Was braucht man für zwei Wochen Bikepacking zwischen Oslo und Bergen? Klamottenmäßig einmal alles von warm bis kalt und trocken bis nass. Außerdem noch Camping- und Kochausrüstung. Und minimalistisch, bitte. Positiv ist, dass wir größtenteils in der Zivilisation unterwegs sind und wenig Essensvorräte brauchen. Außerdem, dass man (geschriebenes) norwegisch erraten kann und jede*r Englisch spricht. Norwegen ist ein dankbares Reiseland!
Tipps
… aufgeteilt nach Themengebieten:
Routenplanung
In meinem Tourenbericht habe ich bereits von den Sykkelrutes, den nationalen Fahrradrouten, geschwärmt. Da gibt’s noch viele weitere Optionen, man kann einige Zeit radfahrend verbringen. Sie nutzen soweit möglich un- oder wenig befahrene Wege, z.B. die alten einspurigen Landstraßen, von denen sich der Verkehr weg auf die neuen Schnellstraßen verlagert hat. Eine Übersicht gibt es bei Cycle Norway (in die Karte kann man reinzoomen, genial!).
Die GPX-Tracks dazu gibt’s bei der norwegischen Straßenbehörde zum Download. Die gängigen Routenplanungsapps kennen die Radwege auch. Als nächsten Schritt kann man sich bei Webkameras in Norwegen ebenjene aufrufen und schauen, wo (noch) wieviel Schnee liegt…

Im Bild oben ist eingemalt, welche Route(n) wir geradelt sind. Würde ich es nochmal machen, es gäbe nur wenig Änderungen.
- aus Oslo raus für ~50 Kilometer/mindestens bis Drammen den Zug nehmen. Wer mit dem Flugzeug ankommt, radelt einfach im Norden raus und lässt die Stadt am besten links liegen. Uns war das zu viel Verkehr und Lärm.
- Zwischen Geilo und Haugastøl (~20 Kilometer) gibt es keine Alternative zur viel befahrenen E7. Das würde ich nicht nochmal fahren wollen. Optionen: a) den Zug nehmen oder b) zumindest sehr früh/sehr spät die Strecke radeln (Arbeits- & Touriverkehr vermeiden)
- Der Rallarvegen ist ganz problemlos ohne Zugnotwendigkeit bis Flåm fahrbar. Die Weg ist bei den Serpentinen in besserem Zustand als auf dem restlichen Rallarvegen.
- Die Skarveheimen Rundt (4) hat (mind. im Vergleich zur südlichen Sykkelrute 5) einen recht hohen Gravelanteil. Muss man wissen und wollen.
- Das Stück von Gudvangen bis Moheim, erst auf der E16 und dann mit der Tunnelumfahrung war ebenfalls nicht optimal (ist auch keine Sykkelrute), siehe Tag 9 der Tour.
- Anschließend wars auf der Sykkelrute 3 bis Norheimsund aber ganz fantastisch!
- Grundsätzlich gilt es Straßen mit „E“ oder bei Google Maps grün eingefärbten Ziffern zu vermeiden, da macht Radfahren unserer Erfahrung nach wenig Spaß

Die Sykkelrutes sind gut ausgeschildert. Ob das für die Ortsdurchfahrungen auch stimmt, weiß ich nicht, wir haben ja oft nach Supermarkt/Toilette/Bäckerei/Café geschaut.
Noch ein Wort zu Tunneln. Davon gibt’s viele. Kurze, alte, in den Stein gehauene, aber auch viele Kilometer lange mit ordentlich Gefälle. Grundsätzlich sind die Tunnel (auf den Schnellstraßen) für Radfahrer gesperrt. Aber nicht alle. Zwischen Norheimsund und Eikedalen z.B. musst du sie nehmen und Schilder weisen die Autofahrenden auf „Radfahrer im Tunnel“ hin. Dein Routenplanungstool weiß, welche (nicht) erlaubt sind. Es macht Sinn, sich daran zu halten.
(Wind-)Richtung
(Mindestens) zwischen Oslo und Bergen dominiert der Westwind. Insofern ist es eine schlechte Idee Richtung Westen zu radeln. Wieviel besser es andersherum gewesen wäre? Nur: die allermeisten würde die Serpentinen bei Flam nicht hochradeln wollen… Aber da kann man ja auf die Flam-Myrdal-Bahn ausweichen.
Mir gefällt „am Ende der Tour bei Freunden ankommen“ besser als „bei Freunden starten“ – das war auch bei der Transpirenaica 2024 mein Entscheidungskriterium. Und so schlimm war es am Ende glücklicherweise nicht.
