jaja, das hat die rajasthanische Marketingabteilung hervorragend gemacht, es kommen noch mehr Farben! In Jaisalmer habe ich gelernt, dass, der Staat vor Jahrhunderten aus mehr als 500 Königreichen bestand, die sich mehr oder weniger gut verstanden. Bis daraus der indische „Staat der Könige“ – Rajasthan – wurde, dauerte es noch bis 1949.

In kurz: auch hier gibt es eine Festung. Das Besondere: Die Gesamtbevölkerung lebte darin. Heute sind es ca. 3000 Menschen plus zahlreiche Hotels. Deshalb hat sich die Stadt zum einen in die sich flach ausstreckende Tharwüste ergossen und zum anderen verfällt das Fort sehr schnell, da es für die Wassermassen, die heute darin verbraucht werden, nicht ausgelegt ist. In Jaisalmer fällt auch mal 7 Jahre kein Regen, hat mir der Audioguide gesagt.

Die Stadt leuchtet durch den Sandstein in der Sonne tatsächlich golden. Für indische Verhältnisse ist hier kein Verkehr und alles wirkt sehr friedlich. Trotzdem habe ich mich nicht wohlgefühlt. Zum einen war meine Guesthouse-Wahl unglücklich (klang nach Traveller-Spot, war es aber nicht. Schlechtes Essen gab es dafür), zum anderen hatte ich das Touriproblem. Es gibt sehr viele Touristen in der Stadt, westlich wie indisch. Also prinzipiell entspannt, gäbe es nicht für jeden Touri auch mindestens einen Jaisalmeri mit Souvenir/Kleidung/Schmuck-Shop. Und jeder will deinen Namen und deine Nationalität wissen. Man sollte hier kreativ werden, aber selbst dann wird es noch vor dem Ende des Tages sehr anstrengend. 

Also habe ich am Morgen (nach dem Fort-Besuch – das hatte ich in Jodhpur ausgelassen, dafür jetzt hier. Guter Audioguide!) ein Busticket für den Nachmittag gekauft. Und vorher mit mir gerungen – warum ich mich eigentlich selber so stresse und nach 24 Stunden schon wieder die Flucht ergreife. Ich könnte ja auch einfach das Guesthouse wechseln. Und nicht in die Altstadt gehen. Die Flucht-Eli hat gewonnen und: sobald ich das Ticket in der Hand hatte, ging es mir besser. Ich war wieder entspannt. Ich konnte wieder lächeln.

Und hatte dann noch fanstastische Stunden: nach einem frisches-Obst-mit-Joghurt-und-Müsli-Mittagessen habe ich mich von einem Tuktuk nach Bada Bagh bringen lassen. Dort wird jedem verstorbenen (männlichen) Königsfamilienmitglied ein Denkmal in der Wüste gesetzt. Dafür ist der Enkel verantwortlich und zwar zu dem Zeitpunkt, wenn er heiratet. Die Frauen des Verstorbenen ist übrigens (bis die Briten das verboten haben) bei seiner Verbrennung mit ins Feuer gestiegen – damit sie gemeinsam ins nächste Leben/Himmel/(was haben die Moslems?) gehen können. Da hat der Audioguide-Satz am Morgen vor einer Göttinnenstatue auf einmal einen ganz anderen Sinn ergeben. Da hieß es „und die verheirateten Frauen bitten sie um ein langes Leben ihres Gatten“. …

Eigentlich auf der Suche nach einem Snack vor der Busfahrt bin ich dann noch in einen Kleidershop geraten. Ich wollte mir ja auch noch eine bunte indische Reisealltagskombi zulegen – und hier hingen schöne Sachen, dann stellt sich heraus, dass der Verkäufer richtig gut Englisch spricht und dann saß auch noch ein älterer Kanadier im Laden, der mit sehr viel Ruhe und Gesprächen einen Stoff für eine Tischdecke ausgesucht hat. Wir drei hatten viel Spaß – und ich freu mich schon aufs Premieretragen meines neues Outfits. Das war eine wunderbare Stunde in diesem Laden.

Die Lebens-Gestressten und die Reisenden möchten sich vielleicht noch diese TED-Talk über die Kunst des Innehaltens anschauen 🙂 – The art of stillness