Vorabnotiz: Eigentlich sollte es in diesem Artikel ausschließlich um die Konnektoren im Gladwell’schen Sinne gehen. Dann hat es mich aber wieder gepackt und es wurde umfangreicher… Ich stelle zunächst seine Grundidee vor und gehe dann auf die Konnektoren ein. Interessiert dich der vorherige Teil nicht, dann scrolle einfach bis zu den Connectors.


Manche Bücher sind einfach besser als andere… Malcom Gladwells Buch Tipping Point (habe ich ja auch schon in den Lesetipps für den Balkon erwähnt) hat mir viele neue Perspektiven darüber aufgezeigt, wie und warum sich Dinge (nicht) bewegen. Die folgende Typologie ist ein Mini-Ausschnitt aus dem Buch.

Er beschreibt drei verschiedene Menschentypen – idealerweise hat man alle Ausprägungen im Freundes- und Familienkreis. Denn sie erledigen mit Freude das, was dir schwer fällt und machen unser Leben dadurch einfacher und besser. Und, wenn sich etwas verändern soll, dann lohnt es sich, sie gemäß ihrer Change-Maker-Eigenschaften einzusezten.

Mavens, die „Auskenner“, sorgen durch Wissen und Ideen für Veränderung

Der bei mir am schwächsten ausgeprägte Tpy. Gladwell beschreibt ihn in etwa so: Mavens sind Menschen, die mit ehrlicher, großer Begeisterung nach Sonderangeboten suchen und sich freuen, wenn sie Geld gespart haben. Sie teilen ihre Spezialwissen gerne, es sind keine Egoisten.

Ich persönlich hasse Vergleiche technischer Details – Mavens gehen darin auf. Als ich mir eine Musikbox kaufen wollte, habe ich tagelang gejammert, dass mich dieser Auswahlprozess stresst. Bis ein Freund meinte: Ich mache das!! Er hat sich voller Begeisterung durchs Internet gewühlt – und ich war hochdankbar, mir nur noch seine drei Vorschläge anschauen zu müssen. Eine Win-Win-Situation fast wie aus dem Lehrbuch 😉

Zu dieser Gruppe zählen außerdem alle, die sich für Innovationen und Technik interessieren und alles lesen, was sie zu ihrem Interessengebiet in die Finger bekommen (egal in welchem Bereich). Darüber denken sie nach und haben tolle Ideen. Ob sie die auch umgesetzt bekommen, das ist eine andere Frage, denn das zwischenmenschlich-soziale ist nicht unbedingt ihre Stärke. Gut also, wenn sie auf andere Typen zählen können.

Salesmen, die „Überzeuger“, begeistern andere für Veränderungen

Die Original-Bezeichnung gefällt mir nicht, das klingt zu sehr nach Staubsaugervertreter. Und das ist hier nicht gemeint.
Es geht um die Menschen, die andere mühelos überzeugen. Die, wenn sie eine Idee vortragen, durch ihr Charisma, ihre Begeisterungsfähigkeit und ihre Empathie ihr(e) Gegenüber mitnehmen.

Die Menschen, bei denen man sofort das Gefühl hat, sie schon immer zu kennen.

Der Maven hat also eine Idee, der Überzeuger kann sie an den Mann bringen, aber – wie erfahren andere davon und mit wem verprobt man die Idee? Da kommen die Konnektoren ins Spiel:

Connectors, die „Verbinder“, ermöglichen Veränderungen durch Netzwerke und Kontakte

Umzug in eine andere Stadt? Ein Konnektor stellt dich proaktiv mehreren Leuten vor, die gern ein Bier mit dir trinken gehen. Die wissen, wo gerade welche Stelle frei ist. Die noch zehn Leute kennen, die das gleiche Hobby haben und dich fix in die entsprechende WhatsApp-Gruppe stecken. Also Menschen, die sich mit Menschen leicht tun und einfach neue Leute kennen lernen und es schaffen lose mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Auch solche, zu denen es nicht unbedingt eine offensichtliche Verbindung gibt. Die sich immer freuen, wenn sich das eigene Netzwerk erweitert und andere von ihren Kontakten profitieren.

