Safari mit Giraffen und Löwen, gleich mehrere Gebirge, tolle Strände, die Kalahari und die Karoo als (Halb-)Wüsten, weltbekannte Weingebiete, das Kap der guten Hoffnung – vier Wochen sind zu kurz, um ganz Südafrika zu sehen. Ich buche mir (ja, ich reise allein) meine Flüge nach Johannesburg und aus Kapstadt zurück, einen Mietwagen für die gesamte Zeit, zwei Übernachtungen im Kruger Nationalpark und eine sechstägige Wanderung. Dann lese ich lieber Bücher und freue mich auf die Reise. Los geht’s!
- Teil 1: Johannesburg, Kruger NP & Swasiland
- Teil 2: Drakensberg & Golden Gate High NP

Tag 11: Bloemfontein – Hogsback
Auf dem Weg zum Outdoor-Laden komme ich weiter durch die Stadt, die freundlich im morgendlichen Sonnenlicht liegt. Die Häuser haben Zäune und Tore, aber man kann durchschauen und sie sind nicht so hoch. Folgere daraus, dass es hier sicherer ist.
Leider gibt’s nur Standardstöcke, aber immerhin. Und eine Gaskartusche habe ich jetzt auch – bin bereit für den Amatola Trail!
An der Tankstelle ist der Caféteil auf Spanisch gemacht (klar, ist ja auch für Kaffee berühmt ;)), ich freue mich über einen Iced Latte mit gesüßter Kondensmilch. Verbinde ich eher mit Thailand, aber wir wollen nicht kleinlich sein.
Es geht wieder viel und lang auf guten Straßen sehr geradeaus. Angenehm. Ich frag mich, warum die Fahrt trotzdem so lange dauert.
30 (!) Kilometer vor Hogsback beginnt die Huckelpiste. Also wieder links, rechts, diagonal, egal. Es ist sehr wenig Verkehr. Auch deswegen breche ich meine Regel, nur Frauen mitzunehmen – ja, das habe ich in den letzten Tagen schon häufiger gemacht, vor allem, wenn Kinder dabei sind.
Hier stehen Vater und Sohn (vielleicht 4 Jahre alt). Die Namen konnte ich mir leider nicht merken. Sie waren zu Besuch bei der Familie in Cathcarth und wollen jetzt nach Hause. Er sucht Arbeit (how is Germany?) und findet es schade, nur ein Kind zu haben. Ich muss mich auf die „Straße“ konzentrieren, das Gespräch verebbt und die beiden machen einfach in all dem Gerüttel einen Powernap. Beeindruckend. Dann kommt auch noch dichter Nebel.
So bleibt es auch, bis ich im Away with the fairies-Hostel ankomme. Sie haben das Hobbitmäßig aufgezogen, zur verwunschenen Stimmung passt der Nebel. Im Aufenthaltsraum soll ich mir gern ein Feuer im Kamin anmachen, wenn mir danach ist. Tja, von 30 auf 13 Grad in einem Tag…


Tag 12: Nichtstutag in Hogsback
Wie haben wir es beim Reiseveranstalter damals immer so nett geschrieben: „Der Tag steht Ihnen zur freien Verfügung“. Ich möchte lesen und schreiben und Fotos sortieren und mittags ein wenig spazieren gehen. Außerdem Kaffee trinken und dazu die Pralinen aus dem Chocolate Shop verspeisen.
Naja, und den Rucksack für die sechs Tage packen. Wir werden 18 Leute in unserer Gruppe sein. Puh. Die Hütten passen wohl für 20 Personen, es wird also ganz schön voll.
Die übrigen trudeln grüppchenweise ein. Und schleppen kistenweise Zeug hin und her. Man kann sich Sachen in die Hütten liefern lassen, offensichtlich nimmt ein Teil der Gruppe das in Anspruch.
Die Wettervorhersage ist ausgesprochen gut für die nächsten Tage, wow!