An-/Abreise aus Deutschland
Klar, man kann fliegen. Das Rad muss als Sperrgepäck angemeldet sein und in einem Karton oder einer Tasche verpackt sein. Wo lagert man die dann für den Rückflug? Beim Gabelflug ist es noch doofer. Außer, man ruft bei der Airline an und hat das Glück, dass sie Kartons am Flughafen zur Verfügung stellt. Achtung, Sperrgepäck hat (bei SAS) auch eine Gewichtsbegrenzung (23kg!).
Oder man reist mit Bahn und Bus an. ICE bis Hamburg, mit dem Flixbus ohne Umsteigen bis Oslo weiter. Nicht jeder Flixbus hat Radkapazitäten, deshalb gleich mitangeben, dann sieht man nur die relevanten Verbindungen.
Die komfortabelste Verbindung ist mit dem ICE bis Kiel und mit der Fähre bis Oslo. Da MUSS man eine Kabine buchen. Die ist als Doppelkabine preislich okay, als Einzelkabine exorbitant teuer.
Obwohl Norwegen nicht in der EU ist, benötigt man als EU-Staatsangehörige nur den Personalausweis für die Einreise. Und das Roaming ist praktischerweise kostenlos.
Verkehrsmittel in Norwegen
Fähren, die Teil des Straßennetzes sind, sind für Fußgänger und Radfahrer kostenlos – so wie am Hardangerfjord. Touristische Fähren (wie die von Flåm nach Bergen) kosten Geld und sind (in der Hauptsaison?) gern mal ausgebucht.
In den Fernverkehrszügen (z.B. auf der Strecke Bergen-Oslo) gibt es Radabteile und man bekommt einen Sitzplatz zugewiesen. Auf manchen (Regional?-)Strecken kann man einfach einsteigen, auf den stärker frequentierten Routen (z.B. Oslo-Bergen) muss man eine Reservierung haben. Fahrradtickets gibt’s mehr als bei der deutschen Bahn, aber spontan funktioniert nicht unbedingt. Man bucht bei Vy.no.
Bei der Touribahn von Flåm nach Myrdal wurden die Räder vom Bahnpersonal in ein eigenes Abteil geladen. Die Strecke war beim Schauen für den nächsten Tag größtenteils ausgebucht.
Busse haben wir nicht genutzt.
Radfahren in Norwegen
Die NorwegerInnen fahren im Großen und Ganzen sehr vernünftig Auto. Manchmal fahren sie etwas eng an einem vorbei, aber es kam nie ein Auto mit hoher Geschwindigkeit um die Kurve geschossen. Das hat Radfahren auf den (einspurigen) alten Landstraßen sehr angenehm gemacht.
Auf den großen Straßen, und wenn TouristInnen ins Spiel kommen, wird es unangenehmer. Auch, weil höhere Geschwindigkeiten möglich/erlaubt sind. Das also bei der Planung berücksichtigen (ich kann noch mal die Sykkelrutes empfehlen…).
Appell an alle AutofahrerInnen: Bitte nutzt beim Überholen von Menschen auf dem Rad die Gegenfahrbahn. Wenn du dich das nicht traust, dann solltest du an dieser Stelle vielleicht nicht überholen. Und je langsamer, desto angenehmer. Autos, die mit 80km/h einen Meter an mir vorbeischießen sind echt uncool.
Wir waren negativ überrascht vom schlechten Zustand des Rallarvegens. Nebeneinander radeln war ab Finse nicht mehr möglich, weil wir Platz brauchten, um den Schlaglöchern auszuweichen. Landschaftlich aber großartig, keine Frage.
Der Kongevegen ist ein Scheiß – der hat mir mit dem Gravel meist keinen Spaß gemacht. Dafür gibt es andere wunderschöne Gravel-Abschnitte oder -Routen, da halt genauer recherchieren, oder nehmen was kommt 😊.
Unsere Räder haben wir (außer in Oslo) übrigens überall unabgeschlossen und mit angeklemmtem Gepäck stehen gelassen. Es hat sich überall sehr sicher angefühlt.





Wildcamping in Norwegen: Das Jedermannsrecht
Einen Platz fürs Zelt mit Wasseranschluss zu finden, sollte kein Problem sein, dachten wir vorab. Geht ja überall – außer auf Privatgelände und da, wo es explizit verboten ist. Von beidem gibt’s aber sehr viel. Bei den meisten „No Camping“-Schildern sind sicherlich Vans und Busse gemeint, das hilft uns aber nicht.
An einigen Tagen war es dementsprechend schwieriger – wenn das hügelige Gelände oder der begrenzte Platz in einem Fjord die Siedlungen konzentrieren und ebene Flächen rar sind. Aber wir haben immer etwas gefunden. Für einige Nächte sind wir auch gern auf einen „richtigen“ Campingplatz ausgewichen und haben uns über eine warme Dusche und den Wasserkocher (wenn vorhanden) gefreut.
Visit Norway erklärt, wie das Jedermannsrecht funktioniert und was zu beachten ist.







