[Gastbeitrag] Mein Name ist Silke, ich bin 44 Jahre alt, gelernte Kauffrau und seit 3 Jahre für eine Freundin in Vollzeit tätig. Außerdem liebe ich jegliche Art von sportlicher Aktivität. Neben meiner Freeletics-Leidenschaft bin ich auch Yogalehrerin und liebe es in der Natur unterwegs zu sein – ob mit Hund, Rennrad oder einfach so 😊.

Mein Weg zur Gebärmutterentfernung. Oder: eine Entscheidung, die ich nicht selbst getroffen habe

Manchmal gibt es Entscheidungen, die man bewusst trifft – und manchmal werden sie einem abgenommen. Eine Gebärmutterentfernung war gar nicht geplant. Aber: im Februar 2025 hat sie als Not-OP eine monatelange Leidenszeit voller Schmerzen, Hoffnung und Enttäuschungen beendet.

Der Anfang – Wenn der Körper aus dem Gleichgewicht gerät

Anfang 2024 bemerkte ich, dass sich meine Regelblutungen veränderten. Erst waren sie nur unregelmäßig, was mich nicht weiter störte. Doch nach und nach wurden sie stärker und hielten länger an. Ich dachte mir zunächst nichts dabei, dass Hormone in meinem Alter mal verrücktspielen ist ja „normal“.

Im August führten mich starke Schmerzen in die Notaufnahme. Die Diagnose lautete, dass ein Myom für die Beschwerden verantwortlich sei. Meine Frauenärztin erwähnte das Myom zuvor schon mal, Probleme machte es bis dato nicht. Ich bekam Schmerzmittel und wurde nach Hause geschickt. Danach hatte ich Ruhe – bis zur nächsten Periode. Sie war erneut extrem schmerzhaft und sehr stark. Langsam begann ich, mir doch Sorgen zu machen.

Ein Balanceakt zwischen Angst und Alltag

Schließlich wollte ich doch im Oktober in den Urlaub nach Peru! Würde ich die Reise überhaupt genießen können? Glücklicherweise erwischte mich der schlimmste Tag mit Schmerzen und starker Blutung während einer langen Busfahrt. Es war zwar unangenehm, aber irgendwie schaffte ich es durchzukommen. Nur: Was, wenn diese Blutungen nicht aufhören?

Erste Behandlungsversuche – Hoffnung und Warten

Im November wechselte ich meine Gynäkologin. Die Aussage “Sie haben halt starke Blutungen durch das Myom, da hilft nur die Pille oder die Gebärmutterentfernung!” war mir zu viel und zu wenig empathisch. Tja, am Ende hat sie mit ihrer Aussage recht behalten.

Bei der ersten Untersuchung der neuen Gynäkologin war ihr Einfühlungsvermögen und Verständnis eine wahre Wohltat für mich. Und ich bekam eine neue Diagnose: Adenomyose. (Was ist das?) Uff. Sie  riet mir als ersten Schritt zu einer Hormontherapie mit einem Gelbkörperhormon. Um die Wirkung beurteilen zu können, war ein Durchhalten von mindestens drei Monate notwendig. Ich wollte diese Option nutzen – und hoffte, dass sie mir Erleichterung bringen würde.

Nach 5 Wochen ohne Blutung war ich euphorisch. Im Dezember kam eine so massive Blutung, dass ich zum ersten Mal wirklich Angst bekam.

Im Januar begann eine weitere starke Blutung. Meine Gynäkologin schickte mich sofort in die Notaufnahme. Dort wurde eine Ausschabung angesetzt und diese dann auch durchgeführt. Leider war schon nach drei Tagen klar: Es hat nicht geholfen. Die Blutungen wurden wieder stärker.