Tag 13 | 1. Tag Amatola: Maden Dam – Gwiligwili Hut
Briefing ist um 6 Uhr, Frühstück um 07:30, Abfahrt um 8 Uhr. Dachte, dass zwischen Briefing und Abfahrt jede Menge Zeit sein würde. Aber nein, das Briefing beginnt pünktlich und endet um 07:40. Natürlich sind wir erst um 08:30 Uhr losgefahren.
Es ist Information Overload. Natürlich ist es gut zu wissen, was wir tun sollten (jede Minute eine Wegmarkierung sehen) und nicht tun sollten (in Gruppen kleiner als vier unterwegs sein), der Durchlauf durch die einzelnen Tage (wann muss ich jetzt noch mal unbedingt links gehen? Und wann auf keinen Fall? Aus welchem Fluss darf ich (nicht) trinken? Puh. Ich merke mir: heute bei km 9 alle Flaschen auffüllen).
Adi macht es aber witzig und für mich ist es eine Kulturstudie: Kapstädter kennen anscheinend keine Gewitter, weswegen man ihnen sagen muss, dass man bei Blitzen wirklich nicht in den Bergen sein sollte. Und wenn wir unterwegs bewaffnete Menschen treffen, dann wollen die uns keineswegs umbringen, wie Johannesburger gerne denken. Für Deutsche gibt’s (noch?) keine gesonderten Hinweise – ich bin die einzige Ausländerin.
Die zweistündige Autofahrt zum Ausgangspunkt des Trekkings macht Adi zu einer Geschichtsstunde. Wie die Engländer versucht haben Fuß zu fassen, welche Schlacht hier stattgefunden hat. Welche Sage und welche Kombination an Unglücken dazu geführt haben, dass die Xhosa, um zu überleben, doch für die Engländer gearbeitet haben. Und dass die Engländer deutsche Soldaten und später deutsche Bauern für die Region angeworben haben. Und für die dann wiederum irische Frauen, damit erstere bleiben. Er ist selbst ein Nachfahre aus so einer deutsch-irischen Kombi.
Neben mir gibt es noch eine Ellie und eine Elizabeth, die Liz gerufen wird.
Dann kanns endlich losgehen, wir schultern die Rucksäcke. Auch ohne goodie drop ist meiner der kleinste und womöglich leichteste. Bin schon gespannt auf die Unterschiede. 20 Grad sind sehr angenehm, es geht gut los.
Der Weg wird gut instandgehalten. Habe nicht das Gefühl, dass man sich durch Dschungel kämpfen muss. Aber es ist ein sehr schöner, ursprünglicher Wald.
Werde natürlich gefragt, wie ich von der Wanderung erfahren habe, das Klientel ist ja eher einheimisch. Meine Antwort: von zwei Bloggerinnen, Ulligunde und Fräulein Draußen (verlinkt sind ihre Erfahrungsberichte). In Südafrika kennt man den Amatola anscheinend, sofern man sich für Wandern/Outdoor interessiert. Mehrere aus der Gruppe haben ihn vor Jahren schon mal gemacht.
Wir sind gegen 15:30 Uhr an der Hütte, waren nur 12 km heute. Das englische Erbe ist deutlich erkennbar, es muss auf jeden Fall erstmal Tee gemacht werden. Vor dem Essen noch mal und danach auch. Oder Kaffee. Oder heiße Schokolade.
Die eine Familie (Eltern mit ihren zwei Kindern und Schwiegertochter Anfang 20) erzählt, dass sie eine eigene Rotweinblase haben, damit es zum Abendessen etwas ordentliches zu trinken gibt. Gerade wird ein Coleslaw-Salat vorbereitet, Brötchen in der Glut gebacken und auf dem Grill liegt ein Riesenbrocken Schwein. Ich nenne die Gruppe (sie sind zu acht) ab sofort Foodie Family.
Bei mir gibt es Couscous und Röstzwiebeln.








