TAG 15: GOKYO, 4750 M

Schwach, müde, fühle mich wie ein Strich in der Landschaft. Und warum ist heute der Himmel eigentlich grau statt blau? – Es wurde nichts mit meinem Aussichtsberg. Ich saß am See davor, hab ihn angeschaut, wir haben debattiert und bin dann nur die 10 m auf den Aussichtspunkt gestiegen.

Der restliche Tag? Mit dem Kindle, Apple Pie und Milk Tea auf der Eckbank in der Sonne. Und mit Musik im Ohr.

Bei unserem Startmittagessen in Lukla wusste man genau, wer die Anfänger und wer die Aufhörer waren. Nicht-Huster und Huster ist die Unterscheidung, um die es geht. Die kalte Luft ist der Hauptauslöser. Ich bin sehr stolz, dass ich nicht huste, ABER HALT ALLE ANDEREN!

TAG 16: ÜBER RENJO LA (3. Pass), 5417 M, NACH THAME, ~3750 M

Große Himalaya-Wetter-Expertin die ich bin, war nach gestern ja klar, dass ein Wetterumschwung kommt. Dass der sich in einer einzigen Schneewolke zeigt, ausgerechnet während ich auf dem Pass bin, das konnte ich nicht vorhersehen. Die Sicht war also mittel, es war arschkalt, aber: 3 PASSES GESCHAFFT!! Gemeinsam mit mir waren 5 Kiwis oben, auch aus Kältegründen gabs ein kleines Tänzchen.

Übrigens hab ich bisher mehr Neuseeländer als Deutsche getroffen.

Relativ weit unten stand ich vor einem Haus und habe belächelt, dass um es herum lauter perfekte Christbäume standen. Es ist mir erst eine halbe Stunde später aufgefallen, was eigentlich meine Aufmerksamkeit erregt hat. BÄUME! Ich hab lange keine mehr gesehen! Wir sind wieder unterhalb der Baumgrenze!

In der Lodge wurde auch mit einem Holz-Yakdung-Mix angefeuert. Sowieso war noch in keiner so schön dekoriert wie hier. Und zwischen all den Töpfen und Schüsseln haben sie eine Mikrowelle und eine Friteuse versteckt 🙂

Sowieso war es ein wunderschöner Abend. Clarisse war schon da, die Slowakin vom ersten Pass, ein netter Chinese mit einem noch netteren Guide, ein Paar aus Hamburg und das ergab eine schöne Runde ums Feuer.

Übrigens hab ich auch wieder ein schlechtes Gewissen. Die Guides und Porter sehen für mich leider alle gleich aus. Ich erkenne sie meistens nur in Kombi mit ihren Geführten. Die Guides wiederum kommen häufig und sagen „ich hab dich am Pass gesehen“/“ich hab dich auf Gokyo Ri gesehen“… ich denke mir immer äääähhhhh, ich… weiß nicht… Heißt aber auch: man achtet gegenseitig aufeinander und ich war mir immer sicher, dass ich, sollte ich aus irgendwelchen Gründen am Wegrand sitzen, niemand einfach an mir vorbei gehen würde. Sicher hab ich mich immer gefühlt.

TAG 17: ÜBER NAMCHE, 3440 M, NACH GHAT (wahrscheinlich 2700 M)

Schon die ganzen Wochen habe ich mich gefragt, wer wohl fürs Yakdung-Sammeln verwantortlich ist. Wollte es erst den Kindern als Aufgabe in die Schuhe schieben, musste dann aber selbst erkennen, dass das keinen Sinn macht, es sind nämlich keine Kinder da. Mangels örtlichen Schulen werden die alle nach Indien ins Internat geschickt. Habe nur Kinder bis 3 gesehen und dann wieder 14jährige, die als Porter arbeiten. Und heute habe ich einen alten Mann beim Yakdung-Sammeln gesehen. Rätsel gelöst.

Außerdem habe ich Thars gesehen. Eine dieser Bergziegen stand 20m über mir am Hang. Genau in dem Augenblick, als Internet wieder eingesetzt hat und ich kein Bild machen konnte, weil WhatsApp mein Telefon lahm gelegt hat. Es stand da, hat mich angeschaut, ich stand da, habe es angeschaut. Ich hatte gehofft, es springt gleich cool und lässig davon, aber nein, wir haben „wer zuerst zwinkert, verliert“ gespielt und ich habe verloren. Es kamen dann noch vier von seinen Kumpels vorbei, die haben sich nicht für mich interessiert.

In Thamo saßen Clarisse und ich auf der Terasse unterhalb des Klosters, haben Tee getrunken und mit dem Eigentümer gequatscht. Das war wunderbar. Und überall die selben Gesprächsthemen. Er baut jetzt Äpfel an und versucht sich nächstes Jahr auch an Kiwi – für Saft und zum Export. Dann erzählte er auch, dass sie vor 10 Jahren gut und gerne einen Meter Schnee über den Winter hatten, das jetzt aber vorbei ist. „Vielleicht bauen wir in 20 Jahren hier Reis an, haha“.

