Safari mit Giraffen und Löwen, gleich mehrere Gebirge, tolle Strände, die Kalahari und die Karoo als (Halb-)Wüsten, weltbekannte Weingebiete, das Kap der guten Hoffnung – vier Wochen sind zu kurz, um ganz Südafrika zu sehen. Ich buche mir (ja, ich reise allein) meine Flüge nach Johannesburg und aus Kapstadt zurück, einen Mietwagen für die gesamte Zeit, zwei Übernachtungen im Kruger Nationalpark und eine sechstägige Wanderung. Dann lese ich lieber Bücher und freue mich auf die Reise. Los geht’s!

Tag 20: Hogsback – Stormsriver (450 km)

Werfe meine Sachen unsortiert ins Auto und fahre bis Colchester, nach Süden ist die Hogsback-Straße tatsächlich asphaltiert. Komisch, wieder so (schnell) unterwegs zu sein.

Am Sundays River ist auch am Samstag viel los. Einheimische jeder Couleur sind mit Boot fahren, Angeln und Sonnen beschäftigt, die Kinder graben im Sand. Der Fluss mündet ins Meer, auch da wird geangelt. Für die Sanddünen nebendran interessieren sich nur die offensichtlich deutschen Touristen und ich – klar, wir haben den Spot alle aus dem Rother Wanderführer. Ich frage mich, ob ich auch so offensichtlich deutsch aussehe? Wahrscheinlich.

Stoppe kurz an der Tankstelle mit danebenliegendem Spar und sehe hier mehr Touristen als in der gesamten Zeit, seit ich Johannesburg verlassen habe. Ist mir auch wieder nicht recht so. Willkommen auf der Garden Route, Eli! Zwischen Kapstadt und hier ist entlang der Küste der Großteil des internationalen Tourismus zu finden.  

Ich vermisse die Einsamkeit und Gemeinschaft des Trails. Keine Menschen außer uns. Nur saubere Natur. Minimale Entscheidungsnotwendigkeiten. Nur die Frage, wann wieder Wasser und ein Bade-Pool kommen. Na gut, und die Hütte.

Buche eine teure Unterkunft in Storms River, brauche heute Strom und private space. Die matschigen Sachen wollen ausgewaschen und getrocknet werden und das Gedöns wieder in den Reisemodus sortiert werden.

Lenkrad gut festhalten! Es ist ordentlich windig. Passend, dass hier viele Windräder in der Landschaft stehen. Ich fahre an Gqeberha (keine Chance, das richtig auszusprechen) vorbei: riesig, aber schön am Meer gelegen.

Danach geht es wieder etwas mehr ins Inland. Stormsriver ist ein kleines Nest. Zwischen Fotos auf den PC ziehen und umpacken buche ich mir auf Amatola-Gruppenrat hin den Ausflug für morgen. Dazu Salat im Touri-Café. Lecker!

Tag 21: Tsitsikamma: Black Water Tubing

Schlafe bis 5:30 Uhr aus und schreibe dann – finde ich ein tolles Morgenritual.

Es ist kein Regen für die kommenden Tage gemeldet, aber das heißt ja nichts. Es schüttet für eine halbe Stunde, als ich meine Sachen ins Auto tragen möchte.

Tsitsikamma heißt the place of many waters, hat diese Bedeutung in letzter Zeit aber etwas vergessen. Der Guesthouse-Besitzer klagt über die Trockenheit und Enzo, einer der beiden Guides, sagt, dass er den Fluss noch nie mit so niedrigem Wasserstand gesehen hat. Noch wissen wir nicht, was das bedeutet…

Für das Tubing werden wir in Neoprenanzüge gesteckt, bekommen Schwimmwesten, Helme und Booties. Die Vorstellungsrunde geht 7 zu 3 für Holland gegen Deutschland aus: „finally“ ist der Kommentar der Holländer. Wir fahren mit dem Jeep zum Fluss, die Tubes werden aufgeblasen und dann geht das ganz schön teure Workout los.