Tag 14 | 2. Tag Amatola: Gwiligwili Hut – Dontsa Hut
20 Kilometer, 600 Höhenmeter, die ganze Zeit welliges Gelände. Das hört sich doch äußerst machbar an.
Ab 04:30 wird gekruschtelt, um 05:30 ist der Großteil der Gruppe (fast) auf dem Weg. Zum einen ist es so früh schon hell, außerdem hat man später keinen Stress und wir haben ausreichend Stunden geschlafen. Es gibt keinen Strom, wir lagen um 20 Uhr alle im Bett.
Es ist ein perfekter klarer Morgen, auch wenn sich das Panorama nur erahnen lässt, denn wir sind wieder im Urwald unterwegs. Rutschig ist es immer wieder, ich bin dankbar, dass es nicht (ge)regnet (hat).
Die Stellen, an denen man mal Aussicht hat, müssen auch für eine Pause genutzt werden! Im Wald will man das nicht, die Grillen (cicadas, ist dass das gleiche?) machen einen unfassbaren Lärm. Später lesen wir nach: bis 106 Dezibel schaffen sie, eine Motorsäge ist 110 Dezibel laut.)
Irgendwann wird das Gelände offener, wir kommen auch mal durch Nadelwaldplantagen. Die sind nicht so schön, riechen aber gut.
Wie immer, egal wie lang die Wanderung ist, sind die letzten Kilometer doch lang. Und in diesem Fall warm. Bin unter den ersten Ankommenden und gehe direkt duschen.
Später sitze ich auf der Veranda, ein hervorragender Aussichtsplatz. Der Donkey-Boiler, der für warmes Duschwasser sorgt will befeuert werden, Foodie Family startet das Feuer für den Grill, die Duschreihenfolge muss festgelegt werden und irgendjemand hat immer Hunger oder Lust zu essen.
Natürlich erfahren wir auch immer mehr voneinander. Ellie, Tanja und Dain kennen sich vom Trailrunning, sind auch viele Wettkämpfe gelaufen. Jetzt, über 50, wird das doch alles deutlich weniger und schwieriger. Generell ist es eine fitte Gruppe.
Bei Foodie Family gibt es gebratenen Brokkoli, Kartoffeln, Karotten und Steak bei mir Chana Masala aus einer Wasser-drüber-kipp-Packung – Space food nennen sie es hier. Deren Essen war sicherlich besser, aber fünf Stunden versus 15 Minuten Vorbereitungszeit…









Tag 15 | 3. Tag Amatola: Dontsa Hut – Cata Hut
Ich wache auf und muss dringend auf Toilette. Da bleibe ich auch eine ganze Weile. Das möchte man eigentlich auf keinen Fall, aber hilft ja nichts. Ich bin sicher, dass es das gestrige Abendessen war. Nun ja, dafür ist dann auch alles draußen und der Tag kann starten.
Der Unfitteste der vier Scouts bricht den Trail ab und lässt sich abholen. Das ist doch über seinem skill level. Gestern haben sie es – wegen der schweren Rucksäcke – auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 0,5 km/h bergab gebracht, wir sind gespannt, ob sich was ändert.
Der Weg ist nach meinem Geschmack: das Gelände wird offener und es geht auch mal richtig hoch. Ich ziehe freiwillig meine Gamaschen an, denn wir müssen die ganze Zeit durch mindestens kniehohes Gras und Gebüsch. Sehe am Ende – wie alle – trotzdem mitgenommen aus.
Heute gibt’s jede Menge Wasser unterwegs. Zur Mittagspause an der hairpin bend bei Kilometer 13 wird auch zum ersten Mal gebadet – zumindest bis zu den Oberschenkeln, das kühlt aktuell ausreichend ab.
Südafrikanische Brennnesseln sehen ganz anders aus als deutsche/europäische, brennen aber ordentlich. Die Bekanntschaft habe ich nur gemacht, weil wir kurz mal vom Weg abgekommen sind. Immer schlecht, anderen Leuten einfach hinterher zu laufen.
Für den Nachmittag haben wir die Wahl zwischen Rivendell und Mordor. Mordor bedeutet ein paar Höhenmeter weniger, aber schattenlosen Forstweg durch Waldbrandverwüstetes Gelände. Für Rivendell geht man erstmal ein ordentliches Stück ins Tal, um dann durch den Waterfall Forest zur Hütte aufzusteigen. Klar, welchen Weg alle gewählt haben. Und wow, war das schön!
