Nach meiner generellen Lobeshymne auf das Land und seine (Reise-)Möglichkeiten kommen wir zum wichtigsten Reisegrund: Sportklettern in Oman. Deswegen sind wir da ja hier! Das Problem ist allerdings: Es gibt ein paar uralte YouTube-Videos von Klettergrößen und eine halbwegs aktive Facebook-Gruppe. Aber das war’s. Wir wussten nicht so genau, was uns erwartet. Kann man sich auf 17 Jahre alte Topos* verlassen?
Und beim Wandern war die Informationslage fast noch spärlicher. Die gängigen Apps bieten die immer gleichen „Spaziergänge“ und das Internet hält sich vornehm zurück. Erst vor Ort (wortwörtlichst) stehen dann Wandertafeln und wir entdecken, wie viele markierte Wege es gibt. Habt ihr es besser! 😉
Sportklettern in Oman
Unser Komfortbereich endet bei 6a – also haben wir uns auf Gebiete mit einfacheren Routen konzentriert. Da unsere Erfahrung mit alpiner Absicherung überschaubar ist, standen Trad-Routen* nicht zur Debatte. In einem Land ohne verlässliches Rettungssystem wollten wir (erst recht) keine Risiken eingehen. Wir haben deshalb entschieden „nur“ Sportklettern* zu wollen. Mit einem 70m Seil, 15 Exen und ein paar Karabinern im Gepäck kann es losgehen!
Tipps für Klettern-in-Oman-AspirantInnen:
- Die Rakkup-App mit kaufbaren/mietbaren Guidebooks (Muscat Sport Climbing, Sharaf Al Alameyn Sport Climbing, oder Deep Water Soloing) von Larry Michienzi sind hilfreich, genauso wie die weitergeleiteten PDFs (aus dem Jahr 2007) von einem Kletterkumpel (die findet man auch im Netz).
- Der „Climbing in Oman“-Kletterführer von Jakob Oberhauser (2014) war für uns nutzlos – ich verschenke ihn gern, melde dich!
- Jakob und Larry sind übrigens auch in der Facebook-Gruppe „Climbing in Oman“
- Kleiderregelung beachten: Knie und Schultern müssen bedeckt sein
- Hier die YouTube-Links: Hansjörg Auer und Much Mayr 2009 | Hazel Findlay, Jimmy Chin und Alex Honnold beim Deep Water Soloing 2013 | Stefan Glowacz‘ und Chris Sharmas Into the light 2014
* Zum Verständnis für die Nicht-Kletternden:
- Sowohl beim Sport- als auch beim Trad-Klettern, möchte ich eine Route hoch, bei beiden sichere ich mich mit einem Seil.
- Beim Sportklettern ist alles vorbereitet: In der Wand sind in regelmäßigen Abständen Bohrhaken. In die klicke ich eine Expressschlinge (siehe Titelbild) und hänge mein Seil ein – fertig. Das gibt Sicherheit und ermöglicht, sich auf die Kletterzüge zu konzentrieren. Deswegen „Sport“-.
- Beim Tradklettern (traditional climbing) sind keine oder nur sehr wenige Bohrhaken in der Wand und ich lege selbst mobile Sicherungsmittel (Friends oder Keile, z.B.) und nutze dabei u.a. Risse in der Felsstruktur. Wenn man mit ihnen umgehen kann (da braucht es Erfahrung) und es Platzierungsmöglichkeiten gibt, dann ist das auch sicher. Und gibt viel Freiheit.
- Bleibt noch das Topo. Das ist eine Skizze oder Foto von der Wand, in der der Routenverlauf, Schwierigkeitsgrade und wichtige Infos zur Absicherung eingezeichnet sind. Eine vertikale Landkarte, könnte man sagen.
