So, das wars mit Indien.

Bereue ich, hierher gekommen zu sein? Nein!

Würde ich es wieder machen? Unter den gleichen Rahmenbedingungen, ja! Aber Indien wird mich vermutlich nicht nochmal sehen. Außer der Himalaya. Dahin will ich zurück bzw. auch die indische Seite erkunden. Und mit dem Wissen von jetzt würde ich Rajasthan weglassen und nur in den Süden fahren. Theoretisch, denn praktisch träte vermutlich der Everest Basecamp-Effekt ein und ich hätte das Gefühl, die Reise wäre sonst nicht komplett.

Was werde ich vermissen? Die Ananas (So saftig und süß, das man den Mittelstrunk einfach mitisst (ist ja auch weich)) und Obst allgemein. Und das Zugfahren. Schüchtern-strahlend von den Mädchen in Schuluniform und mit Affenschaukelzöpfen angelächelt werden. Keralas freundliche Menschen. Die Farben überall (v.a. die Saris). Palmen und Kokosnüsse. Nicht zu wissen, welcher Wochentag ist. Keine Socken und langen Ärmel.

Was werde ich nicht vermissen? Das allgemeine Spucken, Schlurfen, Rotzen und Schmatzen. 5 Stunden Busfahrt mit Ganzseitenkörperkontakt zur Nebenfrau. Abgase, Müll und Verkehr. Ausdruckslos angestarrt werden. Angelogen werden. Mit den Fingern essen (kann ich mittlerweileaber passabel). Huckelstraßen, Hupen, verrückte Busfahrer. Zu sehen, wie viele Menschen sehr wenig tun.

Bei den Kühen bin ich mir noch nicht ganz sicher. Aber ich glaube, sie zählen zu „nicht vermissen“.

Was hat mich überrascht? Indien ist sicher. Eigentlich hat mich das nicht überrascht, aber nach euren Reaktionen auf meine Reisepläne fühle ich mich genötigt, das so explizit zu erwähnen. Ich wurde nicht vergewaltigt und hatte (bis auf eine sehr harmlose) auch keine komischen Situationen. Auch sonst war alles sicher, ich hab wie immer mein Zeug überall liegen lassen und auch im Zug mein Gepäck nicht angekettet, etc. Alles was fehlt, hab ich selbt aktiv verloren (Kabel stecken lassen, …) Wirklich überraschend: Ich habe viel weniger Armut und Bettler gesehen als erwartet (habe aber, das ist mir sehr bewusst, seltenst das „richtige“ Indien erlebt). Andere Reisende zu treffen war schwerer als erwartet. Und: Durchfalllos durch Indien – damit habe ich wirklich nicht gerechnet!

Hab ich was gelernt? Mich sicher im regellosen Straßenverkehr zu bewegen. Mit den Fingern (nur die rechte Hand, natürlich!) zu essen. Geduld glaube ich leider nicht. Punjabitänze, falls ich mal auf eine Hochzeit muss ;). Vegetarisch lebt es sich in Indien leichter.
Indisch Kochen habe ich übrigens NICHT gelernt.

Was muss sich nach dem Urlaub ändern? Zuckerentzug. Wieder normale Portionen essen. Und vermutlich muss ich mir Kompromissbereitschaft wieder antrainieren. Ich fand es hervorragend (und sehr entspannt mit mir selbst) ohne Disskusionen und Wartezeit einfach zu entscheiden (machen!) :). Ich befürchte, dass der Alkoholkonsum (ist hier an vielen Orten nicht einfach verfügbar – außerdem sind diese superleckeren Säfte eine top-Alternative) nicht auf diesem niedrigen Niveau bleibt…

Worauf freue ich mich? Endlich wieder anzuziehen was ich möchte (oh, die Malediven sind muslimisch und in Deutschland ist noch Winter. Mist.) Nicht mehr schwitzen. Von Menschen umgeben zu sein, die denken und Dinge nicht einfach hinnehmen, sondern mit/durchdenken und eine Meinung haben. Die Meinung gesagt zu bekommen! Nicht-stinkende Klamotten. Blütenreine Bettwäsche.

Und ich freue mich auf euch!