Die erste Woche unserer Bikepackingtour zwischen Oslo und Bergen ist (fast) um, wir hätten schon auf eine Fähre steigen können, die uns direkt nach Bergen bringt… Stattdessen fahren wir mit dem Zug ein Stück zurück, um einen groooßen Zusatzbogen zu radeln. Die Wettervorhersage ist gut (können wir ihr aber auch vertrauen?) und wir sind wieder einsatztauglich. Kann also weitergehen.

🚴‍♂️ Tag 7: irgendwo am Nordbygdvegen – Hemsedal – Borgund | 95km ↗️1700 ↘️1940

In den frühen Morgenstunden hat der Wind nochmal angezogen, die Böen lassen unser geschützt stehendes Zelt knattern.

Die Grundstücksbesitzer hatten uns einen 20 Liter Wasserkanister an unseren wunderbaren Campingspot gebracht und jetzt ist er halbleer. Faszinierend, wieviel (mehr) Wasser man braucht, nur weil/wenn es einfach da ist.

Wir biegen bald von der Straße ab, heute kommt wieder ein Gravel-Abschnitt. Die Vorfreude ist groß, seit wir ihn gestern auf der Karte angeschaut haben. Die Aussicht wird auch tatsächlich immer grandioser, je mehr wir in Richtung des Plateaus kommen.

Mein großer Wunsch nach Sonne und blauem Himmel ist (endlich) erfüllt, juhu! Aber: Irgendwas ist ja immer. Zum Beispiel die 60km/h-Böen arktischen Winds. Es hat nur 5 Grad und wir radeln Richtung Norden, also schön im steifen Gegenwind. Anstrengend. Gleichzeitig könnte man sagen, dass wir länger und mehr von der grandiosen Landschaft haben, denn wir kommen nicht vorwärts.

Die wenigen Autos, die uns überholen möchten müssen hupen (was mich vor Schreck fast vom Fahrrad fallen lässt). Die Ohren sind gegen den pfeifenden Wind gut abgedichtet, wir hören sie nicht kommen.

Wenn ich beim Fahren den Kopf drehe, dann spritzen die Zuglufttränen wie im Comic zur Seite weg. Bilde ich mir nicht nur ein, Dominik sieht es und lacht.

Bei unseren häufigen Foto- und Luftholstopps stellen wir fest, dass wir hier in der Pampa überall 5G-Empfang haben.

Generell ist uns aufgefallen, dass auf unseren Fotos (außer uns) nie Leute drauf sind. Bisher mussten wir uns dafür keine Mühe geben, es waren einfach keine/nur selten Menschen da. So auch heute. Eine Frauengruppe kommt uns auf Mountainbikes entgegen und zwei 1,95m-wie-man-sich-Norweger-vorstellt-Typen wollen trotz des Sturms auf einen Gipfel wandern.  

Unsere Fahrtrichtung ändert sich, jetzt kommt der Wind von der Seite (Lenker gut festhalten!!!!) und dann haben wir ein Stück seitlichen Rückenwind (Lenker immer noch gut festhalten!) – eine sehr willkommene Abwechslung.

Auch heute geht es irgendwann wieder bergab und die Landschaft wird wieder lieblich. Die Zivilisation offenbart sich in Form des Skiresorts Hemsedal. Wegen MTB-Tourismus ist zumindest das Restaurant offen und wir verschlingen Spaghetti (Portion: 22 Euro) und gönnen uns Brownies und Kaffee. Erstmal durchatmen.

Dominik hatte die gute Laune wegen des Winds am Ende verloren, mich hat die Landschaft zu doll beeindruckt (und die Freude über den Sonnenschein). Wir sind uns einig, dass das der bisher schönste Abschnitt war.

Anschließend geht es mit viel Gravel weiter. Abschnitte auf dem Kongevegen wechseln sich mit Autostraße ab. Heißt: Entweder schlechter Untergrund oder Autos, in beiden Fällen aber starker Gegenwind. Man könnte auch sagen: Pest oder Cholera.

Wir kommen immer wieder an weit auseinandergezogenen Siedlungen vorbei. Vor einem Haus steht gerade ein Rentnerpaar, wir fragen, ob wir bei ihnen Wasser auffüllen dürfen. Heimelig sieht die Hütte aus. Sie verbringen den Sommer fast durchgängig dort und bestätigen uns nochmals, dass dieser Wind nicht normal ist.

