Pondy, wie die Stadt liebevoll genannt wird (offiziell heißt sie seit 2006 Puducherry), stand erst gar nicht auf meinem Plan. Das hat sich nach meiner Lektüre von Life of Pi, auf Deutsch Schiffbruch mit Tiger, von Yann Martel vor ein paar Wochen geändert – das Buch beginnt dort. Und ich hatte Lust auf Croissants. Und Meeresbrise.

Die Stadt war bis 1953 für fast 400 Jahre französische Kolonie. Es gibt immer noch sehr viele Franzosen hier, das konnte ich im Austausch mit den guten Bäckereien & Cafés gerade so akzeptieren :).

Meinen Seelenfrieden haben eine Schüssel Gazpacho (Olivenöl! Gemüse! Knoblauch! Dazu gutes Baguette!) und ein gemieteter Roller wieder hergestellt. Ja, ich bin im Stadtverkehr gefahren! Konnte mein theoretisches Wissen jetzt also in die Praxis umsetzen. Und… es ist anstrengend… Dafür habe ich wunderschöne (leere) Nebenstraßen gefunden. Es hat viel Spaß gemacht.

Neben Fisch und Croissants (sprich: Essen) besucht man hier den Sri Aurobindo Ashram (ganz schön klein) und fährt mit dem Roller die 10 km nach Auroville, das 1968 als Modellstadt gegründet wurde. Idee: den idealen Ort für den idealen Menschen zu schaffen. Also friedvolles Zusammenleben unabhängig von Religion/Herkunft, ideale Förderung von Begabungen, Aufgabe von Privatbesitz etc. Hat natürlich nicht geklappt, es sind schließlich Menschen beteiligt. Den Matrimandir, die goldene Kuppel, ist das, was man sich auf diesem weitläufigen Gelände als Besucher (von außen) anschauen kann. Das Setting ist tatsächlich sehr sehr schön und friedlich.

In seiner ersten Schule bekommt Piscine in Life of Pi den Spitznamen „Pissing“. In den indischen Häppchen folgt noch ein ausführlicherer Kommentar zum Thema „Toilette“ – und der wäre ohne Pondy positiver ausgefallen. Bin in der Stadt unversehens in die „Pissing Street“ geraten – während ich entlang gelaufen bin, sind bestimmt 10 Männer auf ihren Motorrädern gekommen, abgestiegen und haben in die Kanäle am Straßenrand gepinkelt und sind wieder weiter gefahren. Und an den Stränden konnte man diverse Männer beobachten, wie sie am Strand hockten und nach erledigtem Geschäft die betroffenen Körperregionen mit Meerwasser bespritzten.

Den Zoo hat Yann Martel erfunden, aber den botanischen Garten gibt es wirklich. Und die Strandpromenade. Und das Indian Coffee House. Und die Schule Petit Seminaire. Der „schöne“/französische Teil der Stadt ist so übersichtlich, dass man quasi aus Versehen über diese Orte stolpert.

Und tatsächlich ist es, wenn man in den ruhigen, kleinen Straßen in der „Weißen Stadt“ ist, sehr schön. Aber französische Riviera-Feeling, wie der Reise Know-How es der Stadt andichtet… Ähm, ganz so dann doch nicht!

Pondy-Tipps:

  • Café des Arts fürs Gazpacho und Mint-Zimt-Lassi. Oder was anderes, ist eine kleine Oase
  • Das Gebäck im Baker Street war phänomenal
  • am Paradise Beach sind am Weg entland mehrere Seafood Shacks – das ist bestimmt sehr lecker (ich war zum Sonnenaufgang da – deswegen nur die Vermutung)
  • wenn man schmunzeln möchte ist das Pondicherry Museum sehr zu empfehlen