Trotz zahlreicher Bade- und Abkühlpausen in den Wasserfallpools kommen wir verschwitzt an der Hütte an – was für ein heißer, wunderbarer Tag!
Den letzten Pool lasse ich aus, mein Körper sagt, dass die Sonnenakzeptanz für heute aufgebraucht ist – ab in den Schatten!
Emma und Eddy, ein junges Paar aus Stellenbosch, haben mich adoptiert, sehr süß von den beiden. Die Vierergruppenregel wird von niemandem eingehalten. Wir wissen aber immer, wer vor und wer hinter uns ist. Manchmal schließen wir auf, manchmal wird auf uns aufgeschlossen – wir sind auch im Laufe des Tages in Kontakt.
Ein Matratzenlager entsteht auf der Veranda – ich sehe mich auch heute Nacht hier draußen.
Obwohl die Hütte ausnahmsweise nicht im Wald liegt, gibt es wegen der zu hohen Bäume trotzdem keinen Panoramablick. Aber für ein bisschen Sonnenuntergang reicht es.
Foodie Familys Dinner heute: Lamb Chops, Kartoffeln und Kürbis aus der Glut, dazu Rote Beete Salat.
Auf der anderen Seite des Berges blitzt es im Fünfsekundentakt. Bei uns ist es nur windig.
Wir liegen aufgereiht wie am Spieß auf der Veranda und dösen langsam weg. Irgenwdann dreht der Wind und die Blitze kommen näher. Naja, und dann ist der Sturm da. Wäre ja schön und gemütlich, würde der Regen nicht auch unter unser Dach gesprüht werden. Wir evakuieren uns lieber nach drinnen. Schade!















Tag 16 | 4. Tag Amatola: Cata Hut – Mnyameni Hut
Es windet immer noch, das hat den Vorteil, dass das Gras schon wieder trocken ist. Ist aber auch ein bisschen ungemütlich. Vielleicht wird (erstmal?) nicht so viel gebadet heute.
Es ist alles gepackt und nichts mehr zu tun – nur loslaufen. Wozu ich mich nicht so recht aufraffen kann. Es fühlt sich an wie ein emotionaler Kater – vielleicht war der Tag gestern einfach zu schön.
Beim Frühstück kommt die Sonne raus und es wird warm. Außerdem bekomme ich Bialetti-Kaffee von Eddy und Emma gemacht. Mmmhhh.
Es geht weiter bergauf, wortwörtlich. Vom Geju Peak haben wir hervorragende Sicht in alle Richtungen, es ist traumhaft.
Naja, und dann geht es gut gelaunt bergab, Wiesen durchquerend. Die Wasserfälle halten Abstand zu uns.
Das ändert sich irgendwann. Wir hatten uns schon auf das Bad gefreut, aber der Wind ist so frisch, dass die Gischt ausreichend abkühlt.
1000 Tiefenmeter sind gar nicht so schlimm, wenn man 11 Mal über die Steine im Fluss springen kann und zweimal unter Wasserfällen badet. Im Briefing wurde von mindestens knöchelhohem Wasser gesprochen, ich hatte mich auf nasse Schuhe eingestellt. Aber der Fluss ist so niedrig, die Schuhe bleiben trocken.
Wie an bisher allen Tagen taucht die Hütte auf einmal direkt vor uns auf.
Ein bisschen kurz, dieser Wandertag, aber auch sehr schön. Schon wieder!
Spurlos geht er trotzdem nicht an der Gruppe vorbei. Lebo tut das Knie weh und sie hinkt hinterher und Abbie sieht man an, wie schlecht es ihr geht. Sie legt sich direkt schlafen.
Der Großteil chillt wieder auf der Veranda und diesmal kommt das Gewitter schon am Nachmittag angerollt, von links, ohne Regen.
