Pasteis de Nata, Fisch, Sonne und dunkeläugige, langbewimperte Menschen, die eine seltsame Sprache sprechen (von der man nicht so recht weiß, ob man den Klang jetzt schön finden soll) – so war mein Bild von Portugal.

Portwein Tasting
Die „kleine“ Portweinprobe

Von Porto selbst wusste ich eigentlich noch weniger. Nicht so hip und morbid wie Lissabon, einigen hat es in Porto aber besser gefallen als in der Hauptstadt. Ansonsten: eine bergige Stadt und Heimat des Portweins (den ich vorher nicht besonders mochte).

Unvoreingenommen (um nicht zu sagen: unwissend) und mit niedrigen Erwartungen eine neue Stadt kennen lernen? Bin dabei! Ich hatte mich um den Flug gekümmert, Christoph eine Unterkunft gebucht – damit war die Vorbereitung abgeschlossen. Im Flieger habe ich mal durch den Reiseführer geblättert und … dann waren wir auch schon da.

An das Metrofenster peitschte Richtung Stadt immer wieder der Regen. Zwischendrin sah man aber Eukalyptusbäume. Witzig. Zu Eukalyptus gehören Sonne und Koalas und, die Bäume in Australien habe ich außerdem etwas größer in Erinnerung.

A pasteis de nata a day keeps the doctor away, lautet ja ein bekanntes Sprichwort. Und diese Blätterteigküchlein mit der leckeren Creme stellen sicher, dass der Blutzuckerspiegel nie in gefährliche schlechte Laune-Tiefen geraten kann! Die Qualität ist allerdings variierend, weshalb es vielleicht auch noch ein zweites sein muss… Und ich vergleiche sie alle mit den Pasteis aus Oslo, die Tim und ich damals bei unserem Vigelund-Park-Picknick verzehrt haben. Das war Glück.

Überhaupt: Essen. Und Wein. Das haben wir zelebriert. Von der schäbigen Kneipe, die mich an Südengland erinnert hat, bis hin zu schönen Restaurants haben wir alles ausprobiert. Franceshinas, das Lokalgericht (siehe Foto), hat uns nicht überzeugt, der Vinho verde deutlich mehr. Für den letzten Abend haben wir vor Ort einen Kochkurs gebucht. Das habe ich in Laos schon mal gemacht und es war spannend, dass es sich doch anders (einfacher) anfühlt, wenn man nicht erst raten muss, was da nun vor einem auf dem Teller liegt. So fremd ist die portugiesische Küche nicht, aber mit Pommes Sticks habe ich vorher noch nie gekocht. Schon gar nicht in Verbindung mit Stockfisch. War aber lecker!

Ob ich den Klang von Portugiesisch nun schön finde oder nicht, da habe ich mich immer noch nicht entschieden. Praktischerweise ist Spanisch (den Klang mag ich :)) ähnlich genug, dass ein Portugiese es mit gutem Willen versteht. Sie waren guten Willens und überdies haben wir so viele Spanier getroffen – Kommunikation war kein Problem.

Wie wenig wir von der Stadt wussten, zeigte sich schon daran, dass uns DIE Brücke nichts gesagt hat, dabei ist sie ein sehr markanter (Foto-)Punkt der Stadt. Und sehr hübsch! Wie in Sydney hat es auch hier nicht mit einem Bridge Climb geklappt, aber wir sind unten und oben entlang gelaufen (mehrfach, natürlich) und sogar darüber gejoggt – da haben wir die Halbmarathonerinnerungen noch mal aufleben lassen (oder so ;)).

Außerdem hat Porto einige Ecken mit cooler Street Art, ein bisschen wie in Melbourne, nur dass in Porto süße kleine Häuschen drum herumstehen und nicht unbedingt große Industriegebäude. So hat es richtig Spaß gemacht, umher zu streifen und zu schauen, was wir so finden.

Für mich sehr auffällig war noch der Busbahnhof, an dem wir eigentlich nur vorbei gelaufen sind. Aber ich habe mich auf einmal wieder wie 20 gefühlt, beim Umsteigen in Zaragoza auf dem Weg von Madrid nach Barcelona. Deutlich schöner ist aber schon der Bahnhof, der durchaus prachtvoll gestaltet ist. Auch wenn ich Befürworter von Stuttgart21 bin – Kopfbahnhöfe sind charmanter.

Eine große Enttäuschung gab es aber und Christoph schlägt jetzt die Hände über dem Kopf zusammen. Ich wollte eine Seifenschale. Mit Löchern oder einem funktionierendem System, das sicherstellt, dass die Seife nicht matschig wird. Und in einer Stadt mit so vielen bemalten Kacheln hab ich keine gefunden… Der Frustkauf war ein Paar Ohrringe – alle sind wieder glücklich.

Ist es euch auch aufgefallen? Alles habe ich mit anderen Orten und Ländern verglichen. Fluch und Segen gleichzeitig. Denn einerseits weiß ich nach den vier Tagen noch nicht so richtig, was Portugal eigentlich ausmacht. Und andererseits habe ich mich an so viele Sachen erinnert, an die ich schon Jahre nicht mehr gedacht habe. Und ist es nicht toll, wenn ein Geschmack oder ein Geruch plötzlicher Auslöser für einen Flashback ist? Zurück gekommen bin ich sehr zufrieden. Definitiv möchte ich noch mal länger nach Portugal. Und ich bin gepannt, bei welchen Gelegenheiten und aus welchem Grund mein Gedächtnis zukünftig „Porto!“ triggert.

Nein, das ist kein aktueller Reisebericht – wir waren im November 2019 für ein langes Wochenende in Porto. Dieser Artikel musste jetzt ein Jahr lang (fast) fertig auf den richtigen Moment warten. Der ist heute. Im Lockdown, bei strömendem Regen und den neuen Einreisebeschränkungen aus Portugal.

1 Comment

  1. Ich hatte schon fast vergessen, wie Urlaub aussehen kann… danke für die kleine Entführung aus dem Corona-Einerlei!

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