Das wird auch für mich spannend, denn ich habe schon lange nicht mehr auf meine „Vorsätze“-Liste geschaut, die ich wohlweislich direkt nach der Meditation geschrieben habe.

Neue Gewohnheiten benötigen angeblich 42 Tage, bis sie wirklich etabliert sind. Nach 65 Tagen ist die Antwort „kann ich noch nicht sagen, ob das nachhaltig war“ folglich unzulässig.

Also, Butter bei die Fische, los gehts mit der Liste:

  • Morgenroutine: Rückenübungen und 20 min Meditation

Äääähh, ja, … also, das hab ich ein paar Mal gemacht. Die Meditation zumindest. Toll, wie einfach man es 20 Minuten im Schneidersitzt aushält! Aber ich bin längst wieder im wer-früher-zur-Arbeit-geht,-kann-früher-nach-Hause-Modus.

  • Kurze Vor-dem-Schlafen-Meditation: Wie lief der Tag? Bin ich cravings and aversions erlegen? Wo habe ich mit der gebotenen Gelassenheit reagiert?

Was für ein guter Vorsatz! Schade, dass ich ihn SOFORT vergessen habe. Ich sollte noch mal einen Versuch starten.

  • Weniger (auch indirekt) jammern und nur reden, wenn ich auch was zu sagen habe

Die fehlende Lust zu reden hat, zur großen Irritation meiner Freunde, sehr lange angehalten und tut es immer noch (ein bisschen). Sozialkompatibel ist das nicht immer, ist mir aufgefallen.
Zur Normalisierung hat ein Redeintensivtraining – in Form von vier Tagen Messedienst – überdurchschnittlich beigetragen.

Jammervermeidung habe ich nach wie vor im Kopf und glaube, es läuft ganz gut. Nicht verbessert hat sich meine seit Monaten anhaltende Tendenz, erst mal von einem Negativ-Szenario auszugehen, wenn ich mir Szenen und Interaktionen ausmale. Das gefällt mir gar nicht. Hat hier jemand Tipps?

  • Schluss mit Plastikverpackungen und (Billig-)Fleisch!

Das hat für noch mehr Verwunderung im Freundeskreis gesorgt – und ist die spürbarste Veränderung. „Ich bin Vegetarier“ bekomme ich nicht über die Lippen, aber ich esse vegetarisch. Außer zu Anlässen wie dem Gansessen, das ich vor 15 Monaten (!!) bei 31 Grad mojitotrinkend reserviert habe. Und manchmal unfreiwillig, durch schlichtes Vergessen des Fleischlos-Vorsatzes – da standen die Maultaschen schon dampfend vor mir. Eine Kollegin fängt das Lachen an, und zwar nicht wegen meines bedröppelten Gesichts, sondern: ausgerechnet Maultaschen! Die heißen hier auch „Herrgottsbscheißerle„, denn die findigen Schwaben haben an den Fastentagen das Fleisch einfach ein bisschen mehr im Essen versteckt…

Plastikfreie(re)s Einkaufen ist gar nicht so schwer. Aus Stoff- und Fliegengitterresten und alten Kordeln (100% Upcycling!) habe ich Säckchen für trockene Lebensmittel (Unverpackt-Laden) und Obst und Gemsüse genäht (Weihnachtsgeschenktipp?!).
Relativ weit ist auch das Projekt „Plastikfreies Bad“. Shampoo ist durch eine Haarseife ersetzt, Abschminkflüssigkeit und Wattepads durch ein spezielles waschbares Mikrofasertuch und ich denke über selbstgemachtes Waschmittel nach. Es geht langsam – weil ja nachhaltigerweise erst alles aufgebraucht werden muss. Hier ist Anja mein Vorbild. Sie hat konsequent 1,5 Jahre lang jeden Tag hellgrünen Lidschatten getragen … bis das Döschen leer war.
Über plastikfreies Leben habe ich viel gesprochen und fast jeder hat noch ein paar andere Tricks und Tipps auf Lager. Probiert es selber mal aus.

  • (noch mehr) Sachen loswerden!

Check! Ausgemistet habe ich. Die drei Packungen Lasagneplatten, die Bratapfelmilchreismischung und auch der Eierlikör* wurden in den letzten Wochen konsequent verkocht. Von ~ 30 Kleidungsstücken, die ich bei Kleiderkreisel eingestellt habe (doch, das ist viel Arbeit) ist ein gutes Drittel verkauft. Zwei Kisten mit Kleiderbügeln, Büchern und Standardklamotten sind in Windeseile aus der „Zu verschenken“-Kiste vor der Haustür verschwunden. Und die Kaffeemühle hat auch einen neuen Besitzer gefunden.

*auf dem Titelfoto präsentiert sich mein Eierlikörparfait

  • Regelmäßig essen und das Snacken lassen

Hier ist die Antwort ein klares: JEIN!
Bei meinem leckeren Overnight Oats/Bircher Müsli-Frühstück** funktioniert es dank stillen Weckers (heißt: meine Uhr vibriert) mit der Regelmäßigkeit gut.

** Ich werfe am Abend Haferflocken in ein Schraublas und füge frisches oder tiefgefrorenes Obst, Nüsse nach Belieben und je nach Laune Zimt, Kakao, Ingwer, Honig und Lein- oder Flohsamen dazu, fülle wahlweise mit Milch, Wasser oder Joghurt auf, schraube es zu und schüttle. Die Nacht verbringt es im Kühlschrank und das Schwierigste ist, am Morgen dran zu denken, das Glas mitzunehmen.

Nicht nach 19 Uhr Essen funktioniert so gut wie nie. Ich koche wieder mehr und führe mich somit selbst in Versuchung. Und im Büro hat die Snackerei fatale Ausmaße angenommen, seit wir 300 Ritter-Sport-Minitafeln aufessen „müssen“. Das ist schon nahtlos in die Plätzchensaison übergegangen… Wird wohl ein Neujahrsvorsatz.

Fazit?!

Für 6 Personen sind 1,5 Bleche Zwiebelkuchen mit 1,5 Kilo Zwiebeln gut bemessen – das reicht theoretisch für ein Resteessen am nächsten Tag.

Es ist, wie ich mir das schon zu Beginn dachte: Vipassana selbst hat wenig Spuren bei mir hinterlassen. Für die Schweigeerfahrung bin ich sehr dankbar – alles weitere sind aber eher „Umstände“ als Meditationsergebnisse. Dann kann ich nächstes Jahr ja wieder wandern gehen!