(Trink-)Wasser
Ich hatte einen Filter dabei, den haben wir aber nicht benutzt. Tagsüber gab es genügend Wasserhähne zum Auffüllen der Wasserblasen, abends haben wir genommen, was da war. Den Tipp eines Norwegers, immer Bäche/Flüsse zu nehmen, die direkt aus den Bergen kommen und nicht schon durch die Zivilisation bzw. landwirtschaftlich genutzte Flächen fließen, haben wir eingesehen, aber nur befolgt, wenn es keinen Mehraufwand bedeutet hat. Ich hatte keine Probleme.
(Wilde) Tiere
Vor Tieren muss man in Norwegen keine Angst haben. Erstaunlicherweise war es für mich der Urlaub mit den wenigsten Mückenstichen. Bin davon ausgegangen, dass ich mir die norwegische Version von Autan hole, das war nicht nötig. Uns sind auch keine anderen fiesen Insekten begegnet.
Wilde Tiere (ich hatte auf Elche gehofft) haben wir überhaupt nicht gesehen, nur viele Ziegen und Schafe, selten Kühe. Das war schon fast enttäuschend.
Geld
Wir haben in den zwei Wochen zweimal in Hotels übernachtet, 4 Nächte auf einem Campingplatz verbracht (~35€ für 2 Personen mit Zelt pro Nacht) und gerne Kaffee (~5€) und Zimtbollen (~6€) bestellt. „Richtig“ Essen gehen ist teuer, der Supermarkt (im deutschen Vergleich) aber auch. Wir haben nicht gespart, hätten aber leicht mehr Geld ausgeben können und sind grob (u.a. wegen unserer Zusatzbahnfahrt) bei einem Schnitt von ca. 100€ pro Tag und Person gelandet.
Ausrüstung & Packliste
Ich war mit meinem Gepäck sehr zufrieden und würde es im Nachhinein nur geringfügig anpassen. Nämlich: eine bequemere/weite Hose für abends und wärmere Socken zum Radeln einpacken. Und was für die Sichtbarkeit tun (Neon-Klamotten, Warnweste). Ich habe nicht damit gerechnet, dass wir so viel auf befahrenen Straßen unterwegs sind.


Zunächst war mein Plan, mit Arschrakete, Lenkerrolle und Mittelrohrtasche zu fahren. Glücklicherweise habe ich Probegepackt. Und festgestellt, dass der Platz in diesem System so schlecht genutzt werden kann (man kommt ja quasi nicht an die Lenkerrolle – was für ein Mist!) und mein Packvolumen zu groß ist. Bin also doch auf (geliehene) klassische 2x 20l-Gepäcktaschen gegangen und bleibe dem System treu. Das dran-/wegmachen ist super einfach, es lässt sich mehr leichter unterbringen, man kann was drauf ablegen…
Zur Erinnerung: Es ist August 2025 und die Wettervorhersage war „es wird auf jeden Fall mal regnen, es gibt auch Sonne und vermutlich max. 22 Grad“.
Zubehör
| Radtaschen | 2x20l, nie ganz voll. Geliehen. Wasserdicht!! |
| Laufweste | 12l, hatte ich mit der Trinkblase immer auf dem Rücken und sie war auch der Wanderrucksack. Ich liebe sie, weil auch Geld, Handy, Halsbonbons und Klopapier immer in Reichweite sind |
| Geld & Karten | in Norwegen zahlt man alles mit der Karte, wir haben keine Kronen abgehoben |
| wasserdichtes Garmin GPS | zum Navigieren. Bei Regen deutlicher Vorteil gegenüber einem Handy |
| Handy | zum Fotografieren. EU-Roaming geht und die Internetabdeckung war sehr gut |
| GPS-Uhr | wie immer |
| Kopfhörer | für Musik/Podcast am Abend und auf der Anreise |
| Powerbank + Mehrfachstecker + Ladekabel | fürs Handy, Stirnlampe, E-Reader, GPS, Uhr. Powerbank habe ich nur 1x benutzt. |
| Solarpanel | überflüssig, außer du willst wirklich in die Pampa und das Wetter ist wirklich gut vorhergesagt |
| E-Book-Reader | v.a. für die An-/Abreise |
| Stirnlampe | Selten (nie?) gebraucht – es war hell, wenn wir ins Bett sind und hell, wenn wir aufgestanden sind |
| Bad | Zahnbürste & -creme, kl. Haarbürste, Haargummis, Cremedeo (in 10ml Döschen), Ohropax, abbaubare all-in-one-Seife, Shampoodöschen |
| Sonnencreme | 50ml pro Person |
| Popocreme | |
| Toilettenpapier | |
| Handtuch | |
| Erste Hilfe Set + Tabletten | |