An vier sehr unterschiedlichen Orten sind wir geklettert:
WADI DAYKAH (Middle Canyon, North + South Area)
Es ist Tag 2 im Oman, und es wird direkt abenteuerlich. Über den Damm bei Hail al Ghaf geht’s in eine Steinwüste mit 30 Meter hohen Felswänden. Unser erstes Wadi! Der „Feldweg“ verschwindet schnell in losen Kieseln. Es wird Zeit für den Vierradantrieb. Aber, ähm – wie schaltet man den überhaupt ein? Zum Glück lag die Gebrauchsanleitung im Auto. (Lösung: Die Schaltung muss auf „N“ stehen, um auf 4L umzuschalten.)
Drei Kilometer sind es bis zum Klettergebiet, drei weitere zum Campingspot. Wir schwitzen. Es ist immer wieder kurz sehr steil, der Untergrund ist tief und lose. Die Steine werden immer größer, das hört man auch am Unterboden… Nach knapp zwei Kilometern geben wir auf. Das ist zu viel für uns Allrad-Newbies. Festfahren wäre hier richtig doof, hier wird niemand vorbeikommen. Also zurück. Wir probieren es von der Campingplatzseite nochmal. Das geht besser, ist aber auch langsam. Wir parken das Auto und laufen.
Nächste Herausforderung: Wie findet man die Kletterwände in diesem langen Schlauch? Das war erstaunlich einfach, unserem geübten Auge ist sofort aufgefallen, als die Wand von „Schutt“ in „kletterbar“ übergeht. Und ja, da sind Bohrhaken!
Wir sind 1,5 Tage geklettert und keiner Menschenseele begegnet. Daraufhin haben wir uns getraut, in unanständigen Klamotten zu klettern. Im Schatten war es in kurzer Hose angenehm, in der Sonne einfach brutal heiß.
Ich merke meine aus Deutschland mitgebrachte Erkältung noch und die zittrigen Beine helfen dem Kopf nicht unbedingt. Genauso wenig wie die (unten) glatten Wände. Conny ist in hervorragender Verfassung und steigt alles vor. Wir klettern, was im Schatten liegt – Routen gibt’s genug.
Tipps:
- In der Satellitenansicht von Google Maps ist völlig klar wo es langgeht
- Die Kletterfelsen sind da, wo die zementierte (verfallene) Wasserleitung aufhört (vom Dorf aus), bzw. anfängt (vom Campingplatz aus)
- Die „Straßen“verhältnisse ändern sich mit jedem Regen – keine Gewähr für meine Angaben
- Das ist der Campingspot bei Google Maps, er ist ohne Allrad erreichbar
- Vom Camping-Spot nach rechts ins Wadi führt ein besserer Weg, abends/morgens ist eine Handvoll Autos durchgekommen > anziehen! 😉
SNAKE CANYON (Wadi Bani / Bilad Sayt, Sektor La Gorgette)
Die Anfahrtsbeschreibung von 2007 sagt (aus Richtung Süden): „Bis zum Pass geteert, ab dann 4×4 nötig.“ Wir waren gespannt – das hätte sich in knapp 20 Jahren ändern können. Aber nein: die Straße wird sofort zur Piste und führt steil bergab. Wir sind frühmorgens unterwegs, finden die wenigen Autobegegnungen spannend, bewundern ausgiebig die Landschaft und gewöhnen uns an das Terrain.
Unten landen wir an einer Oase, sieht schön aus! Die gebohrten Routen sind am Canyon-Eingang, an dem auch der Wanderweg startet. Drinnen genießen wir den Schatten, aber durch den Wind ist es fast kalt.
In der „Höhle“ hören wir das Klackern von Exen. Da sind Kletterer! Tatsächlich, eine Seilschaft ist in der Wand, begleitet von einem Kamerateam. Natürlich kommen wir ins Gespräch. Saud (sau_8d bei Instagram) ist Omans bester Kletterer und er wird für eine Doku über „Sport im Oman“ gefilmt. Die anderen Dispziplinen sind Jiu-Jitsu und Sprint – was auch sonst?!
