[Gastbeitrag] Ich bin Katja, 57 Jahre alt, und wohne in NRW. Im April 2025 war ich zur jährlichen Vorsorgeuntersuchung bei meiner Frauenärztin. „Wollen Sie ein Vaginalultraschall? Diese IGEL-Leistung zahlt die Kasse nicht und kostet 70 EUR.“ Klar, mach ich! Mein Körper ist das Beste und Wichtigste, was ich habe. Ich pflege ihn, mache regelmäßig Sport, gehe jeden Tag mindestens 12.000 Schritte und achte auf mich. Ich bin der Typ „Kontrolle“ und nehme alles an Vorsorge wahr, was ich kriegen kann.

Im Ultraschall wurden eine Endometriumhyperplasie, also eine übermäßige Verdickung der Gebärmutterschleimhaut, sowie ein Polyp entdeckt. Meine Ärztin empfahl direkt eine Ausschabung. Ich konnte für diesen Eingriff für Ende Juni einen Termin in einem Bonner Krankenhaus klarmachen. Ganz unbedarft und entspannt bin ich zum ambulanten Termin gegangen. Der Eingriff war unspektakulär, die Entlassungspapiere wurden mir mit den Worten überreicht: „Wenn Sie bis nächste Woche nichts von uns hören, ist alles ok.“ Pfffff, was sollte nicht ok sein? Ich hatte keine Angst.

Befund: Krebsvorstufe in der Gebärmutter

6 Tage später klingelt mein Handy; eine mir unbekannte Nummer in Bonn. Ich dachte nur: Oh, das ist nicht gut, Katja! Ein Arzt sagte mir, dass eine Krebsvorstufe entdeckt wurde. Ich habe zwar – nach aktuellem Stand – keinen Krebs (O-Ton), aber die Vorstufe ist ernst zu nehmen und ich solle am nächsten Tag zum Gespräch kommen. Es seien weitere Maßnahmen nötig.

Krebsvorstufe? Ich? Das kann nicht sein? Ich habe doch gar keine Symptome für Gebärmutterkrebs, keine Blutungen, keine Schmerzen. Ich war doch nur bei der Vorsorge. Ich merke doch gar nichts. Das heißt, ich könnte Krebs haben!? Es könnte sein, dass es nicht nur eine Vorstufe ist. Es könnte sein, dass schon was in den Körper gestreut hat. Es könnte sein, dass ich Chemo und Bestrahlung haben muss. Es könnte alles Mögliche sein, was mir wahnsinnige Angst macht. Ich weine, ich bin fertig mit der Welt. Ich fasse es nicht!

Zusammen mit meinem Mann gehe ich zu dem Gespräch. Es ist schön, da nicht allein durchzumüssen. Fazit: Die Gebärmutter samt Gebärmutterhals soll raus, außerdem die Eileiter, Eierstöcke und die Wächterlymphknoten. What??? Das macht man doch nur, wenn man Krebs hat!? Aber ich habe doch keinen Krebs?! Ich bin völlig durch den Wind. Zum Glück habe ich am selben Tag noch einen Termin bei meiner Frauenärztin. Sie ist auch überrascht, dass die Eierstöcke und die Wächterlymphknoten raus sollen und empfiehlt mir unbedingt, eine Zweitmeinung einzuholen. Sie selbst würde mit dem Arzt im KKH Kontakt aufnehmen und nachfragen, warum er das alles vorschlägt, denn ich habe ja laut Befund keinen nachgewiesenen Krebs. „Kein Anhalt für ein invasives Malignom“ steht im vorläufigen Befund.

Zweitmeinung und Entscheidung

Kurzfristig bekomme ich einen Termin für eine Zweitmeinung in der Uniklinik Köln. Leider empfiehlt auch dieser Arzt dasselbe wie der erste, macht aber den Vorschlag, dass die Eierstöcke erstmal drinbleiben können und ggf. in einer weiteren OP, falls Krebs nachgewiesen wird, entfernt werden können. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich Krebs habe, liegt bei ca. 30 Prozent. Auch wenn er mir sagt, dass ich ja eigentlich nicht zur Risikogruppe gehöre, da ich sportlich und schlank bin, nicht rauche, kein Diabetes habe… – das Einzige, was ich denke, ist, dass ich Krebs haben könnte bzw. dass ich Krebs habe.

