Jaja, ich hab mir schon genug anhören müssen, warum ich mir den Quatsch ausgedacht habe, statt einfach von Udaipur nach Goa zu fliegen… (weil ich doch nicht auf einem innerindischen Flug umsteige und der Flughafen in Goa auch ganz schön weit vom Strand entfernt ist und ich dann nicht meinen Kurz-Mumbai Trip hätte machen können – deshalb).

Also, ich bin 16,5 Stunden Zug von Udaipur nach Mumbai gefahren. Abends los, Ankunft am nächsten Mittag um 13 Uhr. Die einzige Klasse, in der noch was frei war, war Sleeper. Das ist bei den Studi-Backpackern der Standard, weil unglaublich günstig (das Ticket hat 6 Euro gekostet). Und bei den Indern. Es gibt diverse Nachteile (Dreier-Stockbetten, das mittlere wird tagsüber runtergeklappt – es kommt mir immer so vor, als ob da mehr Menschen als Betten sind – alles nicht so selbstbestimmt – keine Vorhänge und keine Bettsachen …). Ich hatte aber Glück: tatsächlich waren alle anderen in unserem 6er-Käfig Frauen und Kinder. In diesem Männerland keinesweges selbstverständlich, aber so viel angenehmer! Und tatsächlich ging die Fahrt recht schnell rum (ich empfehle Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ in nicht-so-gut-schlaf-Nächten. Das regt Träume an!).

Wollte die ganzen Megacitys auslassen, aber nachdem ich gerade ein mich sehr begeisterndes Buch (Sacred Games von Vikram Chandras) gelesen habe, das in Mumbai spielt, musste ich eine Ausnahme machen. War aber zu schlecht vorbereitet, als das ich eine wirkliche Sacred Games-Tour hätte machen können. Sehr schade.

Mein Plan war, mit dem Taxi vom Ankunftsbahnhof die 15 km zum anderen Bahnhof zu fahren (easy! check! nur eine Stunde Fahrtzeit!), wo abends mein Zug weiter nach Goa gehen sollte (ich war wieder mal auf der Warteliste), dort den Rucksack in einem Hotel zwischenzulagern (nerv! aber check!) und dann die Stadt zu erkunden.

Ich war nur im Touribereich großzügig ums Gate of India unterwegs, aber:

  • es gibt Bürgersteige! Es hat Spaß (!) gemacht, dort einfach loszulaufen
  • es war sauber!
  • der Vekehr war sehr zivilisiert! (für indische Verhältnisse)
  • Was natürlich nicht heißt, dass nicht gehupt wurde. Und von Fernsicht konnte man angesichts des Smogs nicht sprechen. Was ein bisschen schade ist, denn diese Verbindung von Meer, Kolonialhäusern und Hochhäusern hätte bestimmt schöne Bilder ergeben.

Dann ist allerdings etwas unfassbares passiert. Zum ersten Mal habe keinen Platz im Zug bekommen (erklär ich mal separat, wie das funktoniert). Ich war mir so sicher. Aber tja, da stand ich also. Bleiben wollte ich nicht. Busverfügbarkeiten gecheckt: alle doof. Doch noch mal nach Zügen in unterschiedlichen Bahnhofskombis geschaut und … da gab es den Zug, der um 1:10 los fahren sollte und noch 3 freie Plätze in der 2AC (meine Lieblingsklasse) hatte. BUCHEN!

Habe noch ein paar Stunden in einem hervorragenden Fischlokal verbracht und dann … musste ich aber halt doch mitten in der Nacht wieder ein Taxi zum 15 km entfernten Bahnhof (nein, ein anderer!) nehmen. Da kommen offensichtlich nicht so oft Ausländer vorbei – so bin ich noch nie angestarrt worden.

Endlich wurde der Zug bereit gestellt. Wir sind alle eingestiegen, ich habe ein paar Sätze mit meinen sehr netten Abteilnachbarn gewechselt. Und dann sind wir nicht losgefahren. Gerade, als das Bett soweit gerichtet war, kam ein Schaffner und erklärte, dass was mit der Lok nicht stimmt. Wir müssen aussteigen, die muss getauscht werden. Wurde mir sofort von meinen Nachbarn übersetzt, ich war dankbar und wusste, die würden bis zur Ankunft auf mich aufpassen. Also saßen wir gegen 2 Uhr morgens wieder alle auf unseren Koffern am Bahnsteig. Ich habe meine zwei ersten Indien-Ratten (abgesehen vom Tempel, dafür aber doppelt so groß) und die erste Indien-Kakerlake gesehen bis der Zug dann irgendwann wieder einrollte. Wir sind wieder eingestiegen und nicht sofort losgefahren. Es war defintiv nach halb vier und die Abfahrt habe ich selig schlafend nicht mehr mitbekommen.

Es wurde nicht besser mit der Verspätung und nach einem durchlesenem Tag waren wir um 16:30 in Thivim (es folgte noch eine Stunde Taxifahrt, immerhin 25 km, bis zum Strand).

Damit hatte ich nicht gerechnet und hatte dementsprechend auch kein Essen dabei (außer einer Frühstücknotration Kekse). Gut, dass immer wieder Chai und Essen vorbei laufen! Ich musste nicht hungern.

Ein neues Lieblingsessen war dabei, leider weiß ich den Namen (noch) nicht. Und natürlich wurde es mir in Zeitungspapier eingerollt übergeben. Ich war schon fast fertig mit Essen, als ich bemerkt habe, dass auf der Seite ein Artikel über die vielen Toten, die das (abgeschaffte) Kastenwesen immer noch fordert steht. Wollte ich lesen, aber dann waren wir auf einmal/endlich da und das fettige Papier hab ich dann doch nicht mitgenommen…

Das waren 47 Stunden on the road für 1.300 Kilometer.