Schade, dass sie beschäftigt sind. Hätten uns gerne ein paar Routen einhängen lassen, denn für uns ist es kein guter Klettertag. Der Fels ist top, der Kopf nicht. Relativ bald packen wir unsere Sachen wieder zusammen und folgen den Tourigruppen, die zwischenzeitlich an uns vorbeigekraxelt sind. Und, wow: es ist wunderschön! Wie aus dem Bilderbuch liegt da das Dorf Bilat Sayt, umgeben von fruchtbaren, kunstvoll bewässerten und angelegten Terrassen, mit vielen Palmen.
Auf dem Rückweg zum Pass erleben wir das im Abschnitt „Autofahren“ geschilderte rückwärtsfahren. Wir stellen jetzt überrascht fest, dass die Route kein abgelegener Stich ist, sondern eine vielbefahrene Durchgangsstraße. Noch VIEL MEHR Verkehr ist oben am Pass (geteerte Straße…), wo sich die Touris die Wartezeit bis zum Sonnenuntergang mit Fotosessions vertreiben (egal, dass es nur 7 Grad hat). Wir warten auch, und zwar geduldig auf unsere Cappuccinos und Schoko- und Pistaziencremekuchen im Passcafé. Nach dem ersten Schluck und der ersten Gabel sind die dafür gezahlten 23 Euro egal – es ist sooo lecker.
Ein (weiterer) Highlight-Tag unserer Reise!
Tipps:
- Der Kletterspot liegt an der „Durchgangsstraße“ (4×4 only!) von Maskat nach Nizwa/auf die Südseite des Hajar-Gebirges. Lässt sich also z.B. zwischen Hadash und Nizwa einbauen. Wir sind einen großen Bogen gefahren, weil wir das nicht wussten
- La Gorgette gilt als das beste Sportklettergebiet in Oman mit bomben(scharfen) Fels, sofern man 6 aufwärts klettert
- Topos/Info im Rakkup-Führer Sharaf Al Alameyn Sport Climbing
- Das ist der Sportklettersektor, es gibt noch viele Trad-Optionen in der Gegend
- Der Snake Canyon ist bekannt für Canyoning. Die Touren sind 4-6 Stunden lang. Das hätten wir nicht ohne Guide gemacht (v.a. wegen Neoprenanzügen und des notwendigen Materials zum Abseilen). Dafür nimmt man einen anderen Eingang in den Canyon
- Wir wussten nicht, dass ein Stück weiter auch einen Fußballplatz gibt (wieder Google Maps), der von Audi für eine hochemotionale Werbung (und hoffentlich tatsächlich für diesen Jungen) gebaut wurde. Den Schlenker hätten wir fürs Fotomotiv vermutlich gemacht.
HADASH
Ohne 4×4 kommt man die steile Zufahrt zum Dorf nicht hoch. Das liegt auf 1.500 Meter und als wir bei 8 Grad aus dem Auto steigen, verstehen wir, warum es ein Sommer-Kletterspot ist. Diesmal suchen wir bewusst die Sonne.
Das Dorf fühlt sich beim Durchqueren eher ärmlich an, wobei die Anzahl der (wie immer: frei herumlaufenden) Ziegen enorm ist. Und es liegt traumhaft. Mal kein Wadi, der Blick schweift über das Dorf, die Felder und Berge. Aus den Routen im Abschnitt „Downtown Hadash“ kann man auf das sonnige Gipfelplateau aussteigen. Wir nehmen unser Picknick mit hoch und genießen den Ausblick.
Auch die Kletterei macht Spaß. Die Hakenabstände sind wie in der Halle und der Fels ist so griffig, dass ich mich wie Spiderman fühle. Egal wo der Fuß landet, er wird vom Fels regelrecht angesaugt. Dafür nehme ich die scharfkantigen Griffe gern in Kauf. Es ist wunderbar, wir genießen den Tag.
