[Gastbeitrag] Mein Name ist Eva und ich lebe mit meinen beiden Katzen ganz im Westen von Deutschland. Klingt nach einer verrückten Katzenlady, aber eigentlich ist es ein ziemlich normales Leben mit ein bisschen Familie, lieben Freunden und eher weniger sportlichen Hobbies. Mit meinen 36 Jahren dachte ich, dass die Diagnose Krebs mich noch lange nicht treffen könnte. Ist natürlich Unsinn. Niemand ist unsterblich und Krebs kennt auch kein Alter. Er klopft nicht an die Körper-Tür und fragt freundlich, ob er einziehen darf. Er macht es einfach.
Das habe ich gelernt, als ich im Juni 2025 nach einer Konisation erfahren habe, dass in meinem Gebärmutterhals Krebszellen wohnen. Die Empfehlung lautete – weil kein Kinderwunsch besteht: Gebärmutter inkl. -hals und Eileiter raus. Zum Zeitpunkt des Diagnose-Anrufs befand ich mich mit einer Freundin im Urlaub (letzter Tag vor Abreise). Nach dem ersten Schock und zweistündiger Heulerei haben wir erst Mal vier Cocktails getrunken – auf jedes zu entfernende Organteil einen. Danach ein halb betrunkener Spaziergang im Sonnenuntergang (siehe Titelfoto!). Geholfen hats auf lange Sicht nicht, schön wars trotzdem.
Am nächsten Tag ging es dann nach Hause und zurück in die Realität. Da angekommen habe ich mich viel mit dem Thema Gebärmutterhalskrebs beschäftigt, unzählige Stunden im Internet verbracht (was man ja eigentlich nicht tun soll), mit Ärzten sowie meinem Arbeitgeber telefoniert und einen OP-Termin organisiert. Die letzten Urlaubstage zuhause habe ich gestrichen, weil schon zweieinhalb Wochen später die OP anstand und es mir sinnvoll erschien, mich vor meinem wochenlangen Ausfall nochmal im Büro blicken zu lassen.
Der OP-Tag: 01.07.2025
Um 6:00 Uhr habe ich mich mit meinem Vater im Schlepptau ins Krankenhaus begeben. Weil ich eine der ersten Patientinnen an diesem Morgen war, ging alles schnell und schon am frühen Mittag war ich auf meinem Zimmer. Der Rest des Tages verlief durchwachsen. Zuerst hatte ich Kreislaufprobleme, dann wurde mir vom Essen schlecht. Medikamente haben mir schnell auf die Beine geholfen, so dass ich schon nachmittags den Blasenkatheter gezogen bekam, selbstständig auf Toilette gehen und ein Mindestmaß an Hygiene an den Tag legen konnte. Vielleicht habe ich versucht mir die viel zu kleinen Krankenhaus-Socken auf einem Bein stehend auszuziehen… Sicher ein Ding, das man nicht tun sollte 😉. Ansonsten habe ich viel geschlafen, Podcast und Hörbuch gehört und ein paar Nachrichten beantwortet.
Tag 1 nach der OP
Am nächsten Morgen fühlte ich mich verhältnismäßig fit. Ob das nur an den Medikamenten lag, ist schwer zu sagen – ich sollte sie nehmen (Schmerz hin oder her), sodass ich keinen Vergleich hatte. Ich konnte am Tisch frühstücken, duschen und mit einer Physiotherapeutin ein paar Treppen steigen. Zwischendurch wurde natürlich pausiert und am Spätnachmittag hat mich eine Freundin besucht, mit der ich dann auch nochmal über den Krankenhausflur geschlichen bin. Mit einem Buch in der Hand ließ ich den Abend ausklingen.
Tag 2 nach der OP
Leider war die Nacht wenig erholsam, weil meine Zimmernachbarin schnarchte wie ein Sägewerk – konnte sie nichts für, nervig war es trotzdem. Noch dazu haben mir die Gase von der OP zu schaffen gemacht und mit der Verdauung wollte es auch nicht klappen. Weil ich am nächsten Tag unbedingt nach Hause wollte, war das Ziel für diesen Tag: Stuhlgang haben. Nachdem mir mehrere Abführmittel eingeflößt wurden und es nachmittags dann endlich auf der Toilette klappte, konnte ich mir den angedrohten Einlauf ersparen. Wegen Schlafmangel und Abführmittel habe ich mich an diesem Tag nicht so richtig wohl und eher schlapp gefühlt.
Tag 3 nach der OP (Tag der Entlassung)
Die letzten Untersuchungen waren unauffällig und ich durfte nach Hause. Der Schlafmangel zehrte an meinen Kräften, sodass ich an diesem Tag zuhause nicht besonders viel gemacht habe. Viel auf der Couch gehangen, nur zum Essen aufgestanden, früh zu Bett gegangen.
