Klettern hin oder her – ein wenig Baden im Wadi wollten wir schon, und die Wahiba Sands-Wüste stand auch auf dem Wunschzettel. Und wenn wir eh durch die wichtigsten Städte fahren, dann schauen wir sie auch an, allein, um ein besseres Gefühl fürs Land zu bekommen.

Zoomin: unsere Reiseziele in Oman (Screenshot Google Maps)

WADI AS SHAB

Um 7 Uhr setzen wir mit dem ersten Boot über und wandern mit einem anderen deutschen Paar und einer slawischen Familie los. Noch unwissend, dass wir viel zu viel Zeug dabei haben…

Wir laufen staunend durch das grüne Wadi. An den Seiten sind kleine Gärten, die die Locals mit Hilfe von Gastarbeitern und den berühmten aflaj-Wasserkanälen bewirtschaften. Auf den wenigen Metern zwischen den steilen Felswänden wachsen Dattelpalmen, Bananenstauden und andere Obstbäume.
Hier ist der Link zu einer alpha-Doku über Das Bewässerungssystem des Oman – Von Sonne und Sternen dirigiert.

Nach 45 Minuten erreichen wir den türkisblauen Pool, den man von den Fotos kennt. Jetzt heißt es: rein ins Wasser! Schwimmend und watend geht es bis zur Höhle, in der ein kleiner Wasserfall auf uns wartet. Wer sich traut, kann von dort hineinspringen. Idealerweise hat man keine Wertsachen und einen Drybag für den Autoschlüssel dabei… Hossein lebt in Tiwi und von schlecht vorbereiteten Touris wie uns, er bewahrt unser Zeug sicher auf.

Als wir gegen 11 Uhr zurücklaufen, stauen sich Menschenschlangen an den Trampelpfadstellen. Es ist fast wie auf dem Mount Everest – nur deutlich wärmer.

Wieder um 7 Uhr fahren wir am nächsten Morgen zu einem anderen Wadi. Die Dorfbewohner sind auf dem Weg zu ihren Feldern, Touristen sind noch keine da. Wir wollen eine kleine Canyoning-Tour machen, wissen aber nicht genau, wo sie endet… Das war ein aufregendes Gefühl: Mit dem Sprung in den nächsten Pool schneidet man sich den Rückweg ab… Ohne Sonne war es noch kalt, aber traumhaft schön. Das Ende war eindeutig und wir finden den Ausgang aus dem steilen Felsschlauch. Auf dem Rückweg durchqueren wir Felder mit Palmen und Bananenstauden. Die kühle Morgenluft, das exotische Ambiente – es fühlt sich nach Abenteuerurlaub an. Genau das, was ich wollte!

BATINAH: Barka und Nakhal Fort

Erster Tag in Oman: Um 4 Uhr morgens holen wir unseren Mietwagen ab und fragen uns: Und jetzt? Ohne Hotel und ohne festen Plan entscheiden wir uns für eine Fahrt nach Westen. Erster Halt: Barka. Der Fischmarkt ist ein guter Start. Das Fort wirkt von außen eher unscheinbar, entpuppt sich aber als sehenswert.

Die Batinah-Region ist Omans fruchtbarer Küstenstreifen, bekannt für Landwirtschaft und Dattelpalmen – und genau die wollten wir sehen. Nach einem kurzen Powernap im Auto geht’s weiter zum Nakhal Fort. Das ist deutlich größer (und hat ein Café mit Cappuccino), der Stil ist jedoch gleich. Perfekt renoviert oder nachträglich gebaut? Ganz sicher bin ich mir nicht.

NIZWA

Oman hat ein beeindruckendes Corporate Design, wenn es um Forts, Wehrtürme und Stadtmauern geht. Sie sehen alle ähnlich aus. Das „meistbesuchte Fort des Landes“ können wir trotzdem nicht auslassen, oder? Neben der Architektur ist das Beobachten der anderen Touristen mindestens genauso unterhaltsam.

Nach der Besichtigung brauchen wir erstmal Essen – natürlich landen wir in einem der netten Dachterrassenrestaurants. Anschließend streifen wir durch den Souq, der seit seiner Renovierung eher Verkaufshallencharakter hat. Das merkt man aufgrund der be- und vernebelnden Weihrauchschwaden aber kaum.

Die Altstadt wird Stück für Stück renoviert. Es gibt Lehmhäuser in allen möglichen Zuständen, enge Gassen und viele Kaffeeläden. Doch, Flair hat die Stadt – wir sind länger unterwegs als erwartet.

Frühstück gibt es erst um 8 Uhr und wir planen auszuschlafen. Das klappt nicht: unser Hotel liegt mitten in grünen Gärten und der erste Hahn kräht ziemlich früh. Das lassen die andern nicht auf sich sitzen und wir sind wieder ab Sonnenaufgang auf.