Auf dem Rückweg schauen wir, ob das Guesthouse offen ist. Hände waschen und eine Toilette wären toll. Vielleicht gibt’s auch Kaffee? Gibt es. Außerdem laufen wir Wolfgang aus München in die Arme. Wir sind uns auf Anhieb so sympathisch, dass alle ihre Pläne ändern. Er holt seine Frau und wir sitzen lange zusammen auf der Dachterrasse. Die beiden machen zwei Wochen Omanurlaub auf dem Weg nach Indien, wo ihre Tochter in Kerala (christlich) einen Inder heiratet. Die beiden sind in Rente und halten (auch) nichts von Standardurlaub. Vor allem Wolfgang ist begierig zu hören wo es die schönsten Allrad-Pisten gibt, während wir uns Tipps für Maskat geben lassen. Dann wird es kalt und der baldige Sonnenuntergang treibt uns ins Auto. Auf der Teerstraße kann es dunkel sein, vorher nicht.
Tipps:
- Die Felsen, die man vom Parkplatz (Standort) sieht, sind das Ziel. Also nach Durchquerung des Dorfes nicht aufsteigen, sondern auf gleicher Höhe bleiben.
- Camping ist dort schwierig (alles steil, überall mit Dorfblick), man müsste wieder runterfahren. Oder (viel) Geld fürs Guesthouse ausgeben
- Dresscode beachten, das ganze Dorf schaut (aus der Ferne) zu. Bei den Temperaturen ist uns das nicht schwer gefallen…
- Von Hadash gibt es einen markierten Rundwanderweg nach Wukan und zurück (W24 + W24a + W24b). Den hätte ich gern noch gemacht.
KUBRA CANYON (Al Hasnat Canyon)
Großes Kletterfinale! Wir haben nochmal 1,5 Tage Zeit. Bis zum Eingang des Wadis kommt man zur Abwechslung mit einem Zweiradantrieb. Ab dort geht es nur noch zu Fuß weiter. Wieder sind wir die einzigen Kletterer. Wir sehen sehr viele Ziegen und Zicklein, die in kleinen Gruppen vorbeikommen. Am Nachmittag kommt die ganze Meute zurück, hintendran läuft ein Ziegenhirte. Er ist der einzige Mensch, den wir dort sehen.
Bei „Ziegenhirte“ habe ich ein Bild von einem wahlweise jugendlichen oder schon etwas gebeugt gehenden älteren Mannes im Kopf, auf jeden Fall aber ärmlich und einfach gekleidet. Ups, Vorurteilsfalle. Dieser hier trug eine makellose beige Dishdasha, ging sehr aufrecht und ich hätte ihm auch den Beruf des Bankdirektors abgenommen.
Da niemand sonst da war, ließen wir die Exen über Nacht in der Wand. Am nächsten Morgen fehlt die unterste. Wir stehen mit offenen Mündern vor der Wand. Klar, das war nicht wahnsinnig hoch, da kann fast jeder hoch- und runterklettern. Aber wer und warum? Der Ziegenhirte? Unvorstellbar. Dann eher der behelmte Typ mit Seil und Klettergurt, der allein aus dem Wadi kam und einen großen Bogen um uns gemacht hat. Seltsam… Auch der Oman ist nicht perfekt.
Zum Abschluss hatten sich unsere Rollen gedreht. Conny war durch, ich war im Flow. Ich mochte die wunderschönen (langen) Routen an scharfem, rauem Fels und hätte noch länger bleiben können.
Tipps:
- Der Parkplatz und Campingplatz ist dieser Googel Maps Punkt: Al Hasnat Canyon
- Infos & Topos in der Rakkup-App Muscat Sport Climbing
- Das Wadi windet sich, aber die Sektoren liegen nah beieinander.
Fazit
In Oman kann man sehr gut klettern! Alle Spots waren in top Zustand, es wird weiter geschraubt und die Apps in Rakkup aktualisiert. Und wenn man schwerer/alpin klettert, dann gehen die Möglichkeiten gen unendlich. Ich kann mir vorstellen, nochmal zu kommen…
Und es hat sich seit unserem Sardinien-Klettertrip nichts geändert. Conny und ich ergänzen uns ganz wunderbar!