Bei einer anderen Hütte, deren Besitzer offensichtlich nicht da sind, begehen wir Hausfriedensbruch und nutzen die sonnige Veranda im Windschatten des Hauses für eine Pause. Das tut gut! Und wie warm es ohne den Wind ist!

Endlich, endlich haben wir es geschafft, ab jetzt geht es nur noch bergab. Richtig bergab. Eigentlich ändert es aber nichts, ich fahre mit den Händen an der Gangschaltung, statt an der Bremse. Der Windschattenfahrende kann immerhin rollen und muss nicht treten.

Je tiefer wir kommen, desto weniger garstig ist der Wind und irgendwann rollt es. Juhu.  

Der Supermarkt hat leider schon zu. Aber über Visakartenidentifizierung öffnet sich die Tür in den Laden und via Selbstbedienungskasse können wir einkaufen. Genial!

Überall sind Zäune, ist Privatgelände und/oder der Untergrund ist abschüssig. Nicht so einfach mit dem Schlafplatz. Letztendlich schlagen wir das Zelt mitten auf einem grasigen Wanderweg auf.

Knapp 100 Kilometer waren es heute, und ich glaube, man darf sie fast doppelt zählen. Das war ein intensiver Tag!  

🚴‍♂️ Tag 8: Borgund – Lærdal – Flåm – Fähre nach Gudvangen – Tufto | 94km ↗️1720 ↘️2160

Das Zelt ist am Morgen zum ersten Mal fast trocken und es war eine warme Nacht.

Huch, wir haben ja fast direkt an der berühmten Stabkirche übernachtet. Dominik recherchiert: „Der Stabbau ist ein Tragwerk aus senkrecht stehenden Masten, den sogenannten Stäben, auf denen die gesamte Dachkonstruktion ruht.“ Nicht die stabilste Bauweise, deshalb sind nicht so viele erhalten. Diese hier ist von 1180, ein seltenes Exemplar und eines der ältesten Holzbauwerke Europas. „Leider“ noch geschlossen…

Wir rollen über Nebenstraßen runter nach Lærdal. Sonntag um 8 Uhr ist nichts los, der Wind ist weg – sehr entspannend.

Wir sind zu früh im Ort, es gibt nur an der Esso (schlechten) Kaffee. Wir schälen uns aus den Klamotten, sonnencremen uns zum allerersten Mal komplett ein und radeln in T-Shirt und kurzer Hose weiter.

Denn jetzt kommen 1300 Höhenmeter am Stück, der längste Anstieg, den ich je/bisher gefahren bin. Die Steigung fand ich sehr angenehm: einfach in den kleinsten Gang schalten und (stundenlang) treten… Kein Wind, dafür Sonne, blauer Himmel, angenehme Temperaturen und Höhenmeter – ich bin glücklich.

Die Autos stören gar nicht so doll, die passen an uns vorbei. Aber es sind viele – ist halt als Scenic Route ausgeschrieben. Ich frage mich langsam, wie viele Busse und Vans das Unternehmen Roadsurfer (alle mit Wiesbadener Kennzeichen) hat und ob man sich bei Buchung verpflichtet, damit nach Norwegen zu fahren.

Nach 1100 Höhenmeter steht „jetzt geht’s richtig los“ auf die Straße geschrieben. An der Steigung ändert sich nichts, aber wir sind oben genug für die schöne Aussicht. Sowohl zurück Richtung Fjord als auch auf das Hochplateau: eine skurrile Szenerie mit vielen Steinen, Seen und Strommasten.

Wir nehmen ein Fußbad in einem der eiskalten Seen, sind stolz auf unsere Leistung und erstaunt, dass wir mangels Internetempfang keine Fährtickets buchen können.

Eine Weile geht es wellig durch die Mondlandschaft und dann auf der anderen Seite runter. Ohne Gegenwind läufts richtig und nach 15 Minuten sind wir am Stegastein, einer Aussichtsplattform auf knapp 700 Metern. So viele Menschen! Wir quetschen uns für ein Foto durch bis an die Glasscheibe und flüchten wieder. Noch ein paar Spitzkehren und wir sind unten am Wasser. Der Weg hoch hat bedeutend länger gedauert…

Mit unserem Bäckerei-Einkauf gehen wir an die Badestelle – und in den Fjord. Warum wir wohl die einzigen sind? Die Wassertemperatur beträgt 14 Grad und es fühlt sich kälter an… Ist bestimmt super für die Regeneration.

