[Gastbeitrag] Mein Name ist Claudia, 52 Jahre alt, bin seit 24 Jahren glücklich verheiratet und habe eine erwachsene Tochter von 20 Jahren. Ich bin Teilzeit-Mitarbeiterin im Kundencenter einer Krankenkasse. Bei mir wurde eine totale laparoskopische Hysterektomie mit beidseitiger Salpingektomie und modifizierter McCall-Culdoplastik durchgeführt.

Der Weg zur Diagnose und OP

Meine Diagnose lautete Uterus myomatosus, d.h. ich hatte sehr viele kleine und ein paar größere Myome verschiedener Art. Mit ca. 42 Jahren wurden per Zufallsbefund 2 Myome von ca. 2 cm Größe entdeckt. Diese haben mir keine Probleme bereitet.

Erst in der Phase der späteren Perimenopause mit ca. 47 Jahren gingen meine Beschwerden los und die Myome verschlimmerten sich. Ich hatte vermehrt starke Unterleibsschmerzen, und zwar nicht nur bei der Periode, sondern auch zum Eisprung und dazwischen. Auch, als die Periode nur noch alle drei und später alle sechs Monate kam, dafür aber Hitzewallungen hinzukamen. Die Unterleibsschmerzen fühlten sich an, als würde ich meine Periode bekommen, aber sie blieb aus. An sich hatte ich fast ständig Unterleibsschmerzen in Kombi mit schlimmer Migräne.

Die Migräne wurde in dieser Zeit chronisch, wahrscheinlich bedingt durch die Hormonschwankungen. Die ist eigentlich noch schlimmer als die Unterleibsschmerzen. Klar, die Kombi macht es nicht besser…

Die OP war eine „Kann“-Entscheidung, die ich bereits seit einigen Jahren mit mir rumgetragen habe. Da meine Myome „gut“ saßen, hatte ich nie diese ganz extremen Blutungen, sonst hätte ich die OP wohl früher machen lassen. Mittlerweile war mein Uterus aufgrund der vielen kleinen und mittleren Myome (3,5 cm) leicht vergrößert. Schwierig war für mich eher, dass ich aufgrund der Migräne schon so viele Schmerzmittel nehme, dass ich die Unterleibsschmerzen oft einfach ertragen musste.

Mein Frauenarzt wollte mich nicht zu einer Entscheidung drängen und sagte, dass die Myome sich nach den Wechseljahren zurückbilden oder schrumpfen könnten, aber meine Eierstöcke sind noch so aktiv, dass man das gar nicht einschätzen konnte. Dann reicht es mir, ich wollte Ruhe in meinen Bauch bekommen und hatte mir für 2026 vorgenommen, endlich eine Entscheidung zu treffen.

Ein gutes halbes Jahr habe ich mit dm Thema Hysterektomie auseinandergesetzt. Alles was zur Entscheidungsfindung und zur OP Infos bot, habe ich aufgesogen wie ein Schwamm. Ich habe Bücher gelesen (z.B. Goodbye Gebärmutter, das große Gynbuch, Meine Ex-Gebärmutter), im Internet und auf YouTube recherchiert und mir auch den Hormonpodcast „Hormongesteuert“ von Katrin Schaudig angehört. Ich habe auch mit diversen Ärzten, wie meiner Neurologin, meinem Hausarzt gesprochen.

Ich habe mich schwergetan, weil ich eigentlich nicht in Zugzwang war und es eben doch eine OP ist.

Andererseits wollte ich nicht so lange warten, bis die Gebärmutter möglicherweise so groß ist, dass man sie nicht mehr laparoskopisch entfernen lassen kann. Auf die schmerzhaften halbjährlichen Untersuchungen hatte ich auch keine Lust mehr. Und die vielen Jahre mit den Beschwerden wiegen schwer, zudem hatte ich die Hoffnung, dass auch die Migräne besser werden könnte. So entschied ich mich dafür.

Die OP

Mein erster OP-Termin fiel aus, weil mich eine schwere Grippe erwischt hatte. Anfang Februar klappte es dann im zweiten Versuch.