Ich begann, mich mit Alternativen zur Hormontherapie auseinanderzusetzen. Sollte ich eine Verödung in Betracht ziehen oder doch die komplette Entfernung der Gebärmutter? Ich erstellte mir eine Liste mit Pro- und Contra-Punkten sowie Fragen, die ich meiner Gynäkologin beim Kontrolltermin in drei Tagen stellen wollte.

Der Moment, der alles veränderte

Zwei Tage später saß ich mitten in der Nacht weinend auf der Toilette. Unmengen von Blut kamen aus mir heraus – ich wusste, dass ich so nicht weitermachen konnte. Am Morgen brachte mich mein Freund erneut in die Notaufnahme. Die Ärztin las meine Akte, sagte: „da könnten wir jetzt eh nichts machen“ und schickte mich mit einem Rezept für ein blutstillendes Mittel ohne Untersuchung wieder nach Hause.

Über einen befreundeten Kontakt konnte ich am nächsten Tag zum Oberarzt der Gynäkologie (eines anderen Krankenhauses) gehen. Er sah sich meine Situation an und 48 Stunden später war die Not-Hysterektomie. Aufgrund der anhaltenden übermäßig starken Blutungen und dem weiter abfallenden Hämoglobin-Wert. Mein Körper hatte die Entscheidung für mich getroffen.

Der Tag der OP und die Zeit danach

Als ich auf dem OP-Tisch lag, war ich erleichtert. Mein Körper war ausgelaugt, meine Nerven lagen blank. Wochenlang hatte ich gehofft, dass es eine andere Lösung geben könnte – jetzt war ich mir in meiner Entscheidung sehr klar.

Nach dem Eingriff war ich von der Narkose sehr müde, aber gleichzeitig spürte ich eine sofortige Erleichterung. Das schlimmste Kapitel war vorbei. Schmerzen hatte ich nur vom Gas, mit dem der Bauchraum während der OP aufgeblasen wurde. Dieses unangenehme Druckgefühl hielt etwa zwei Tage an.

Schon am nächsten Tag wurde der Katheter entfernt, die Drainage folgte kurz darauf. Das erste Aufstehen fiel mir nicht sehr schwer und half, den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen. Am zweiten Tag nach der OP konnte ich endlich duschen – ein kleines Stück Normalität, das sich unglaublich gut anfühlte. Drei Nächte nach der OP durfte ich nach Hause.

Die ersten Tage nach der Entlassung waren geprägt von extremer Müdigkeit. An Tag drei zu Hause fühlte ich mich schon deutlich besser und dachte, ich könnte langsam wieder aktiver werden – doch mein Körper zeigte mir sehr deutlich, dass er noch Zeit brauchte. Ein starkes Ziehen im Unterbauch machte mir klar, dass ich mich nicht übernehmen durfte.

Zwei Wochen nach der OP

Langsam kehren meine Kräfte zurück. Ich brauche immer noch viel Schlaf, an Tag 12 mache ich zum ersten Mal keinen Mittagsschlaf mehr.

Schmerzmittel habe ich nicht mehr benötigt. Die Narben zwicken etwas, aber das ist nichts im Vergleich zu den Schmerzen der letzten Monate.

Körperlich geht es mir gut. Die ständigen Blutungen, die Schmerzen und die Angst, wann es wieder losgeht, sind vorbei. Das ist eine enorme Erleichterung.

Emotional braucht es noch Zeit. Nicht, weil ich meine Gebärmutter verloren habe, sondern weil mir erst jetzt klar wird, was mein Körper und mein Geist in den letzten Monaten geleistet haben und wie kräftezehrend diese Zeit war. Ich habe lange funktioniert, immer gehofft, dass es von allein besser wird und so viel ausprobiert. Letztlich hat mir mein Körper keine Wahl gelassen – aber vielleicht war genau das notwendig. Jetzt kann ich endlich heilen.