Um 17:15 nehmen wir den Katamaran nach Gudvangen. Wir sitzen gemütlich unten hinten am Panoramafenster, snacken und freuen uns über eine Steckdose und konstante Temperatur. Möglicherweise hätten wir zwischendrin mal ans Deck gehen sollen (zum Beispiel, als wir wegen eines (Überraschung!) Wasserfallblicks anhalten), aber eine gewisse Körperschwere lässt sich nicht dementieren.

Im Seafood-Restaurant vertilgen wir einen ordentlichen Teller Fisch (lecker!) und radeln ein Stück am Fjord zurück zu einem Campingplatz (wild campen kann man da vergessen). Der hinterste hat noch einen freien Platz für unser Zelt. 

🚴‍♂️ Tag 9: Tufto – 🥾 Rimstigfjellet-Wanderung (13km, ↗️↘️1320) – Lønavatnet | 47km ↗️750 ↘️670

Es war eine typische Nacht (Stichwort „irgendwas ist immer“). Entweder hört man eine Straße, jemand meint, er müsse um 21 Uhr sein Heu auf dem Feld nebenan noch mal wenden oder ein Fluss/Wasserfall rauscht eindringlich. In diesem Fall war es letzteres.

Und wir haben viel falsch gemacht heute. Wir sind zu früh losgelaufen und zu spät losgefahren. Aber das war es wert.

Ich habe mir gewünscht, dass wir die Rimstigen-Wanderung machen – ist immerhin UNESCO Weltkulturerbe und der Blick auf die Fjordlandschaft muss toll sein. Als wir aufstehen, liegen Fjord und Berge wolkenfrei und ruhig und rosafarben in der Morgensonne, es ist traumhaft. Während wir aufsteigen, ziehen in beeindruckender Geschwindigkeit Wolken auf. Stört uns erstmal nicht, wir sind drüber, die Sonne scheint und die Landschaft ist großartig. Aber: auf dem Gipfel (1200 Höhenmeter hat die Tour…) sehen wir statt Fjord halt nur ein Wolkenmeer. Auch schön, nur nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Im Abstieg kommen uns viele Leute entgegen und als wir unten mit Zelt einpacken fertig sind, sind die Wolken wieder weg. Hmpf.  

Ein Essensstopp muss noch sein, dann biegen wir auf die E16 ab. Alptraum, so am frühen Nachmittag, wenn ALLE (Touris wie NorwegerInnen) unterwegs sind. Es macht einen großen Unterschied, ob Autos mit 30 oder mit 80 km/h an einem vorbeifahren. Hier mindestens letzteres.

Irgendwann dürfen wir abbiegen. Es gilt, einen Tunnel zu umfahren. Als wir sehen, was uns erwartet, klingt schon Verzweiflung im Lachen mit. Am Schieben (ich erinnere daran, dass wir Gepäck am Rad haben…) führt auf den nächsten 300 HÖHENmetern kein Weg vorbei, die Serpentinen sind zu steil. Willkommen zurück auf dem Kongevegen! Eine Frau fragt uns, als wir es endlich fast geschafft haben: „War es anstrengend?“. Ich glaube, das ist die dümmste Frage, die ich jemals gehört habe.

Oben erwartet uns ein in der Zeit stehen gebliebenes Hotel mit Schokotorte und tollem Blick von der Terrasse. Die Welt ist (zumindest für den Kopf) schnell wieder in Ordnung.

Ich komme nicht in die Radelroutine. Bergauf fahren ist anstrengend, ich merke, dass ich geschlaucht bin. Dominik geht es ähnlich und wir beginnen mehr oder weniger sofort mit der Zeltplatzsuche.

Der Blick auf die Karte hatte schon vermuten lassen, dass es nicht so einfach wird. Alles ist bewohnt und nirgends gibt es Zugang zum See. Wir fahren eine Privatstraße bis zum Ende – und yes: Wiese, Wasser und ein Tisch! Ein bisschen falsch fühlt es sich an, aber in den beiden Häusern hinter uns ist niemand. Besser wird’s nicht, denn das ist ziemlich gut!

Erst nachdem die Sonne hinter dem gegenüberliegenden Berg verschwunden ist, kann ich mich zum „Duschen“ aufraffen. Der See ist eine Kuhtränke und voller Seegras. Die Erinnerung an die zahlreichen in-den-See-spring-Wunschmomente gewinnt doch. Beste Entscheidung. Danach direkt in den Schlafsack. Aaaaahhhh! 

