[Gastbeitrag] Hallo, ich bin Katja, 46 Jahre alt und wohne in Köln. Ich hatte im Juli 2025 meine Hysterektomie aufgrund eines recht großen Myoms.
Eine Diagnose ein wenig aus dem Nichts
2,5 Jahre war ich nicht mehr bei meiner (damaligen) Gynäkologin, die nicht sehr empathisch und deren Kommunikation recht minimalistisch war.
Im Juni 2025 hatte ich plötzlich starke Unterleibs- und Rückenschmerzen, wie ich sie ab und zu mal während meiner Periode hatte – diesmal jedoch eine gute Woche vorher, das war in dieser Form völlig neu. Zu der Gynäkologin wollte ich nicht und suchte meinen Hausarzt auf. Der Ultraschall zeigte, dass meine Gebärmutter deutlich vergrößert war. Ich wurde mit entsprechender Dringlichkeit zu einer benachbarten Frauenarzt Praxis geschickt, wo ich umgehend einen Termin bekam. Glücklicherweise habe ich mich dort direkt gut aufgehoben gefühlt – das sollte sich als hilfreich herausstellen…
Es wurde ein großes Myom (ca. 10 cm Durchmesser) diagnostiziert, das mir schon längst hätte Probleme machen müssen – sagte die Ärztin. Rückblickend hatte ich tatsächlich schon länger Symptome, nur nicht die üblichen starken Regelschmerzen oder Blutungen (die gabs nur selten). Dafür aber das häufige Gefühl festsitzender Luft im Bauch, besonders nach langem Sitzen und häufiger Druck auf der Blase.
Ich konnte ich das Myom im Unterbauch deutlich ertasten. Im Januar fragte meine Hausärztin beim Regel-Checkup beim Abtasten meines Bauchs, ob meine Blase voll sei. Ich vermute, dass die Ärztin das Myom gespürt hat, wegen meines „Ja“ als Antwort aber nicht weiter darauf eingegangen ist.
Vom ersten Schock schnell erholt
Die Aussage der Gynäkologin, dass bei der Myom-Größe eine OP und vermutlich eine Gebärmutterentfernung notwendig seien, hat mich kalt erwischt.
Der nächste Schock war, wie viele Frauen diesen Eingriff bereits hinter sich haben. Einerseits kennt fast jede jemanden oder ist selbst betroffen, andererseits wissen viele nichts über das Thema – obwohl so viele betroffen sind. Mir war wichtig, offen über das Thema zu sprechen. Auch auf der Arbeit sagte ich, warum ich länger ausfallen würde.
Doch nicht „nur“ ein Myom?
Da weder die Ärztin noch ich etwas zur Historie des Myoms wussten, sollte ein MRT erstellt werden, um ganz sicher zu gehen. Ein Telefonmarathon ermöglichte mir, einen Termin 2,5 Wochen später zu bekommen. Dass der an meinem Geburtstag war, nahm ich in Kauf, denn ich wollte Gewissheit. Die kam leider nicht: Es wurde eine minimale Gewebeveränderung im Inneren des Myoms gesehen.
Wahrscheinlich sei es einfach eine Veränderung der Durchblutung aufgrund der Größe, wurde mir gesagt. Myome verändern sich extrem selten bösartig.
Erster Termin im Krankenhaus
Nicht mal eine Woche später sagte mir der Arzt in der Uniklinik Köln im Prinzip genau das gleiche.
Aufgrund der geringen Chance, dass es eventuell doch etwas bösartiges sein könnte, wurde mir eine totale Hysterektomie inkl. Eileitern und Gebärmutterhals mit Entnahme per Bauchschnitt empfohlen, auch wegen der Größe des Myoms.
Ich hatte mich mit der Gebärmutterentfernung gedanklich schon arrangiert und zweimal die gleichen Informationen erhalten. Das reicht mir, ich machte direkt Nägel mit Köpfen (also einen OP-Termin). Der war so zeitnah, dass ich Blutabnahme und Anästhesiebesprechung direkt erledigen konnte.