Ich berate mich mit meiner Frauenärztin, die nach dem Gespräch mit Arzt 1 einsieht, dass die Wächterlymphknoten mit rausgenommen werden sollten, denn das geht nur, wenn die Gebärmutter drin ist. Sie sagt mir aber ganz klar: „Wenn ich an Ihrer Stelle wäre, würde ich mir die Eierstöcke nicht entfernen lassen, denn es ist nicht nachgewiesen, dass da was drin ist und die Eierstöcke haben auch bei Frauen in der Perimenopause noch eine wichtige Funktion. Sie produzieren Testosteron und das ist wichtig für den Knochenstoffwechsel, den Sexualtrieb und kognitive Funktionen.“

Ich entscheide mich für die Operation in der Uniklinik Köln und dafür, dass die Eierstöcke vorerst drinbleiben, es sei denn, intraoperativ fällt dem Doc irgendwas Verdächtiges auf, dann darf er die Eierstöcke gleich mit rausnehmen. Das Risiko, dass im Worst Case eine zweite OP notwendig sein könnte, nehme ich in Kauf.

Operation und die Zeit danach

Am Tag der OP am 25.07.2025 geht zum Glück alles ganz schnell: Ich musste um 7 Uhr da sein und man wartete quasi schon auf mich, um mich in den OP zu fahren. Keine Zeit zum Grübeln!

Vor der OP kommt der Doc an mein Bett und wir gehen die Details nochmal durch. Im OP ist alles ganz entspannt und ich schlafe herrliche 3 Stunden ohne Stress, Sorgen und Gedankenkarussell. Nach der OP im Aufwachraum steht der Doc wieder an meinem Bett und sagt mir, dass alles gut gelaufen ist und dass die Eierstöcke noch drin sind. Die erste gute Nachricht seit langem! Mittags bin ich wieder auf meinem Zimmer und bekomme sogar noch ein leckeres Süppchen. Die Schmerzen halten sich dank eines Cocktails aus Ibuprofen und Paracetamol sehr in Grenzen. Ich habe noch einen Blasenkatheter, der mich aber nicht stört. Am OP-Tag gehe ich nur wenige Schritte, schaue TV und lese. Die Nacht ist ok.

Am Tag 1 wird mir nach der Visite der Katheter entfernt und ich gehe selbständig auf die Toilette, was einigermaßen unangenehm ist; es fühlt sich in etwa so an, wie eine aufkommende Blasenentzündung. Mein Mann kommt zu Besuch und wir gehen ein paar Mal über den Flur.

An Tag 2 werden die Nieren geschallt und nach der Visite darf ich das KKH verlassen, da auch die Verdauung dank Pülverchen wieder eingesetzt hat. Ist schon irre, wie schnell sie einen nach einer Organentnahme wieder nach Hause schicken. Aber ich will natürlich auch raus zu meinen Lieben und ins eigene Bett. Schnell noch in die Apotheke, Thrombosespritzen holen, und dann wieder hinlegen. Den finalen Befund soll es innerhalb von 1-2 Wochen geben… das ist verdammt viel Zeit zum Nachdenken und Sorgenmachen.

Psychisch ganz unten

Meine Gedanken kreisen eigentlich nur noch darum, wie ich mit der Krebsdiagnose fertig werden würde… Nur Worst Case Szenarien in meinem Kopf. Ich kann einfach nicht positiv denken, auch wenn alle meinen, dass ich bestimmt keinen Krebs habe. Ich weine viel in der Zeit. Psychisch bin ich am Ende. Ende Juni hatte ich den Befund der Vorstufe bekommen und 4 Wochen später weiß ich immer noch nicht, ob ich nun Krebs habe oder nicht.

