[Gastbeitrag] Hallo, mein Name ist Diana, ich bin Yogalehrerin und Hotelbetriebswirtin und ich hatte meine Hysterektomie im Februar 2024 mit 45 Jahren. Im Dezember 2023 bekam ich die Diagnose Endometriose und Adenomyose.
Ich glaube, beziehungsweise hoffe, dass die Endometriose mittlerweile bekannt ist. Bei der Adenomyose handelt es sich um eine Erkrankung, bei der sich Zellen im Inneren der Gebärmutter atypisch zwischen den Zellen der Gebärmutterwand vermehren und so zu einer Verdickung der Gebärmutterwand führen.
Mein Leidensweg: Endometriose ohne Diagnose
Diese Diagnose kam nach einem Leidensweg, der mit 15 begonnen hatte. Im Nachhinein ist das für mich immer noch schwer zu verstehen, da ich regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung bei meiner Frauenärztin gegangen bin und auch immer wieder darauf zu sprechen gekommen bin, wie hoch der Leidensdruck ist. In den Zeiten, in denen ich nicht hormonell verhütet habe, hieß das für mich mindestens ein- bis zweimal im Monat (rückwirkend betrachtet bei jedem Endometrioseschub) ohnmächtig zu werden und mich zu erbrechen. Das wurde abgetan als typische Menstruationsbeschwerden, die jede Frau ertragen sollte. (Ich lag bspw. bewusstlos mit meinen 3 Hunden im Wald oder bin auf Bootsstegen umgekippt – das nur zur Einordnung, wie unrealistisch die Einschätzung der Frauenärztin war).
Nachdem ich also 30 Jahre lang gehört hatte, dass ich mich nicht anstellen soll, war die Diagnose zunächst mal ein Schock. Aber irgendwo auch endlich mal etwas handfestes, mit dem ich arbeiten konnte, und wusste, dass sich jetzt was ändern muss und wird. Glücklicherweise bin ich bei einem einfühlsamen und zugewandten Chirurgen gelandet, der mir die Dringlichkeit der anstehenden Gebärmutter Entfernung und Endometriose OP nahegebracht hat. Es gab hier keine Alternativen, also hatte ich nicht das Problem, mich entscheiden zu müssen, ob diese OP stattfindet. Diese sollte dann auch recht schnell erfolgen.
Ehrlicherweise habe ich den ersten OP-Termin noch einmal verschoben, weil ich mich einfach mit der Thematik vorher nicht auseinandersetzen konnte und mir auch noch eine Zweitmeinung einholen wollte.
Ich hatte so eine Vorstellung in meinem Kopf, dass ich mich nach der OP nicht mehr als Frau fühlen würde und ich hatte große Angst davor. Spoiler: das hat sich keineswegs bestätigt.
Die LASH und das Entfernen der Endometrioseherde
Erstaunlich war für mich, wie wenig Aufklärung vorab stattgefunden hat.
Im Grunde genommen wurde mir vermittelt, dass mein Leben nach der Entfernung deutlich besser werden wird und ich keinerlei Probleme mehr haben werde. Die OP selbst sollte nach drei Wochen verheilt sein. Ich habe dann im Anschluss ein Gespräch mit einer Bekannten geführt, die diese OP schon hinter sich hatte. Googeln wollte ich nicht, weil es erfahrungsgemäß Ängste verschlimmert. Also bin ich einfach mit der Taktik „durchziehen“ rangegangen.
Zwei Monate nach der Diagnose erfolgte dann der Eingriff. In der Nacht vor der OP hatte ich leider noch einen Endometrioseschub und dementsprechend bin ich 12 Stunden vor Beginn der OP noch ohnmächtig geworden und mir ging es kreislaufmäßig nicht gut.
Das Ausmaß der Endometriose war beachtlich, und im Bauchraum waren viele Stellen, die abgeschabt und entfernt werden mussten. Das Blasendach zum Beispiel war so befallen, dass es komplett abgezogen wurde. Es ist wichtig, hier an dieser Stelle zu betonen, dass es bei mir eben nicht nur die Gebärmutter Entfernung war, sondern auch eine umfassende Endometriose OP. Auch bei mir wurde die LASH-Methode durchgeführt. Es musste noch ein zusätzlicher Schnitt linksseitig vergrößert werden.
Durch die Kreislaufprobleme habe ich die Narkose nicht gut vertragen, ganz anders als bei der anderen Operation, die ich zuvor hatte. Dadurch durfte ich leider keine Opiate bekommen. Der erste Tag und die erste Nacht nach der OP war dementsprechend schmerzhaft. Blasen- und Darmentleerung war auch nicht schön für die ersten drei Tage.
Das Titelfoto ist von Tag 2.
Schon ab Tag 4 ging es aufwärts. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich Ausfluss oder Blutungen. Ich habe die Narben regelmäßig mit einem Narbengel versorgt und hatte auch keinerlei Probleme mit der äußeren Heilung.
