Hui, das wird aber schnell frisch! Und zudem bin ich körperlich völlig erschöpft. Ich will mich hinlegen… Also wird schon während des Sonnenuntergangs Zähne geputzt – das wertet den Sonnenuntergang nicht ab, das Zähneputzen jedoch auf. Und dann mache ich eben früh „das Licht aus“ und bin gespannt auf die Nacht unter offenem Himmel…

Was ist hier los?

Es war vor ein paar Monaten. Das lange Osterwochenende steht vor der Tür und die Temperaturen sollen sommerlich werden. Trotz ein paar fixer Tremine musste also Zeit für „draußen“ sein. Ich habe mich für 60 km Wandern in zwei Tagen auf der schwäbischen Alb entschieden.

Und zwischen den Wandertagen wo übernachten?

Natürlich hätte ich mir auch ein Gästehaus oder Hotel nehmen können. Damit wäre aber der Planungsaufwand gestiegen und ich weniger flexibel gewesen. Statt dessen habe ich mich entschieden zu biwakieren. Also eine Übernachtung draußen, ohne Zelt. Ich brauchte also eine Isomatte, Schlafsack, die warme Daunenjacke, genügend Wasser (auch zum Waschen und Zähneputzen) und Abendessen. Das passt alles locker mit in den 30 Liter Rucksack.

Und wie war es?

Mir stecken die 40 gewanderten Kilometer des Tages in den Knochen. Die Füße wollen nicht mehr. Die Lunge tut weh, die reche Kniebeuge und die vorderen Unterschenkel.

Da es ja doch schnell frisch wird, bin ich bis kurz vor Sonnenuntergang gelaufen. Natürlich meldet sich sofort der Hunger. Da es auf der Strecke (am Karfreitag) keine Einkehrmöglichkeit gab, muss ich doch auf meine Notration zurück greifen. Das Brötchen mit Erdnussbutter wird noch mit Apfelschreiben verfeinert – war ein Experiment, gar nicht so schlecht!

Es geht los mit dem Sonnenuntergang und umgehend wird es merklich kälter. Also fix die verbleibenden Schichten aus dem Rucksack gefischt und mich nachtfertig machen.

Und hach, wie schön es ist, im warmen Schlafsack zu liegen! Die Muskeln entspannen sich. Sofort ist das Leben wieder viel entspannter. Um mich herum höre ich nichts. Nur den Wind. Meine Stirnlampe hatte ich nicht gebraucht. Als die Sonne verschwindet, geht ein anderes Licht an. Der Mond steht glutrot am Horizont.

In der Nacht (immer noch keine Geräusche) steigt er weiter auf, verliert an Farbe, aber bleibt hell. Fast wie die Straßenlampe vor meinem Schlafzimmer zu Hause. Ich schlafe, wenn auch mit mehreren Unterbrechungen, sehr gut.

Am Morgen muss ich mich zwingen, den Sonnenaufgang wirklich anzuschauen. Mir fallen immer noch die Augen zu. Also noch mal kurz gedöst und dann – aufstehen! Ich habe ja wieder viel vor. Die Füße schlüpfen glücklich und schmwerzfrei in die Wanderschuhe, immer wieder faszinierend, was Schlaf so alles kann. Der Schlafsack nicht mal taunass – ich rolle also alles zusammen und 20 Minuten später ist es, als ob ich nie dagewesen wäre…

Das wird nicht mein letztes Mal gewesen sein.

Darf man das?

Nun ja, es ist rechtliche Grauzone. Zelten ist grundsätzlich verboten, wo es nicht explizit erlaubt ist (also quasi überall). Lagern – ohne Zelt, nur mit Biwaksack oder Tarp – wird anders behandelt (je nach Bundesland, Region und Person, die einen findet). Völlig klar: im Naturschutzgebiet darf man auf keinen Fall übernachten. Auch nicht auf Privatgrund ohne Einverständnis. Einen Unterschied macht es auch, wie weit man von der Zivilisation entfernt ist. Ansonsten habe ich mich bei meiner Übernachtungsplatzwahl gefragt: Wer könnte etwas dagegen haben, dass ich hier übernachte? Warum? Wird hier jemand vorbei kommen? Wenn ja, wer und warum? Bin ich hier aus anderen Gründen gefährdet? Ist das ein Ort an dem Wildwechsel wahrscheinlich ist? Wie wird das Wetter und wie ist mein Notfallplan? Ich hatte es nicht vor, aber für Lagerfeuer und/oder Kochpläne kommen natürlich noch ein paar mehr Fragen hinzu.
Wenn man mit seinen Antworten zufrieden ist und dann auch noch einen ebenen Untergrund gefunden hat (nicht so einfach!) – kanns losgehen!

Die Bergfreunde haben einen ausführlicheren Artikel zum Thema Wildcampen verfasst.