Also, man spricht die Stadt Ámdabad aus, sie ist 6 Mio Einwohner groß und die Hauptstadt des Bundesstaats Gujarats, welcher – wie schon erwähnt – der einzige in Indien ist, in dem Alkohol verboten ist.

Zwischen den Hochzeitsparts und am Tag danach war noch etwas Zeit, die Stadt bzw. das Umland anzuschauen. Sanket hatte für uns ein Auto + Fahrer für die ganze Woche gebucht – da waren die außenliegenden Ziele interessanter, vor allem auch, weil Tobias so gar keine Lust hatte, sich dem indischen Verkehr auch nur annäherungsweise zu Fuß zu nähern…

Am Flughafen hatte ich ein Riesenplakat gesehen, dass Ahmedabad die erste indische (Alt-)Stadt ist, die UNESCO Weltkulturerbe geworden ist. Wenn man jetzt etwas ähnliches wie Bamberg erwartet … wird man enttäuscht.

Sehr schön und friedlich war der Sabarmati Ashram, von Ghandi gegründet und von 1915-30 sein Hauptquartier. Es gab tonnenweise Informationen zu dieser Zeit, wir mussten aber doch erst mal Wikipedia bemühen, um das in Kontext zu setzen.

Vom Adalaj Stepwell („Stufenbrunnen“, sehr elaboriert!) haben wir uns die Geschichte nur erzählen lassen, also ohne Gewähr: König A (oder anderer Adelstitel) baut für seine Frau diesen Brunnen, stirbt aber während der Bauzeit. Mogul B (oder anderer Adelstitel) will das Königreich und die Königin. Sie willigt ein ihn zu heiraten, aber erst/nur, wenn der Stufenbrunnen fertig gebaut ist. Deal! Am Fertigstellungstag begeht sie Selbstmord.

Etwas fröhlicher ging es am Akshardham Tempel zu. Das ist eine ganz schön krasse Hindu-Anlage, die erst 1992 fertig gebaut wurde. Da hat der fünfte sprituelle Nachfolger von Lord Swaminarayan eben jenem ein unübersehbares Denkmal gesetzt. Im Obergeschoss wird dessen Leben in 35 großen Ölgemälden und einer Ausstellung sehr bildlich dargestellt. Das ist wirklich auch für die analphabetische Minderheit sehr gut zu verstehen. Der Personenkult, der dort betrieben wird, war beeindruckend.  Und weil man nichts Elektronisches mit reinnehmen darf, konnte auch keiner Fotos mit uns machen! 🙂

Ahmedabad ist sehr untouristisch und man merkt, dass die Leute den Anblick von weißen Menschen nicht gewöhnt sind. Das hat den Vorteil, dass man in Ruhe gelassen wird (keiner lebt davon, den Touris was zu verkaufen), aber dafür mehr angeschaut wird. Und weniger Leute sprechen Englisch.

Vor dem Tempel haben wir tatsächlich zwei weitere Hochzeitsgäste getroffen (und wieder erkannt!), die uns noch den Tipp gegeben haben, den Indroda Nature Park mit Zoo, „Botanischem Garten“ und Dino-Park anzuschauen. Highlight… 🙂

Daran schloss sich das Hochzeitsfinale an. Es waren ungefähr 300 Leute da, die bei diesem Empfang dem Brautpaar gratuliert haben und sich die Bäuche vollgeschlagen haben. Wir wussten nicht, dass es Open Air ist. Da musste ich den guten Eindruck sofort wieder zerstören und doch in meiner Daunenjacke durch die Gegend laufen – die Deutschen haben gefroren. Frage mich schon seit Nepal, wie es sein kann, dass die Nepalis – und in abgeschwächtem Maße auch die Inder – egal ob direkt neben dem Feuer oder am frühen Morgen draußen immer das gleiche Outfit anhaben. Nichts mit An-/Aus-/Umziehen so wie wir es tun. Die Inder wickeln ihren Schal fester oder weniger fest um sich.

Dann war auch der Moment des Abschieds von Thorsten und Tobias schon wieder gekommen, die jetzt noch bis Weihnachten in Sri Lanka den Pool und Bacon zum Frühstück genießen. Ich war sehr sehr sehr froh, dass die beiden da waren. Zum Verarbeiten des Spektakels war der direkte Austausch in einer Sprache, die sonst keiner konnte sehr hilfreich.

Hatte schon ein paar Tage vorher ein Nachtzugticket nach Jodhpur gekauft – war aber auf einem Warteplatz. 14 Stunden vor Abfahrt war ich die erste auf der Liste… Da es mir schon wieder/immer noch nicht gut ging, war mir aber nach „nur raus aus der Stadt“. Bin zum Busbahnhof gefahren und war schockiert. Das waren NICHT die Busse, mit denen ich fahren wollte. Es hat aber nicht lange gedauert, bis mich ein Schlepper gefunden hat und mir ein „luxury bus ticket“ verkaufen wollte. Wir hatten uns gerade geeinigt, das Gefühl war aber mittel. Ich mache die Bahnapp auf, um mein Ticket zu stornieren … und… habe einen Platz! Habe das Busticket umgehend wieder abgegeben und hatte dann auf einmal doch noch einen ganzen Tag zum Sightseeing.

Mehr Tempel und Moscheen (ohne strenge Eingangs/Kleidungskontrolle, übrigens. Haben nur drauf geachtet, dass Frauen nicht IN die Moschee gehen)! Zwischendrin Essen auf der Straße (und Fotos mit allen Anwesenden) und frischgepresster Saft und Kindern beim Drachensteigen zuschauen. War dann doch gut, bin aber völlig erledigt in mein Schlafabteil gekrochen, als der Zug mit nur 10 Minuten Verspätung kam.

Der Lonely Planet sagt in seiner Ahmedabad-Beschreibung, dass es ein wenig dauert bis man den Charme der Stadt entdeckt und man ihr eine Chance geben muss. Habe, finde ich, beides versucht. Finde trozdem nicht, dass die Stadt auf einem reinen Touritripp ins Programm muss. Durch die Hochzeit war das natürlich anders!