FOZ DO IGUAÇU & CATARATAS DE IGUAZU

Tja, jetzt reden die Leute NOCH komischer – es nennt sich brasilianisches Portugiesisch :). Vorbei ist es mit der mühelosen Verständigung. Durch die Grenznähe sind die Leute hier spanisch aber durchaus gewöhnt, mit „portuñol“ klappt das ganz gut (abgesehen davon, dass hier alles vom Tourismus lebt und die meisten Englisch können).

Brasilien und Paraguay feiern Weihnachten vom 24. auf den 25.12. – wichtig ist das Anstoßen um Mitternacht, und vorher viel Fleisch auf dem Grill (= bei den meisten Familien gibt’s ein asado). Da das Mitternachtsgetränk normalerweise nicht das erste Getränk des Abends ist, passiert am 25.12. nicht so viel. Das ist Feiertag und alles was nicht mit dem Tourismus oder der Aufrechterhaltung der Grundversorgung zu tun hat ist geschlossen.

Die Nationalparks auf beiden Wasserfallseiten sind aber offen und: es ist vergleichsweise wenig los (ab dem 26. wird’s dann voll, wurde mir gesagt). Hab ich aus Versehen alles richtig gemacht.

Auf der brasilianischen Seite sind es vom Nationalparkeingang 13 Kilometer durch den Dschungel bis zu den Wasserfällen. Die fährt man normalerweise mit dem Bus. Ich dachte, es wäre nett sie zu radeln. War es auch, uneingeschränkt empfehlen kann ich die Iguassu by bike-Tour trotzdem nicht (gerade in der Hauptsaison ist es vermutlich sinnvoller, so früh wie möglich zu kommen und vor den ganzen Touren auf den Aussichtsplattformen zu sein). Wir haben uns sehr viel Zeit gelassen und Bruna hat mehrere Stopps mit uns gemacht. Die haben einen Einblick „hinter die Kulissen“ gegeben und mir deutlich gemacht, wieviel mehr der Nationalpark (von dem wir ja nur 1% gesehen haben) beinhaltet, als nur die Wasserfälle.

Dann also: der erste Blick auf das Panorama. Und dann vom nächsten und nächsten Punkt. Es ist gigantisch, diese Anordnung – man könnte es nicht schöner malen. Ich wusste vorher, dass man von der brasilianischen Seite den besseren Gesamtblick hat, während man auf der argentinischen Seite näher dran ist. Nicht so richtig klar war mir, dass sich die Fälle quasi im Halbkreis anordnen (1/3 brasilianisch, 2/3 argentinisch) und der Fluss, der das gefallene Wasser abtransportiert, der Grenzfluss ist. Am zweiten Tag spaziert man also auf der gegenüberliegenden Flussseite herum.

Erstmal haben wir uns aber gefreut, dass der Weg uns nah ans bzw. aufs Wasser gebracht hat, die Gischt war eine sehr willkommene Abkühlung!

Ich habe mir spontan die Bootsfahrt unter die Wasserfälle zu Weihnachten geschenkt. Mit einer Bimmelbahn auf Rädern fährt man 3 Kilometer durch den Dschungel, geht 600 Meter zu Fuß, zahlt dann nochmal EXTRA für den Locker (hallo, customer experience?!), wird in Schwimmwesten eingepackt und ins Schlauchboot gesteckt. Auf dem Weg flußaufwärts bin ich beeindruckt, wie geschickt unser Bootsführer uns um/über die Stromschnellen navigiert. Klar, ab und zu muss zur allgemeinen Passagierbegeisterung auch ein bisschen gespritzt werden und die Kurve extrascharf genommen werden. Die Hauptattraktion ist aber, dass man unter die Drei-Musketiere-Wasserfälle fährt mit dem expliziten Ziel, dass niemand mehr eine trockene Faser am Körper hat. Das hätte ich nicht unbedingt so gebraucht, ich weiß, wieviel Kraft Wasser hat. Zurück sind wir die Stromschnellen heruntergehüpft und mir war so patschnass im Fahrtwind tatsächlich fünf Minuten lang kalt. Trockene Klamotten an und dann so schnell wie möglich zurück nach Foz – ich war erledigt und hätte im Stehen schlafen können.