… und danach

Mein körperliches Wohlbefinden hat in Woche drei einen enormen Sprung gemacht. Der anhaltende Schwindel – laut Gynäkologin wohl noch eine Nachwirkung der Narkose – ist endlich verschwunden. Insgesamt fühle ich mich wirklich gut. Die Kondition lässt zu wünschen übrig – logisch. Die größte Herausforderung für mich bleibt die Akzeptanz, dass mein Körper seine Zeit braucht.

Ich bin inzwischen wieder im Arbeitsmodus – allerdings mit 50 % und nur, weil ich bequem von zu Hause arbeiten kann.

Hosen mit festem Bund sind nach wie vor ein No-Go, der Bauch ist einfach noch zu empfindlich. Umso dankbarer bin ich, dass ich nach 2,5 Wochen langsam wieder in den Alltag starten kann, ohne meinen Körper zu überfordern.

Sport geht noch nicht, sanfte Yogaeinheiten und bewusstes Atmen aber schon – und tun Körper sowie Geist unglaublich gut.

Bei der Nachsorge habe ich als finale Diagnose aus dem OP-Bericht “Adenomyose” erhalten. Laut Gynäkologin hätte mir eine Verödung (als weiterer Zwischenschritt) nicht geholfen.

5 Wochen danach – Erste “sportliche Aktivitäten” in Form von putzen haben sich wie ein kleines Workout angefühlt. 🙃 Ansonsten fühle ich mich wohl in meinem Körper. Eine Narbe piesackt mich etwas, die anderen sind fantastisch verheilt. Ich arbeite wieder Vollzeit, der Alltag läuft – bis auf Sport – in seinen normalen Bahnen. Einzig mein Schlafbedürfnis ist ziemlich hoch, das lässt sich (auch) auf meine weiterhin ziemlich schlechten Eisenwerte zurückführen – die vielen Blutungen wirken noch nach.

In der Drogerie hatte ich letzte Woche ein neues Erlebnis – ich bin kurz vor Tampons, Binden und Co. stehen geblieben, die automatisch IMMER mit in den Einkaufswagen gewandert sind. Ich wollte schon danach greifen, bis ich merke “brauch ich gar nicht mehr!”. 🥳

Ab nächster Woche starte ich als Yogalehrerin wieder mit meinem Kurs – dann sind genau 6 Wochen seit der OP vergangen. Fordernde Positionen wie Plank oder auch das Boot lasse ich noch aus. Leichtere Übungen für den Bauch werde ich jetzt sehr achtsam angehen.

Die erste gemäßigte Rennradrunde habe ich bei schönstem Frühlingswetter ging übrigens super!

Mein Fazit – Jede Entscheidung ist die richtige

Jede Frau, die mit einer ähnlichen Diagnose konfrontiert wird, steht vor einem individuellen Weg. Es gibt nicht die eine richtige Entscheidung – sondern nur die, die sich für jede Einzelne richtig anfühlt.

Ich habe in dieser Zeit gemerkt, wie sehr es mir geholfen hat, offen darüber zu sprechen. Erst durch diesen Austausch wurde mir bewusst, wie viele Frauen ähnliche Beschwerden (durchgemacht) haben. Diese Gespräche haben mir Mut gemacht und mir gezeigt, dass es wichtig ist, sich alle Optionen offen anzusehen und für sich selbst abzuwägen.

Wenn es die Situation erlaubt, sollte man sich Zeit nehmen, Fragen stellen und verschiedene Möglichkeiten durchdenken. Doch egal, wofür man sich entscheidet – es ist deine Entscheidung, und sie ist die Richtige. Unabhängig davon, was das Umfeld dazu sagt.

Ich hoffe, dass mein Erfahrungsbericht anderen Frauen hilft, sich weniger allein zu fühlen, Mut zu fassen und sich bewusst für den eigenen Weg zu entscheiden. 💛

P.S.: Das Foto zeigt Silkes Bauch zwei Tage nach der OP, noch im Krankenhaus.


Fragen an Silke? Schreib Eli, sie leitet deine Mail an sie weiter.

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