Ein Telefontermin mit meiner Gynäkologin, bei dem ich noch einige Fragen klären konnte, bestärkte mich zusätzlich. Ich wollte das nicht lange vor mir herschieben, auch wenn es innerhalb weniger Wochen meinen Sommer ein wenig durcheinander gewürfelt hat. Unter anderem musste ich meinen Urlaub absagen und vermutlich wäre der Hochsommer nicht meine erste Wahl für einen solchen Eingriff gewesen. Rückblickend hat es mir das Leben nach der OP leichter gemacht. Schuhe anziehen wäre die ersten Wochen unmöglich gewesen und lockere Sommerkleidung, Erholung auf dem Balkon und die ersten Spaziergänge in der Sonne haben gut getan.
Die OP (Ende Juli 2025) und die Krankenhaustage
Genau drei Tage nach der anderen Katja (Zufall, wir kennen uns nicht) soll ich um 9:00 Uhr in der Uniklinik sein. Leider hat es noch gute 3 Stunden gedauert, bis es los ging. Ich war im Vorfeld erstaunlich ruhig, obwohl es mein erster Krankenhausaufenthalt und auch meine erste OP überhaupt waren. Die Aufregung kam schlagartig, als ich endlich abgeholt wurde. Dass ich im OP-Vorraum nochmal 30-45 Minuten warten musste, hat nicht geholfen. Das Anästhesie Team hat mir die Sorgen mit ein paar lockeren Sprüchen genommen, wofür ich sehr dankbar war.
Die OP ist problemlos verlaufen und hat statt der geplanten 3 Stunden offenbar nur ca. 2 Stunden gedauert. Das erste, an das ich mich nach der Narkose erinnern kann, war, dass ich selbst vom OP-Tisch ins Bett rutschen sollte… Ok?!? Die Schmerzen am Bauch hielten sich dank Schmerzmitteln in Grenzen.
Meine erste Narkose habe ich gut weggesteckt und ich konnte schon kurze Zeit später eine Kleinigkeit essen. Durch die Wartezeit am Morgen, war ich erst gegen 18:00 Uhr auf dem Zimmer. In der Nacht hatte ich vor allem Rückenschmerzen, weshalb ich irgendwann die Nachtschwester darum bat, mich zumindest mal kurz aufsetzen zu können. Das fand mein Kreislauf nicht so lustig und ich erhielt eine Infusion. Im Liegen ging es mir schnell besser. Ich vermute die Gesamtsituation war etwas viel, denn gut schlafen konnte ich nicht. Meiner Zimmernachbarin ging es ähnlich, so dass wir viel erzählt haben.
Nach der Visite am nächsten Morgen, sollte ich das erste Mal aufstehen. Der Kreislauf hat diesmal mitgespielt und so kam der Katheter direkt raus. Drainage hatte ich keine. Von nun an drehte ich meine regelmäßigen Runden auf dem Krankenhausflur, auch um die Luft im Bauch loszuwerden, die doch etwas unangenehm war. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass auch beim Bauchschnitt Gas in den Bauch gepumpt wird, aber ja, auch ich hatte 1-2 Tage das Vergnügen, dies bis unter die Schlüsselbeine zu spüren. Entsprechende Tropfen haben zum Glück schnell geholfen.
Beim Aufstehen / Hinlegen sowie beim Laufen, hielt ich die erste Zeit meistens eine Hand auf die Narbe. Den Tipp hatte ich online irgendwo aufgeschnappt und es fühlte sich einfach richtig an, da es am Anfang doch gut gezwirbelt hat. An Tag 2 und 3 nach der OP kam eine Physiotherapeutin vorbei und hat mir ein paar Übungen gezeigt, mit denen ich meinen Rücken etwas entlasten konnte.
Entlassung
Mir wurde im Vorfeld gesagt, dass ich mit 3-5 Tagen Krankenhaus rechnen sollte. An Tag 2 nach der OP fragte mich morgens eine Freundin, wie lange ich bleiben müsste und ich schrieb ihr, dass ich noch gar nicht gefragt hätte.