Ich hatte ein sehr gutes Krankenhaus, das auf Frauenheilkunde spezialisiert ist und diese OP täglich routiniert durchführt. Es war alles gut organisiert. Vor der OP gab es alle notwendigen Vorgespräche beim Frauenarzt des Krankenhauses und beim Narkosearzt. Es wurde Blut abgenommen, Urin usw. Die Aufklärung war super und verlief ruhig und positiv.

Mein Frauenarzt hatte mir zwei mögliche Krankenhäuser benannt. Ich bin froh mich für das richtige entschieden zu haben, war so ein Bauchgefühl. Danach sollte man am besten auch immer gehen.

Im Vorgespräch habe ich meine große Angst vor der OP aufgrund der chronischen Migräne angesprochen und gebeten mich als erstes am OP Tag dran zu nehmen, was die Ärzte auch absolut verstanden und berücksichtigt haben. Ich war erleichtert, dass mir alle Ärzte inklusive des Anästhesisten den Druck rausgenommen haben indem sie mir sagten, dass ich am OP-Tag zwar nüchtern sein muss, aber bei einer Migräne-Attacke durchaus (mit einem kleinen Schluck Wasser) meine Tabletten und Triptane einnehmen kann. Der Gedanke an zusätzliche Migräneschmerzen neben der OP-Angst bringt viel Druck für Migräne-Patienten mit sich. Ich konnte mich vor der OP etwas ablenken und habe es mir gut gehen lassen, mein Mann hat mich sehr unterstützt.

Am Abend vor der OP musste ich mit 2 Zäpfchen abführen. Das hat gar nicht lange gedauert und nach 2 Toilettengängen war alles erledigt. Man hat mir erklärt, dass der Enddarm entleert sein soll, damit man die Hysterektomie laparoskopisch gut machen kann. Es wäre dann mehr Platz zum Arbeiten im Bauch.

Am OP Tag sollte ich nüchtern kommen, d.h. 6 Stunden vor der OP nichts mehr essen und 2 Stunden vorher nichts mehr trinken. Ich war um 7:00 Uhr da und saß mit einigen Frauen im Warteraum. Gott sei Dank wurde ich mit einer anderen Frau als erstes aufgerufen.

Es war kein Zimmer frei, daher musste ich mich in einem Raum umziehen und meine Tasche und Kleider wurden verwahrt. Ich sollte in das Bett klettern. Ich war nur noch mit einem OP-Hemd und einer Haube auf dem Kopf bedeckt. Kurz drauf bin ich schon in den Saal geschoben worden. Dort war viel los, es wurden mehrere OPs gleichzeitig durchgeführt. Alle waren sehr nett und ruhig. Die einzelnen Schritte wurden erklärt, sogar noch im Operationssaal.

Mir wurde als erstes die Braunüle gesetzt und dann kam die Narkose. Bei mir wurde die Gebärmutter, der Gebärmutterhals und die Eileiter mit laparoskopischer Unterstützung durch die Scheide entnommen. Die Gebärmutter wird gern im Ganzen entnommen, damit sich im Bauch kein Gewebe verteilt. Die Ergebnisse der Histologie bekommt man erst 2-3 Wochen bei der Nachuntersuchung durch seinen eigenen Frauenarzt mitgeteilt.

Als ich aus der Narkose aufgewacht bin, lag ich mit ca. 6 weiteren Personen (Männer und Frauen) in einem Aufwachraum. Ich nehme an, man hat parallel operiert, scheinbar nicht nur Frauenangelegenheiten. Es war schön, nicht allein zu sein. Mehrere Schwestern und Pfleger waren anwesend und ab und an machte ein Arzt die Runde. Ich hatte vom Gefühl her wie starke Periodenschmerzen. Da wurde nicht lange gefackelt und man gab mir Fentanyl. Das hat sehr gut geholfen. Nach etwa einer Stunde wurde ich ins Zimmer geschoben (gegen 12:30 Uhr).

