Auf dem Weg von Kanyakumari (zugegeben, ich musste schon wieder nachschauen, wie es heißt) nach Trivandrum haben wir die Staatsgrenze von Tamil Nadu nach Kerala überquert. Und zack – sieht es so aus, wie ich mir Kerala vorgestellt habe. Palmen, Hügel, Wasser, und alles SEHR grün.

Trivandrum ist Keralas Hauptstadt, der Name wurde von den Briten so abgekürzt, eigentlich heißt sie Thiruvananthapuram. Habe ich mir nicht angeschaut, sondern erst mal 9 Stunden geschlafen. Und bin dann sofort mit meinem Roller (den ich mir am Stadtrand gemietet habe, die Stadthölle muss nicht sein) losgetuckert Richtung Ponmudi. Das ist am Rande der Western Ghats (Hill Station kann man nicht so richtig sagen obwohl auf immerhin 1000 Metern). Hatte mich ja auf kühle Luft gefreut, musste aber lernen, dass es zu dieser Jahreszeit nur abends kalt ist (angeblich -2 Grad in der letzten Nacht). Ich habe geschwitzt ohne Ende, bin dann aber natürlich trotzdem zum Gipfel gewandert. Berge!!!!

Auf dem Weg habe ich wieder die Hauptstraßen gemieden und bin durch sehr schöne Ecken gekommen. Aufgefallen ist auch hier, dass Indien einfach durchweg bevölkert ist. Musste zwischendurch pinkeln, aber immer war ein Haus in Sicht oder Menschen waren unterwegs.

Und, hach, die Menschen! Eine Lächelquote von 100%!! Oft wurde ich sogar initiativ angelächelt (der gemeine Nordinder schaut einen ausdruckslos an). Dabei haben sie sich weniger über meine Anwesenheit, sondern über mein Transportmittel gefreut – ich war die Heldin! Und dann war es so, wie es Reisen sein soll. Ich habe irgendwo angehalten, um einen Chai zu trinken. Dann habe ich nebenan Bananen gekauft. Und während ich die aß, machte der Bananenmann ein Getränk für einen anderen Kunden aus undefinierbaren Zutaten. Wollte ich natürlich auch haben. Und, wow! Es war ein Supershake! Frisches Obst und Nüsse gestampft, mit süßer Kondensmilch, eingeweichten Chia-Samen (glaube ich), Zuckersirup, Boost-Pulver (3x more Stamina! ist der Slogan, der auf der Packung steht) und ein Schluck Wasser. Alles verrührt, 35 Cent von mir kassiert und wir waren beide glücklich.

Glücklich war ich auch mit meinem Homestay für die Nacht. Wunderschön am Arsch der Welt gelegen (natürlich trotzdem mit Tempel- und Kirchenbeschallung) und ich wurde mit saftigem Obst und leckerem Essen gefüttert.

Der zweite Tag war etwas ernüchternder. Immer noch sehr viel Winken und Hellos und Lächeln, das Neyyar-Reservat war aber ganz schön runter gekommen. Mit der Anzahl der anwesenden Mitarbeiter könnte man (nach deutschen Maßstäben) das Areal durchaus in Schuss halten… War dann nicht so traurig, dass ich das Boot zur Löwensafari (ist auf einer Insel) verpasst habe.

Der See jedoch und die Landschaft außenrum waren wunderschön! Dort ist auch ein Yoga-Camp – wenn ich das nicht immer noch doof finden würde, könnte ich hier durchaus ein paar Wochen verbringen.

Am Nachmittag war ich trotz allem froh, den Roller wieder abzugeben. Mir hat der Hintern weh getan!