Das speist sich intrinsisch aus der Persönlichkeit, die sich durch Neugier, Selbstvertrauen, Empathie und Energie auszeichnet.

Leute, die zu kennen es sich lohnt…

Weißt du, wer deine Konnektoren sind?

Um das herauszufinden schlägt Gladwell eine Übung vor, die ich sehr spannend fand.

Schritt 1: Schreibe die 20-25 wichtigsten Menschen im eigenen Leben auf (Familie ausgenommen). Sowohl die „schon immer“-Konakte als auch diejenigen, mit denen man gerade viel zu tun hat.

Schritt 2: Schreibe hinter jeden Namen, über wen du diese Person kennen gelernt hast.

Und, wie viele unterschiedliche Namen stehen in der zweiten Spalte? Immer wieder die gleichen? Glückwunch, du hast deine Konnektoren gefunden!

Ich habe mein Liste in die Mindmap verwandelt, die über diesem Eintrag steht. Und fand ein paar meiner Erkenntnisse sehr interessant und überraschend.

  • Die Liste ist geschrieben deutlich anders im Vergleich zu meinem „ich mach das mal kurz im Kopf“-Versuch.
  • Manche „Verstrickungen“ sind tiefer bzw. länger als gedacht. À la: wir arbeiten im gleichen Unternehmen, aber das haben wir erst bei einem Abendessen herausgefunden, zu dem eine gemeinsame Nachbarin eingeladen hat, die ich über die Zwischenmiete kenne, welche wiederum durch eine Studienfreundin entstanden ist.
  • Häufig gibt es keine Person, sondern eher einen Ort, an dem ich Leute kennen gelernt habe. Die Clique aus dem Bachelor hat sich quasi schon am ersten Tag gefunden – da ist nicht sooo viel mit „über xy kennen gelernt“. Das geiche gilt für die Freunde, mit denen ich zwei Jahre im gleichen Büro saß.
  • Erstaunlicherweise ist ausgerechnet der Reutlingen-Zweig gut gesprießt. Dabei mochte ich es dort gar nicht besonders. Einen Teil konnte ich nach Stuttgart „transferieren“ und hier ist Doro der wesentliche Hauptkonnektor.
  • Ich habe Nicht-Konnektoren in meinem Freundeskreis. Von einigen Freunden kenne ich überhaupt keine Freunde – sie hingegen meinen Freundeskreis fast komplett. Das war mir auch schon vorher bewusst. Trotzdem war ich überrascht:
  • So viele Dead-Ends! Mehr als erwartet. Denn mir fallen spontan gleich mehrere Freunde ein, die nicht mit ihren Kontakten geizen. Und es gab definitiv weitere Verzweigungen, die aus unterschiedlichen Gründen schon vor oder mit Corona vertrocknet sind. Schade, das sollte sich wieder ändern!
  • Denn der Weg von „Conny? Das ist eine Freundin von Doro“ zu „Conny? Das ist eine meine Kletterfreundinnen“ ist ganz schön lang. Aber umso schöner! Conny ist übrigens die Super-Konnektorin. Bei ihr denke ich mir immer „ach, so fühlt es sich also an, wenn man mit Namen bombardiert wird. Wer war das jetzt noch mal? Ist der Name überhaupt schon mal aufgetaucht?“ Verwirrend und wunderbar!

Und bei dir? Was kam zutage?

P.S.: #teambuilding und #leadership: Du fragst dich, was diese Typologie für dein Team bedeutet? Wird z.B. hier aufgezeigt: https://www.productiveflourishing.com/maven-connector-or-salesperson-whats-your-archetype/

2 Comments

  1. Pingback: Lesetipps für den Balkon – Eli Superschnelli

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