Safari mit Giraffen und Löwen, gleich mehrere Gebirge, tolle Strände, die Kalahari und die Karoo als (Halb-)Wüsten, weltbekannte Weingebiete, das Kap der guten Hoffnung – vier Wochen sind zu kurz, um ganz Südafrika zu sehen. Ich buche mir (ja, ich reise allein) meine Flüge nach Johannesburg und aus Kapstadt zurück, einen Mietwagen für die gesamte Zeit, zwei Übernachtungen im Kruger Nationalpark und eine sechstägige Wanderung. Dann lese ich lieber Bücher und freue mich auf die Reise. Los geht’s!

Teil 1 war über Johannesburg, Kruger NP & Swasiland.

Meine Route durch die Drakensberge und den Golden Gate Highlands National Park

Tag 7: Drakensberg: Sterkspruit Falls + Nandi Falls (Monks Cowl)

Als ich gestern Abend ins Bett bin, hat ein Gewitter gewütet. Es war SO LAUT, dass ich mir Ohropax reinmache. Und dann hat es wohl die ganze Nacht durchgeschüttet. Das tut es auch noch, als ich aufwache.

Ein Paar – das gar nicht danach aussieht – erzählt beim Frühstück, dass sie gestern von einem fünftägigen Hike zurückgekommen sind. Und dass das Wetter gut war (morgens klar, nachmittags Gewitter – aber kein übermäßiger Regen). Ich bin neidisch.

Trotz trüber Aussichten fahre ich zum Monks Cowl. Parkplatz und Parkeingang liegen auf ca. 1500 Metern. Eine Tagestour von hier führt auf einen 3000er-Gipfel, es geht also noch richtig hoch. Davon sieht man allerdings nichts, wenige Höhenmeter über uns hängt die Wolkendecke.

Die Ranger nehmen ihren Job ernst. Niemand darf durch das Gate, ohne registriert zu sein. Bevor ich Adresse, Telefonnummer, Autokennzeichen, -modell und -farbe, Rucksackfarbe und Angaben zu meiner Ausrüstung hinterlasse, werde ich beraten. Die einen Wege fallen raus, weil der Fluss nach dem Regen unpassierbar ist. Nach oben ist wegen null Sicht sinnlos. Bleiben nur diverse Wasserfälle übrig. Na gut. Am Ende habe ich (immerhin) 10.000 Schritte und klatschnasse Schuhe. Der Weg war nicht wie befürchtet matschig, sondern meistens überflutet bzw. ein Bach. Der Spaß hält sich in Grenzen, weswegen ich auf weitere Wasserfälle verzichte und lieber in die Bakery einkehre.

Während ich dort sitze und mir Dattel-Kokos-Kuchen, Kaffee und endlich mal einen frisch gepressten Saft zuführe, kommt sogar die Sonne raus. Über den Bergen bleiben die Wolken dunkel.

Auch gut, dann kann ich den Nachmittag schreibend und lesend verbringen. Trevor Noah hat mich gestern schon vom Schlafen abgehalten. Sein Buch Born a Crime ist mega interessant UND sehr gut geschrieben – ich werde noch mehr zum Fangirl.  

Tag 8: Drakensberg: Cathedral Peak (3003m)

In der Reisevorbereitung hat mich dieser Berg – 3003 Meter hoch – schon sehr angepiekst. Dann sah es den Regenmengen nach so aus, als ob ich das vergessen könnte. Jetzt sieht zumindest die erste Tageshälfte stabil aus. Ich probiers!

Der Wecker klingelt um 4 Uhr, 30 min später sitze ich im Auto. Von den Bergen sehe ich erstmal wieder nichts – die Wolken hängen tief. Moment, so war das nicht geplant! Doch je näher ich meinem Ziel komme, desto fantastischer wird das Panorama. Zwischen den Wolken färbt die aufgehende Sonne die Berge rot. Dann sind die Wolken weg und die Bergkette liegt in ihrer ganzen Pracht vor mir. Traumhaft!

Bis ich tatsächlich loskomme dauert es länger als gedacht. An den Gates müssen wieder alle Details aufgeschrieben werden, ich habe noch nicht gefrühstückt und auf Toilette muss ich auch. Aber dann!

… habe ich mich schon zweimal verlaufen, als ich nach 500 Metern vor dem Fluss stehe und sehe, was ich schon gehört habe: Keine Brücke, keine Querungschance. Warum gibt es keine, so nah an der Zivilisation?