Schmackhaft gemacht wurde mir die Tour mit: gemütlich in den Reifen den Fluss runtertreiben lassen und die wunderschöne Schlucht auf uns wirken lassen. Die Realität: wegen des niedrigen Wasserpegels fließt nichts, wir müssen aktiv mit den Händen paddeln. Und ständig absteigen, um über die Steine zu springen/steigen, immer den Reifen auf der Schulter. Das macht am Anfang richtig Spaß, auch, weil wir erstmal 6 Meter von einer Klippe ins Wasser springen, wohooo!

Nach ungefähr der Hälfte wird es um uns herum richtig eng, wir sind mitten in der Schlucht. Felsen links, Felsen rechts. Vom Regen heute Morgen ist nichts zu spüren, der wenige Himmel ist strahlend blau und wir sind froh um den Schatten und die Abkühlung im (gar nicht kalten) Fluss.

Irgendwann reicht es aber. Ich habe den härtesten Trail Südafrikas gefunden. Der Amatola war eine hervorragende Vorbereitung auf diese Tour. Mein Respekt für Regus und Enzo steigt ins Unermessliche. Die beiden tragen die Tubes für die Hälfte der Gruppe, werfen sie teilweise 30 Meter weit über die Felsen und helfen dann noch den Alten und Schwachen in der Gruppe über die Steine. 

Endlich kommt der finale Teil, wir paddeln zur berühmten Hängebrücke an der Mündung ins Meer. Schön schaut es aus! Und wie herrlich, die Stege hochzulaufen! Am Bus gibt es Wasser und Bier, guter Anfang. In der Unterkunft dann noch Pizza und Cola. Das reicht allerdings nicht, ich muss weiter snacken.

Zur Tubing-Agentur und dem Restaurant gehören auch Unterkünfte, mir gefällt der Vibe und ich beschließe, einfach hier zu bleiben und zu campen. Am Abend gibt’s Livemusik und Enzo und ein paar weitere Guides hängen hier ebenfalls ab, es ist eine lustige Runde.

Im Nachhinein denke ich, ich hätte mich beschweren sollen. Es ist unverantwortlich, in diesem Bedingungen Leute loszuschicken.

(Einer der Holländer hatte seine GoPro dabei, hat aber leider (noch) keine Fotos geschickt…)

Tag 22: Tsitsikamma – Robberg Nature Reserve – Knysna

Mein Plan war, 1-2 Strandtage in Plettenberg Bay einzuschieben. Booking.com ist jedoch leer gebucht. Ab 150€/Nacht gibt’s noch eine Handvoll Unterkünfte. Pfff. Nach Strand ist mir eh nicht (mehr), scrolle also weiter und buche eine hübsche Unterkunft in Knysna. Ohne das Plettenberg-Framing hätte ich sie teuer gefunden, jetzt ist das sehr akzeptabel – lustig, wie Psychologie funktioniert.

Erstmal bin ich aber um 7 Uhr zur Gateöffnung am Nationalpark. Leider habe ich keinen Platz mehr im Stormsriver Restcamp bekommen, hätte lieber hier – im Park, direkt am Meer – übernachtet. Dann hätte ich die Menschenmassen noch mehr umgehen können.
Wandere zum Aussichtspunkt und dann zum Wasserfall. Letzterer ist unter den Umständen eher ein tröpfelnder Wasserhahn, aber es ist wunderhübsch am Meer entlang – blauer Himmel, türkisblaues Wasser, leuchtende Felsen. Und im Boulderhopping bin ich wirklich geübt, ich sammle Komplimente und neidische Blicke von den anderen.

Mache mich wieder auf den Weg. Mir fällt auf, wieviel weniger Lastwagen hier auf den Straßen unterwegs sind als im Norden. Und die Geschwindigkeitsbegrenzungen werden von den meisten VerkehrsteilnehmerInnen eingehalten. Wahrscheinlich sind das die Touris, so wie ich.