🚴‍♂️ Tag 10: Lønavatnet – Hardangerfjord – Fähren – Norheimsund – am Kvamskogen | 120km ↗️1520 ↘️1220

Beim Aufwachen merke ich (zum ersten Mal), dass die Beine selbst im Liegen schwer sind. Trotzdem komme ich gut in den Tritt. Vielleicht auch, weil es wellig auf und ab geht – es ist nie so richtig schlimm.

Gestern haben wir uns (mal wieder) umentschieden und radeln doch am Fjord entlang nach Bergen. Seen haben wir genug gesehen. Jetzt hoffen wir, dass sich der Verkehr in Grenzen halten wird.

Wir kommen an eine Baustelle und werden angehalten. Der Verkehrsmensch muss es dreimal sagen, bis es richtig bei mir ankommt: Es geht erst in 45 Minuten weiter. Während wir unser Essen auspacken, erklärt er, dass die einspurige Fahrbahn (auf einer Seite Fjord, auf der anderen Berg) verbreitert wird. Dazu gibt’s die Regelung:  15 min Fahrzeit in eine Richtung, 15 min in die andere und 30 min Baustellenarbeitszeit ohne Verkehr zum Sprengen und Wegräumen der Felsen. Dann geht’s von vorne los. Der pensionierte Verkehrswächter macht das aus Spaß 2 Tage pro Woche, seine Pension würde auch ohne den Job reichen.

Weil die fleißigen Bauarbeiter noch ein paar Brocken zur Seite räumen müssen, verpassen wir die Fähre um 2 Minuten. Leider, leider müssen wir also noch mal eine Dreiviertelstunde Kaffee trinken… Da spannen wir sogar den Sonnenschirm auf. Ein Sonnenstich wäre dumm, so kurz vorm Ziel. Das triefendnasse Zelt trocknet jetzt in Minuten.

Die Ostseite des Hardangerfjords ist ein Radeltraum. Es gibt quasi keinen Verkehr, die Steigungen halten sich in Grenzen, die Sonne strahlt, Himmel und Wasser sind tiefblau, die Landschaft ist saftig und es gibt immer was zum Schauen.

Es sind viiiiele Äpfel, an denen wir vorbeikommen. Rot strahlen sie uns entgegen und wir fragen uns, warum die im Supermarkt aus Südafrika und Neuseeland kommen (wenn es gut läuft, mal aus Tirol)?

Zur zweiten Fähre kommen wir leider passend, dabei hätte man am Südufer sehr hübsch Kaffee trinken können.

Auf der anderen Seite ist mehr Verkehr, es gibt bis Norheimsund aber auch einen Radweg. Da kaufen wir nochmal ein (dieses Mal gewinnt das Süßigkeiten-selbstmisch-Regal) und vespern am Wasser.

Wir hatten uns schon auf weitere Tunnelumfahrungen mit Schiebestrecken eingestellt, doch die Umfahrung ist verwildert und abgesperrt. Also radeln wir die 400 Höhenmeter (erlaubterweise) in den Autotunneln hoch. Glücklicherweise ist nicht so viel los. Ich fahre sogar ein paar Meter zurück, weil mich zu sehr interessiert, was passiert, wenn ich den „cyclist: push“-Button drücke. Na? Die Warnlampe auf dem „Achtung, Radfahrer im Tunnel“-Schild beginnt zu blinken. Norwegen.

Dann suchen wir zum letzten Mal einen Zeltplatz. Das Seeufer ist Morast, der Campingplatz lieblos, am Skilift ist schon Schatten. Letztendlich nehmen wir eine Wiese hinter einem Kieslager/Winterparkplatz, auf dem schon ein Wohnmobil steht. Dessen Besitzer kennt den Besitzer des Grundstücks und freut sich, dass wir da sind. Ist leider direkt an der Straße, aber mit Flussbademöglichkeit. Und perfektem Windschutz für unseren Kocher. Oder sind Baggerschaufeln gar nicht dafür konstruiert worden?

Meine Pedale haben bei Kilometer 75 bedenklich angefangen zu ächzen – als würde es ihnen reichen. Mein Körper fühlt sich ähnlich an und so gibt’s vor dem Schlafengehen noch eine ausgiebige Dehneinheit.  

🚴‍♂️ Tag 11: am Kvamskogen – zu Tim bei Bergen | 60km ↗️790 ↘️700

Ui, ist das frisch! Das Zelt ist klitschnass und das GPS sagt 3 Grad. Eine äußerst unangenehme Kombination beim Zusammenpacken, das wir vermutlich auch deshalb in Rekordzeit erledigen. In voller Montur radeln wir los.

