Genauso wie Weihnachten (nur noch gute 7 Wochen, übrigens) jedes Mal wieder überraschend auftaucht, bin ich von meiner Elizeit überrumpelt worden. Es gibt keine langen Vorbereitungserzählungen, denn… ich bin schon unterwegs!

November und Dezember, die beiden Monate, die ich in Südamerika unterwegs bin, habe ich schon vor mehr als einem halben Jahr als Sabbatical beim Arbeitgeber beantragt. Dann habe ich Flüge gebucht (30.10. via Bogotá nach La Paz und am 30.12. aus Rio de Janeiro zurück nach München) und mir vorgenommen, ein paar Wochen vorher ein Hotel für die ersten Nächte zu buchen.

Fertig vorbereitet. Oder?

Ja und nein. Den groben Reiseplan habe ich seit ungefähr 10 Jahren im Kopf, habe ihn jetzt um mehr Bergsteigen ergänzt. Das war einfach. Vor Ort lässt sich das meiste besser organisieren – wenn man die Zeit hat. Gegen Durchplanen spricht, dass man sich vorher die Zeit zum Lesen/organisieren nehmen muss. Und in den Breitengraden, in denen ich unterwegs sein werde, beginnt jetzt der Sommer, also die Regenzeit. Wer weiß, welche Straße wo nicht passierbar ist. Und in Peru und Venezuela wurde immer gern sehr kurzfristig gestreikt, das gilt für die Bolivianer vermutlich auch…

Vor drei/vier Wochen habe ich realisiert, dass es langsam mal Zeit wird. Es gibt doch Zeug zu organisieren.

  • Wer übernimmt meine Aufgaben im Job?
  • Ein Untermieter, bzw. keine Miete zahlen zu müssen, wäre top
  • Das Hotel. Und ein Taxi zum Hotel, ich komme mitten in der Nacht an
  • Oh, so ne lange Reise braucht eine extra Krankenversicherung
  • Äh, und … habe ich alle Impfungen?
  • Sind die Malaria-Prophylaxe-Tabletten von der Indien-Reise noch brauchbar?

Und was packt man, wenn von -10 auf den 6.000ern bis zu tropischen +35 Grad alles dabei sein wird?

Ich hab gemerkt: Meine Reisevorbereitungsskills sind etwas eingerostet.

Wie beim letzten Mal (mein Winter Escape in den Himalaya/Indien vor vier Jahren) hat sich auch diesmal sehr organisch ein Name für die Reise gefunden. Im vergangenen Jahr waren so viele Kollegen (explizit männlich, in diesem Fall) in Elternzeit – (fast) alle die klassischen ein oder zwei Reisemonate lang. Meine feministischen Ansichten zu dem Thema sind hier nicht von Belang, unbestreitbar ist aber: ohne Kind und Kegel reist es sich leichter (und) weiter. Deshalb: Elizeit.

Willkommen, ich nehme euch gerne mit!

Und da sind einige Punkte, auf die ich mich ganz besonders freue:

  • Mit wenig Gepäck/ohne Plunder unterwegs zu sein
  • Das eingerostete Spanisch wieder zum Fließen zu bringen
  • Mit Taxifahrern zu verhandeln
  • Richtiges, leckeres, saftiges Obst massenweise zu konsumieren – am besten in Form von frischgepressten Säften am Straßenrand
  • Sowieso: unbekanntes Straßenessen
  • 12-Stunden-hell-Tage und später dann auch wieder Sonne-Birkenstocks-kurze Hose-Tage
  • Gewöhnungsbedürftige lokale Musik, die in den Bussen aus schlechten Lautsprechern scheppert
  • Fiestas!!
  • Verzweiflungsmomente, in denen ich meinen deutschen Kopf nicht ausgeschaltet bekomme
  • Leichtigkeit des Seins dazwischen
  • Und hoffentlich den ein oder anderen Andengipfel…

Gestern sind wir im Trailrunning-Stil über Steine und Wurzel-Waldwege gehüft. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich jetzt eine Weile nicht mehr Rennen werde. Morgen früh lande ich auf 4.000 Meter Höhe, da ist erstmal Schildkröte angesagt. Wenn ich dann nicht mehr alle paar Schritte zum Luftholen stehen bleiben muss, werde ich mich schrittweise in höhere Andenregionen vorarbeiten und – wenn meine Konstitution und das Klima es zulassen – auch mindestens einen 6000er in Angriff nehmen. Toi toi toi.

Neben majestätischen Bergen freue ich mich auch auf die wärmeren Teile von Bolivien. Ich kann mir vorstellen, dass Potosí, die Silberminenstadt sehr zwiespältig wird. An den Salzsee von Uyuni habe ich hohe Erwartungen – das muss ja so bombastisch sein. Und die Atacama-Wüste. Mega.

Dann hört der Plan auf. Zu den Wasserfällen von Iguazu möchte ich (deswegen der Rückflug aus Rio), wie ich da hinkomme weiß ich aber noch nicht. Und auch nicht, wie lange es dauert. Voll gut, oder?!

Und ja, ich reise alleine. So war es am Anfang geplant. Zwischenzeitlich sah es nach temporärer Begleitung aus, jetzt aber doch: on my own. Gut für die Leseliste und das ins-Gespräch-kommen. Und die ein oder andere Entscheidung.

Teilen möchte ich meine Erlebnisse trotzdem gern, deswegen euch und mir:

Gute Reise!


Spannende Themen!

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