In den Supermarkt musste ich es noch schaffen – bevor er für Weihnachten zumacht. Dort war die gleiche Vorfeiertagspanik wie wir das auch in Deutschland kennen. Es gab sehr feierlich einen Salat zu Essen :). Das Hostel hat zwar ein Weihnachtsessen veranstaltet, aber ab 21 Uhr – das ist zu spät für mich… Es war also denkbar unweihnachtlich, was aber (genau deswegen) total okay war.

Bei der Itaipú-Führung hatte mir ein deutsches Paar erzählt, dass der Garganta del Diablo-Walkway, der beste Teil auf der argentinischen Seite, gesperrt ist. Der Teufelsschlund ist der mit 80 Metern höchste Wasserfall der Runde und der Steg geht bis zur Kante. Aber: Im Oktober gab es heftige Regenfälle, die den zweithöchsten Wasserstand seit Aufzeichnungsbeginn zu Folge hatten – und die die Plattform kaputt gemacht haben. (Wie das (zum vermutlich noch nicht höchsten Wasserstand) ausgesehen hat, zeigt dieses Euronews-Video.) Sie soll in den nächsten Wochen wieder eröffnet werden. Dass auch Teile des Inferior-Weges (= des unteren Weg) gesperrt sind (und damit nur 1,5 von 3 Wegen begehbar sind) wusste ich nicht. Auch hier ist die Flut schuld. Der Weg wurde wohl so unterspült, dass Geologen gerade untersuchen, ob er noch sicher ist, oder jederzeit wegrutschen kann. So ist das mit diesen Naturgewalten.

Und ja, nachdem ich euch während der ganzen Zeit in den Anden erzählt habe, dass alles viel zu trocken ist, kommt jetzt das Gegenteil: Die eher tropischen Teile des Kontinents haben in diesem Jahr an vielen Stellen zuviel Wasser abbekommen und es gab viele Überschwemmungen und Schlammlawinen und so Zeug, das keiner haben möchte.

Vor dem gesperrten Weg stehend habe ich mich kurz gefragt, warum ich überhaupt hierher gekommen bin. Der Superior-Weg (= der obere Weg) hat mich doch wieder versöhnt, der ist auch schön. Wie das oberhalb der Fälle noch aussieht wie ein entspannter See und was dann da runterprasselt ist schon unglaublich. Erstaunlich auch, dass es in den Fällen noch Felsblöcke gibt, ich würde denken, dass die Wassermassen die längst hätten wegschleifen müssen.

Und ich muss schmunzeln: an einigen der Wasserfällen, die zum Gesamt-Ensemble gehören, läuft man auf den Stegen ziemlich achtlos vorbei – zu wenig eindrucksvoll angesichts der Konkurrenz. Jeder für sich wäre in Deutschland aber doch ne Attraktion. Auch für Wasserfälle kann das Leben unfair sein…

Überall im Park wird vor den coatis (Nasenbären) und Affen gewarnt, die superfrech sind und den Besuchern das Essen klauen. Die scheinen sich aber auch zum Weihnachtsessen woanders getroffen zu haben, kein einziges Tier hat sich blicken lassen.

Trotz viel Wartezeit auf Hin- und Rückweg war am Nachmittag noch Zeit, am Pool zu liegen. Sehr schön!!

Deswegen-diese-Reiseroute-Highlight 3 von 3:✔️

Tja, und dann steht auf einmal das Reiseende vor der Tür. Ich gebe zu, dass ich mittlerweile zähle, wie viele Nächte noch bis zum Rückflug fehlen – mit mehr Rückreise-Vorfreude als Bedauern über das Reiseende. Ich bin erlebnisgesättigt und merke, dass ich mehr abhake als genieße. Das ist ja nicht Sinn und Zweck der Sache.