Die ersten Kilometer sind auf der Hauptstraße. Unangenehm. Mittlerweile fahre ich auf mittig auf dem Fahrstreifen. Wer sich zum Überholen nicht auf den Gegenverkehrstreifen traut, braucht auch nicht dicht an mir vorbeirauschen. Das scheint (zumindest temporär) die Definition von „es ist frei“ bei den Autofahrern zu verändern.

Auch auf unseren letzten Kilometern bekommen wir noch mal Norwegen: unsere schönen kleinen Sträßchen, Seen, Häuschen. Und zwei Kaffeestoppmöglichkeiten.

Ziemlich bald wird es doch spürbar industrieller und bewohnter: Wir sind fast in Bergen! Dann geht es noch mal durch ein Feld, an einem See vorbei, durch einen mehrspurigen Kreisverkehr, steil bergauf durch einen Friedhof und dann sind wir da.

Gute 900 Kilometer sind wir geradelt, jetzt ist das Ziel erreicht. Das heißt auch: Wiedersehen mit Tim! Wir haben uns seit sieben Jahren (glauben wir) nicht gesehen und es ist gleich wie früher.

Nach der wichtigen Erstversorgung (duschen, Klamotten waschen, Zelt aufhängen, essen) kommen wir an und runter. Das Wetter meint es gut mit uns, wir verbringen den Nachmittag gemeinsam Biertrinkend in der Sonne auf der Terrasse und grillen am Abend. Herrlich!

Tim wohnt seit 10 Jahren in Norwegen, ich kann also endlich die angesammelten Fragen loswerden. Zum Beispiel, ob die (gefühlte) Tesla-Quote von 30% damit zu tun hat, dass die NorwegerInnen zu viel Geld haben? Falsch, aber Nicht-E-Autos haben in Norwegen so hohe Steuern, dass es sich nicht rechnet ein anderes Auto zu kaufen. Habe es nachgelesen: von Januar bis Juli 2025 lag der Elektroanteil an den Neuzulassungen in Norwegen bei 94,1 Prozent.

Bergen 🥾

Gemütlich fängt der Tag an, mit vielen Kaffees und Sonne.

Der Wind ist allerdings frisch. Wir haben also doch wieder mehr an, als wir mit dem Bus in die Stadt fahren.

Dort machen wir gemütlich weiter: Wir spazieren auf den Fløyen – zugegebenermaßen nicht nur wegen der Aussicht, sondern auch weil es oben Kaffee und Zimtbolle gibt. Runter nehmen wir die elektrische Standseilbahn.

Bergen ist schön, mit zwei Kreuzfahrtschiffen im Hafen aber auch voller Menschen. Es gibt dementsprechend viel zu schauen. Während wir mit einem Bier am Wasser sitzen und auf die Brygge-Häuser schauen. 

Den Nachmittag verbringen wir wieder gemütlich auf der windstillen Terrasse und können immer noch nicht glauben, dass wir in der regenreichsten Stadt Europas sind.

Gerade als wir vom Abendessen wieder zurück sind, ist es dann aber völlig unerwartet doch so weit. Ist okay, für die Bergen Experience hat das noch gefehlt! 

Bergen – Zug nach Oslo – 🚴‍♂️Radtour | 50km ↗️↘️630

Am Morgen radeln wir die 16 km (fast) trocken zum Bahnhof. Schön, sich vor dem Zugfahren noch zu bewegen. Auch, dass der Schauer erst startet, als wir schon im Zug sitzen.

Die erste Hälfte der Bahnfahrt besteht gefühlt aus Tunneln. Ich habe Zeit, die Fotos unserer Tour auszusortieren. Wir stellen im direkten Vergleich fest: Die Landschaft vom Rad aus zu sehen ist schöner als aus dem Zug.