Das Gas, mit dem der Bauch aufgepumpt wurde, hat mir wenig Beschwerden verursacht und hat sich vor allem durch Pupsen über den Darm verabschiedet. Leider wurde ich durch starke Migräne gequält und musste mir daher viele Schmerzmittel anhängen lassen. Rein von der OP her war es gar nicht so schlimm mit den Schmerzen, man bekommt regelmäßig was und ich kann sagen, dass alles halb so wild ist.

Die Mobilisierung soll frühzeitig stattfinden, so musste ich am Abend einmal (unterstützt) aufstehen und etwas gehen. Die Schwester sagte mir, dass ich am nächsten Tag bereits selbständig aufstehen und rumlaufen solle. Dadurch verschwindet das Gas am schnellsten. Ich hatte einen Katheter und eine Flasche mit Wundflüssigkeit aus dem Bauchraum anhängen. Der Katheter wurde gleich am nächsten Tag gezogen und man musste selbständig auf Toilette.

Durch die ganze Aufregung vor der OP und wegen der Migräne konnte ich schlecht schlafen. Am 3. Tag im Krankenhaus ging es mir wieder besser.
Die ganze Zeit hatte ich eine nette Zimmernachbarin, eine ältere Dame, mit der ich super klar kam.

In Summe habe ich deutlich mehr Schmerzmittel aufgrund der Migräne gebraucht, die OP-Schmerzen waren nicht schlimm.

Entlassung aus dem Krankenhaus

Am Entlassungstag wurde mir der Drainagebeutel mit dem Bauchwundwasser gezogen. Das war etwas unangenehm, aber ging schnell. Meine Nähte müssen nicht gezogen werden, die lösen sich selbst auf.  Ich konnte gut sitzen und man hat mir gezeigt, wie ich gut aus dem Bett aufstehen kann.

Ich bin gleich zu meinem Frauenarzt wegen der Krankschreibung. Ich wurde zunächst für 3 Wochen krankgeschrieben.

Zu Hause habe ich keine Schmerzmittel mehr gebraucht, alles super. Gespürt habe ich, dass im Bauch was gemacht wurde, aber es waren keine Schmerzen.

Mich zu bewegen ging gut, nur das Aufstehen (v.a. aus dem Bett) und Hinsetzen waren eine Hürde. An die dringende Ermahnung, nichts zu heben und zu tragen, habe ich mich gehalten. Auch wenn es einem gut geht, die Narben müssen erst verheilen.

Daher ist auch ein weicher Stuhlgang wichtig. Ich habe im Krankenhaus Lactulose Saft bekommen und mir den dann in der Apotheke für daheim besorgt.

Ich hatte noch eine sehr leichte Blutung, die  nach 3-4 Wochen aufhören soll. Ich vermute, dass ist das Wundwasser aus dem Bauch. Wenn ich mich mehr bewege oder unternehme, wird die Blutung etwas mehr. Sie ist aber nicht vergleichbar mit einer Periode. Mir reicht eine Slip Einlage täglich. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich die OP schon viel eher machen lassen.

Die OP hat mich geschlaucht, ich war am Anfang noch viel müde und erschöpft. Ich habe mir die Ruhe auch gegönnt und auf meinen Körper gehört. In der ersten Woche habe ich mich nur vom Bett aufs Klo und wieder auf die Couch bewegt.

In der zweiten Woche konnte ich wieder kochen und gemeinsam mit meinem Mann einkaufen gehen. Ich habe darauf geachtet keine Tüten zu schleppen oder irgendwelche anderen Gewichte, wie Wäschekorb oder so.

In den ersten Tagen daheim wurde meine alte Bauchnabelnarbe von früheren Laparoskopien sehr dick und eitrig. Ich bin wieder ins Krankenhaus, weil ich das komisch fand. Es tat auch weh und ich fühlte mich irgendwie krank. Meine Entzündungswerte waren hoch und man hat die Narbe nochmals aufgeschnitten, um den Eiter zu entfernen. War nicht so schön. Ich musste Antibiotika nehmen und meine Narbe täglich mit Betaisodona Salbe verbinden. Nach einer Woche klang die Entzündung ab und die Narbe wurde wieder flacher.