SUR

Hm, da habe ich die Karte falsch interpretiert, der Weg in die Altstadt ist länger als gedacht. Egal, spazieren wir einfach los. Um 13 Uhr ist die Stadt wie ausgestorben, wir treffen nur ein paar Ziegen. Der Weg führt uns durch einige schäbige Gassen – ja, auch hier gibt es Wohlstandsunterschiede. Trotzdem fühlen wir uns sicher.

Erster Stopp: die Dhau-Werft. Diese traditionellen Schiffe werden ohne Nägel gebaut und mit ihnen segelten Sindbad und Co. über die Meere. Selbst im Dhau-Epizentrum Sur ist von dieser Handwerkskunst nicht mehr viel übrig, doch die Werft mit Museum lohnt sich.

Nach einem späten Mittagessen in einem stark klimatisierten Family Room spazieren wir über die Brücke Richtung Altstadt. Langsam kommt auch wieder Leben ins Stadtbild: Jungs spielen Fußball, Familien flanieren auf der Promenade. Am Leuchtturm schauen wir dem Sonnenuntergang zu und sind auf dem Rückweg fasziniert: Leuchtreklamen, geöffnete Geschäfte, geschäftiges Treiben – es ist ein völlig anderes Stadtbild als am Nachmittag!

IBRA: LADIES MARKET

Mittwochvormittag ist Ladies Market. Hier verkaufen Frauen an Frauen. Männer sind tabu (bei Touris wird eine Ausnahme gemacht). Beim ersten Lesen dachte ich: Werden hier etwa noch Frauen verkauft – wie Kamele auf einem Markt?!

Conny und ich nehmen den Markt unterschiedlich wahr. Ich finde es befremdlich, dass kaum Reaktionen von den Frauen kommen – kein Lächeln, kein Blickkontakt, eher ein Ignorieren. Conny hingegen sagt: die waren alle so nett. Klar, untereinander scherzen und reden sie, einige scheinen sich gut zu kennen. Schön sind die Glitzerstoffe, die auch fleißig gekauft werden, auf jeden Fall. Der „normale“ Teil des Marktes ist wenig spektakulär, weil er in kleinen Läden stattfindet.

WAHIBA SANDS

Die kleine omanische Wüste („Westentaschenformat“ stand irgendwo mal) ist um Biddiya mit Wüstencamps gesprenkelt. Wir wollten Beduinen-Style, uns werden aber vor allem Viersterne-Camps mit Pool angezeigt. Ernsthaft? Wir haben uns schwergetan, was Einfaches zu finden (Silvester macht es nicht einfacher…).

Am Treffpunkt an der Abzweigung von der geteerten Straße lässt unser Guide erstmal Luft aus unseren Reifen. Mit 1,3 bar kommt man die Dünen besser hoch. Conny Urteil: Es ist wie fahren auf Schnee.

Nach einem faulen Nachmittag im Camp machen wir doch die Wüstensafari. Wir cruisen die Dünen mit dem Jeep hoch und runter. Das wollte ich eigentlich nicht – aber spannend zu sehen, was das Auto kann (wenn der Fahrer es kann). Wir besuchen Kamele von einem Bekannten und erleben den Sonnenuntergang auf einer Düne. Von hier sieht man fast immer Zivilisation. Die Wüste ist nicht unendlich, aber doch beeindruckend. Das Abendessen gibt es in einem anderen Camp in netter Gesellschaft. Wieder zurück „zu Hause“ gehen wir direkt ins Bett – Silvester hin oder her. Leider ist es zu bewölkt sowohl für Sterne als auch für den schönen Sonnenaufgang über der Sanddüne.

Das traditionelle Frühstück entschädigt uns. Omanisches Brot, Dattelsirup und Honig (das vermischt man und tunkt das Brot), von seiner Frau selbst(an)gemachten (Frisch-)Käse, Oliven und Chips – alles sehr lecker! Dazu gibt es Kardamom-Kaffee und karak tea (sehr süß, mit Kardamom und Zimt – ähnlich zum indischen Chai).

DAYMANIYAT ISLANDS

Ich liebe Schnorcheln, das Meer kam in unserem Programm bisher zu kurz und die Bewertungen sind durchweg positiv – also buchen wir den vierstündigen (Nachmittags-)Ausflug für stolze 80 Euro pro Person.

Auf dem Weg zu den Inseln fahren wir durch dichte Algenteppiche und auch vor Ort treiben viele grüne Fäden im Wasser. Die Sicht ist entsprechend trüb. Trotzdem entdecke ich schnell ein paar Schildkröten – das eigentliche Highlight des Ausflugs. Glücklicherweise, denn das 24 Grad warme Wasser ist kälter, als es klingt. Mir frierts, und ich bin nicht die Einzige. Beim zweiten Schnorchelstopp verzichtet die gesamte Gruppe auf einen weiteren Wassergang. Auch an Land gibt es wenig zu entdecken. Also sitzen wir am Strand, schauen aufs Meer. Eine teure, erzwungene Meditation – dabei sind wir ja schon entschleunigt. Die Rückfahrt im Sonnenuntergang ist schön, aber kühl. Nicht alle haben warme/winddichte Wechselkleidung dabei… Wir sind vorbereitet, es hätte aber noch eine Schicht mehr sein dürfen.