Es ist knalleheiß, aber ich bin nur einmal hier. Halte am Robberg Nature Reserve und entscheide mich für die mittlere Runde. Erst riecht man die Robbenkolonie (sehr intensiv), dann hört man sie und irgendwann sieht man sie auch. Sie haben sich einen sehr hübschen Platz zum Leben ausgesucht. Im klaren Wasser müssten sie auch die jagenden Haie frühzeitig sehen können.

Hier sieht man auch Plettenberg Bay. Die Strände sehen schön aus und die Stadt nach viel Geld. So viele schöne Häuser habe ich hier bisher noch nirgendwo gesehen.  

Birkenstocks waren nicht die richtige Wahl. Die Steine sind rutschig und zwischendurch muss ich durch heißen Sand. Herrlich, die Füße dann ins kalte Meer zu stecken. Am Ausgangspunkt sitzt eine sehr erschöpfte deutsche Reisegruppe („Warum machen wir diese Touren eigentlich immer in der Mittagshitze?“) und wartet auf Abholung. Ich muss auch erstmal runterkühlen.

Nur ein paar Kilometer weiter gibt’s ein Restaurant-Café. Es ist eine Oase. Salat und Kuchen sind hervorragend, der Kaffee ist herrlich kalt und der Wind, der über die schattige und reich dekorierte Veranda zieht, tut gut. Der Blick geht auf einen Seerosenteich, wer richtig sitzt hat im Hintergrund/der Ferne noch Meerblick.

Die Garden Route hat ein akutes Wasserproblem. Im Radio höre ich, dass Knysna noch 14 Tage vom day zero entfernt ist – also dem Tag, an dem kein Wasser mehr aus der Leitung kommt. Dann unterbricht das Navi, um mir zu sagen, dass ich in 400 Metern links auf George Rex Drive abbiegen soll, und ich verpasse die weiteren Details.

In der Unterkunft in Knysna (ausgesprochen: Naisna) wird mir zum ersten Mal gesagt, dass ich das Leitungswasser besser nicht trinken sollte.

Ich google und lerne, dass Südafrika eins der trockensten Länder der Welt ist. Der Regen ist sehr ungleich verteilt, im Schnitt fällt hier aber nur halb so viel wie in der restlichen Welt. Aktuell bekommt Johannesburg viel zu viel von dem Regen, der jahreszeitlich bedingt eigentlich hier fallen sollte. Alles durcheinander…

Den restlichen Tag verbringe ich im Schatten auf der Terrasse: links der Blick aufs offene Meer, rechts auf die Lagune mit Bergen dahinter.

So ein wunderbarer blauer Tag.

Tag 23: Knysna

Sitze auf der Terrasse, schaue auf das Wasser und plane die verbleibenden 6 Tage. Es sind noch 500 Kilometer bis nach Kapstadt.

Wie traurig, was ich alles NICHT machen kann. Vier Wochen sind zu kurz für Südafrika. Kann mich nicht für eine Route entscheiden und vertage das Problem erstmal.

Aus meinem Strandbesuch wird nichts, bei Ebbe gibt’s nur Felsen und wenig Bademöglichkeit. Hübsch anzusehen, aber da fahre ich doch lieber in den Ort. Da ist Stau – das kannte ich bisher nicht. Parke das Auto alsbald möglich und laufe – das macht sonst keiner, ist aber so belebt, dass ich kein Problem sehe.

Hier wachsen (sagt man das so?) Austern und sie werden gezüchtet. Vier Stück mit einem Glas Sekt für 8 Euro. Sehr lecker… Zum Alkohol aufsaugen gehe ich gleich noch bei der Bäckerei vorbei. Hierher könnte Friedrich Merz kommen, da gibt es ein ordentliches Stück Brot. Und obendrein auch noch einen German Shop, es sollte für alle Eventualitäten gesorgt sein.