Anfang März hatte ich meinen Kontrolltermin bei meinem niedergelassenen Frauenarzt. Er hat mich gründlich untersucht, es war alles in Ordnung und mittlerweile war auch meine vereiterte Narbe gut abgeheilt. Leider lag der histologische Befund vom Krankenhaus noch nicht vor, das dauert oft 4-6 Wochen. Aufgrund der Wundheilungsstörungen wurde ich weitere 4 Wochen krankgeschrieben, in Summe waren es also 7 Wochen.

Der Befund

Den histologischen Befund habe ich über die Frauenaztpraxis besorgt. Die Arzthelferin hatte den Bericht kurz durchgelesen, ob alles in Ordnung sei und ihn mir dann ausgehändigt. Ich habe diese vielen Fachbegriffe nicht verstanden und mir die „Übersetzung“ leicht gemacht, in dem ich ein Foto von dem Bericht in Chat GPT hochgeladen habe. Das war super einfach und hilfreich. Es hat sich herausgestellt, dass ich viele gutartige Myome hatte und Adenomyosis uteri, dabei wächst Gebärmutterschleimhaut in die Muskelschicht der Gebärmutter, quasi wie Endometriose innerhalb der Gebärmutter. Das erklärt im Nachhinein die chronischen Unterbauchschmerzen.

Früher oder später hätte mir die Adenomyose Probleme gemacht, die Entscheidung zur OP war goldrichtig. Mein Frauenarzt vertritt die Haltung, man soll die Entscheidung von den Schmerzen bzw. der Lebenseinschränkung abhängig machen, nicht unbedingt nur von der Diagnose.   

Jetzt brauche ich nur noch einmal im Jahr zur Kontrolle zu kommen und erspare mir den Abstrich. Auf Wunsch wird per Ultraschall nach den Eierstöcken geschaut.

Ich bin jetzt in der 6. Woche nach der OP und werde bald wieder arbeiten gehen. Ich bin nach wie vor vorsichtig mit schweren Gewichten und achte darauf mich nicht zu überfordern. Zum jetzigen Zeitpunkt fühle ich mich schon wieder ganz normal.
Ich habe immer noch leichte Blutungen, mal mehr mal weniger und die Nähte haben sich teilweise aufgelöst.

Toilettengänge fühlen sich ganz normal an, ich bin nicht mehr so vorsichtig. Den Lactulose Saft habe ich langsam ausgeschlichen. Mir war nur wichtig die ersten 3 Wochen die Naht am Scheidenstupf zu entlasten, danach sollte alles bereits genügend fest verheilt sein.

Mein Bauch ist optisch immer noch etwas aufgeblähter/dicker als vor der OP, aber weniger als direkt danach. Ich werde jetzt langsam wieder mit meinem Sport anfangen und den Schwabbelbauch damit in Form bringen. Durch die ständige Ruhe und Schonung hatte ich weniger Bewegung als sonst im Alltag und habe mit Sicherheit etwas zugenommen. Aber alles halb so wild, das kommt wieder ins Lot, wenn der Alltag in vollem Gange ist und ich nicht immer darüber nachdenke, was ich Heben und Tragen kann.

Ich habe die Entscheidung zur OP keinesfalls bereut und würde es wieder tun. Der Eingriff war gar nicht schlimm, meine Galle-OP habe von den Schmerzen her viel schlimmer in Erinnerung.

Ich möchte allen Frauen, die sich wie ich lange Gedanken machen, ob sie den Schritt wagen sollen, mit diesem Bericht Mut machen.

Tipps:

  • Wenn du auch von Migräne betroffen bist: bring deine eigenen Migränemittel mit ins Krankenhaus. Du bist dein Migränespezialist und mit der Kombi der Schmerzmittel kennt sich das Krankenhauspersonal nicht unbedingt aus.
  • Für einen weichen Stuhl und somit weniger Druck auf den Narben hat mir Lactulose Saft geholfen. Den Sirup finde ich besser als Pulver zum Auflösen, weil der Saft gut/süß schmeckt, schon verzehrbereit ist und man nur 10-15 ml davon trinken muss.

Hast du Fragen an Claudia? Eli leitet die Mail weiter.

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