Lohnt sich der Trip? Vielleicht bei besseren Bedingungen und wenn man noch nie Meeresschildkröten gesehen hat. Im Vergleich zu den Malediven oder Hawaii kann Maskat da aber nicht mithalten.

P.S.: Das war der einzige Schnorchelspot, den wir gesehen haben. Die (angeblich) spektakulären Plätze liegen zu tief – Oman ist eher ein Ziel für TaucherInnen.

Die Hauptstadt MASKAT

Die meisten fangen dort an, wir heben uns die Hauptstadt fürs Ende auf. Unter anderem auch, weil wir an einem Freitag ankamen und die große Sultan Qaboos Moschee am muslimischen Sonntag für Touristen geschlossen ist. Aber jetzt: Mit bedecktem Kopf, Knöcheln, Armen und Schultern darf man rein. Sie ist beeindruckend. Prunkvoll, aber irgendwie doch schlicht, das kann Oman gut.

Die ganze Welt wurde beauftragt, an der Moschee mitzubauen. Um die internationale Offenheit des Sultanats zu unterstreichen – und, weil nur das Beste gut genug ist? Der 8×4 Meter (!) große Swarovski-Leuchter kommt aus München. Der Teppich, der den Innenraum komplett auskleidet, wurde von 400 IranerInnen an Ort und Stelle handgeknüpft und wiegt 20 Tonnen. Irgendwas war aus der Türkei, der Marmor natürlich aus Italien. Den Architekturwettbewerb haben ein Londoner und ein irakisches Büro gewonnen. Die Außenansicht ist inspiriert vom indischen Taj Mahal…

Sightseeing per Auto

Zwischen der Moschee und dem Sultan-Palast liegen 20 Kilometer – selbst für mich alles zu weit auseinander, um die Stadt klassisch zu Erlaufen. Zudem ist Maskat nicht kompakt, sondern eine lose Ansammlung von Vierteln und Abschnitten, die durch Autobahnen zur „Capital Area“ verbunden sind. Genau diese mehrspurigen Straßen trennen die Stadt gleichzeitig. Fußgängerüberwege und -ampeln gibt es kaum, häufig queren Menschen die Straßen IRGENDWO. Supergefährlich, aber gut nachvollziehbar. Wenn man ein Beispiel für eine junge, fatal autozentrierte Stadt sucht, hier ist es.

Fürs Sightseeing nutzen wir unser frisch gewaschenes Auto und freuen uns über die vielen Kreisverkehre. Die sind wenigstens eindeutig („zweite Ausfahrt nehmen“). Wir verfahren uns mehrfach beim Geradeausfahren, denn teilweise liegen die Spuren übereinander oder die Straße teilt sich in Viertelrechts und Viertellinks. Was ist jetzt geradeaus? Maps und wir haben uns schwergetan. Zur Rush Hour gibt’s – trotz der vielen Spuren – Stau. Puh.
(> Hier gibts weitere Tipps zum Autofahren in Oman.)

Der Fotostopp an der Oper war lohnend (übrigens die einzige auf der arabischen Halbinsel, Qaboos sei Dank). Der Sultanspalast dagegen passt nicht so recht zur übrigen Architektur im Land, vielleicht muss ich nochmal rausfinden, was dahintersteckt.

Am Spätnachmittag waren wir im Mutrah Souq. Der ist traditionell aufgebaut, aber sehr touristisch. Es gibt Millionen von Pashminaschals und Weihrauchverbrenngefäßen zu kaufen. Im Goldteil wurden wir nicht mehr angesprochen, in den Läden waren nur Frauen in abayas (als Kundinnen). Ziemlich erledigt sind wir wieder rausgestolpert.

Dann finden wir noch die Lösung für das Rätsel des Tages (Wo kommen die vielen Deutschen auf einmal her?): Die „Mein Schiff 4“ mit einer Kapazität von 2.500 Gästen liegt im Hafen und überragt alle Gebäude und sogar die Yacht des Sultans.

Abschluss

Wir gönnen uns noch ein gutes, traditionelles Abendessen und stoßen mit unserem Saft auf diesen wunderbaren Urlaub und das gastfreundliche Land an – Danke, Oman!

Du willst noch mehr? Wie wäre es mit der ZDF-Doku Der Oman von oben (2024)?


Spannende Themen!

Ich möchte keinen Beitrag mehr verpassen, bin aber auch zu faul, hier regelmäßig nachzuschauen… Eine E-Mailbenachrichtung bei neuen Posts wäre toll!

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