Die Scouts bekommen Applaus, als sie heute schon um 16 Uhr ankommen. Die sind echt sehr süß, so richtig gut erzogene, wissbegierige und gebildete Studis.
Auch Foodie Family beeindruckt mich: Sie verbringen ihre freie Zeit draußen, egal ob mit Kanu, zu Fuß oder mit dem Rad. Man kann sich in Südafrika ausführlich vergnügen. Diese Outdoorsykeit erinnert mich an Neuseeland, sehe da einige Parallelen.
Das Silvester-Menü fällt schmal aus, denn zu dieser Hütte gibt es keinen Goodie Drop, sondern musste getragen werden: Pasta mit (ehemals dehydrierten) Zucchini, Tomaten und Unmengen an Parmesan, dazu Chorizo vom Grill. Und für die blöden paar Würste wurde das ganze Haus inklusive Veranda über Stunden in Rauch gehüllt. Bääh.











Tag 17 | 5. Tag Amatola: Mnyameni Hut – Zingcuka Hut
Happy new year! Ganz unverkatert stehen wieder alle, ohne dass ein Wecker klingelt, gegen 4:30 Uhr auf.
Um halb 3 hat es nochmal geregnet. Angus ist nach drinnen umgezogen, das war unnötig. Es blieb trocken auf den Verandaplätzen. Hatte auf Sternenhimmel statt Feuerwerk gehofft, aber es war zu bewölkt und ich habe gut geschlafen.
Abbie steigt aus, mit ihr ihr Freund, der sie zum Abholpunkt bringen muss. Damit sind wir bei 3 von 18 Abbrechern. Die durchschnittliche extraction rate liegt bei 10%.
Die Wolken sind noch da. Blöd, denn heute ist laut Briefing DER Badetag. Wobei das alles relativ ist: auch heute gibt’s jede Menge River Crossings und wir hatten ja zahlreiche Bäder in den letzten Tagen.
Noch vor der Frühstückspause ist es heute soweit: Wir haben nasse Schuhe. Lässt sich bei dem hohen Gras nicht vermeiden. Später müssen wir sogar noch für eine knappe Stunde die Regensachen auspacken und bei einer Pause ziehe ich sogar kurz die Daunenjacke an, der Wind macht es kalt.
Damit ist jetzt auch Matschparty. Wenn man sechs/viele solcher Tage hat, kann ich gut nachvollziehen, dass der Amatola psychisch fordernd ist.
Heute hört man ein paar Vögel singen. Vielleicht haben die Zikaden die sonst immer übertönt.
Wir sitzen am letzten Badespot für heute. Eddy geht schwimmen, danach kommt das erste Stück blauer Himmel zum Vorschein. Ich stehe lange im kalten Wasser, es kommt noch mehr blau. Yay, tatsächlich können wir die Regensachen wegpacken und uns wieder in kurzer Hose und T-Shirt auf dem Weg machen.
Später biegen wir im Sonnenschein noch mal vom Weg ab, um doch nochmal ein Wasserfallbad zu nehmen. Anschließend liegen wir auf den warmen Felsen und lassen uns trocknen.
Was haben wir doch für ein Glück!
Anschließend geht es rutschig und rutschend den Berg hinunter. Die Spuren von Sobelo und Melusi warnen schon vor besonders schlimmen Stellen.
3 Kilometer vor der Hütte setzt bei mir der hangry-Zustand ein. Wir machen kurz Pause und essen einen Riegel. 10 Minuten später stehen wir urplötzlich vor der Hütte. Diese Kilometerangaben sind eher grobe Richtlinien…
Die Hütte ist anders aufgebaut als die übrigen und schön, weil alle Aufenthaltsplätze in Sichtweite zueinander sind. Als Luc gegen 17 Uhr mit unseren Pizzas, (tiefgefrorenem) Fleisch und Getränken um die Ecke kommt, findet er lauter super gelaunte Menschen vor und kann es gar nicht glauben.
