKW für die gleiche Menge unterwegs. Damit hört allerdings aktuell meine Lieferkettenverfolgung auch schon auf… Da geht auf jeden Fall noch mehr.

Es ist aber unglaublich, wie sehr sich „durch das bisschen“ die Müllmenge reduziert. Mein gelber Sack wird nicht mehr voll. Zu jeder zweiten Abholung stelle ich ihn trotzdem raus, der Geruch wird nicht besser… Und im Wasteland Rebels Podcast „Der ultimative Guide was in den gelben Sack kommt“ habe ich noch mal bestätigt bekommen, dass „löffelrein“ reicht. Übrigens dachte ich, dass ich Mülltrennung kann. Stimmt aber nicht. Hör dir mal die Folge an und erzähl mir anschließend, ob du das alles wusstest?!

Über Gewürze, die ausschließlich in Plastik und homöopathischen Dosen verkauft werden, habe ich mich geärgert, bis ich im türkischen Supermarkt war. Dort gibt es alle Gewürze von Suntat im Schraubglas à ca. 100 Gramm zu niedrigeren Preisen. Und sie haben Sumak, das ist ein fester Bestandteil jedes Salatdressings. Lecker!

Vor ca. zwei Jahren habe ich entschieden, wieder Vegetarierin zu werden. Da sind wir wieder bei meinem Eingangsstatement über unsere Essgewohnheiten. Das Massentierhaltungsfleisch kann nicht gut sein. Und zudem weiß man ja, dass Nahrung einen riesigen Teil unseres CO2-Fußabdrucks ausmacht – vor allem aufgrund des Fleisches. Ich bin auch immer wieder flexitarisch unterwegs. Wenn es bei meinen Eltern Bratwürste vom lokalen Metzger gibt. Oder auf der Hütte die Umbestellung nicht geklappt hat und das Fleisch schon auf dem Teller liegt – weggeschmissen werden darf nichts! Noch besser wäre natürlich vegan (auch Milch und Eier kommen aus Massentierhaltung…), das fällt mir aber noch schwer. Geholfen hat die Reportage Milked (Es geht um die verheerenden Folgen des Dairy Farmings – in Neuseeland, weshalb alle wunderschönes Englisch reden).

Kuhmilch ist schon raus und durch Wasser (für meine Frühstückshaferflocken z.B. – ich mag den Matsch) oder Hafermilch ersetzt. Die anderen Milchalternativen habe ich durchprobiert. Soja, Reis und Kokos schmecken mir nicht besonders und Erbse und Mandel flocken im Kaffee. Hafer ist gut – das wächst immerhin auch bei uns. Dass ich es nicht sooo megalecker finde ist auch gut, das reduziert den Konsum. Das wiederum ist gut, weil Tetrapaks recyclingtechnisch eher ein Albtraum sind (viele zusammengeklebte unterschiedliche Materialien, kein Mehrweg).

Bei mir gibts sehr wenig Nudeln und Reis, aber Nüsse und Linsen hole ich im Unverpackt-Laden. Bzw. im HIT Supermarkt – der bei uns hat auch ein Unverpackt-Regal. Das ist teurer als im Supermarkt, an der Stelle leiste ich mir das aber gerne. Mir tut es weh, 5 Tüten Nüsse in meinen Einkaufswagen zu legen.

Und: ich werfe kein Essen weg. Das macht mich glücklich. Auch wenn es nicht immer Spaß macht, sich ein Gericht zu dem kurz-vorm-Verderben-Gemüse auszudenken. Andererseits hilft es beim Entscheiden (ihr erkennt ein Muster…). Auch schon angematschtes Obst/Gemüse kann noch verkocht werden und das MINDESThaltbarkeitsdatum ist nur ein sehr grober Anhaltspunkt. Alles was noch normal riecht und schmeckt, wird verarbeitet. Magen und Darm sollen auch was zu tun haben und sich auf die echten Herausforderungen bei den nächsten Reisen vorbereiten.

Kleidung, Möbel und Einrichtung

Es war nie geplant, aber ich stelle fest: Was nur eine Funktion hat, hat es schwer bei mir. Reiskocher. Toaster. Da habe ich viel aussortiert, verschenkt und verkauft. Der Eierkocher war bisher essenziell in meinem Leben – das ändert sich möglicherweise auch, wenn ich in meinem veganen Ich angekommen bin?!

Bis dahin versuche ich weiterhin möglichst wenig neu zu kaufen. Ich habe einen Kleiderschrank KPI (Key Performance Indicator): Neupreis / getragene Male. Je näher der gegen 0 geht, desto besser.

Bei Second Hand Käufen geht das natürlich besonders gut. Ich habe mal gelesen, dass ein Kleidungsstück erst nach 48x Waschen schadstofffrei ist. Finde ich krass, aber praktisch, wenn jemand anderes die (wörtlich) Drecksarbeit übernommen hat. Zudem finde ich nicht immer was. Hilft auch beim Vermeiden unnötiger Käufe.