In Namche haben wir uns getrennt, ich habe zu Mittag gegessen und dann den Eli Superschnelli-Modus angeworfen und bin bis 1 Stunde vor Lukla abgestiegen. Das war schön – es waren kaum Touristen unterwegs (eh deutlich weniger los jetzt und dann war es auch schon spät) und auch die Porter und mule trains wurden deutlich weniger. Oft genug geht es mir ja so, dass ich mich auf dem Rückweg frage, ob ich hier schon mal war. Diesmal nicht. So viele Ecken waren mit „ach ja, hier haben wir das Foto gemacht“, „da haben wir Tsampa Porridge gegessen“, „hier hat Grant diesen Witz gemacht“ gekennzeichnet, das war sehr schön. Und ich habe die (unbeladenen) Porter überholt (machhe). Ha!

In Ghat hatte ich die Lodge für mich und: eine heiße Dusche… Die erste Dusche seit Tag 6. So fühlen sich meine Haare also an?!

TAG 18, 01.12.2018: NACH LUKLA 2860 M UND FLUG NACH KATHMANDU

Am Morgen fix nach Lukla aufgestiegen und war um halb 8 am Flughafen. Mein Rükflug hatte ich ja für den 04. gebucht. Ich wusste, dass umbuchen kein Problem ist, aber ob es halt für den gleichen Morgen klappt, war ein Glücksspiel.

In meiner Unwissenheit hatte ich von zu Hause den spätesten Flug um 10:30 reserviert – dachte, ich würde ausschlafen wollen und so… Ha! Da wusste ich ja noch nicht, dass a) die Wahrscheinlichkeit, dass die frühen Flüge noch rausgehen und die späteren nicht mehr, ganz schön hoch ist und b), dass der Himalaya-Rhythmus vorsieht, dass man spätestens um 20 Uhr im Bett ist (weil dann nicht mehr geheizt wird und es zu kalt wird) und man somit auch nicht ausschlafen muss. Wobei man natürlich auch keine Nacht durchschläft.

In short: ich kam verschwitzt an, ging zum Schalter und es hieß „warte kurz hier“. Es hat genau eine Milk Tea Länge gedauert, bis ich eingecheckt (juhuuuu!) und damit mein Gepäck weg war. Dann saß ich – ohne Wechselklamotten – allerdings noch knapp 2 Stunden frierend im Wartebereich. Wenn ich noch krank werde, dann wegen meiner eigenen Dummheit. Nun ja. Unser Flieger war der letzte, aber er hat uns sicher und mit wunderbarem Himalaya-Panorama zurück nach Kathmandu gebracht. Zur nächsten heißen Dusche.

Und jetzt?!

Gibts für euch ein Video vom Start in Lukla (im Flieger fühlt es sich an wie ein normaler Start, keine Sorge) und ein Bild.

Ich muss mir jetzt wieder abtrainieren, in jedes Getränk zwei Löffel Zucker zu schaufeln. Zu Hause wird der Zucker nur zum Backen benutzt, hier habe ich glaube ich ein Pfund verbraucht in den letzten Wochen…

Bin ich also gesund, schmerzfrei, blasenfrei und glücklich wieder in der abgasverseuchten Stadt. Freue mich, dass es nicht mehr so kalt ist, vermisse aber schon, dass man außer den Yak- und Pferdeglocken, dem Wind, dem Gesang der gefrorenen Seen und dem eigenen Atmen nichts hört.

War Haareschneiden. Bin mir noch nicht so sicher… (habe Jan zum Abendessen getroffen. Er hat sich rasieren lassen – das sieht jetzt auch komisch aus :)) Pedi- und Maniküre war ein Traum! Nur leider kann man wegen des ganzen Mülls und Pfützen und so hier einfach keine offenen Schuhe anziehen. Und die Hoffnung, dass sich die 20 Grad hier nach der Kälte eher wie 25 anfühlen, hat sich auch nicht bestätigt. Ich bleibe bei der Daunenjacke!

Werde morgen Kathmandu Sightseeing machen und mal sehen, wie ich die Zeit bis zur Hochzeit fülle. Mir schwebt Tagebuch schreiben und Fotos sortieren in Pokhara vor (dann gibts auch Fotos für euch) – mit Blick auf den See, ein Stück Kuchen und Masala Tea (mit Zucker :)) neben mir. Vielleicht eine kleine Wanderung. Dann über Land nach Varanasi und mit dem Flieger nach Ahmadabad. Vielleicht. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Start in Lukla

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Abschied von den Bergen…

Und ganz besonders Grüße an meine Cousins Bernd und Uwe!