Es fühlt sich an wie ein Partyabend. Sind doch sehr schön zu einer Gruppe zusammengewachsen und haben es auch geschafft alle Namen zu lernen. Tatsächlich hat es sich nie zu voll angefühlt, sondern hat sich durch die verschiedenen Teilgruppen und deren unterschiedliche Gewohnheiten gut verteilt.


















Tag 19 | 6. Tag Amatola: Zingcuka Hut – Hogsback
Ging doch „länger“ gestern, heute bin ich die Erste, die aufsteht. Sind „erst“ um 05:45 auf dem Trail.
Entgegen Adis Briefing war das kein harter Tag, sondern ein angenehm kurzweiliger. Abgesehen davon, dass wir einige Male (kurz) falsch laufen und häufiger Markierungen suchen.
Es ist sonnig und der Himmel klar. Ich bin in meinem Element – es ist genau das Gelände, dass ich mag. Mich Sicht und bergauf. Je näher wir jedoch zum Hog 1 kommen, desto mehr verschwindet unsere Aussicht in Wolken. Schade! Wir sehen nie alles, aber doch mal in alle Richtungen. Die lange Pause bringt nicht das gewünschte Ergebnis: alles weiß.
Wir steigen ab. Ein Stück des Weges führt am Thymie-Fluss entlang, der in mehreren Kaskaden steil fällt. Die Pools sind zu flach zum Baden, es ist zu hübsch, wir machen gleich nochmal Kaffee.
Im Laufe der Tage haben wir gelernt, dass ein Schild nicht bedeutet, dass das Ausgeschilderte gleich kommt. Die Hütte kann trotzdem noch kilometerweit entfernt sein. Wir schmunzeln, als ein Schild das Trailende nach rechts ausweist und jemand noch draufgeschrieben hat: 1h.
Da ist das Glückwunsch-Schild und natürlich machen wir Fotos. Der Hog 1 liegt jetzt übrigens wieder frei in schönstem Sonnenschein hinter uns… Auch typisch: Vor uns liegen trotzdem noch vier Kilometer Weg.
Als erstes kommen wir am Parkplatz und Picknick-Spot für den Madonna & Child Wasserfall vorbei. Hier liegen Unmengen von Müll herum. Plastik, Essensreste, Toilettenpapier, Flaschen. Und da sind so viele Menschen. Wir sind geschockt und vermissen den Trail direkt. Niemand hat Lust auf die default world.
In Hogsback kehren wir direkt auf einen kalten Kaffee ein. Mmmmhhhh!!! Emma und Eddy warten noch auf ihre Chicken Mayo Tramezzini, ich gehe schon mal duschen.
Unterwegs hatte ich nicht das Gefühl, dass ich (wir) oder die Klamotten stinken. Wir haben jeden Tag (warm) geduscht und gewaschen. Als ich frisch geschrubbt und in frisch gewaschenen Klamotten die Wanderklamotten aufsammle, werde ich eines anderen belehrt.
Das Savannah (ein Cider) steht schon geöffnet für mich bereit und damit beginnt ein boozy afternoon. War anders geplant, aber das macht ja nichts. Wir empfangen die Ankommenden und feiern uns.
Ellie hat für ihre Gruppe ein spezielles Abendessen organisiert. Laurent, ein französischer Koch, Künstler, Fotograf und begeisterter Wanderer, kocht auf Anfrage in seinem Haus für Gruppen. Die Karte ist klein und Getränke müssen selbst mitgebracht werden. Ich darf spontan mit, sofern ich mit Tartare of cold salmonn with flavours of mustard, lemon, olive oil and crème fraiche topped with capers und Chocolate & Orange Oxtail Cottage Pie & Salad zufrieden bin. Hätte ich beides nicht gewählt, aber: es war seeehr lecker und vor allem lustig. Das Dessert (Lemon Mousse, in meinem Fall) wird erst kurz vor 22 Uhr serviert, der Hälfte von uns fällt schon die Augen zu: Zwei Stunden nach unserer üblichen Bettgehzeit!
Ein schöner Abschluss einer wunderbaren Woche!