Wandern in Oman
Wir waren entspannt unterwegs:
WADI MUAYDIN & SAIQ PLATEAU
Das Saiq-Plateau war unsere größte Enttäuschung. Es liegt am Jebel Akdhar, dem „grünen Berg“, und soll auf 2000 Metern Höhe üppig bewachsen sein. Der Reiseführer erwähnt beiläufig, dass man hinaufwandern könne. Wir haben stundenlang recherchiert und Karten-Apps durchforstet, fanden aber auf keiner eine Route. Fahren dann halt mit dem Auto hoch.
Relativ weit unten gibt es einen Militärposten, der angeblich kontrolliert, dass nur Allradfahrzeuge passieren. Warum das auf einer perfekt ausgebauten, schlaglochfreien und nicht übermäßig steilen Straße notwendig sein soll, bleibt uns ein Rätsel.
Oben sah es dann aus wie überall: Karg und staubig. Und noch dazu ist da eine richtige Stadt. Wir hatten uns das Hochplateau wie einen riesigen Garten vorgestellt. Tja, weit gefehlt. Nur die Terrassen an der anderen Seite des Berges waren grün, und das auch nur saisonal. Im Dezember und Januar wächst dort nichts Sehenswertes. Zur Rosen- und Granatapfelblüte mag das anders sein. Ein paar Kürbisse wurden an uns vorbeigetragen, ansonsten war es enttäuschend. Schade.
Tipps:
- Auslassen…
- Auf dem Schild am Start des Drei-Dörfer-Wanderwegs war doch ein Weg aus Muaydin aufs Plateau eingezeichnet. Die Berglandschaft ist wunderschön. Eine Wanderung nach oben könnte sich lohnen! Am besten startet man unten im Wadi Muaydin und lässt sich oben mit dem Auto abholen.
- Im zweiten Dorf gibt es einen kleinen Klettersteig. Eine Gruppe war gerade dort unterwegs. Er sah einfach aus, genauere Informationen habe ich nicht.
Bevor wir hochgefahren sind, sind wir ein Stück durch das Wadi Muaydin gewandert. Eine Schlange, Kröten und Fische waren außer uns die einzigen Lebewesen (die wir gesehen haben). Die Ruhe war göttlich. Mit einer Markierung (grüne Punkte) haben wir nicht gerechnet, uns aber über sie gefreut. Es ist nicht immer sofort klar, wo man am besten um die riesigen Felsblöcke herum kommt. Nach ungefähr einer Stunde und einem kurzen Nickerchen sind wir wieder zurück gegangen.
JEBEL SHAMS / WADI NAKHAR
Das Wadi Nakhar wird als „Grand Canyon des Oman“ beschrieben. Die eine Seite bildet das langgezogene Gipfelplateau des Jebel Shams, Omans höchster Berg (3009 Meter). Die andere Canyonseite ist die, auf der man hochfährt.
Dort, auf einer Höhe von 1800/1900 Metern zieht sich der Balcony Walk entlang. Vier Kilometer spaziert man ohne nennenswerte Höhenmeter und Schwierigkeiten durch den Canyon. Wie auf einem Balkon – woher der Name kommt, ist leicht verständlich. Am verlassenen Dorf kehren die meisten um. Wer da ein wenig nach oben steigt, kommt an einen See. Zum Baden hat er uns nicht animiert, als Picknickspot ist er perfekt geeignet. Das wissen auch die Ziegen, hier waren sie ziemlich aufdringlich und wir mussten unsere Äpfel verteidigen.
Statt den gleichen Weg zurückzugehen sind wir weiter aufgestiegen. Denn es gibt einen Klettersteig nach oben. Nachdem wir das a) können und b) unser Bergequipment eh im Gepäck hatten, ließen wir uns die 150 vertikalen Klettermeter nicht entgehen. Angeblich ist dies ein alter Hirtenpfad, den die Locals früher nutzten, um ihre Ziegen zu suchen. Respekt! Ich war froh über das Drahtseil…
Tipps:
- Der Klettersteig ist komplett markiert (Weg zum Einstieg, Verbindung von Teil 1 und 2, Ausstieg bis zur Straße) und in perfektem Zustand
- Es gibt einige C-Stellen. Der Steig ist steil und gut besucht, wodurch die Tritte an mehreren Stellen glattpoliert sind. Ohne Ausrüstung hätte ich ihn nicht machen wollen.