Kartencheck: Der Golfplatz hat eine. Und der Mountainbike-Track auch. Also, nehme ich 2 Kilometer Umweg in Kauf? Na klar. Ich bin wieder auf meiner Route, aber eben eine Stunde später als ich wollte. Das ist doof, denn ab 12 Uhr sind Gewitter gemeldet, da will ich zurück sein.

Die Laune ist fast unmittelbar wieder gut: Je höher ich komme, desto schöner wird die Landschaft und desto trockener sind die Wege. Kein Wunder, hier ist alles offen, die Sonne brennt unbarmherzig. Außer mir ist niemand unterwegs. Es geht einen kleinen Gully hoch, dann öffnet sich der Blick auf die andere Seite. Die Grenze zu Lesotho – der zweite Binnenstaat – verläuft entlang der Drakensberge und in die Richtung schaue ich jetzt. Auch wunderschön.

Von Fotos weiß ich, dass es hier im Herbst braun und karg aussieht. Im Moment ist alles ultragrün und das sieht mit diesem wunderschönen blauen Himmel einfach traumhaft aus.

Habe Zeit aufgeholt, aber, puh, ich merke den steilen Anstieg auf das Vorgipfelplateau… Mittlerweile bin ich auf 2.700 Metern, es ist sicher die fehlende Akklimatisierung 🤭.

Es fehlen noch ungefähr 200 Meter bis zum Gipfel, die als technisch beschrieben werden. War mir recht sicher, dass ich die klettern kann. Jetzt stehe ich vor den Felsriegeln und das Wasser läuft in Strömen an ihnen herunter. Ich teste den Grip. Nicht vorhanden, es ist ultrarutschig. Auf dem trockenen Stück könnte ich hochklettern, würde aber auf keinen Fall wieder runterkommen. Völlig klar, dass ich umdrehe. Noch dazu, weil die Wolken das Gewitter mittlerweile erahnen lassen.

Zeit für drei Spekulatius und Wasser auffüllen muss noch sein, dann dürfen die Multisportschuhe wieder zeigen was sie können und es geht Elisuperschnelli ins Tal. An der Brücke höre ich den ersten Donner. Top timing!

Während es in den Bergen kracht, nutze ich das Mittagsbuffet im Hotel bis zum Rand meiner Kapazitäten aus. Das kam wie gerufen!

Tag 9: Winterton – Tugela Gorge (Royal Natal NP) – Glen Reenen Restcamp (Golden Gates Highlands NP)

Drei Nächte an einem Ort waren schon sehr luxuriös… Ich packe alles zusammen und gehe zum Frühstück. Wie euro-amerikanisch diese ganzen Weihnachtslieder sind, fällt auch erst richtig auf, wenn man im Sommerkleid Papaya isst und „White Christmas“ im Radio spielt. And may all your Christmases be white… Ja, eher nicht. Nie. Und es würde mich nicht so sehr wundern, wenn das vom ein oder anderen eher auf die Hautfarbe bezogen würde.

Unterwegs suche ich weiter nach einer Gaskartusche für meinen Kocher und ich brauche noch ein paar Lebensmittel. Schlechte Entscheidung, am 24.12. einkaufen zu gehen: überall ist die Hölle los, vor allem vor den Alkoholgeschäften.

Die Sonne-Wolken-Regen-Kombination sieht gar nicht so schlecht aus. Ich nehme doch die Abzweigung Richtung Royal Natal. Hab kurz recherchiert: die Tugela Wasserfälle sind die höchsten Afrikas, die zweithöchsten der Welt. Man kann sie von oben bewundern, oder von unten. Die Bergspitzen sind in den Wolken und es wäre über eine Stunde mehr Fahrt. Nehme ich also den Blick von unten und die längere Wanderung.

Finde den Weg so langweilig. Den Aussichtspunkt aufs Amphitheater – soll auch total toll sein – habe ich verpasst. Wohl doch nicht so beeindruckend. Für mich, oder weil die Sicht nach oben eingeschränkt ist. Drehe um, ohne die Wasserfälle gesehen zu haben.

Meine Laune wird ein bisschen besser, als ich meine Beine und Füße in den Fluss am Parkplatz halte, schwitziges Wetter und matschiger Weg waren unangenehm.

