Kennt ihr dieses übermäßige Verlangen nach Zucker? Am besten Schokolade! Eine GANZE Tafel Schokolade! Ich eigentlich nicht, vor allem nicht mit dieser Vehemez. In den letzten Wochen hatte ich diese Sucht aber entwickelt und bin unglücklich damit.
Und außerdem mache ich Sachen ja gerne anders als die meisten anderen Menschen…

Und was machen alle, während wir zu Hause eingeschlossen sind? Essen! Was macht also Eli? Fasten! Das steht tatsächlich auf der nach wie vor unveröffentlichten Erste-Male-Liste für dieses Jahr.
„Vergiss es! Essen ist das Einzige, was mir bleibt!“ war die durchgängige Reaktion, als ich versucht habe, Mitstreiter zu finden. Dabei war die Ausgangslage noch nie so gut. Keine Essensverabredungen, keine Geburtstagsfeiern bei denen man auch Wein trinken möchte, keine Kuchen-Verführungen im Büro. Dafür sechs Tage am Stück zu Hause frei und dann Homeoffice. Beste Voraussetzungen also. Deshalb – JETZT ODER NIE!

Tag 1 (Entlastung): Kein Kaffee mehr, kein Zucker, kein Alkohol, keine Fertignahrung, nichts fettiges, nichts tierisches, Kohlenhydrate in Maßen. Klingt machbar und bis auf Kaffee und Alkohol keine große Umstellung. Weniger Essen klappt aber doch nicht so gut – da sind ja noch Reste, die aufgegessen werden wollen…

Tag 2 (Entlastung): Das Kaffeeritual am Morgen wird durch eine Tasse Pfefferminztee ersetzt, bevor es später kannenweise Tee gibt. Funktioniert. Sowieso erstaunlich: Mein Kopf hat entschieden: „Wir machen das jetzt!“ – Und der Körper folgt brav. Frisches Gemüse ist aber ja eh lecker. Und dazu gibt es, wie während des gesamten Fastens 3-4 Liter Kräutertee und Leitungswasser.
Ich verstehe, warum es in vielen Büchern nur einen Entlastungstag gibt: ich hab das Gefühl, es muss jetzt dringend losgehen mit dem Fasten!

Tag 3 (Entlastung): Aber… ich muss noch die Fastensuppe (= Gemüsebrühe) kochen. Die Gemüseeinlage darf nicht mit rein und in den Müll kippen will ich sie nicht. Die gibt es also heute als Mittag- und Abendessen. Außerdem bin ich am Morgen in der Sonne lieber noch eine extragroße Runde joggen gegangen. Wer weiß, ob das noch geht, wenn ich nichts mehr esse?!

Tag 4 (erster Fastentag): Ein erstes Mal im ersten Mal: Ich führe ab. Gar nicht spektakulär. Es wird Bewegung empfohlen, also putze ich die Wohnung (Toilettenähe…). Und Ruhe, also liege ich auf dem Sofa und lese. Gutes Leben! Das „Mittagessen“ besteht während der Fastentage aus 250 ml Gemüse- (oder Obst-)Saft. Ich sitze auf dem Balkon und löffle andächtig. Guter Vorsatz: kein Lesen oder irgendwas Anschauen während des Essens. Einfach. nur. essen. Schwierig. Abends gibt es dann 250 ml Gemüsebrühe, die ich sogar lecker finde! Mal sehen, ob das am Ende der Woche auch noch so ist…

Tag 5 (zweiter Fastentag): Ha! Ich bin wieder um 6 Uhr wach. In den vergangenen Tagen hat sich das schon so auf 7 / halb acht verschoben… Und ich wundere mich: Warum ist es noch dunkel? Und, Moment, warum war es gestern Abend so lange hell? Und es ist mir immer noch rätselhaft, wie ich es beim Putzen des Badradios geschafft habe, die Uhrzeit zu verstellen… Dann dämmerte es nicht nur draußen, sondern auch mir: ich hab die Zeitumstellung verpasst! Das sind ja so Sachen, die man beim Plausch mit den Kollegen auf dem Weg zur Kantine besprochen hätte. Aber: Ob man es wusste oder nicht: macht aktuell keinen Unterschied.
Einen Unterschied macht aber das Körpergefühl und der Blick in den Spiegel: wo ist mein Bauch? Ich fühle mich spargelig, ein bisschen schwach und friere. Also: ab aufs Fahrrad und raus in die Sonne. Nach zwei Stunden Radfahren bin ich wieder aufgetaut. Abends grummelt der Magen, wirkliche Essens-Versuchung kommt aber nicht auf.