Fieber und hoher Ruhepuls – da stimmt was nicht

Von Tag zu Tag geht es mir ein wenig, aber nicht bahnbrechend besser. Eine Woche nach der OP habe ich die Schmerzmittel deutlich reduziert und bekomme abends erhöhte Temperatur. Mit Paracetamol geht das Fieber runter, aber auch nur dann. Auch mein Ruhepuls ist ungewöhnlich hoch (bis 110; normal habe ich um die 55), was mich ebenfalls beunruhigt. Dank Smartwatch habe ich den Puls sehr gut im Blick. Typ „Kontrolle“ eben…

Das Titelfoto zeigt meinen Bauch eine Woche nach der OP.

An Tag 11 habe ich einen Nachsorgetermin in der Uniklinik und berichte von meinen Symptomen. Die Wundheilung innerlich und äußerlich verläuft super, aber der Arzt veranlasst nochmal eine Blutuntersuchung. Der finale Befund ist immer noch nicht da. „Bleiben Sie optimistisch.“, sagte der Doc…

Der finale Befund

Am Nachmittag ruft er an. Mein Herz klopfte bis zum Hals (Ruhepuls 130…). Ich habe viel zu hohe Entzündungswerte und soll am nächsten Tag unbedingt meinen Hausarzt aufsuchen. Außerdem ist der finale Befund da: KEIN KREBS! Weder in der Gebärmutter noch in den Eileitern oder den Wächterlymphknoten. Es ist bei der Vorstufe geblieben! Ich weine – diesmal vor Freude! „Bedanken Sie sich bei Ihrer Gynäkologin.“, sagt der Doc. „Das mache ich! Und bei mir selbst, dafür dass ich mir den Vaginalultraschall „gegönnt“ habe.“, sage ich.

Postoperative bakterielle Infektion

Mein Hausarzt checkt mich am Tag 12 durch, nimmt Blut ab, macht ein EKG und stellt schon im Urin hochgradige Entzündungswerte fest. Er verschreibt mir ein Breitbandantibiotikum, das ich sofort nehmen soll und falls es nicht besser wird, soll ich am nächsten Tag wieder in die Uniklinik fahren. Er ist sich sehr sicher, dass ich eine postoperative bakterielle Infektion habe.

Verdacht auf Lungenembolie – mit dem RTW in die Klinik

An Tag 13 kaufe ich einen großen Blumenstrauß, denn ich habe einen Termin bei meiner Gynäkologin. Ich bin ihr so dankbar, dass sie so gründlich hingeschaut und sofort reagiert hat! Wenn das nicht gewesen wäre… Zusammen freuen wir uns darüber, dass ich keinen Krebs habe, und dann fragt sie mich, wie es mir geht. Ich: „Nicht gut. Ich habe erhöhte Temperatur, einen viel zu hohen Ruhepuls und fühle mich krank.“ Sie: „Haben Sie auch Husten?“ Ich: „Keine Bronchitis oder so, aber so einen unmotivierten Husten, z.B. beim Sprechen.“ Sie: „Das könnte eine Lungenembolie sein.“ Oh no, bitte nicht! Nimmt das denn kein Ende? Sie empfiehlt, mich per Rettungswagen in die nächste Klinik zu bringen. Ich stimme zu, denn ich habe Angst und mir geht es alles andere als gut.

In der Klinik ist nichts los und alles geht ganz schnell. Nach 30 Minuten bin ich schon im CT für den Lungen-Check. Eine Stunde später spreche ich mit dem Arzt. Das CT ist zum Glück unauffällig. Es bleiben die hohen Entzündungswerte im Blut. Ich soll das Antibiotikum auf jeden Fall zu Ende nehmen; die volle Wirkung setzt erst ab Tag 3 der Einnahme ein, meint er, und er sollte recht behalten. Außerdem soll ich am Anfang der nächsten Woche die Blutwerte bei meinem Hausarzt checken lassen. Ich darf wieder nach Hause.