Die ersten Wochen Post-OP
Die ersten zwei Wochen war ich sehr eingeschränkt in meinem Bewegungsablauf und habe die meiste Zeit gelegen. Sitzen ging nicht gut.
Ich erinnere mich gut, dass ich nach einer Woche im Keller eine Wäsche anmachen wollte und sehr überrascht war, dass das Treppensteigen so problematisch war. Ich kann nur empfehlen in den ersten drei Wochen besonders auf den Körper zu hören. Das war auch die ungefähre Zeitangabe meines Chirurgen und diese hat sich auch bestätigt. Wirklich gar nichts zu machen, war für mich als Yogalehrerin tatsächlich eine Herausforderung, aber der richtige Weg.
Die OP war also gut verlaufen, der Heilungsprozess gut fortgeschritten und ich dachte, jetzt habe ich das überstanden.
Alles überstanden? Nein, leider nicht.
Meine Probleme haben aber begonnen, als der Schritt schon gegangen war. Ich hatte plötzlich erhöhte Zucker- und Leberwerte.
Innerhalb der ersten drei Monate habe ich 10 Kilo Gewicht verloren, so dass ich recht schnell im Untergewicht war. Ich habe nur die ersten 1,5 Wochen recht wenig gegessen, das wurde mir auch geraten, bin dann aber wieder auf meine ursprüngliche Kalorienzufuhr zurückgegangen.
Dazu kamen unspezifische und ständige Bauchschmerzen, vor allem nach dem Essen. Kohl vertrage ich nicht mehr, Fett und Zucker sind auch problematisch. Mein Hauptproblem allerdings war, dass ich mich noch nie so unfit gefühlt habe. Der Stand vor der OP war, dass ich sieben Tage die Woche Yoga gemacht und unterrichtet habe. Am Tag bin ich ungefähr 10 km mit meinen Hunden spazieren gegangen. Ich war es also gewohnt, überdurchschnittlich fit zu sein.
Dementsprechend war das für mich eine sehr große Einschränkung. Und da ich nicht besonders geduldig bin, auch eine große Herausforderung. Ich musste mein Tagespensum deutlich runter reduzieren.
Blutung & Zyklus
Nach ungefähr drei Monaten hatte ich eine leichte Blutung und habe dann von meiner neuen Frauenärztin erfahren, dass das zyklusbedingt ist. Da ich Gebärmutterhals erhaltend operiert wurde und sich am Gebärmutterhals Gebärmutterepithelien befinden, habe ich also nach wie vor noch eine leichte Blutung zu Zeiten der Menstruation. Auch den Eisprung spüre ich trotz Entfernung der Eileiter deutlich in den Eierstöcken. Das war eine wirkliche Überraschung für mich, weil ich es vor der OP im Aufklärungsgespräch so verstanden hatte, dass ich mit dem Zyklus wirklich gar nichts mehr zu tun habe. Es ist nicht schlimm und auch nicht einschränkend. Es hat nur gezeigt, dass es an der Aufklärung wirklich hapert.
Heute, 9 Monate nach der Hysterektomie
Seit ungefähr vier Wochen geht es mir aber besser. Ich bin fitter und leistungsfähiger. Und jetzt fühle ich mich wieder wohl in meinem Körper und kann genießen, dass ich endlich keine Endometriose Schmerzen mehr habe. Das macht sich auch an meinem Sexleben bemerkbar. Hier kann ich nur sagen, dass ich sehr froh bin, diesen Schritt gegangen zu sein,
Mein Gewicht ist nach wie vor niedrig, (178 cm, 58 kg) aber nicht mehr am Tiefpunkt von 55 kg (obwohl ich um die 2500 kcal am Tag zu mir nehme). Es hat auch keinen Arzt rausfinden können, woran das liegt.
Im Großen und Ganzen habe ich gemerkt, dass mein Weg ganz individuell gestaltet werden musste. Ich habe zum Glück gut auf meinen Körper gehört und schnell gemerkt, was mir guttut und was mir nicht guttut. Hormonell habe ich keine Probleme. Ich bin im ganz normalen Zyklus und auch nicht in die Wechseljahre gekommen.
Noch einmal möchte ich betonen, dass in meinem Körper aufgrund der Fehldiagnose meiner ehemaligen Frauenärztin 30 Jahre Endometriose wachsen konnte, und im Nachhinein glaube ich, dass das das Hauptproblem war. Die Gebärmutter Entfernung an sich, also die OP, ist unproblematisch und gut verlaufen.
Es waren jetzt neun Monate, die anstrengend waren. Aber ich sehe optimistisch in das nächste Jahr und freue mich jetzt auf die schmerzfreie Zeit.
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Ein weiterer Erfahrungsbericht mit Endometriose ist der von Sabrina – falls du hier weiterlesen möchtest.
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