[Gastbeitrag] Ich bin Natalie, 53, Mutter einer Tochter, arbeite in der Medienbranche, mache Yoga, gehe ins Fitnessstudio und bin langjährige Tangotänzerin von Tango Argentino

Meine Vorgeschichte: Myom(e)

In meiner Schwangerschaft, da war ich 30 Jahre alt, hatte ich ziemlich plötzlich starke Schmerzen. In Tränen aufgelöst verließ ich damals die Praxis meines Frauenarztes – ohne Diagnose, aber mit dem Vorwurf der Hysterie. Danach landete ich in der Notaufnahme einer Klinik, die den Job des Gynäkologen machte: Es wurde ein Myom entdeckt. Durch die Schwangerschaftshormone war es sehr groß geworden und bereitete mir Schmerzen. Zum Glück musste es nicht weiter behandelt werden, bildete sich nach der Schwangerschaft einfach zurück und verkalkte.

Als ich um die 40 war, wurde meine Periode schmerzhafter und Myome wieder ein Thema. Auf Anraten von Freundinnen suchte ich eine Myomsprechstunde einer Frauenklinik auf. Leider lagen die Myome so ungünstig, dass in meinem Fall laut dem Arzt nur eine komplette Entfernung der Gebärmutter in Frage kam. Das wiederum kam für mich nicht in Frage, also:

Warten auf die Wechseljahre

Weitere 10 Jahre später, also um die 50, wurde meine Periode immer schlimmer. Alle meine Freundinnen kamen in die Wechseljahre und die Hoffnung war, dass sich dann auch meine Probleme endlich lösen würden. So hielt ich durch. Nur war keine Menopause in Sicht. Leider ging es mir hormonell immer schlechter und nachdem Mönchspfeffer als pflanzliche Möglichkeit mir nicht mehr half, fing ich mit 52 an Progesteron einzunehmen. Meine Periode kam wunderbar regelmäßig, meine Eierstöcke sind weiterhin aktiv.

Jede Urlaubsplanung und meine Teilnahme an den geliebten Tango Marathon Wochenenden glichen einem Roulette, ob mir die 10 Tage vor der Periode, oder gar die Periode selbst alles unmöglich machen würde. In Indien saß ich eine  Woche allein in einem dunklen Bungalow und litt vor mich hin.

Mittlerweile waren unerklärliche Rückenschmerzen dazugekommen, ich konnte keinen Spaziergang durchhalten, ohne mich hinzusetzen. Ich fing mit Krafttraining und Physio an.

Im Januar 2025 riet mir meine Frauenärztin eine Zweitmeinung einzuholen, ob man nicht die Schleimhaut abtragen und die zwei schlimmsten Myome behandeln könne, bis dann irgendwann (endlich) die Wechseljahre eintreten würden.

Die Wendung und die Entscheidung zur OP

Bei einem Gespräch mit einer Myomerfahrenen Freundin fiel der Name eines Arztes, der früher mein Nachbar gewesen ist und mit dem wir freundschaftlich verbunden waren. Mir war inzwischen egal, dass ich mich von ihm untersuchen lassen musste, obwohl wir uns persönlich kennen. Ich war an dem Punkt, wo ich einfach nicht mehr so weitermachen konnte.

Dann ging alles ganz schnell. Besprechung und eine Woche später der OP-Termin, also im Februar 2025. Ich musste keine Minute mehr überlegen. Normalerweise bin ich sehr schlecht darin Entscheidungen zu treffen. Jetzt hatte ich Vertrauen in den Arzt und von den Schmerzen und der eingeschränkten Lebensqualität endgültig genug.

Die OP unter Vollnarkose lief super. Eine tolle Klinik mit durchgängig wahnsinnig nettem Personal. Ich hätte am selben Tag nach Hause gedurft, blieb aber, da meine Familie nicht da war, zur Beobachtung eine Nacht da und wurde am Vormittag von einer Freundin abgeholt.

Mein Arzt meinte, die Gebärmutter war sehr groß und dass die meisten nicht so lange warten würden. Außerdem könne ich alles tun, wonach ich mich fühle und eine Woche Krankschreiben wäre genug. Echt? Bisschen genauere Infos dazu wäre mir lieber gewesen. Am Empfang gaben sie mir ungefragt 2 Wochen. Länger hätte ich sowieso keine Zeit, da dann ein neues Projekt anfangen sollte. 