Ich wohne allein im 4. OG ohne Aufzug, mein Bett ist nicht höhenverstellbar und über den Griff neben der Toilette im KH war ich auch ganz froh. Tja, ich hätte gerne mein Gesicht gesehen, als die Ärztin während der Visite keine 20 Minuten später dann sagte, dass ich nachhause gehen könnte, wenn ich wollte… Das ging mir zu schnell. Gedrängt wurde ich nicht, auch der Chefarzt war verständnisvoll – ich durfte noch eine Nacht bleiben. Und probierte das Treppensteigen vorsichtshalber im Krankenhaus.
Bei der Verdauung hat Macrogel Hexal mitgeholfen.
An Tag 3 nach OP fühlte ich mich dann bereit und es ging heim. Alles in Zeitlupe. Aber auch dank der Unterstützung meiner Eltern in den ersten Tagen hat alles gut geklappt.
Ohne die guten Hinweise in den verschiedenen Berichten hier hätte ich nicht daran gedacht, mein Zuhause so gut vorzubereiten (z. B. dickeres Kissen oder Keilkissen, da nur Rückenlage möglich, Ladekabel gut erreichbar an Bett und Sofa, einige Dinge besser erreichbar gestellt/gelegt).
Die erste Dusche war eine Wohltat, aber auch verdammt anstrengend – wie so ziemlich alles in der ersten Zeit. Aufstehen und hinsetzen/-legen war die erste Woche mühsam und recht schmerzhaft, was aber schnell besser wurde. Nach gut einer Woche konnte ich endlich wieder auf der Seite schlafen – was eine Erleichterung!
Die Schmerzmittel (Ibu 600 und Paracetamol) habe ich nach ca. 6 Tagen bereits reduziert und nach ca. 8 Tagen ganz weggelassen.
Meine „Spaziergänge“ beschränkten sich zunächst auf hin und her laufen in der Wohnung. Vier Etagen runter und nach einem Spaziergang wieder hoch traute ich mir noch nicht zu. Thrombosespritzen hatte ich nur im KH erhalten, daher habe ich darauf geachtet, mich viel zu bewegen.
1 Woche nach OP
Ab Tag 8 nach OP ging es jeden Tag deutlich bergauf. Ich habe den ersten Spaziergang draußen im Schneckentempo gemacht. Und konnte fast alles wieder allein machen, wenn auch langsam und oft in Etappen – aber ich hatte ja Zeit. Ich ging wieder selbst einkaufen, immer nur so viel wie ich in einem Arm tragen konnte, um unter den 5kg Gewicht zu bleiben. Meine Sparziergänge habe ich täglich etwas gesteigert, wobei mein Körper mir sehr schnell signalisiert hat, wenn es zu viel war.
Aufstehen und hinsetzen/-legen war noch eine ganze Weile unangenehm, ebenso aufrecht sitzen. In der zweiten Woche musste ich das erste Mal niesen – was war ich froh, dass sich mein Heuschnupfen erst ab Woche 3 häufiger bemerkbar gemacht hat. Das war kein Spaß.
Blutungen hatte ich nur in den ersten 4-5 Tage und auch nur sehr wenig. Ich hatte mir für die ersten Tage einfache Binden besorgt, vermutlich hätten Slipeinlagen gereicht. Im KH wurde ich mit Einlagen versorgt.
Beim ersten Nachsorgetermin 10 Tage nach der OP war meine Ärztin mit der Wundheilung der Narbe sehr zufrieden. Viel mehr wurde nicht gemacht. Die Krankschreibung wurde um weitere 2 Wochen verlängert.
3 Wochen nach OP – wieder arbeiten?
Nach Woche drei war ich fast sicher, dass ich ab Woche 5 wieder arbeiten könnte. Ich hatte kaum noch Schmerzen und fühlte mich gut. Und ich würde im Homeoffice starten. Ich merkte dann doch schnell, dass ich noch nicht belastbar war und nicht länger aufrecht / am Tisch sitzen konnte. Meine Ärztin war nicht überrascht und sagte, dass es vielen so ginge und ein wellenförmiger Genesungsprozess normal sei. Besonders nach einem Bauchschnitt. Somit machte ich mit meiner Krankschreibung doch die sechs Wochen fast voll. Dank verständnisvollen KollegInnen inkl. Chef ohne schlechtes Gewissen.