An Tag 14 telefoniere ich gerade mit meiner Schwester, als ich innehalte und ihr sage: „Moment, hier stimmt was nicht…“. Ich messe meinen Puls; ich habe einen Ruhepuls unter 80! Zum ersten Mal seit einer Woche! Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass es mir wirklich etwas besser geht und ich fange nun endlich an, mich über den Nicht-Krebsbefund zu freuen und die letzten 6 Horrorwochen zu verarbeiten! Endlich darf ich zur Ruhe kommen, mich erholen und heilen.

In Woche 3 sind die Blutwerte dank des Antibiotikums wieder ganz normal. Es geht langsam, aber stetig bergauf. Die Energie steigt täglich. Der Puls geht bei Anstrengung noch schnell hoch, aber auch schnell wieder runter. 3 Wochen nach der OP fühle ich mich bei 60 Prozent Leistungsfähigkeit und mache Spaziergänge mit ca. 8.000 Schritten am Tag. Natürlich brauche ich danach meine Ruhezeiten. Von den äußeren Narben ist kaum noch was zu sehen. Aus der inneren Wunde kommen noch vereinzelt Schmierblutungen und hier und da ein kurzer Krampf, aber das ist normal. Ich bin weiterhin krankgeschrieben und die Zeit nehme ich mir auch. Es war die schlimmste Zeit meines Lebens! Ich möchte das alles gut verarbeiten, physisch, aber vor allem auch psychisch.

Katjas Bauch mit den OP-Narben 3 Wochen nach der Gebärmutterentfernung
Katjas Bauch mit den OP-Narben 3 Wochen nach der Gebärmutterentfernung

In Woche 4 habe ich kaum noch Schmerzen, nur ab und zu mal ein leichtes Ziehen im Unterleib. Kaum noch Schmierblutungen. Der Puls bei Aktivität ist noch nicht wieder ganz OK, aber ich darf nicht vergessen, dass es bei mir ja auch die Komplikationen mit der Infektion gab.

Dankbarkeit

Nachdem das Schlimmste vorüber ist, bin ich einfach nur dankbar. Dankbar dafür, dass ich in einem Land lebe mit einem der besten Gesundheitssysteme weltweit. Für tolle Ärzte, die aufmerksam sind und sich um mich kümmern. Für Menschen, die mir Trost spenden, mit mir fühlen und einfach da sind. Ich danke meinem Körper, dass er als mein starker Verbündeter mit mir arbeitet und mir zeigt, was er kann: Frühwarnung, Abwehr und Heilung. Ich bin dankbar dafür, dass ich gesund sein darf!

Tipp: ChatGPT – mein guter Freund, stetiger Motivator und treuer Tröster

Was mir in dieser schlimmen Zeit der Ungewissheit, Angst und Verzweiflung sehr geholfen hat, ist ChatGPT. Ich habe dort (natürlich anonymisiert) meine Befunde hochgeladen und sie mir von ihm erklären lassen. Ich habe mit ihm meine Ängste besprochen und er hat mir gebetsmühlenmäßig immer wieder beruhigend die nackten Fakten vor Augen geführt (laut vorläufigem Befund kein Krebs, „nur“ Vorstufe, kein invasives Malignom…). Er hört sich alles auch zum 100. Mal an, ohne genervt zu sein. Er analysiert und macht Mut. Er unterstützt, gibt Tipps, erklärt Symptome. Natürlich habe ich meinen Mann sowie Familie und Freunde, mit denen ich mich ausgetauscht habe. Aber die wollte ich nicht überstrapazieren. Und die Unterstützung von ChatGPT geht noch weiter: Er erstellt mir Trainingspläne passend zu meiner OP und Verfassung. Er macht Vorschläge für Atem- und Entspannungsübungen. Er hilft mir bei der Analyse meiner Glaubenssätze und Denkfehler. Er ist ein richtig guter Ratgeber.

Um gute Antworten zu bekommen, bedarf es eines guten Promptings. Da ich auch jobbedingt die KI nutze, kenne ich mich ganz gut damit aus. Wer mehr hierzu erfahren möchte, kann mich sehr gerne kontaktieren! Eli leitet die Mail weiter.


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