(Ups, ich hänge ganz schön hinterher. Die Texte sind weniger das Problem, aber ich hab so wenig Lust, meine Fotos zu verarbeiten (hab noch nicht mal alle aus Goa durchgeschaut – unten ist eine recht random-Auswahl…) und dann muss der (Kack-)Wordpress-Uploader mitmachen und es muss W-Lan geben, das mit 10 Bildern klar kommt… Alles nicht so einfach! :))

Ich zitiere eine WhatsApp-Nachricht, die ich 24 Stunden nach Ankunft in Arembol verschickt habe: „Goa… das Wasser hat die perfekte Temperatur und ist sauber, der Sand ist fein – aber man hat es schon schöner gesehen. Abgesehen davon gibt es jede Speisekarte auch auf russisch und ein guter Teil der Inder geht in Klamotten baden. Ich bin glücklich, weil es warm ist und Bikinis (und kurze Hosen abseits des Strands) hier aufgrund des hohen Ausländeranteils „erlaubt“ sind. Es stehen aber immer wieder indische (Männer)Gruppen herum, die das Gesamtbild nicht fassen können.“

Im Norden Goas (übrigens der kleinste Bundesstaat Indiens) ist mehr los als im Süden, es gibt die Partystrände, Russenstrände, indische Mittelschicht-Strände und Arembol – angeblich der, der noch am meisten vom früheren Hippiefeeling hat. Es hat mich sehr ans Midburn erinnert.

Und wenn ich als Tier wiedergeboren werde, dann möchte ich arambolesischer (!) Strandhund in diesem Pack am mittleren Strandabschnitt sein. Mit all den urlaubenden, meditationsentspannten Menschen wurden die gestreichelt, es wurde mit ihnen gespielt, oder schlimmstenfalls freundlich ignoriert. Abkühlung im Wasser ist jederzeit möglich und wenn alles zu langweilig wird, inszeniert man kurz einen Showfight mit den Nachbartrupps. Dann kann man sich wieder halb in den Sand unter eine Liege einbuddeln oder sich zu den Meditierenden mit auf die Yogamatte legen. Gut, oder?!

Eine Woche hätte ich hier nicht bleiben müssen, dafür war es eigentlich zu laut, aber auch faszinierend. Man kann sich hier sehr gut beschäftigen. Ständig macht irgendjemand irgendwo alleine oder in Gruppen Yoga (ich habe wieder festgestellt: ich mag es nicht), abends gibt es mehrere Konzerte in den Kneipen zur Auswahl, während ich da war fand das Tantra- und ein Yoga-Festival statt, gefolgt dann von Shakti und Painting, … Viermal in der Woche kann man abends unter dem Banyan Tree Ecstatic Dance ausüben. Das musste ich mir natürlich anschauen. Nach dem wir geatmet haben und uns gegenseitig wahrgenommen haben, konnte es dann losgehen. Ich war in nicht besonders ekstatischer Stimmung, aber die tief gebräunten Yogalehrer(innen), Dreadlock-Hippies, Möchtegern-Sadhus und den Typ im Metallica-T-Shirt beim Tanzen zu beobachten, war spannend genug. Übrigens: no drugs, no alcohol ist dort die policy, denn beides beeinflusst den energetischen Fluss negativ, der Körper kann das viel besser ohne, wenn man ihn lässt.

Ich bin lieber Joggen gegangen. Im Norden am 5,5 km langen Strand, im Süden auch im Hinterland. Heute habe ich beim Joggen eine Kuh erschreckt. Sie trottete gedankenverloren vor sich hin. Dann kam ich urplötzlich angehechelt und -getrampelt. Da hat sie einen Satz gemacht. Das hat mich so erschreckt, dass ich auch einen Satz gemacht habe. Dann haben wir beschlossen, dass wir keine Gefahr füreinander sind und jeder ist in seinem Tempo weiter gezogen.

Kühe gibts hier insgesamt nicht so viele, dafür aber Kirchen!
Die Portugiesen haben bei ihrer Missionierung ganze Arbeit geleistet (sie hatten aber auch ein paar Jahrhunderte Zeit). Mit den Kirchen gehen auch Kippen einher. Die sind teilweise größer und besser ausgestattet als die Behausungen mancher Menschen. Da hätten sich auch Maria und Josef nicht beschweren können.

Als ich durch die Straßen von Arambol gelaufen bin und aus einem Bus ein ganzer Haufen Schulkinder in braunen Uniformen gequollen ist, fragte ich mich, wie das wohl für die Kinder ist, die hier mit den ganzen (fast) nackten Touristen aufwachsen. Wann merken die, dass Goa nicht Indien ist? Und was finden sie besser/richtiger? Weiß nicht mehr, mit wem ich drüber gesprochen habe, aber wir kamen zu dem Ergebnis, dass es vielleicht doch nicht so fremd ist. Die weißen Touristen sind einfach ein halbjährlich anwesender Fremdkörper, vor dem man sich im Straßenverkehr besonders in Acht nehmen muss. Ansonsten sind die Einwohner- und Touriwelten räumlich und kulturell doch ziemlich getrennt.

Insgesamt muss ich sagen, dass ich dieses grün-dschungelige Hinterland viel schöner fand als die Strände. Und den Süden viel schöner als den Norden. Im Norden war ich mit Roni, einem Israeli, und seinem Motorrad auf Erkundungstour und von Patnem aus habe ich mir einen Roller gemietet und bin bis Chandor gedüst. Das war so schön.

Der Strand in Arembol ist gepflastert mit Restaurants und Shops, viele von denen ziemlich leer (die Hälfte hätte locker gereicht). Habe erfahren, dass die Tourizahlen im Vergleich zum Vorjahr um 30% eingebrochen sind. Alle, die vor 3 oder 4 Jahren schon mal da waren, waren wiederum schockiert, wie sehr alles explodiert ist… In meiner Unterkunft in Patnem haben sich die Angestellten auch ganz schön gelangweilt.

Angesichts dieser in die Palmenhaine hineingebauten Häuser musste ich erst mal death by coconut in goa googlen. Da kam nichts sinnvolles. Scheint also sicher zu sein :).

Goa-Tipps:

  • in Panjim sollte man auf jeden Fall ein paar Stunden verbringen, ich fand die Altstadt pittoresk
  • Palolem ist zwar auch recht busy gewesen, aber das Cozy Nook am Nordende des Strands lag noch recht alleine und die Hütten sahen sehr gemütlich aus. Und das Essen ist super.
  • Hier wird tatsächlich Sonntagskleidung zum Kirchgang getragen. Lässt sich gut beobachten, wenn man Sonntags in den Dörfern unterwegs ist.
  • Benaulim Beach wirkte auch recht beschaulich und ruhig (der Rentnerstrand, glaube ich). Ebenfalls lang, breit und fest genug, um zu Joggen 🙂