Meine Flucht aus Jaisalmer war auch insofern gut, als dass ich gleich am Morgen mit einem schmatzenden Iren und einem schnarchenden Ami auf Kamelsafari konnte. Abgesehen von den genannten Eigenschaften waren die drei Tage und zwei Nächte mit den beiden wirklich schön. Abschnittsweise kamen auch immer noch andere Leute dazu, es war sehr vielfältig. Was man von der Tharwüste jetzt nicht so sagen kann. Leider ist es meinen Augen auch gar keine „richtige“ Wüste, weil da noch Bäume und Strommasten wachsen. Mit viel Bewässerung wird (im Winter) sogar Grünzeug, Oliven, Senf und Baumwolle angebaut. Unsere Camps waren aber ganz gut gelegen, so dass man das ausblenden konnte. Nur mit Sterneschauen nachts war mal wieder nichts, denn … es war Vollmond. Dafür hat man keine Stirnlampe gebraucht, auch gut!

Angeli, mein Kamel, und ich haben uns gut vertragen. Kamele sind super. Bestimmt vergesse ich es wieder, aber es sind meine neuen Lieblingstiere. Sie schauen lustig, sie stehen lustig da, sie falten sich lustig, und sobald sie ein bisschen getrunken haben, fangen sie gleichzeitig auch das pinkeln an. Die Bewegungen sind sehr grazil und es ist bestimmt anstrengend, den Kopf immer so hoch zu halten. Außerdem sehen die gar nicht, wo sie hintreten. Enstpannt rumliegen können sie aber auch gut.

Das beste jedoch war: diese Stille. Kein Hupen, keine Motoren, (fast) keine jaulenden Hunde, keine Musik aus schlechten Lautsprechern. Nur wir. Und die Glöckchen von den Kamelen.

Und ich muss noch mal kurz auf meine Mitreisenden eingehen. Emmett arbeitet von Mai bis September bei der irischen Variante von Langnese und fährt Eis aus. Das restliche Jahr reist er. Finde ich verrückt, dasss das so funktioniert, aber macht das schon ein paar Jahre. Chris ist in Oregon aufgewachsen, dann aber nach Alaska gezogen und hat Fisch-Biologie (keine Ahnung, wie das auf Deutsch richtig heißt) studiert und gearbeitet. Sie hatten im Labor mal einen Tintenfisch namens Eli (die Bucht, in der sie ihn gefunden haben hieß Eli-irgendwas), der ist 8 geworden, das ist ganz gut für einen Tintenfisch. Nicht so gut ist, dass Eli sich gern mit Krebsen angelegt hat, dabe aber unblicherweise verloren und deswegen nur noch sechs Arme hatte… Seinen Helikopterflugschein hat Chris auf Hawaii gemacht („a nice change from Alaska and not so far away“) und jetzt, mit 40, macht er einen Master in Anthropologie in Hong Kong. Seine Geschichten waren alle gut.

Bikaner war danach den Tagen erst mal ein Schock, aber es war bei weitem nicht die verrücksteste Stadt bisher. Ich bin wieder viel gelaufen. Die herausragende Sehenswürdigkeit ist aber außerhalb, der Rattentempel in Deshnok. Wem so ein Vieh über die Füße läuft ist besonders gesegnet und wer die weiße (Albino-)Ratte sieht, hat noch mehr Glück als der Rest. Beides negativ. Ohoh. Mehr wusste ich vorher ja auch nicht, und ich muss sagen: so schlimm wars nicht. Die Ratten sind klein, so viele sinds auch nicht, und die haben sich mehr für das Futter interessiert als für die Besucher. Die Taube-kackt-einem-auf-den-Kopf-Gefahr war viel höher, als den Ratten zu nahe zu kommen. Ah, und hab ich erwähnt, dass man – wie bei jedem Tempel – natürlich vorher die Schuhe ausgezogen hat?

In dem Reisebericht, den ich gerade lese, regt sich der Autor ein bisschen über die Integrationsversuche der „Reisemädchen“, wie er sie nennt, auf. In Indien gibt es für Touristen seiner Meinung nach keine Integration. Da stimme ich ihm zu (und bin bisschen froh um meine Parallelwelt). Als ich aber zusammen mit den ganzen Indern (und ihren Rollern) noch unter den gerade mit Gewalt geschlossenen Bahnschranken durch bin, hab ich mich aber doch integriert gefühlt. Gedankengang: die Züge sind langsam. Wenn ich ihn nicht sehe, muss er noch weit genug weg sein. Die Züge sind lang. Wenn ich hinter der Schranke bleibe, stehe ich jetzt 15 Minuten (ein Zug kommt außerdem selten allein) in der Tuktuk-Abgas-Sardinenbüchse.

Und dann war auch noch Heiligabend. Im Guesthouse (wunderschön!) haben die Gäste abends alle zusammen gegessen. Die Spanier hatten sich Tortilla gewünscht, die gabs dann zum restlichen indischen Menü. Super! Einen „Happy Birthday“-Weihnachtskuchen gabs auch noch, genauso wie auf einmal ein Blinkeblinke-Christbaum aufgetaucht ist. Es war eher nicht besinnlich, aber sehr süß.

Euch auch allen noch: Frohe Weihnachten!

Bikaner Empfehlungen

  • Übernachten im Tanisha Heritage Haveli!
  • Zum Rattentempel nach Deshnok fahren! Wer nicht selbst Plastiküberzieher mitbringt, kann auch dort welche bekommen
  • Das Fort mochte ich auch gerne, da ist man so durchgewuselt
  • Mit der Kamelsafari bin ich unentschlossen. Vielleicht wäre Jaisalmer doch der bessere Ort dafür gewesen. Und ich kann Vijays Agentur (Camel Man) nicht uneingeschränkt empfehlen. Weiß aber auch nicht, wie der Rest ist… Aber machen sollte man eine