Geht es um Neues, kaufe ich nicht mehr aus Reflex, sondern warte eine Woche. Oft genug weiß ich dann nicht mal mehr, WARUM ich meinte Teil X unbedingt zu BRAUCHEN. Bei Gebrauchsgegenständen erzähle ich außerdem einfach allen möglichen Leuten davon – hab einiges schon geschenkt bekommen. Z.B. besagten Eierkocher. Der Besitzer hat ihn nie verwendet und war froh, dass er jetzt in Gebrauch kommt. Ich war froh, weil ich Eierkocher kaufen ganz schön spießig finde. Auf die gleiche Weise bin ich auch schon Zeug losgeworden, das ich nicht mehr brauche.

Es ist so schwer Secondhand-Ware zu finden? Naja, Online-Tauschbörsen gibt es ja für alles. Vinted und Co. für Klamotten. Und Ebay Kleinanzeigen ist eine Fundgrube für alles andere. Auch hier hilft mir das reduzierte Angebot. So kommen die individuelleren Stücke zusammen – finde ich. Meine Lieblingsteile in der Wohnung sind alle gebraucht: der Sekretär, die Cordhocker in der Küche, die Esstischbank.
Wo ich noch inkonsequent bin: Outdoor-Klamotten. Das Zeug ist so teuer, da macht Second Hand auf jeden Fall Sinn. Vielleicht habe ich nur keine Lust, den all-the-gear-no-idea-Typen dankbar zu sein!?

Für Neukäufe möchte ich mich mehr mit fairen Labels auseinandersetzen. Vaude und Patagonia bei Outdoorgedöns, Armed Angels, Greenality oder auch kleine Manufakturen wie Adele Bergzauber sollten bei normalen Kleidern mein Verkaufspunkt der Wahl sein.

Seit ich weiß, wie viel von reklamierten bzw. zurückgegebenen/-schickten Artikeln einfach weggeworfen wird, bin ich noch mal anders motiviert, Sachen zu reparieren oder reparieren zu lassen. Und alles zu gebrauchen, bis es nicht mehr funktioniert. Plastikfrei hin und her – die Tupperdosen, die ich besitze, verwende ich, bis sie tot sind.

Energiesparen

Seit man damit auch Putin ärgert (persönlich, natürlich) ist Strom sparen doch gleich viel sexier. Scherz beiseite, aber eine niedrigere Stromrechnung und weniger Kohle/Atomkraft und die Landschaft verschandelnde Windräder wünschen wir uns doch alle.

Mein Lieblings-Energiespartipp: den Kühlschrank immer voll machen. Luft, die gekühlt werden muss, ist viel energieintensiver als Masse (sobald die kalt ist). Bevor ich jetzt, wie die Wasteland Rebels in ihrer Energiesparen in der Küche-Folge vorschlagen, Papier in den Kühlschrank lege, fülle ich lieber mit Bier und Sekt auf. Das hilft bei durstigen Spontangästen auch besser.

In der gerade genannten Folge habe ich gelernt, dass ich den Waschmaschinenstecker ziehen sollte (noch nicht umgesetzt), weil die permanent Strom zieht. Was ich wiederum schon seit ein paar Jahren mache ist die Sicherung (bis auf den Kühlschrank) rauszudrehen, wenn ich in den Urlaub fahre. Viel einfacher, als dran zu denken, auch noch den Router auszuschalten. Und so ist auch der Herd aus.

Dazu auch noch ein Tipp von Nikolaus: Wenn man die Zeiten der Strombedarfsspitzen meidet, hilft man, den Bedarf an Kraftwerken zu reduzieren. Also nicht wie alle anderen Montagvormittags, sondern in den Zeiten in den Nachtspeicherheizungen laufen. Nämlich mittags zwischen 13:00 und 15:00 Uhr und abends zwischen 21:30 Uhr und 6:00 Uhr.
Die „Fertig in x Stunden“-Funktion finde ich eh genial, ich stelle die Waschmaschine abends so an, dass sie morgens um 6 Uhr fertig ist.

Was könnt ihr an der Stelle noch raten? Außer, keine Kabel stecken zu lassen, wenn ich sie nicht verwende?

Ich hab nur noch einen Punkt:

Digitaler Müll

… nur weil man ihn nicht sieht, ist er trotzdem da. Auch eine No-Brainer-Erkenntnis, trotzdem habe ich nie Mails gelöscht und manche Ordner 5x auf dem Rechner gehabt. Bin immer noch nicht konsequent genug, aber deutlich besser als früher. Ich liebe die Cloud (höre schon wieder Witze meiner Softwareentwicklerexkollegen im Ohr) und die Suggestion unendlichen Speicherplatzes ist natürlich verlockend. Aber wir wissen ja, was die Serverfarmen an Strom fressen…

Und noch einen:

Nachhaltig sterben

Ab Mitte des Jahres kann man sich in Deutschland reerdigen lassen. Die herkömmlichen Bestattungsmöglichkeiten sind alle nicht CO2-neutral und nachhaltig (Sargherstellung, nichtbiologisches Zeug unter der Erde, Energieaufwand beim Verbrennen). Die Reerdigung ist im Endeffekt eine Schnellkompostierung des Körpers in einer Art Kokon. Wenn das künstliche Hüftgelenk dann noch rausgefischt ist, bleibt nur Humus übrig. Gefällt mir gut. Auf der oben verlinkten Seite gibt es ein Video.

Damit haben wir doch ein recht finales Ende gefunden?! 😊
Ich freue mich über Kommentare, weitere Ideen, Tipps und Hinweise.

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