Immer wieder gibt es die Gedanken, Beobachtungen, Szenen, die bemerkenswert sind, aber nicht so recht in die Beiträge passen. Deswegen hier als lockere, unzusammenhängende, unsortierte Folge:

 Toiletten. Ich habe mich so lange davor gedrückt, den Absatz zu formulieren, wie ich mir teilweise den Toilettengang verkneife. Weil es oft keine gibt / die Schlange kang ist / es schon aus der Entfernung deutlich unangenehm riecht. Natürlich gab es auch das Gegenteil. In manchen hätte man vom Boden essen können. Mit der Hocktoilette (im Prinzip eine in den Boden eingelassene Schüssel mit zwei geriffelten Fußpositionierern) habe ich keine Probleme. Und Toilettenpapier wird zum ständigen Begleiter. Wobei ich auch die Brausen ausprobiert habe, die die Inder benutzen. Hierfür (genauso wie für Sex, das ist ja auch schmutzig) wird ausschließlich die linke Hand verwendet.
So, jetzt aber das big picture: V.S. Naipaul lässt sich in seinem Indienbuch von 1966 seitenlang darüber aus, wie es sein kann, dass die Menschen ausnahmslos alle und überall einfach da ihr Geschäft wo sie das Bedürnis überkommt und das zum anderen gar nicht sehen/wahrnehmen. Er kommt zum Ergebnis, dass Inder in der Hinsicht hoch selektiv wahrnehmen. Alles, was „unrein“ ist wird einfach nicht wahrgenommen/verdrängt. Deshalb ist auch der Müll überall kein Problem. Er existiert in der indischen Wahrnehmung nicht. Das hat sich aber durchaus geändert. Modi (der indische Präsident – will in ein paar Monaten wiedergewählt werden) hat 2014 Wahlkampf damit gemacht, dass jedes Haus eine Toilette bekommen soll (man stelle sich zur Erheiterung kurz Angela Merkel mit einer Toiletten-Wahlkampfrede vor). Davon ist es noch weit entfernt, aber z.B. in Rajasthan standen tatsächlich an sehr vielen Straßenecken und Bahnsteigen Urinale. Die Bahngleise waren/sind ein indischer Lieblingsort für Erleichterungen. In seinem Landeskundebuch schrieb Imhalsy 2015, dass eine grundsätzliche „Umerziehung“ notwendig ist, um die Inder dazu zu bewegen, überhaupt Toiletten – vor allem die im eigenen Haus – zu benutzen. Warum den schönen Raum mit so etwas dreckigem verschmutzen, wenn man doch vor der Haustür die offene Abwasserrinne/hinter dem Haus ein Feld/ neben dem Haus einen Flecken freie Fläche hat (hab ich alles gesehen. Aber nicht oft. Und meist Kinder). Ich erinnere auch kurz an meinen Pondicherry-Eintrag. Und er schreibt, dass 44% der Schulen in Rajasthan keine Mädchentoilette haben. Also müssen sie raus ins Gebüsch, wo sie wiederum leicht Opfer sexueller Übergriffe werden. Also trinken die Mädels zu wenig und verkneifen sich den Klogang. Das kann dann über die Jahre zu chronischen Problemen z.B. in den Harnleitern führen. Und spätestens dann gehen die Mädchen nicht mehr zur Schule…
Was ich schreibe, kann man hier auch noch mal in einem 3-Minuten Video sehen. Oder als 12-Minuten Reportage von der Deutschen Welle.

Straßenszene in Bikaner

Die Inder trennen gerne englische Worte. Sea food ist ja noch einfach, aber bei break fast und bar be que habe ich länger gebraucht :D.

In den nicht vorab buchbaren Bussen herrscht oft unvorgeschriebene Geschlechtertrennung (außer man ist als Paar unterwegs). Der vordere Teil gehört den Frauen, die hinteren Reihen sind männerbesetzt. In den übers Internet buchbaren Bussen (z.B. Sleeperbusse privater Gesellschaften) kann ich sehen, welches Geschlecht auf dem verkauften Platz sitzen wird. Und werde als erster Buchungsschritt gefragt, ob ich wirklich einen Platz neben einem Mann möchte.

Irgendwann habe ich beschlossen, dass Strommasten einfach zu Indien gehören, und Mülleimer so eine  Seltenheitswert haben, dass sie nicht – wie ich es sonst tun würde – zwangsläufig aus der Fotokomposition ausgeschlossen werden.

Die „Kuh-Dichte“ hat gegen Süden übrigens stark abgenommen (da gibts eher Ziegen). Und ich habe zwischenzeitlich herausgefunden, dass viele der heiligen Straßenkühe übrigens doch einen (inoffiziellen?) Besitzer haben. Von denen werden sie abends gefüttert, gemolken und sie haben einen festen Schlafplatz (der auch die Straße vor dem Haus sein kann). Wenn sie sterben werden sie je nach Religiösität und Wohlstand/Armut der Besitzer auch gegessen. Das erklärt dann auch, warum einige wirklich wohlgenährt und gut gepflegt aussehen. Nicht alle, wohlgemerkt, es sind auch offensichtlich kranke und sehr abgemagerte Kühe unterwegs. Die Gesamtzahl ist sicherlich beeindruckend, ich weiß sie aber nicht. Dafür habe ich in den letzten Monaten ein paar Kuh-Fotos gesammelt: