Endlich geht es los auf meine Bikepacking Deutschlandtour! Juhu! Alle(s) bereit?
Tag 0 | Packen & letzte Vorbereitungen
Es ist (endlich) Sommer – heiße 30 Grad. Ich scrolle mich durch die Vorhersagen der unterschiedlichen Orte und Tage. Könnte sein, dass ich mein Wunschradelwetter bekomme. Morgen wird’s zwar noch heiß, danach liegen die Tageshöchsttemperaturen aber bei 19-24 Grad. Nachts (bzw.: morgens beim Losfahren) mindestens 15. Regen ist immer mal wieder verstreut drin. Wenn es nicht schlechter wird, könenn wir ihm größtenteils ausweichen. Sehr schön!
Packen geht schnell (es ist die Packliste, die lang gedauert hat). Alles lässt sich problemlos in den beiden Taschen verstauen, viel Reserveplatz ist aber nicht. Macht nichts, das verhindert last-minute-nehm-ich-das-doch-noch-mit?-Einpacker.
Vorbereitet und fit fühle ich mich ausreichend – siehe den Vorbereitungs-Post zum Bikepacking.
Tag 1 | Stuttgart (BW) – Amorbach (BY)
Eine kurze Etappe zum Einrollen. Für den Nachmittag sind Gewitter gemeldet, also doch besser früh losfahren. Es stehen noch ein paar To dos auf dem Zettel und Zeit für Kaffee muss auch sein. Bis ich auf dem Rad sitze sind 1,5 Stunden vergangen und es ist 7 Uhr. Das Thermometer zeigt 20 Grad, die sich tropisch anfühlen.
Zunächst geht’s hinunter zum Neckar und an ihm entlang. Ich bin noch vor der Straßenreinigung in der Stadt, Sonntagmorgen ist Scherbenzeit auf Stuttgarts Straßen. Im Park hoppeln die Hasen. Die erste Riegelpause mache ich nach 30 Kilometern. Dass ich da 30 S-Bahn-Minuten von zu Hause entfernt bin ist schon ein wenig frustrierend, es fühlt sich noch nach „vor der Haustür“ an.
Die Strecke ist lange fast eben, die Höhenmeter kommen erst auf den letzten 60 Kilometern. Ist schon eine Umstellung, weil damit auch ein Wechsel von Asphaltwegen durch Felder auf Forstwege durch den Wald einhergeht. Der Schatten wiederum tut sehr gut.
Ich komme gut voran und mache erst spät meine Kaffee & Kuchen-Pause, als klar ist, dass ich gewitterfrei ans Ziel komme. Diese Aussicht entspannt mich sehr und ich hole mein Buch aus der Tasche.
Dann großes Wiedersehen mit Ina, bei der ich heute übernachte. Wir haben uns einige Jahre Leben zu erzählen und müssen außerdem schmunzelnd die minikleinen Kätzchen beobachten, denen tapsig-tollpatschig wie sie noch sind, trotzdem nichts zu hoch ist – weder die Eiche noch der Schaukel-First.
Gut, dass ich mich so fit fühle.
📋 141 km | 1250 HM | 29 Grad und sonnig/bewölkt
(Hinweis zu den Fotos: Geben die 1:1 wieder wie es war? Natürlich nicht. Im strömenden Regen mache ich keine Fotos, auf vielbefahrere Straßen auch nicht, der platte Reifen ist nicht dokumentiert und von meinem zerstochenen Gesicht möchte ich auch keine Bilder im Netz haben. Also: natürlich spiegeln sich darin auch Wetter und Gemütslage, Ästhetik gewinnt vor reiner Dokumentation.)
Tag 2 | Amorbach – Mücke (HE)
In der Nacht hat es gestürmt, ich war froh in einem Bett in einem Haus zu liegen und nicht draußen in einem Zelt.
Der Tag startet gemütlich, es regnet noch. Um 8 soll es aufhören, dann fahre ich los.
Dachte ich. Um 9 regnet es immer noch, um halb 10 auch… Mit den letzten Tropfen starte ich um 10 Uhr. So schön die Stunden mit Ina waren, der späte Start stresst mich von Beginn an.
Am Main ist es wunderschön. Der Radweg ist top in Schuss, und an diesem Montagmorgen in der letzten Schulwoche vor den Ferien sind bedeutend weniger E-Bike-Rentnerpärchen unterwegs als gedacht. Was es dafür sehr viel gibt, sind Campingplätze.
Meine Vorsätze mich während der Tour halbwegs gesund zu ernähren sind schon über Bord geworfen, die Pizzareste vorm Vorabend schmecken als zweites Frühstück fantastisch.
Weit bin ich noch nicht gekommen, als meine Fahrkurve äußerst ungünstig mit der Flugkurve eines Insekts mit Stachel kollidiert. Es flutscht unter meine Radbrille und sticht mich direkt am Auge. Ich wische Brille und Insekt zur Seite und schaffe es, nicht mit dem Rad umzufallen. Glücklicherweise passiert es ich einem menschen- (und auto-)leeren Wohnviertel, weiß nicht, wie ich sonst reagiert hätte.
Ich überquere den Main auf einer Wehrbrücke und spüre, wie das Auge anschwillt. 10 Minuten nach dem unfreiwilligen Attentat stehe ich in einer Apotheke (Gott sei Dank!). Es juckt mich am ganzen Körper, ich weiß gar nicht, wo ich mich als erstes Kratzen soll. Dass ich auf Stiche allergisch reagiere (keine Atemprobleme, aber heftiges Anschwellen) weiß ich ja, DAS kenne ich aber noch nicht.
Von der vorsichtigen Apothekenmitarbeiterin bekomme ich ein Antiallergikum, nach 10 Minuten hört das Jucken auf – aaaahhhh, tut das gut! Ob Fenistil allerdings gegen die Schwellung ausreicht? Kühlen geht halt leider nicht, der Fahrtwind ist aber angenehm. Ich radel weiter, der Kreislauf ist stabil.
Der Mainradweg rund um Aschaffenburg ist großräumig gesperrt. Die Umleitungen verlaufen über die Bundesstraßen. Nicht schön, aber wenigstens schnell und eben.
Mache Pause am Friedhof, der ist schattig und normalerweise gibt es dort Wasser (hier steht extra „kein Trinkwasser“ dran – und bei der Brühe glaube ich das auch). Der Baumpfleger, den ich frage, ob noch ein Stachel zu sehen ist, meint auch, ich sollte unbedingt zum Arzt. Na gut, sicher ist sicher. Also halte ich im nächsten Ort. Nach 20 Minuten Wartezeit habe ich ein Rezept für eine Hydrocortison-Creme. Bei der dritten Apotheke bekomme ich sie dann endlich. Die Zeit verrinnt…
Es ist noch nicht vorbei: im Wald bemerke ich, dass der Vorderreifen deutlich Luft verliert. Nicht auch das noch! Wenigstens „nur“ ein Schleicher, ich kann noch fahren. Im nächsten Ort quatsche ich die ersten Menschen an, die ich sehe. Mit der Standpumpe ist der Reifen fix wieder prall. Hält leider nicht lange – der Schlauch muss doch gewechselt oder geflickt werden. Will ich auf keinen Fall allein irgendwo machen, bei dem Rad bekomme ich den Mantel nicht wieder auf die Felge… Hilfe zu finden ist nicht schwer, ob des guten Wetters sind viele Leute draußen und Familienväter können bei solchen Aufgaben/Fragen nicht nein sagen. Die Brille kann ich nicht abnehmen, das Auge schwillt weiter an, ich sehe schon furchterregend aus.
In Grünberg kaufe ich Abendessen und radle die letzten Kilometer zur Unterkunft. Der Himmel färbt sich schon rosa. Körperlich ist alles okay, aber psychisch war das ein sehr anstrengender Tag. Ich falle mit dem dringenden Wunsch ins Bett, dass morgen besser wird.
📋157 km | 1290 HM | 27 Grad und Wolken, am Nachmittag Sonne
Tag 3 | Mücke – Altenbeken (NRW)
Nun ja, nicht alle Wünsche werden erfüllt. Schon beim Augenaufschlagen bemerke ich das erste Problem: das klappt nur auf einer Seite. Das Abtasten der rechten Gesichtshälfte hat Schlimmes befürchten lassen, der Blick in den Spiegel ist trotzdem ein Schock. Die gestochene Gesichtshälfte ist das doppelte zur anderen, den Mund zieht es wegen der Schwellung nach unten, das Augenlid ist ein Ballon. Was nun?
Die Gesichtserkennung am iPhone funktioniert noch, so schlimm kann es ja nicht sein. Ich befrage das Internet. Schwierig. Und so oder so muss ich erstmal radeln, ich bin in einem Ort ohne Infrastruktur.
30 Minuten kommen meine Armlinge zum Einsatz, dann wird es auch für die zu warm.
Einäugig zu fahren ist – weil ungewohnt – ziemlich scheiße. Am ersten Bäcker halte ich und schmiere noch alle Salben nach, die ich habe, während mich Kaffee und Schokocroissant in bessere Laune versetzten sollen (gerade habe ich den Verschluss der Fahrradtasche abgerissen, als ob das nicht schon alles reichen würde). Malte meint, ich soll Ibuprofen probieren. Das hat das Internet nicht gesagt, aber ich habe auch nichts zu verlieren.
Eine halbe Stunde später geht das Auge langsam wieder auf, bis Mittag ist mein Sichtfeld (fast) wieder hergestellt. Juhu! So macht das Radfahren wieder (mehr) Spaß und ich habe Kapazität, mich an den wunderschönen Bächen und Flüssen zu erfreuen. Und verwerfe die Option, ein Stück mit dem Zug zu fahren direkt wieder.
Mittags überquere ich den deutschen Äquator: ich bin jetzt in Aldi Nord-Gebiet.
Auch die Dorfbilder verändern sich, es ist der Übergang zu Klinkerhäusern und -höfen. Außerdem stehen mehr Kühe auf der Weide. Für mein Norddeutschlandbild ist es noch zu hügelig, aber exotisch ist es schon mal.
In der Vorhersage war am Morgen kein Regen. Mittags fallen ein paar Tropfen, die sitze ich bei Falafel-Döner und Pommes aus und radle dann weiter.
Just als es anfängt zu regnen komme ich an einem Bushaltestellenhäuschen im Wald vorbei, ich mache also erstmal Pause. Und checke den Regenradar. Sieht so aus, als ob es a) in Summe länger dauert und b) ich eine Regenlücke erwischen könnte. Weil es bisher die ganze Zeit schöner war als in der App vorhergesagt und der Himmel recht freundlich aussieht fahre ich weiter, sobald es nur noch nieselt. Schließlich wartet am Ziel der Whirlpool auf mich… Naja, war wohl zu früh: fünf Minuten später bin ich durchnässt (die Regenjacke hilft nur mittel), es sind noch 30km, einen Unterstand gibt es nicht und ich kann nicht erkennen, wie lange es noch so doll regnen wird. Ist jetzt auch schon egal, ich fahre weiter. Warm ist mir noch.
Zweimal fahre ich falsch, weil ich nicht glauben kann, dass diese matschigen Wege und Wiesen der offizielle Fahrradweg sind. Aber, doch…
Nach 10km ist der Regen vorbei. Hinter mir ist es noch sehr dunkel, rechts donnert es, links weiß man nicht. Aber nach vorne: Sonne. Ich hole die Handys und mich aus unseren triefenden Regenhüllen und wir rollen durch die grüne Landschaft.
Mit einer Stunde Vorsprung vor Malte komme ich an unserer Luxus-Unterkunft für die Nacht an. Hatte mich bei der Planung sehr angesprochen und zur Halbzeit, fand ich, kann man sich ja auch mal was gönnen.
Kaffee, Sachen zum Trocknen aufhängen, Radklamotten waschen.
Dann ist Malte da. Mit dem Rad in der (Regional-)Bahn durch die halbe Republik ist auch ermüdend.
Den Abend verbringen wir im Whirlpool auf dem Balkon, mit Blick ins Tal. Ich unterbreche die alkoholfreie Fahrt mal wieder, dem bereitgestellten Secco kann ich nicht widerstehen. Ja, es ist so dekadent und gut, wie ich es mir vorgestellt habe. Ob das Durchsprudeln nun ein adäquater Ersatz zum Dehnen ist (ich glaube schon…) wird der nächste Tag zeigen.
📋166 km | 1730 HM | 25 Grad, meist sonnig, dann Regen, dann klarts wieder auf
Tag 4 | Altenbeken – Eystrup (NI)
Der Morgen ist trüb und wolkenverhangen. Um 7 Uhr sitzen wir auf dem Rad, heute mit Armlingen UND Longsleeve. 11 Grad sind frisch.
Ich bin durchaus stolz, dass ich abends nicht total fertig ankomme, keinen Muskelkater habe und mich „rund“ bewege. Aber beim Erstrampeln der ersten Hügel melden sich die Oberschenkel vielleicht doch ein klitzekleines bisschen.
Ein – mal wieder nicht vorhergesagter – Schauer macht uns kurz vor Lemgo ziemlich nass. Wir trocknen, wärmen und stärken uns in einer Bäckerei, während Malte noch einen Arbeitstermin wahrnimmt.
Regenfrei geht es danach weiter, der Himmel klart im Lauf des Tages auf.
Es ist nochmal ein Apothekenstopp notwendig, der nicht mehr ganz so dicke Stich juckt jetzt lokal, ich brauche Fenistiltropfen…
Dann folgen wir für gute 80 Kilometer der Weser. Hier sind bedeutend weniger Campingplätze als am Main, dafür ein paar Radfahrer mehr.
Am Nachmittag setzen wir mit einer solarbetriebenen Personenfähre über, es ist wirklich hochidyllisch. Auch die Landschaft und die Dörfer, durch die wir fahren. An den hübschen Klinkerfassaden hängen immer wieder Zielscheiben. Wir lernen, dass wir in Schützenvereinsgebiet unterwegs sind und der Schützenkönig (die Schützenkönigin auch?) seine Siegerscheibe feierlich ans Haus genagelt bekommt – und dann Bier ausgeben muss. Aha.
Maltes „aber wir fahren dann schon gemütlich, oder?“-Frage vor der Tour habe ich bejaht. Beim Zusammenfahren stellen wir fest, dass wir unterschiedliches damit meinen… Malte hatte mit weniger Kaffee und Kuchen-Stopps gerechnet, ich nicht damit, dass sein besseres und auf sportlich-schnelles Fahren ausgelegtes Fahrrad doch so einen Unterschied zu meinem Allround-Treter macht.
Heute habe ich tatsächlich das Bedürfnis mich zu dehnen.
📋154 km | 940 HM | 21 Grad, trüb, ab mittags schön(er)
Tag 5 | Eystrup – Sankt Margarethen (SH)
Es viel gerade aus, nennenswerte Steigungen gibt’s nicht. Ich lenke mich mit philosophischen Überlegungen ab: Nicht nur beim Radfahren ist es mir lieber, wenn es mal hoch, mal runter geht und damit auch langsam und schnell im Wechsel kommen, als wenn es immer gleich(tönig) vor sich hinplätschert. Vor allem, weil das auch anstrengend ist. Wenn ich eine gewisse Geschwindigkeit halten möchte, dann muss ich durchgängig treten. Die bergab-Entspannungsmomente fehlen mir.
Dafür genieße ich die Sonne.
Von Rotenburg (Bäckerstopp, klar) bis Stade (schlechtester Burger meines Lebens) begleitet uns Stefan, ein Radkumpel von Malte. Er kommt mit dem Rennrad und radelt auch wieder heim, das ergibt in Summe 198 gefahrene Kilometer. Optimale Tagesnutzung, würde ich sagen.
Es gibt kaum (Gegen-)Wind und es läuft – es macht richtig Spaß, auch in der Ebene.
Reetgedeckte Dächer sind südlich der Elbe noch selten, dafür gibt’s jetzt schon mal einen Deich, der uns lange den Blick auf den Fluss versperrt.
Die Elbe ist ordentlich voll und das Wasser braun. Bevor wir übersetzen, müssen wir bei Wischhafen noch über eine Klappbrücke für Fußgänger und Radfahrer. Nach den Fährzeiten hatte ich geschaut, die Brücke hatte ich nicht als Problem eingestuft. Tja, grobe Fehleinschätzung. Die ist ganze 8 Stunden pro Woche befahrbar/nutzbar… Eigentlich sollte das gar nicht als Weg in den Fahrradkarten eingezeichnet sein, finde ich.
Wir machen also Picknick auf dem Deich, schön ist es ja schon. Dann zurück und zur nächsten Brücke, das ergibt 15 zusätzliche Kilometer. Der Laune kann das heute nichts anhaben. Und wenn, dann hätte das Vorbeiradeln an der langen Autowarteschlange gleich wieder für Besserung gesorgt.
An der Fähre gibt es Fischbrötchen, aber ich habe leider gar keinen Hunger. Auch nicht auf der anderen Elbseite. Tragisch. Muss ich noch nachholen.
Die letzten Kilometer ab Glückstadt rollt es sich auf dem Platten-Deichweg nicht mehr so gut und außerdem schmerzen Oberschenkel und Hintern jetzt doch, Ankommen ist eine Wohltat.
Ausruhen ist nicht, wir sind mit einem anderen Freund von Malte zum Abendessen verabredet. Die einzige Lokalität in dem Ort ist eine Raucherkneipe, nehme ich in Kauf, weil der Name Klön-Eck für meine süddeutschen Ohren so wunderbar authentisch klingt. Wir sind erstaunt, dass wir bei der Frage nach alkoholfreiem Bier nicht rausgeworfen werden. Es gibt welches und wir werden weiter freundlich bedient.
Thies hat vor wenigen Wochen eine deutlich krassere Tour absolviert als wir. Er hat sich einen langjährigen Traum erfüllt und ist das Race across Germany mitgefahren – von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen an einem Wochenende (in seinem Fall: 70 Stunden). Ich bewundere ihn vor allem dafür, dass er 600 Kilometer lang Gegenwind ertragen hat. Vom Fahren (fast) ohne Schlaf mal ganz abgesehen.
Freundlich waren heute nicht alle, zum ersten Mal (dafür gleich mehrfach) wurden wir angeraunzt, wie man den so rowdyhaft fahren kann. Ja, wir sind definitiv schneller unterwegs als die meisten und mit den Biobikes extrem in der Unterzahl, aber das war an den anderen Tagen auch so. Hmmm.
Ein weiteres erstes Mal gab es. Wegen einer Baustellengesperrten Straße (das war nicht das erste/einzige Mal!) müssen wir anhalten und wenden. Was genau passiert ist weiß ich auch nicht, aber ich verliere beim Rad wenden im Stehen das Gleichgewicht, komme nicht aus der Klickpedale und falle einfach um. Das Rad logischerweise auch – auf mich. Passiert ist bis auf eine (weitere) Schürfwunde nichts.
📋176 km | 530 HM | 24 Grad (gefühlt noch wärmer) und Sonne
Tag 6 | Sankt Margarethen – Schleswig
Noch ein erstes Mal: Ich habe schlecht geschlafen und wild geträumt, die Anstrengung macht sich doch bemerkbar. An den Trauminhalt kann ich mich nicht erinnern, sicherlich bin ich (auch) Fahrrad gefahren.
Anstelle von sonnigem Abschlusswetter gibt es norddeutsches Klischee-Wetter – es ist trüb und regnerisch. Aus meiner Tag2-Erfahrung und weil der Regenradar bisher selten gestimmt hat, bin ich für früh losfahren, auch wenn es nochmal regnen soll. Malte würde lieber abwarten, steigt aber bei überraschend warmen 16 Grad mit aufs Rad.