Wieder zurück habe ich immer noch keine Lösung für mein Routenproblem und lese lieber noch ein paar Stunden am Pool liegend (warum darf der in dieser Dürre noch betrieben werden?). Als das Wetter abends zuzieht ist die Entscheidung gefallen und ich buche durch.

Die weitere Garden Route werde ich auslassen – die Wale sind schon weg (bis November kann man sie vom Strand aus beobachten, das wäre schon cool), die Pinguine lasse ich links liegen, die Karoo rechts und Strand ist auch überbewertet. Canyoning in der Suicide Gorge macht bei dem niedrigen Wasserstand keinen Sinn. Um die (Zweitages-)Wanderungen wie Arangeiskoop oder den McGregor Walk tut es mir leid. Dafür stehen Wein und Wandern in Stellenbosch und Kapstadt auf dem Programm.

Tag 24: Knysna – Kranshoek Coastal Trail – Stellenbosch

Vor dem Frühstück trainiere ich das erste Functional Fitness Online-Training von Meli nach. Herrlich, das ist ein guter Start in den Tag! Kann ich allen nur empfehlen.

Beim Frühstück wird viel über den schlimmen Wind letzte Nacht gesprochen. Habe ich verpasst, vielleicht auch, weil mein Zimmer geschützt liegt. Hier wird das Frühstück liebevoll in zwei Gängen auf dem Teller angerichtet aus der Küche serviert. Dazu gibt’s guten Cappuccino aus der Siebträgermaschine. Da überhaupt erst 15 Minuten vor dem Frühstück (ab 8 Uhr) jemand auftaucht und die 4 Personen dann erstmal mit aufräumen, grundsätzlich eindecken etc. beschäftigt sind, dauert es eben bis 08:15, bis der Kaffee vor uns (= 3 Gäste) steht. Um 9 Uhr fahre ich los zum Kranshoek Picknickplatz, dort startet der Küstenwandweg.

Flink geht es hinunter an den Strand. Tatsächlich komme ich an einem Bach vorbei, der genug fließt: Nochmal die Flasche auffüllen. Das Wasser in den Garden Route Flüssen ist bräunlich, durch die Tannine aus dem Laub, aber klar und trinkbar.

Ich schwitze und ärgere mich nachträglich, dass ich schon wieder Eintritt für eine Wanderung zahlen musste (12 Euro, in diesem Fall / 2,50 Euro für Südafrikaner*innen). Und wofür? Die Markierungen sind okay, 3/4 der Beschreibungstafeln fehlen oder sind unlesbar, der Aussichtspunkt ist abgesperrt, … Nun ja. Am Strand stinkt es nach Fisch und Algen und der blubbernde Schaum gefällt mir auch nicht. Immerhin ist es nicht rutschig, im Gegenteil. Unter mir brechen trockene Äste, die mein Gewicht eigentlich locker aushalten sollten.
Bin schlicht dehydriert: Einen Liter Wasser später ist die Laune wieder gut, erst recht als es vom Strand hoch auf die Klippen geht und einiges um mich herum blüht.

In Wilderness stoppe ich nochmal zum Austern essen – und da sitzt die holländische Familie, die auch beim Blackwater Tubing dabei war. Wir unterhalten uns über ihren Muskelkater und ich lausche ein wenig neidisch ihren Paragliding-Erlebnissen.

Dann sind es noch 400 Kilometer bis Stellenbosch. An sich ist die Fahrt angenehm, es ist nur fast unmöglich, einen Podcast zu hören, denn ständig unterbricht das Navi: „Polizei voraus“. Es wird sehr viel kontrolliert, bis die Garden Route Orte vorbei sind.

In Stellenbosch komme ich bei Sonnenuntergang an.

Weiter geht es mit Südafrika (5): Stellenbosch & Kapstadt.


Spannende Themen!

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