Die 1. Nacht im Krankenhaus nach der OP

Ein Zweibettzimmer. Mein Bettnachbarin war genauso unruhig wie ich. Nach der Nacht wussten wir sehr viel übereinander. Ich war sehr froh, die eine Nacht geblieben zu sein. Irgendwie war das gut für mein Sicherheitsbedürfnis, auch die Schmerzen kamen mir dadurch normaler vor. Pinkeln ist etwas unangenehm, das kommt wahrscheinlich vom Katheter. Der Hals und mein Zahnfleisch sind bisschen wund. Meine Schulter schmerzt. Alles OP-Nachwehen.

Der 1. Tag nach der OP (Mittwoch)

An diesem Tag nahm ich 3 x 600 Ibuprofen, damit waren die Schmerzen auszuhalten. Meine Freundin scheuchte mich gleich nach der Abholung zum Bäcker und blieb auch ein bisschen zu lang. Als sie um 15:00 Uhr ging, fiel ich ziemlich fertig ins Bett, mit dem Gefühl es übertrieben zu haben. Abends war ich nochmal kurz einkaufen und schaffe so gerade den Weg zurück.

 2. Tag nach der OP (Donnerstag)

Die Nacht war unangenehm. Keine Lage war bequem und irgendwo ziept es immer. Ich nahm an diesem Tag nur noch 2x 600 Ibu und ab da nichts mehr. Ich lag viel im Bett und war ziemlich platt. Der Bauch war noch ziemlich prall. Harnblase und Stuhlgang fühlen sich anders an, funktionierten aber von dem Tag an perfekt. Wahrscheinlich besser als vorher. Um mich etwas zu bewegen, fing ich an Wäsche zu waschen und in der Küche zu räumen und merkte, dass ich aufpassen musste, nicht zuviel zu tun. Am Abend kam meine Tochter aus Berlin und ich war wieder auf den Beinen.

3. Tag nach der OP (Freitag)

Die Nacht war besser. Da ich ziemlich viel Tee getrunken habe musste ich einige Male aufstehen. Ich habe das Gefühl, die Blase meldet sich noch verzögert (im Gegensatz zu dem permanenten Harndrang, den ich durch das Gewicht der Gebärmutter gewöhnt war) und ich merke erst, wenn es richtig weh tut, dass ich auf die Toilette muss. Am Morgen machte ich meiner Tochter Frühstück, nicht sie mir, wie eigentlich geplant. Aber sie hat Onlineunterricht und ist kein Morgenmensch. Und ich bin eben doch eine Mama. Am Nachmittag setze ich mich zum ersten Mal ins Auto, weil ich unbedingt etwas erledigen muss. Beinahe wäre ich Fahrrad gefahren, meine Freunde halten mich davon ab. Im Auto sitzen tat doch ziemlich weh. Zum Glück ist es nur eine sehr kurze Fahrt.

4. Tag nach der OP (Samstag)

Die Nacht war noch besser. Der Schmerz lässt nach. Ich habe null oder wenig Appetit. Mein Bauch wird langsam flach. Schön. Vor der OP war er größer. Ich habe Lust auf Sex. Eigentlich schon seit 2 Tagen. Das passt zu meinem Zyklus. Ich hätte in einer Woche meine Periode bekommen. Davor hatte ich das öfter. Also alles wie vorher. Heute zieht es wieder ein bisschen. Mir ist kalt, weil der Kreislauf vom vielen herumliegen so runtergefahren ist. Also räume ich wieder ein bisschen und lege mich dann wieder ins Bett. Ich glaube, so ein Wechsel von Ruhen und Aufstehen ist am besten. Langsam bekomme ich vom Liegen Rückenschmerzen.

5. Tag nach der OP (Sonntag)

Eine gute Nacht. Heute habe ich den ganzen Tag ein bisschen Zwicken im Bauch. Autogefahren bin ich auch wieder ganz kurz. Heute hat es nicht wehgetan. Dann ein erster Spaziergang. Wir laufen im Friedhof herum, da muss es nicht so schnell gehen und überall sind Bänke. Ich halte ziemlich lange durch.