Nach dem Check-in auf dem Glen Reenen Restcamp-Campingplatz fahre ich aber erst nach Clarens: In dem Touristenörtchen finde ich doch sicher, was ich noch brauche? Äh, nein. Auf dem Rückweg halte ich am Hotel für ein Weihnachtsessen. Bisschen traurig – bin da ganz allein und das Essen ist mittelmäßig.

Zurück am Campingplatz breite ich das Tarp aus und suche (m)einen Wanderstock, der fungiert als Zeltstange. Tja. Nicht da. … Neeeeeeein! Die habe ich vor dem Toilettenhäuschen am Wasserfall-Parkplatz vergessen… In tiefer Trauer suche mir also einen Stock, der das Tarp aufrecht hält. Okay, Problem eins gelöst. Das größere ist der Amatola-Trek.

Dass jetzt Weihnachten ist, hilft natürlich gar nicht. Vor dem Schlafengehen tüftle ich noch einen Plan aus, der ein am 26.12. geöffnetes Outdoorgeschäft enthält. Oh man, naja, immerhin ist klar, wo ich morgen übernachte.  

Bisher war häufig Gewitter vorhergesagt und es kam fast nie. Jetzt war nichts in der Vorhersage und es kommt ordentlich. Prinzipiell nicht schlimm, das Tarp steht geschützt. Aber der Regen… Es hört stundenlang nicht auf und da ist so ein Tarp ohne Boden doch ungünstig.

Tag 10: Golden Gate Highlands NP / Glen Reenen Restcamp – Bloemfontein

Als das Gewitter rum ist, schlafe ich wieder ein und wache warm und trocken auf. Alles um mich herum ist aber nass. Da ist mir gar nicht so nach wandern.

Also, zuerst die beiden Selfdrives, auf der Suche nach den Zebras. Die wenigen Tiere, die ich sehe, sind sehr scheu und laufen sofort weg. Schade. Dafür ist die Landschaft wunderschön mit den Sandsteinfelsen, dem intensiven Grün, dem saubergewaschenen blauem Himmel und den Wolkenfetzen, die noch durchziehen. Und es ist noch so früh, dass außer mir niemand unterwegs ist – ich genieße die Stille.

Nach Kaffee und Frühstück starte ich den 10 Kilometer-Wodehouse-Track. Der hat mir sehr gut gefallen. Es geht bergauf und bergab durch diese großartige Landschaft, auch direkt an ein paar dieser Sandsteinfelsen entlang. Ich komme nicht umhin, die Kletterschwierigkeit gedanklich zu bewerten (überhängend und richtig fies; auch nicht gebohrt/zum Klettern gedacht) und bin froh, dass ich zum Wandern hier bin.

Wollte das ursprünglich als Trailrun machen, aber:

  • Nass und matschig
  • Die Luftfeuchtigkeit macht mich fertig, mir ist nicht nach Rennen
  • Zu den Halsschmerzen, die ich seit zwei Tagen habe, hat sich jetzt noch Husten gesellt

Verzichte ich doch besser auf intensive Belastung. Dusche am Campingplatz (was für ein Luxus) und mache mich mit Kaffee- und Leckereien-Gedanken auf den Weg nach Clarens. Aber es ist Weihnachten: alles hat zu, ich könnte lediglich auf einem Pferd um die Grünfläche in der Ortsmitte reiten.

Bloemfontein ist mit ~500.000 Einwohnern die sechstgrößte Stadt Südafrikas. Mein Reiseführer sagt, man könnte hier gut einen Tag mit Sightseeing verbringen. ChatGPT sagt, dass die Sicherheit tagsüber ganz okay ist. Das Thermometer sagt 31 Grad. Und mein Energielevel sagt: Hotel.

Das Zentrum ist leergefegt, bis auf ein paar Gestalten (Weihnachten halt), die Viertel drum herum sehen nett aus. Die Häuser hier haben auch Zäune und Tore, aber man kann durchschauen und sie sind nicht so hoch wie in Johannesburg.

Bloemfontein, habe ich im Reiseführer gelesen, ist eine alte Burenstadt, somit ist es nicht erstaunlich, dass hier mehr weiße Menschen sind und ich standardmäßig in Afrikaans angesprochen werden. Wenn ich das im Radio höre, muss ich an Rudi Carell denken.

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