- Wir haben am Ende des Klettersteigs geparkt (vor dem Sama Heights Resort) und sind per Autostopp zum Start des Balcony Walks gelangt.
Das Sonnenuntergangs- und Sonnenaufgangspanorama in dieser Kulisse hat uns für die kalte Nacht entschädigt. Die haben wir in Kauf genommen, weil wir auf den Jebel Shams wandern wollen – damit wir endlich unsere Wanderstöcke benutzen können! Nach ganz oben kommt man allerdings nicht, der Nordgipfel ist vom Militär besetzt. Der Südgipfel ist frei zugänglich.
Lange haben wir niemanden getroffen, am Ende waren es über den Tag aber doch mindestens 10 Leute. Einer davon quatscht uns an und fragt, was wir vorhaben. Er lässt uns nicht weiter gehen, bis wir nicht seine Handynummer eingespeichert haben. Denn: Er ist die omanische Bergrettung! Seine Worte: „Wenn was passiert und ihr die 999 ruft, dann rufen die mich an. Also könnt ihr gleich mich anrufen.“ Da ist was dran.
Die Wanderung ist nicht schwierig, nur lang (vor allem zurück hat es sich gezogen). Wer (im Januar) um 8 Uhr startet, hat während der kompletten Wanderung die Sonne im Gesicht. Das ist ganz schön anstrengend. Ich will nicht jammern, denn es ist wunderschön – noch ein Tag, an dem das Herz vor Glück übergeflossen ist. Lange wandert man am Canyon-Rand entlang und hat wunderschöne Tiefblicke. Im Rücken erhebt sich ein markanter Berg, der wie eine Haiflosse aussieht. Und auf 2800 Metern, wenn man auf die andere Seite schauen kann, tut sich ein Hajar-Panorama auf… Wow, das haben wir nicht erwartet!
Tipps:
- Ausgangspunkt ist das Sama Heights Resort, der Weg ist gut markiert und häufig begangen.
- Wer die Wanderung macht (Empfehlung!), kann sich den Balcony Walk sparen – es sei denn, man möchte den Klettersteig gehen.
- Eine Cap oder Schirmmütze ist hier Gold wert! Unbedingt gut eincremen oder ein dünnes langärmliges Oberteil tragen. In der Sonne wird’s warm, sie brennt aber erbarmungslos
- Gehzeit: 3 Stunden bis zur Scharte (erstes Mal Blick auf die andere Seite), von dort 3 Stunden bis zum Südgipfel und zurück (ja, das dauert ewig), 2 Stunden von der Scharte zurück
- Man kann sich streiten, ob der Südgipfel notwendig ist. Die Scharte (und ggfs. am Nordgipfel noch so hoch klettern wie möglich) finden wir schon ein lohnendes Ziel
Fazit
Ich wäre auch gern noch mehr gewandert.
Es gibt viele markierte Wanderwege, man muss sie nur finden… Habe online keine bessere Übersicht gefunden als diese bei destinationoman.com. Vor Ort stehen dann solche Schilder:
Wer es sich wirklich geben möchte, bzw. sich fragt, ob es Langstreckenwanderungen in Oman gibt: Ja, die 200km lange Traverse der Western Hajar Mountains. Wir haben am Jebel Shams einen getroffen, der da ziemlich die Hälfte geschafft hatte und es als, vor allem mental, „äußerst herausfordernd“ beschrieben hat. Mehr Infos und GPS-Tracks gibt’s auf hajarhiking.com.
Spannende Themen!
Ich möchte keinen Beitrag mehr verpassen, bin aber auch zu faul, hier regelmäßig nachzuschauen… Eine E-Mailbenachrichtung bei neuen Posts wäre toll!