Und danach

Ich bin Fahrrad gefahren. Hat aber dann doch etwas weh getan und alle warnen mich vor dem, was im Falle eines Unfalls passieren würde.

2 mal Physio (für den Rücken) hatte ich auch schon, aber der Therapeut wusste Bescheid und gibt mir nur Tipps zum Entstauen…

Bin doch kraftloser und schneller erschöpft als ich dachte. Spaziergänge fallen kürzer aus als sonst.

Am Donnerstag (9. Tag) habe ich einen Termin bei der Frauenärztin. Sie findet alles ganz toll und super, dass ich mich doch so schnell zur OP entschieden habe. In zwei Tagen muss ich wieder arbeiten und ich fürchte mich vor dem Stress und dass ich nicht fit genug bin.

Der erste Arbeitstag ging gleich voll los und ich war ziemlich erschöpft.

Eine Komplikation

Am nächsten Tag bekomme ich von einer Minute auf die andere, so starke Krämpfe im Bauch, dass ich direkt zu meinem operierenden Arzt gefahren bin. Er vermutet Keime oder eine Blasenentzündung und verschreibt zwei verschiedene Antibiotika. Mist. Am Abend muss ich mich übergeben und vermute, dass ich das Antibiotikum nicht vertrage. Es ist Freitag.

Samstag habe ich starke Schmerzen rufe den Bereitschaftsdienst. Der kennt sich nicht so sehr aus und lässt mich vom Rettungsdienst ins Krankenhaus fahren. Ich komme mir bisschen blöd vor, neben den drei Sanitätern herzulaufen. Dann liege ich mit Schmerzen volle 9 Stunden auf dem Krankenhausgang, bis eine Ärztin Zeit hat. Die Schwestern schenken mir schon Kekse, weil ich nichts zu essen dabeihabe. Sie findet nichts, behält mich aber netterweise da. Leichte Entzündungswerte im Blut. Am nächsten Tag ist Sonntag und es passiert nichts. Am Nachmittag will ich dann doch heim. Die Ärztin lässt mich gehen, entdeckt aber noch, dass eine Niere gestaut ist.

OP 2: Der Harnleiter

Am nächsten Tag gehe ich nüchtern wieder zu dem operierenden Arzt. Er ist irritiert und erklärt die Schmerzen erstmal mit Wundheilung. Dann sieht er sich doch die Niere an und entscheidet, am selben Tag zu operieren. Not OP. Der Harnleiter wurde bei der OP verletzt und wird genäht. Ich bekomme eine Harnleiter Schiene und werde wieder 2 Wochen krankgeschrieben. Jetzt habe ich 4 Narben am Bauch.

Hatte ziemlich Glück, dass er gleich operiert hat und die Ärztin im Krankenhaus aufmerksam war. Nach einer Nacht darf ich nach Hause und in 2 Wochen wieder zum Check. Die Harnröhre fühlt sich doof an und ich brauche wieder Ibuprofen.

Die Woche nach OP 2

Diesmal geht es mir schlechter. Ich bin ziemlich fertig. Ich bin auch emotional ziemlich am Boden. Das fühlt sich so unnötig an. Die Schiene muss mindestens 4 Wochen bleiben, dann Check beim Urologen mit Blasenspiegelung und nächster OP. Dazu kommen die Sorgen, weil ich meinen Arbeitsvertrag fürs neue Projekt noch nicht unterschrieben haben. Alles ziemlich blöd gelaufen.

Zusammengefasst

Hier noch meine Zusammenfassung, denn es geht nun nicht mehr so sehr um die Hysterektomie, sondern um meine Komplikation.
Die OP an sich war überhaupt nicht schlimm. Vor allem die minimalinvasive Version konnte ich als einigermaßen fitte Frau gut wegstecken. Die möglichen Komplikationen sollte man abwägen. Ich bin bisher immer noch froh über meine Entscheidung, weiß aber nicht, wo mich die weiteren OPs und Arztbesuche hinführen werden. Ich bin 1 von 1000, sagt mein Arzt. Wird schon alles werden, aber ich hatte mir das bisschen einfacher vorgestellt – so, wie es im Normalfall läuft. 

P.S.: Ja, das Bild hat Natalie selbst gemalt.


Fragen an Natalie? Eli spielt Postbotin und leitet deine Mail an sie weiter.

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