Die letzten beiden Tage Indien! Wie konnte das so schnell gehen? Es ist eine gute Stadt für Trennungsschmerz und Abreisefreude. Entspannt und schön, aber indisch genug, für Kopfschütteln und von-den-Tuktukfahrern genervt sein. Hier zwei Beispiele, dass man fast alles so oder so sehen kann:

War heute morgen zum Fotografieren am Strand und es kamen mir jede Menge Inder in Shorts (ich bin indianisiert genug, um den Anblick ein bisschen lächerlich zu finden), Turnschuhen und hochgezogenen Socken entgegen. Joggen habe ich fast niemanden sehen, aber armschwingend und hüftkreisend standen sie da mit Blick aufs Meer.

Kochi setzt sich aus verschiedenen Teilen auf dem Festland und Inseln zusammen. Als Tourist hält man sich weitgehend in Fort Kochi und in Jew Town auf. Da hält sich der Verkehr in Grenzen und es gibt schöne Kolonialgebäude – hier waren erst die Portugiesen und später die Holländer, es hat Flair!

Außerdem ist gerade Biennale. Ich war im Hauptgebäude (ein koloniales Anwesen) und sehr beeindruckt. Zum ersten Mal war hier eine Frau die Chefin und sie hat dafür gesorgt, dass die Hälfte der ausstellenden Künstler weiblich sind. Da es thematisch um Missstände in der Gesellschaft geht, fielen viele Arbeiten demtentsprechend bedrückend aus.

Am besten gefallen hat mir Jew Town. Kleine Straßen (Wohngebiet) mit bunten Häusern, freundlichen bunt gekleideten Menschen, grünen Palmen und zwischendrin nette Cafés. I like!

Auf dem Weg zum Flughafen gab es im Bus dann noch zwei Kopfschüttel-Erlebnisse.
Szene 1: Ich habe mein modernes Ticket (mit aufgedrucktem Fahrpreis und Fahrtziel) natürlich regulär bekommen. Eine halbe Stunde später steigt der Kontrollkontrolleur hinzu und überprüft noch mal alle Tickets. Das war nicht das erste Mal und habe deshalb gelernt auf den Papierfetzen aufzupassen. Aber was soll das? ABM? Versuch der Korruptionsbekämpfung?
Szene 2: Mit meinen zwei Rucksäcken, Frühstücks-Idli-Beutel und Wasserflasche habe ich es im gepäckablagenfreien Bus nicht geschafft, mein Geraffel ausschließlich auf einem Sitz zu halten. Kommt ein Inder und fordert mich auf, den Platz für ihn frei zu machen. Er bedeutet mir, dass ich den Rucksack an einen anderen Platz stellen soll (meinem Empfinden nach einer anderen Frau auf den Schoß, aber ich bin mir sicher, da haben wir ein kulturell bedingt unterschiedliches Verständnis von „Platz“ – vor allem, wenn es zu seinem Vorteil ist). Er weigert sich jedoch, mir zu helfen (das ist so typisch! (Hier ist mein Aufregepart)). Und da ich mich weigere, unnötig das geschichtete Gepäck anzufassen, gewinne ich. Denn Inder streiten sich ja nicht. Und ein anderer Inder nutzt die Gunst der Stunde und setzt sich. Für indische Verhältnisse war da nämlich noch sehr viel Platz.

Kochi Empfehlungen:

  • Seafood bzw Fisch waren sowohl im Oceanos als auch im Fusion Bay grandios.
  • In Jew Town gibts nicht so viele Unterkünfte, aber Adams Wood Guesthouse wurde mir empfohlen. War leider ausgebucht, wäre aber meine Wahl gewesen
  • Gewürze alle in den Bergen kaufen. Kochi ist VIEL teurer.