Ab Tag 4 nach der OP
Die nächsten Tage verliefen durchwachsen. Tagsüber hatte ich wenige Probleme, konnte kleine Mini-Spaziergänge machen, mich in meiner Wohnung frei bewegen und faulenzen, ohne dabei größere Schmerzen zu verspüren. Problematischer waren die Klobesuche und Nächte. Ich hatte sehr schmerzhafte Krämpfe jedes Mal, wenn sich im Darm etwas zusammenbraute und raus wollte. Verstopfungen und Durchfall (wovon viele Menschen berichten) hatte ich aber nicht und wollte daher keine weiteren Darmprobleme aufgrund wilder Medikamenten-Cocktails heraufbeschwören (Ibuprofen nahm ich zu diesem Zeitpunkt immer noch). Daher habe ich mich dazu entschieden keine weiteren Medikamente zu nehmen. Auf dem Klo wurden stattdessen viele Atemübungen gemacht, um den Bauchraum zu entspannen, das hat mal mehr, mal weniger gut geklappt. Nachts konnte ich nicht durchschlafen, weil ich extreme Schweißausbrüche hatte, sodass ich irgendwann nur noch auf und unter Handtüchern lag – nicht besonders gemütlich.
Immerhin endete die erste Woche nach der OP für mich sehr positiv, als ich zur Befundbesprechung ins Krankenhaus geladen wurde: Es wurde alles im Gesunden entfernt und ich bin somit geheilt. Das war für mich eine riesige Erleichterung und ich konnte das Thema drei Monate nach dem allerersten Abstrich für mich abhaken. Der Spätsommer kann kommen!
Woche 2 bis 4 nach der OP
In dieser Zeit war ich noch krankgeschrieben. Die Tage liefen ähnlich ab, wobei ich mich von Tag zu Tag besser fühlte. Ab etwa Tag 8 nach der OP kam ich ohne Ibuprofen aus. Die Darmprobleme und der Nachtschweiß ließen zeitgleich nach etwa 10 Tagen langsam nach, bis beides irgendwann ganz verschwunden war. Ich habe mich wieder für kleine Dinge verabredet (z. B. spazieren gehen, Abendessen, Eis essen, zuhause einen Film schauen). Anfangs war ich meist nach 1-2 Stunden ziemlich müde, was mich aber nicht sonderlich gestört hat. Irgendwann ab Woche 3 hielt ich länger durch, war im Grunde wieder komplett mobil und hatte das Gefühl mich meinem „alten Ich“ zu nähern.
Nach vier Wochen hatte ich meinen Kontrolltermin bei meiner Gynäkologin. Alles verheilt ordnungsgemäß, auch wenn die inneren Fäden immer noch sichtbar sind (fallen wohl irgendwann einfach raus). Der aktuell geringe aber noch anhaltende Ausfluss scheint normal zu sein. Meine Ärztin hat mir Beckenbodentraining empfohlen, für das ich direkt (ab 6 Wochen nach der OP) Termine vereinbart habe. Eine weitere Krankschreibung ist nicht erforderlich, ich kann wieder arbeiten gehen. Schade eigentlich – hatte mich schon fast an das viele Faulenzen gewöhnt 😉. Nichtsdestotrotz befinde ich mich aktuell noch in der Erholungsphase und gehe Dinge langsam an. Meinem Empfinden nach sind die letzten Wochen superschnell vorüber gegangen. Ich war viel mobiler als ich dachte und all die Horrorszenarien, die sich vorher in meinem Kopf abgespielt haben, haben sich nicht bewahrheitet. Im Grunde hat mich die Krankheit entschleunigt und davon reden doch heutzutage alle, oder? 😉
Ab Woche 5 nach der OP
Mein erster Arbeitstag stand bevor und das auch direkt im Büro, was eine 40-minütige Autofahrt mit sich brachte. Hat aber alles gut geklappt und im Grunde hatte ich den Tag über keine Probleme. Lediglich am Ende des Tages hat sich mein Bauch mal kurz gemeldet – vier Wochen Jogginghose fühlen sich halt schon anders an als Alltagskleidung. Das lange Sitzen führte dazu, dass sowas wie ein Muskelkater-Feeling aufkam. Schlimm war es aber nicht.