Jetzt fehlen noch die zwei Reiseteile, vor denen ich am meisten Angst habe und auf die ich mich gleichzeitig freue: die Busfahrt von Foz nach Rio de Janeiro und Rio selbst.

30 STUNDEN BUSFAHRT FOZ – RIO

Bei „nur“ zwei Monaten Reisezeit komme ich um die Langstrecke nicht herum, aber Inlandsflüge wollte ich nicht nutzen. Hatte mich gegen eine Zwischenstation zwischen beiden Orten entschieden, Ergebnis deshalb: ich werde lange Busfahren.

Dass ich mich (auch) wirklich auf die Busfahrt gefreut habe, ist ein Beispiel für meine ausgeprägte Begabung, an jeder Situation noch etwas positives zu finden. Es gibt doch dieses indianische Sprichwort, dass die Seele beim Reisen noch hinterher kommen muss, ich glaube, ich gebe ihr mit der Busfahrt eine gute Chance.

Einziger Wermutstropfen: die Leito-Sitze sind schon ausgebucht, ich habe nur noch einen Semicama-Platz bekommen. Erfahrene Südamerikareisende seufzen an dieser Stelle mitleidsvoll. Da kann man die Sitze immer noch weiter zurückklappen und hat mehr Beinfreiheit als in jedem deutschen Reisebus, also nur mittelschlimm.

Die Fahrt verging schnell, ich habe viel weniger Podcasts gehört als gedacht, dafür aber viel geschlafen, gelesen und zwei Blogartikel auf dem Handy getippt (sehr mühsam). Und aus dem Fenster geschaut. Schon kurz hinter Foz wurde es hügelig, in Sao Paulo hat es geregnet. Außerdem gab es auch mal wieder landwirtschaftlich genutzte Fläche und der Boden ist röter als das australische Outback. An den brasilianischen Raststätten sind die Toiletten kostenlos – das gabs in den ganzen anderen Ländern nicht.

Wäre schön, wenn ich die verbleibenden Tage unversehrt und überfallfrei genießen kann – toitoitoi! Und ich freue mich sehr auf einen Strandtag – hab das Meer auf dieser Reise ja noch nicht zu Gesicht bekommen!

Ach ja, und während ich entspannt am Pool liege, ist die Lage in Peru auf einmal sehr unentspannt. Weiß nicht, wie präsent in Europa berichtet wurde, dass der Präsident entmachtet wurde (glaube, zu Recht). Die vorherige Vizepräsidentin ist jetzt Interims-Präsidentin und es gibt gewaltsame Aufstände. Das Volk will vorgezogene Neuwahlen. Die Präsidentin auch, sie hat 2023 vorgeschlagen. Das Parlament (Moment, ist das nicht die Volksvertretung?) hat aber dagegen gestimmt. Bei 18 Toten in weniger als einer Woche wiegen 5000 an den Flughäfen festsitzende Touristen nicht so schwer. Ein bisschen lustig fand ich, dass ca. 200 Touristen aus Aguas Calientes (dem Ausgangsort für Machu Picchu, der nur mit dem Zug erreicht werden kann) 30 Kilometer zur nächsten Straße gelaufen sind, weil die Bahnstrecke im Zuge der Proteste außer Betrieb war. Trekking der anderen Art… (Quelle: FAZ)

Mal wieder: Wir haben ja auch Nachbarländer, die ihre Regierungen wechseln wie andere Leute ihre Unterhosen. Diese Art der politischen Instabilität ist aber schon nochmal ne andere Kategorie. Oder nehmen wir Venezuela: Die Venezolaner, die ich unterwegs getroffen habe, sind alle schon mindestens 5-10 Jahre außer Landes und ob der dortigen Zustände traurig und wortwörtlich sprachlos.


Spannende Themen!

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