| Rettungsdecke und Biwaksack | |
| Werkzeug | Luftpumpe, Multitool, Inbus fürs Laufrad, Ersatzschlauch, Schlauchflicken, Reifenheber, Kettenfett |
| leichtes Schloss | fürs Gewissen. Eigentlich nur bei An-/Abreise genutzt |
| Licht | mind. für die Tunnel |
| Karten + Touren offline speichern | Mapy, Komoot, Maps. Ggfs. auch ein Währungsrechner |


Camping: Schlafen & Kochen
| Isomatte | aufblasbar |
| Quilt / Schlafsack | die kälteste Nacht war 3 Grad warm/kalt |
| Kissen | aufblasbar |
| Zelt + Heringe | 2Personen Hubba Hubba – ich liebe es! |
| mind. 5 Plastiktüten | nasse, dreckige Sachen wegpacken, was auf dem Boden ablegen, … |
| Kocher + Feuerzeug + Gas | eine mittlere Dose Gas (ca. 300g) hat uns gereicht. Achtung, darf nicht in den Flieger! Schraubverschluss ist nicht der norwegische Standard, hätten wir aber bestimmt irgendwo bekommen |
| Göffel + Taschenmesser | |
| Topf | nächstes Mal nur den 1l-Topf. Reicht für Couscous für 2 oder für Kaffee + Porridgewasser für 2. |
| Tasse | oder Becher |
| Tupperdose mit Deckel | festverschließbar. Als Essschüssel und zur Essensaufbewahrung zwischendrin |
| Trinkblase | 2l. War gut |
| Wasserflasche am Rad | war überflüssig, außer mal zum umfüllen |
| Softflask mit Wasserfilter | unbenutzt |
Zum Essen: Wir haben Einkehrmöglichkeiten gerne genutzt, oder uns im Supermarkt Brot, Käse und Gemüse gekauft und direkt aufgegessen. Deshalb haben wir unsere Abendessen einfach gehalten (Couscous mit Röstzwiebeln, mal mit der Dose Thunfisch, oder Oliven. Zweimal gabs Nudeln mit Pesto). Dabei hatten wir: Couscous + Salz + Pfeffer + Kräutermischung. Zum Frühstück gab es Instantkaffee mit Kaffeeweißer und Haferflocken + Nüsse + Zimt + Leinsamen mit zwei Stücken Obst.
Kleidung
| Schuhe (kein Klick) | wasserdicht ist eine gute Idee, denn morgens ist die Wiese nass. Wir sind ohne Klick gefahren, weil wir in den Schuhen ja auch wandern/Stadterkunden wollten |
| 2x Socken | lieber wärmere zum Radfahren. Selbst an einem 22-Grad-Tag ist es morgens lange frisch. Das andere Paar für abends/nachts |
| kurze Radhose | gepolstert |
| kurze Radüberhose | Für die Stadt/zum Wandern/abends. Ich würde jetzt eine leichtere kurze Hose einpacken, die im Schritt/am Hintern locker sitzt und den sattelgeplagten Körperteilen Luft und Erholung verschafft |
| Sport-BH | schnelltrocknend (Merino) |
| Unterhose | hatte 2 dabei |
| Radtrikot | hatte ein normales Merino-T-Shirt dabei |
| Radhelm | |
| Sonnenbrille | mit Stärke… |
| Radbrille | |
| kurze Radhandschuhe | würde ich wieder packen |
| Isolationsjacke | sowohl fürs Radeln als auch für abends |
| Regenjacke | sowohl fürs Radeln als auch für abends |
| Regenhose | beim Radfahren zu warm. Ich dachte, ich würde ich abends häufiger drüber freuen. Hatte ich nur 2x an, würde sie doch wieder einpacken |
| dünne Fleecejacke | v.a. für abends und an den schlimmen Tagen als Schal um den Hals geschlungen |
| Handschuhe | Winddicht. War mehrfach sehr froh über sie |
| Stirnband | hatte ich fast durchgängig gegen den Wind auf |
| Armlinge | tolle Sache |
| Adiletten | für Campingplatzduschen und warme Abende/Morgende |
| Bikini | mehr als Wechselunterwäsche denn zum Baden. Aber wenn man in den Fjord springt, in eine Therme geht… |
| Leggings | hatte ich abends an und wenn es kalt war auch beim Radfahren bzw. nachts |
| T-Shirt | für abends |
Irgendwie viel und wenig gleichzeitig, oder? So geht es mir zumindest immer… War in diesem Fall ausreichend, aber nicht üppig. Und ich bekomme gleich wieder Lust auf die nächste Tour. Du auch? Wohin? Hast du Tipps?
Spannende Themen!
Ich möchte keinen Beitrag mehr verpassen, bin aber auch zu faul, hier regelmäßig nachzuschauen… Eine E-Mailbenachrichtung bei neuen Posts wäre toll!