(P.S.: Googlen nach Laurents Restaurant in Hogsback lohnt sich nicht. Sein Partner und er sind gerade dabei das Haus zu verkaufen. Sie ziehen nach Schottland, das Klima in Hogsback ist ihnen zu warm und feucht.)










Tag 20: Hogsback – Stormsriver
Niemand steht ganz so früh auf, aber alle sind vor den neuen Wanderern auf ihrem jeweiligen Weg und es herrscht schon ein wenig Abschiedsschmerz.
Bei immer noch fantastischem Wetter geht es auf guter Straße Richtung Süden…
Ein paar Infos zum Amatola-Trail
- Toughest Trail Südafrikas? Nicht, wenn das Wetter gut ist :). Es sind nie mehr als 20 Kilometer und 1000 Höhenmeter pro Tag. Das läuft man nicht so schnell wie in den Alpen/zu Hause, aber wer das solide schafft, kommt auch mit dem Amatola klar. Stöcke nicht vergessen!
- Man bucht den Trail als Paket (also die 5 Hütten-Übernachtungen + jeweils davor und danach eine Nacht im Away with the Fairies und Trailgebühren über amatolatrails.co.za
- Es gibt keine Verpflegungsoptionen zwischendurch. Also: entweder das gesamte Essen für 6 Tage tragen, oder die Goodie Drops, die Away with the fairies anbietet, in Anspruch nehmen
- Trinkwasser ist an den ersten zwei Tagen ein wenig schwierig (wird aber erklärt), danach gibt es ausreichend saubere Flüsse und Wasserhähne zum Nachfüllen
- Die Hütten sind einfach: Schlafplätze für ca. 20 Personen mit Matratzen, Grillstelle, Toiletten und Duschen (mit Donkey Boiler: wenn er eingeheizt wird, gibt’s warmes Wasser). Kein Strom. Und in unterschiedlich gutem Zustand. Das ein oder andere Fenster ist zerbrochen, eine Dusche mit Tür und zwei Wasserhähnen ist erwähnenswert… Weit entfernt von Luxus, aber durchaus komfortabel.
- Egal ob Trailrunners oder Wanderschuhe: Guter Grip ist wichtig!
- Die Rucksackgröße ist eine Glaubensfrage… Ich hatte einen 32l-Rucksack, alle anderen zwischen 50 und 80l…
- Wir waren zwischen 14 und 15 Uhr an den Hütten, man hat also viel Zeit. Ein Buch und ausreichend Teebeutel oder Kaffee sind sinnvoll
- Hogsback lieg im mist belt, wir hatten außergewöhnlich wenig Regen und klares Wetter. Heißt: man muss wettermäßig mit allem rechnen. Regensachen braucht es ebenso wie kurze Hosen. Kalt war es (bei uns) nicht. Über die beste Reisezeit sagt die Amatola-Website bestimmt auch was.
- Gruppen müssen mindestens vier Personen umfassen. Wer weniger Personen ist, wird mit anderen zusammengelegt – so wie bei uns. Wir waren 5 Anmeldungen (8x Foodie Family & Friends, 4x Scouts, 2x Eddy und Emma, 3x Mountain Goat + Sobelo und Lebo, 1x the German Ellie). Die Gruppen werden wohl nur über die Festive Season (Dez/Jan) so groß.
- Das Übertragen des Tracks auf die Uhr hat nicht geklappt – und ich habe es auch nicht mehr nachgeholt, der Weg ist intensiv markiert. Man folge den gelben Fußstapfen.
- Wem das zu langweilig ist, der könnte den Trail auch in zwei Tagen rennen. Der Hobbit Trailrun findet 2026 aber leider nicht statt…

Weiter geht es mit Südafrika (4): Auf der Garden Route und Südafrika (5): Stellenbosch & Kapstadt.
Spannende Themen!
Ich möchte keinen Beitrag mehr verpassen, bin aber auch zu faul, hier regelmäßig nachzuschauen… Eine E-Mailbenachrichtung bei neuen Posts wäre toll!