Ein bisschen gestört hat mich im Laufe der Woche die Müdigkeit im Feierabend. Ich fühlte mich wie nach Corona Zeiten, als mich viele soziale Kontakte angestrengt und ermüdet haben. Nachdem ich das Wochenende dann aber für viel Entspannung genutzt hatte, startete ich putzmunter in die sechste Woche nach der OP (und somit meine zweite Arbeitswoche). Der Kalender war voll und zwei externe Workshops waren auch dabei. Ich hatte ein wenig Sorge, dass das alles etwas viel werden könnte. Erstaunlicherweise fühlte ich mich aber die ganze Woche fitter und wacher als in der Woche davor. Die erste von drei HPV-Impfungen gab es diese Woche dann auch schon (leider wurde ich in meiner Jugend nicht geimpft) – die Krankenkasse übernimmt netterweise die Kosten. Keine Probleme damit. Nun steht das Wochenende bevor und ich habe das Gefühl mich nicht einschränken zu müssen (weder wegen Müdigkeit, noch wegen Muskelkater-Feeling). Ich nehme an, das war’s jetzt und mein Leben (inkl. Arbeitsalltag) hat mich wieder. Hurra! 🎉
3 Monate nach der Hysterektomie (Nachtrag)
Mein Leben ist wieder das Alte – und vielleicht noch ein bisschen besser. Nachdem ich die ersten Physio-Termine hinter mich gebracht habe, habe ich auch wieder mit Sport angefangen (Cardio- und Krafttraining im Fitnessstudio). Das funktioniert super und ohne Einschränkungen. Auch sonst fühle ich mich rundum gut und habe keinerlei Beschwerden. Im Gegenteil – inzwischen weiß ich sehr zu schätzen, dass ich keine Periode mehr habe. Außerdem hat sich mein Hautbild verbessert, seitdem keine Pille mehr nötig ist.
Wenn die Narben an meinem Bauch nicht wären, würde man nicht denken, dass ich vor drei Monaten operiert wurde. Für meinen Geschmack könnten sie gerne noch ein bisschen verblassen, aber das kommt sicher noch.
Aktuell befinde ich mich im Österreich-Urlaub zum Wandern und merke, dass das meinem Körper und Geist richtig guttut. Zum einen, weil es genaugenommen der erste Urlaub in diesem Jahr ist, den ich wirklich genießen kann. Zum anderen aber auch, weil mein Körper mich nach wie vor nicht im Stich lässt.
Meine Geschichte ist sicher ein Positiv-Beispiel, aber ich bin ganz optimistisch, dass es davon noch viel mehr gibt.
Tipp: Haushaltshilfe über die Krankenkasse
Es besteht die Möglichkeit über die Krankenkasse eine Haushaltshilfe zu beantragen, wenn man allein lebt oder zu betreuende Kinder hat. Das Prozedere an sich ist nicht so super durchdacht, denn den vollständigen Antrag (inkl. ärztlicher Bescheinigung) konnte ich erst nach der OP bei meiner Krankenkasse einreichen (per App). Zum Glück kam die Bewilligung dann aber schon am Folgetag (hängt natürlich von der Krankenkasse ab). Weil ich mich im Voraus mit einer Organisation für Haushaltshilfen in Verbindung gesetzt hatte, um mich schon einmal anzukündigen, hatte ich dann zügig eine Person an meiner Seite, die mir ein wenig im Haushalt geholfen hat. Zwar nicht für die vollen bewilligten Stunden und auch nicht für die bewilligten vier Wochen (dafür war es doch zu wenig Vorlauf), aber immerhin für drei Wochen und etwas weniger Stunden. Für mich und meine Katzen war das Gold wert.
Kleinere Sachen habe ich selbst gemacht, z.B. Spülmaschine ein- und ausräumen, staubwischen, mal das Klo putzen. Naja, und das Katzenklo musste ich irgendwie auch selbst ausschaufeln. All diese Sachen wollte ich teilweise ab Rückkehr aus dem Krankenhaus hinkriegen. Hat funktioniert. Hatte mir vorsorglich vieles auf Griffhöhe bereitgelegt und manches auf einem Hocker sitzend erledigt. Und mich nach jeder „Hausarbeit“ aber erstmal wieder auf Sofa gelegt.
Die Haushaltshilfe hat vor allem Böden gewischt, das Bad mal ordentlicher gemacht, meine Wäsche in den Keller getragen und war mit mir einkaufen (zum Tragen der Tüte).
Die Verbraucherzentrale gibt hier einen Überblick über die Voraussetzungen und den Ablauf.
Fragen an Eva? Schreib‘ eine Mail, Eli leitet sie weiter.
Auch bei Micha war es eher ein Krebsintermezzo (zum Glück!), das sie hier beschreibt: Krebsdiagnose, Gebärmutterentfernung, Wechseljahre: Sonst noch was?
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