[Gastbeitrag] Mein Name ist Eva, ich bin 38 Jahre alt und arbeite als Geowissenschaftlerin. Ich liebe die Natur und das Reisen, am liebsten mit dem Rucksack möglichst aktiv um die Welt.
Meine Menstruation: eine Schmerzgeschichte
Seit meiner ersten Periode litt ich unter extrem starken Periodenbeschwerden: starke Blutung, Durchfall, Kreislaufprobleme (teilweise sogar Kreislaufkollaps), immense Schmerzen, Schüttelfrost, aufgeblähter Bauch (meist schon Tage vorher). Dazu kam meine Periode immer unregelmäßig und meistens genau dann, wenn ich es nicht gebrauchen konnte. In der Regel war ich die ersten drei Tage meiner Periode völlig ausgeknockt. Das plötzliche Eintreten und die Nicht-Planbarkeit sowie die starken Symptome machten mir schwer zu schaffen. Meistens half nur die schnelle „Flucht“ nach Hause – in die Nähe der Toilette. Dort kauerte ich vor Schmerzen zusammengerollt auf dem Boden, während ich mir Schmerztabletten wie bunte Smarties einwarf (mein Favorit war GeloProsed 1000mg) und mich meinem Schicksal ergab. Mein Frauenarzt meinte damals nur: es wären halt starke Periodenschmerzen, da müsste ich durch – na schönen Dank auch! Die Pille brachte Verbesserung: deutlich mildere Symptome und vor allem eine Regelmäßigkeit meiner Periode, mit der ich endlich meine Zeit planen konnte. Nach einigen Jahren setzte ich die Pille jedoch ab, da ich meinem Körper keine Hormone mehr zuführen mochte. Die Beschwerden verstärkten sich danach wieder. Ich nahm dies in Kauf, da ich nach Aussagen meiner Frauenärztin nun mal an starken Periodenbeschwerden litt – das war die „Diagnose“.
Wie kam ich nun zu der Entscheidung, eine Hysterektomie durchführen zu lassen?
Nun, es war schon lange mein Wunsch, endlich beschwerdefrei zu leben. Dass die Möglichkeit einer Gebärmutterentfernung besteht, wurde mir erst auf meine Nachfrage bei meiner Frauenärztin aufgezeigt. Sie beschrieb das Procedere allerdings als sehr aufwendig, auch was die Kostenübernahme einer solchen OP in meinem Fall anging. Aufgrund eines möglichen Kinderwunsches und meiner großen Angst vor einem solchen Eingriff kam eine Hysterektomie für mich daher lange nicht in Frage. Dies änderte sich mit fortschreitendem Alter (ich war mittlerweile 37). Der Kinderwunsch hatte sich für mich und meinen Partner erledigt. Außerdem plante ich eine berufliche Auszeit in Form einer Weltreise. Die Angst, auf dieser Reise plötzlich irgendwo mitten im Nirgendwo zusammenzubrechen oder von Schmerzen, Durchfall und Kreislaufproblemen übermannt zu werden, besiegelte meinen Entschluss für eine Hysterektomie. Nach einem ausführlichen Gespräch mit meiner Frauenärztin überwies sie mich mit Verdacht auf Endometriose und der Empfehlung einer Hysterektomie an eine Frauenklinik, die zwar kein Endometriose-Zentrum ist, aber auf solche Eingriffe spezialisiert ist. Die Voruntersuchung hier verlief gut. Der Verdacht auf Endometriose wurde – auch auf Grundlage meiner geschilderten Beschwerden – bestätigt.
Februar 2024: Die OP
Die OP fand schließlich einige Monate später (Anfang Februar 2024) statt. Es war meine erste große OP und ich hatte doch etwas Muffensausen. In der Frauenklinik fühlte ich mich aber gut aufgehoben, alle waren sehr freundlich und professionell. Die OP verlief sehr gut und ohne Komplikationen. Mittels einer Endoskopie (4 kleine Schnitte) wurde mir die komplette Gebärmutter samt Gebärmutterhals und die Eileiter entfernt. Die Eierstöcke blieben erhalten, damit ich nicht sofort in die Menopause komme. Interessanterweise konnte der Verdacht auf Endometriose nicht wirklich bestätigt werden. Es wurden nur minimale Spuren von Endometriose in meinem Bauchraum gefunden und entfernt.
Erholung nach der Hysterektomie
Ich war direkt nach der OP ziemlich müde und schlief viel, Schmerzen hatte ich keine. Insgesamt blieb ich 5 Tage im Krankenhaus. Die Wundheilung verlief sehr gut, Schmerzen hatte ich kaum (natürlich auch dank der Medikamente). Nur mein Bauch war von der OP noch sehr aufgeblasen. Gegen Schmerzen, aufgeblähten Bauch und für einen weichen Stuhl nahm ich noch eine Weile Medikamente. Ein wenig Ausfluss hatte ich in den ersten Tagen nach der OP. Ungewohnt war für mich, dass das Gehen sehr anstrengend war. Ich übte aber täglich meine Schritte auf dem Flur – ganz langsam. Zu Hause vermied ich auf Empfehlung der Ärzte jegliches schweres Heben und Tragen und versuchte mich weitestgehend zu schonen. Dabei standen aber tägliche kleine (anfangs sehr langsame und kurze) Spaziergänge auf dem Plan. Sie taten mir gut und halfen meinem Körper und Kreislauf wieder auf die Beine zu kommen. Nach etwa 2 Wochen konnte ich bereits deutliche Verbesserungen erkennen und kleine (immer noch langsame) Spaziergänge alleine machen. Die Fäden waren mittlerweile gezogen und die Wunden verheilten sehr gut (ich pflegte sie mit Narben- und Wundheilsalbe). Auch mein Bauch war wieder flach. Erst etwa 7-8 Wochen nach der OP begann ich wieder mit leichten Fahrradtouren, Laufen und Tanzen. Manchmal spürte ich noch ein Ziepen im Bauch – dann wusste ich, dass ich es noch etwas ruhiger angehen musste. Gleiches galt auch für mein Sexualleben. Mein Freund und ich haben es nach 8 Wochen langsam probiert. Schmerzen hatte ich kaum. Mittlerweile kann ich Sex wieder uneingeschränkt genießen.
Die geplante Weltreise und ein neues Leben
Ja, und was meine Weltreise betrifft, bei der ich ja viel wandern und in Bewegung sein wollte: Aufgrund der Hysterektomie musste ich später starten – 6 Wochen nach der OP wäre fürs Backpacken zu früh gewesen. Ich habe den Sommer noch zur Erholung und zum Training genutzt und sieben Monate nach der OP ging es im September dann endlich los: Kanada, Guatemala, Mexiko, Belize, Costa Rica, Ecuador und weiter durch Südamerika…
Heute – ein Jahr nach der Hyterektomie – geht es mir besser als je zuvor! Ich habe keinerlei Beschwerden mehr, meine Narben sind fast unsichtbar, mein Gewicht ist stabil geblieben und ich bin so dankbar und glücklich, keine Angst mehr vor der nächsten spontan einsetzenden Periode haben zu müssen. Die Entscheidung für die Hysterektomie war also kein Fehler, sondern ganz im Gegenteil: die absolut Richtige und der Beginn eines neuen Lebens!
P.S.: Das Bauch-Foto wurde 12 Monate nach der OP aufgenommen.
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