Tag 6 (dritter Fastentag): Mir ist kalt. Glücklicherweise ist heute Functional Fitness-Tag. Das geht gut und mir ist warm. Danach ist mir wieder kalt. Das nächste Fasten findet definitiv wandernderweise im Sommer statt. Mental ist alles gut, der Homeofficetag ist okay. Mein Ruhepuls von normalerweise ~52 ist auf 45 abgesackt.
Ich hatte gelesen, dass sich im Laufe der Fastenwoche der Geist quasi automatisch mitreinigt, was oft zu spontanen Selbstzweifelanfällen und intensiven Träumen in der Nacht führt. Beidem kann ich nicht zustimmen. Ich schlafe tief und fest und bin morgens früh und ausgeschlafen wach. Ein super Gefühl! Auch, dass ich Essen riechen und anderen ohne Neid beim essen zuschauen kann.

Tag 7 (vierter Fastentag): Die schönen Beispiele, in denen Marathonläufer während des Fastens ihre Bestzeit laufen, kann ich aktuell nicht glauben. Ich war eine für mich kurze – und mühsame – Runde joggen. Zum ersten Mal in meinem Leben verstehe ich, was die Freunde meinen, die sagen, dass ihnen nach dem Laufen alles weh tut (ich bin ja sonst nur glücklich). Das ist ja furchtbar so! Faszinierend und furchtbar gleichzeitig finde ich, dass sich auch die ganze Mundflora ändert. Ich produziere weniger Speichel und mehr Mundgeruch und vor allem spürbaren Zahnbelag. Ich putze viermal am Tag Zähne.

Tag 8 (fünfter Fastentag): Ich bin eingegroovt. Das Hungergefühl ist seit Tag 3 weg und heute friere ich auch nicht mehr. So eingegroovt, dass ich mein Suppen-Abendessen fast vergessen hätte (schmeckt übrigens noch). Prinzipiell fühlt es sich wirklich so an, also ob ich jetzt endlos weiterfasten könnte. Kopf und Körper funktionieren gut, ich bin (vom Joggen abgesehen) voll einsatzfähig. Weiter zu fasten ist trotzdem keine Option, ich habe viel zu viele Kochideen und Essenslust. Außerdem fühle mich klapprig dünn. Vier Kilo habe ich seit dem ersten Fastentag abgenommen, fünf seit dem Entlastungsstart. Das ist aber vor allem Flüssigkeit, das kommt wieder…

Tag 9 (Fastenbrechen): Bevor ich in den süßen Apfel beiße, steht mir noch ein saurer bevor. Für mein Projekt arbeitet ein sechsköpfiges Team, das fast vollständig aus Leasingkräften besteht. Und Leasing/ANÜs wurden krisenbedingt kurzfristig gekündigt… Heute ist der letzte Tag für drei von ihnen. Grund genug für meinen Mit-Projektleiter und mich, uns trotz Kurzarbeitstag auf Firmengelände zu schleichen und uns aus zwei Meter Entfernung zu bedanken und zu verabschieden.
Dann. Der Apfel. Es war nicht die erwartete Geschmacksexplosions-Offenbarung. Schade. Wie befohlen habe ich mich danach erst mal hingelegt. Und bin tatsächlich eingeschlafen. Verrückt! Mittagschlaf klappt ja sonst nie. Es kniff und zog auch noch den weiteren Nachmittag lang, mein Körper war mit dem Hochfahren der Verdauung gut beschäfigt. Und: Gemüsesuppe MIT EINLAGE (das Abendessen) ist doch was Feines!

Zurück zur festen Nahrung!

Tag 10 (Aufbautag): Birchermüsli zum Frühstück!! So lecker! Wusstet ihr, dass man 30 % seiner Energie zum Verdauen benötigt? Ich glaube es jetzt. Kaum hatte ich den letzten Löffel gegessen habe ich deutlich gemerkt, wie das Blut aus meinem Kopf abgezogen wird und sich mein Körper an die Verdauung macht. Die startet er ja gerade von Null, weswegen das „wenig und leicht verdaulich“-Essen direkt nach dem Fasten so wichtig ist.

Tag 11 (Aufbautag): Doch, tatsächlich, ich kann nicht mehr so viel Essen. Gestern habe ich noch bezweifelt, dass das frühere Sattheitsgefühl auch bei mir vorhanden ist. Das Tageshighlight (Joggen ist immer noch schwierig) war – ein Essen: eine Scheibe Vollkornbrot, mit Camembert belegen, Tomatenscheiben drüber, Champignons drüber, ein bisschen Pfeffer und für 8 Minuten in den Backofen. Mit Basilikum garnieren und … mmmmhhh, lecker!

Stolz, es durchgehalten zu haben bin ich schon ein bisschen (auch wenn es nicht schwierig war). Ob ich es jetzt wirklich geschafft habe, während der Aufbautage neue Essensgewohnheiten aufzubauen (Fastenratgeber)? Ich glaube nicht. Aber die Zuckerreduktion muss klappen!

Am folgenden Tag bringe ich die ausgeliehenen Fastenbücher der Freundin zurück. Da gibt es gerade Kaffee und Eierlikörtorte mit Nussboden… Und, habe ich mit starkem anders-als-der-Rest-und-außerdem-wollte-ich-keinen-Zucker-Essen-Willen „nein“ gesagt? Natürlich nicht! Mmmh, war sie lecker!

Kommentar verfassen