„Und, ist es jetzt sehr schlimm für dich, dass Doro ausgezogen ist?“, wurde ich in den letzten Wochen häufig gefragt. Und zur großen Überraschung fast aller, antworte ich mit „nein“.

Als die Kollegen und ich Anfang Juli die Nachricht bekommen haben, dass wir verkauft wurden, und das Unternehmen und die Marke nicht mehr bestehen, habe ich tagelang geheult.

Diese Diskrepanz hat mich dazu gebracht, mich mit meinem Umgang mit Abschieden und Veränderungen auseinander zu setzen. Und wenn ich verschiedene Beispiele aus den letzten Jahren betrachte, dann läuft es darauf hinaus:

Ich kann gut mit allem umgehen, was angekündigt ist. Unerwartete Veränderungen sind es, die mich (kurz, aber) heftig aus der Bahn werfen.

Eine weitere, aber deutlich unwichtigere Komponente ist, wie ich die Veränderung beurteile. Klar, je besser sie mir gefällt, desto einfacher. Je unbeliebter, desto doofer. Wenn sie sich außerhalb meines direkten Einflussbereiches ereignen kann ich sie nur akzeptieren und das Beste draus machen.

Doro sprach schon vor mehr als einem Jahr von ihren Ideen für die Zukunft. Die konkreten Pläne für ihren Einsatz in Athen habe ich von Anfang an mitbekommen, mich darüber gefreut und sie aktiv unterstützt. Ich hatte also auch jede Menge Zeit, mich an den Gedanken zu gewöhnen. Durch Nachmietersuche und Umzugsorganisation war ich außerdem gezwungen, mich aktiv mit der Veränderung auseinander zu setzen.
Doro kann nicht mehr meine weltbeste Mitbewohnerin sein, aber sie ist nicht aus der Welt und ich freue mich schon darauf, an ihren Erlebnissen teilhaben zu können/dürfen – und sie in Athen zu besuchen! Dass ich jetzt immer noch in Stuttgart bin ist halt ein bisschen doof für mich – aber auch selbstgewählt. Also nichts, worüber ich mich beschweren kann und will.

Wenn aber ein Teil meiner Welt plötzlich zusammen fällt, dann trifft mich das ganz anders. Besonders deutlich wird das auch bei unerwarten Todesfällen – im Vergleich zu denen, die sich z.B. durch eine Krankheit, im (Unter?)Bewusstsein schon viel weiter in den Bereich des Möglichen vorgeschoben haben.

Oder eben dieser – für uns – sehr überraschende Verkauf der Firma. Von heute auf morgen waren die Kollegen weg, meine Arbeit der letzten Monate für die Tonne und zudem auch noch mein Weltbild in Bezug auf Familienunternehmen sehr angekratzt.

Und dann ist es ja auch nicht immer fair. Während die Kollegen vom Hauptsitz keine Wahl hatten, konnte ich mich zwischem neuen Eigentümer und altem Mutterkonzern entscheiden. Nach einigem Tagen inneren Ringens blieb es beim alten Arbeitsort und dem früheren Arbeitgeber. Zwischen der Entscheidung und erstem Arbeitstag dort lagen (aufgrund von lang geplantem Urlaub) 10 Tage. Die wiederum haben ausgereicht, um mich daran zu gewöhnen und mit (halbwegs) offenem Kopf neu zu starten. Auch, alles soweit zu verdauen, dass ich zumindest über in paar Punkte sprechen konnte, und wollte.

Verdaut und abgeschlossen sind die Ereignisse der letzten Monate noch nicht so richtig, das spüre ich. Die verschiedenen Phasen der Trauer lassen sich nicht überspringen. Deswegen ist die richtige Antwort auf die Frage nach Doros Auszug vielleicht auch doch „jein“, denn ich vermisse sie.