Schon nach ein paar Kilometern sitzen wir im Bushäuschen. Richtig regnen will es nicht, richtig aufhören auch nicht. Ein paar Kilometer weiter, am Schleusenhäuschen am Nord-Ostsee-Kanal pausieren wir nochmal. Die Fähre macht sich übersetzbereit, der Schrankenmann fragt, ob wir mitwollen. Ach ja, wird ja nicht besser. Wir entscheiden uns also zu radeln.
Malte findet es ist Regen, ich würde es noch Nieseln nennen. Auf jeden Fall ist es weniger als das dunkelblaue große Feld aus dem Regenradar, glücklicherweise.
Zuerst fahren wir über den erstaunlich guten Plattenweg direkt am Kanal und ich staune über den dicken Tanker, der sich da durchs Festland schiebt. Passt in meinem Kopf nicht so zusammen.
Dann folgt viel Fahren auf der Straße, mal mit, mal ohne Fahrradweg. Nicht so schlimm, der Verkehr ist dünn.
Zum zweiten Frühstück sind wir bei Maltes Mutter und die Klamotten können trocknen.
Auch danach bleibt es trüb. Ohne größere Anstrengung fahren wir das Hügelchen zum nächsten Ort hoch und ich muss schmunzeln, als Malte erzählt, dass er früher nicht immer Lust auf „den Berg“ hatte und ihn gerne mal umfahren hat.
Malte treibt mich an und zack, sind wir in Schleswig. Das Wetter lädt so gar nicht zum Sprung ins Wasser ein, dabei hatte ich mir das immer so schön ausgemalt. Schade.
Ich freue mich, dass wir angekommen sind. Dass ich alle Kilometer radeln konnte, dass wir unfallfrei unterwegs waren. Wieder haben wir weder Hunger noch Durst, es gibt also keine Zeremonie.
Das Hotelzimmer ist schon eincheckbereit. Es ist ein komisch-gutes Gefühl zu wissen, dass ich die Radklamotten zum letzten Mal ausziehe. Der Hintern und die Muskeln freuen sich. Die Dusche tut gut und der Powernap ist herrlich. Der Nachmittagsregen kommt uns sehr gelegen – wir verpassen gerade gar nichts. Später klart es auf, das Abendessen und das lokale Bier gehen schon wieder draußen.
📋93 km | 370 HM | 21 Grad mit Nieselregen und grau
Zeit, uns und unsere Bikepacking Deutschlandtour zu feiern:
Der Tag danach | Die Hochzeitsfeier
Herrlich, so ein ausgiebiges Hotelfrühstück…
Und dieser wunderbar blaue Himmel und die Sonne. Es ist ein Bilderbuchtag und ich freue mich, dass das Sommerkleid reicht.
Nach verschiedenen Verschönerungsmaßnahmen steigen wir – in den schönen Klamotten – aufs Rad und fahren in den Ortskern. Der Hintern jammert nicht, vielleicht weiß er aber auch, dass es heute keine Herausforderung mehr wird.
Ein To do haben wir, bevor die Hochzeit startet: Das Fischbrötchen! Mit den Füßen im Sand schmeckt es wunderbar.
Bei der Hochzeit feiern wir nicht nur Jan und Julia, sondern natürlich auch ein bisschen uns. Ein wunderschönes Fest und ein toller Abschluss unserer Bikepacking Deutschlandtour.
P.S.: Zurück sind wir nicht geradelt, sondern mit dem Zug gefahren. Bahn und Fahrrad ist ja leider nicht einfachste Thema… Bei mir lief es: Ich bin pünktlich und entspannt in Stuttgart angekommen (einmal Umsteigen in Hamburg). Maltes Rückreise nach Bayreuth war eine Odyssee. Liebe Bahn, so bekommen wir ihn nicht überzeugt…
Spannende Themen!
Ich möchte keinen Beitrag mehr verpassen, bin aber auch zu faul, hier regelmäßig nachzuschauen… Eine E-Mailbenachrichtung bei neuen Posts wäre toll!

1 Comment
Liebe Eli,
danke für den Bericht. Vieles konnte ich nachempfinden und freue mich, dass Du das so gut geschafft hast. Alfred