Knapp 6 Wochen – Beckenbodentraining und back to work
5,5 Wochen nach der OP hatte ich einen Kontrolltermin, bei dem auch die inneren Wunden gecheckt wurden. Es war alles gut verheilt und meine Ärztin sehr zufrieden. Ab jetzt durfte ich wieder machen, was sich richtig anfühlte, nur übertreiben sollte ich es nicht. Ich freute mich vor allem auf Sport. Meine täglichen Spaziergänge reichten mir nicht mehr aus und gefühlt hatte sich meine Muskulatur ziemlich verdünnisiert.
Das erste Mal 10 Minuten Radfahren eine Woche später, zeigte mir leider deutlich, dass Kondition und Kraft verschwunden waren. In der Woche ging es auch zum ersten Mal zur Krankengymnastik für Beckenbodentraining. Da habe ich meine Ärztin explizit drum gebeten, da meine Schwester als Physiotherapeutin mir das aufgrund der Entfernung des Gebärmutterhalses sehr empfohlen hat. Die Termine hatte ich wohlweislich direkt nach Entlassung bei einer Praxis ausgemacht, die auf Beckenbodentraining spezialisiert ist.
Bisher habe ich keine Probleme, aber ich möchte es auch nicht drauf ankommen lassen. Auch an eine erste Pilatesstunde wagte ich mich und es verlief besser als erwartet.
Generell hatte ich keine Probleme bzgl. Blase oder Darm. Im Krankenhaus hatte man mir empfohlen das Macrogel Hexal noch ein paar Tage zu nehmen, um die Verdauung anzukurbeln. Ab Tag 6 habe ich es weggelassen. Die ersten Wochen waren Darmbewegungen ab und zu noch unangenehm, aber auch das ist inzwischen nur noch selten.
Insgesamt bin ich beeindruckt, wie schnell der Körper sich von so einem Eingriff erholt. Ab und an zwickt oder drückt es hier und da noch mal, aber das nehme ich einfach mal als kleine Erinnerung meines Körpers, dass ich es nicht direkt übertreiben soll (Stand heute: knapp 7 Wochen nach OP).
Endlich Entwarnung und Danke
Das Laborergebnis erhielt meine Ärztin erst knapp 6 Wochen nach der OP. Sie hatte mir beim Termin nach vier Wochen versichert, dass ich schon längst etwas gehört hätte, falls es einen schlechten Befund gäbe. Sie sollte Recht behalten. „Ohne wesentlichen pathologischen Befund“ und „keine Anzeichen für Malignität“ war genau das, was ich lesen wollte. Noch eine Sorge weniger. Tatsächlich bin ich aber auch froh, dass ich diesbezüglich recht optimistisch war, sonst wäre die Wartezeit wohl recht nervenaufreibend gewesen.
Rückblickend bin ich froh, dass zwischen Befund und OP nur knapp 1,5 Monate lagen und ich alles schnell hinter mich bringen konnte. Ich bin mit der Gesamtsituation gut klargekommen und dankbar, dass ich keinen langen Leidensweg hatte.
Zuletzt möchte ich mich bei Eli und den anderen Frauen bedanken, die hier ihre Erfahrungsberichte teilen. Da man erstaunlich wenig Infos oder Podcasts zu dem Thema findet, haben mir die Berichte, ohne jegliche Panikmache, wirklich geholfen. Zudem finde ich, dass das Thema mehr Gehör erhalten darf. Ich wollte mit meinem Bericht etwas zurückgeben.
Tipps
Darüber sprechen. Das hat mir am meisten geholfen.
Und die Wohnung auf Vordermann bringen. Ich reise viel und die Vorbereitungen zuhause und das Packen fürs Krankenhaus haben mich an eine Reisevorbereitung erinnert. Da freue ich mich auch immer, anschließend in eine saubere Wohnung zurückzukommen. Die Analogie hat mich schmunzeln lassen und mir die Aufregung ein Stück weit genommen.
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