Kaum in Oslo schwingen wir uns aufs Rad – noch ein wenig Bewegung vor der Rückfahrt ist die Devise. Wir freuen uns drauf, aber die Luft ist raus. Es gibt kein Foto von der Tour. Auch, weil sie doch zu stadtnah ist und Freitagspätnachmittag ein sehr schlechter Zeitpunkt ist, um auf Autostraßen zu fahren…

Auf der Fähre zurück nach Oslo Downtown (herrlich, das ist hier ein öffentliches Verkehrsmittel wie andernorts der Bus…) suche ich mein Flixbus-Ticket raus. Und stelle fest: es ist für morgen Abend, nicht für heute. Ach du Scheiße! Noch schlimmer: Dominik, der ja nach mir gebucht hat, hat den gleichen Fehler gemacht. Im strömenden Regen gehen wir von der Fähre, stellen uns im nächsten Bushäuschen unter und evaluieren unsere Optionen. Flixbus umbuchen geht nicht, ab Kopenhagen sind keine Radplätze mehr frei und von dort kommen wir nicht weg. Am Sonntag gibt’s ab Hamburg keine ICE-Fahrradplätze mehr. Die nächste Fähre nach Kiel fährt zu spät und da kämen wir auch nicht weg. Der Flug nach Frankfurt kostet per se schon 300 Euro.

Am Ende buchen wir einen Flug nach Zürich und Zug-/Radplätze nach Stuttgart für morgen 15 Uhr und ein Hotel für die Nacht. Was für ein Mist… Wie das nur passieren konnte?!

Oslo – Zürich – Stuttgart

Der Tag beginnt gut. Beim Aufwachen freue ich mich, dass ich am Abend zu Hause bin, es ist ein strahlend sonniger Tag und das Frühstücksbuffett ist der Hammer.

Kurz vor 10 stehen wir vor der Tür eines Fahrradladens, um nach Kartons zu fragen, in denen wir unsere Räder für den Flug verpacken können. Bekommen wir. Yeah!

Dann geht es allerdings los. Die UND die Räder zum Flughafen zu bekommen ist natürlich ein beträchtlicher Aufwand. Wir rollen zum Bahnhof, lassen die Räder dort und holen die Kartons ab. Puh, es ist anstrengend die Riesendinger eine Viertelstunde durch die Stadt zu tragen. Gut, dass die Nationaltheater-Station die nähere war, dort kommen wir (relativ) unkompliziert mit den Rädern und den Kartons in den Zug. Am Hauptbahnhof (nächste Station) wäre das schief gegangen.

Am Flughafen checken wir uns ein und verpacken dann die Räder. Während wir dabei sind, kommt ein anderer Radfahrer an und bekommt nach kurzem, freundlichen Wortwechsel vom Flughafenmensch einen Karton ausgehändigt bzw. das Rad verpackt – nee, oder?! Übrigens: Auch für Sondergepäck gilt ein Limit von 23kg. Haben wir auf die schmerzhafte Art gelernt. War nämlich teuer – Übergewicht, von dem ich nichts weiß, ist fies.

Dafür klappt die restliche Reise wie am Schnürchen. In Zürich dürfen wir sogar in den Zug eine Stunde früher und sind rechtzeitig zurück, um im Supermarkt noch Obst und Gemüse zu kaufen. Dann eine Dusche und ab ins eigene Bett – herrlich!

Fazit: Danke, Norwegen!

Wenn ich an die Tour denke, dann ist da vor allem Dankbarkeit. Dafür, dass…

  • sich Skandinavien von einer eher guten Seite gezeigt hat und uns von Dauerregen verschont und dafür (auch) sonnige Tage geschenkt hat
  • wir ohne Sturz, Unfall oder auch nur einem Platten durchs Land gekommen sind. Verdorbener Magen und überlasteter Knöchel sind doof, aber vergehen wieder
  • mein Körper das einfach so mitmacht. Gefordert war er, das schon, aber gut gemacht hat er es!
  • ich diesmal nicht allein unterwegs war. Die Ruhe im Kopf war größer, ich habe mich deutlich weniger mit „wo mache ich die nächste Pause“ und auf-der-Karte-schonmal-einen-Zeltplatz-Suchen beschäftigt
  • es kein Abenteuerurlaub war, dafür habe ich die Zivilisation mit ihren Supermärkten, Bäckereien und geteerten Straßen doch zu sehr zu schätzen gewusst.
  • wir uns diese Sorglosigkeit („jaja, wird schon was kommen“ oder „nett, dass Sie uns extra auf den Preis der Schokotorte aufmerksam machen, wir wollen sie trotzdem haben“) leisten können  💛
die Norwegenkarte mit unseren Tagesetappen zwischen Oslo und Bergen (inkl. kleinem Loop)

Fehlt nur noch die Weitergabe des Gelernten: siehe Tipps, Ausrüstung und Packliste.


Spannende Themen!

Ich möchte keinen Beitrag mehr verpassen, bin aber auch zu faul, hier regelmäßig nachzuschauen… Eine E-Mailbenachrichtung bei neuen Posts wäre toll!

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